Morbius – Wie Sony das Pferd von hinten aufzieht und warum es so eine gute Idee ist

Am 31. März ist es endlich so weit. Mit Morbius läuft nach mehreren Verzögerungen der neueste Teil von Sony’s Spider-Man Universe bei uns an. Und wieder einmal erwartet uns ein Film, der gar nichts mit Spider-Man zu tun hat, sondern eigentlich mit einem seiner Gegenspieler. Ein interessanter, aber auch bisher sehr erfolgreicher Ansatz. Warum das so eine gute Idee ist, erklären wir euch hier.

 

Gestatten? Dr. Michael Morbius

Aber klären wir doch erstmal, mit wem wir es überhaupt zu tun haben. Anders als Sonys anderes Marvel-Zugpferd Venom ist “the living vampire” außer unter Comic Fans gar nicht so bekannt. Seinen ersten Auftritt hatte Morbius im Oktober 1971 und war, genau wie Venom, ursprünglich ein Gegenspieler der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft. Geboren mit einer seltenen Blutkrankheit, wurde er zu einer Koryphäe auf dem Gebiet der Hämatologie (Blutlehre, was auch sonst?), um ein Heilmittel zu finden.

Eines seiner Experimente ging allerdings schief und statt eines geheilten Mannes wurde der arme Doktor ein Pseudo-Vampir. Zwar verlieh ihm seine neue Krankheit einige neue Kräfte, doch entwickelte er auch einen starken Blutdurst. Also ja, ziemlich genau das, was man von einem Comic-Vampir erwartet. Mit der Zeit entwickelte sich Morbius aber von einem blutdurstigen Bösewicht zu einem tragischen Antihelden, der immer wieder mit, aber auch gegen Spider-Man kämpfte.

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It’s good to be bad-ish

Wir haben bereits bei Venom geklärt, warum Antihelden als Trope so erfolgreich sind. Hier geht es darum, wie clever Sonys Strategie ist. Schließlich wird hier ein ganzes Filmuniversum um eine Figur aufgebaut – es heißt sogar Spider-Man Universe, deutlicher geht’s nicht – ohne dass diese Figur bisher überhaupt vorkam. Zugegeben, zum aktuellen Zeitpunkt gibt es nur die beiden Venom-Filme, und wenn wir ganz genau sind, kommt Spider-Man im zweiten Teil vor. Aber weder der jetzt kommende Morbius noch der bereits angekündigte Solo-Film zu Kraven the Hunter, handeln von Spider-Man. Stattdessen setzen beide Filme den Trend von Venom fort, und stellen einen ursprünglichen Bösewicht und Antihelden in den Vordergrund.

Und das ist, einfach gesagt, genial. Schließlich sind all diese Figuren nicht ohne Grund zu Antihelden geworden, das Interesse ist offensichtlich da. Vor allem aber bringt es frischen Wind in das Genre. Etwas, was dringend nötig ist. Denn obwohl das MCU seit fast 15 Jahren noch immer den Markt dominiert, so hat es auch genauso lange gedauert, bis sich die Filme nicht alle gleich anfühlen. DC hat versucht, die Erfolgsformel zu kopieren, und ist damit kläglich gescheitert.

 

Ein Spiderverse – ohne Spinne

Und nun kommt Sony daher und denkt sich “Wir machen das auch, aber ohne den Helden.”. Und das vollkommen zurecht. Denn sind wir mal ehrlich, wer braucht denn jetzt noch eine Superhelden Origin Story? Und dann noch von Spider-Man? Richtig, niemand. Aber Origin Stories der Gegenspieler? Her damit. Dass Spider-Man früher oder später auftauchen wird ist unausweichlich. Da kann man sich lieber darauf konzentrieren, seine Gegenspieler vernünftig aufzubauen. Wer wollte diese Geschichten nicht schon immer mal aus der anderen Perspektive erleben? Und die Bösewichte sind doch eh immer interessanter, egal ob tragischer Wissenschaftler oder Journalist in definitiv platonischer Symbiose mit einem durchgeknallten Alien.

Wir wissen nicht, wann die unausweichliche Spinne auftaucht. Bis dahin können seine Widersacher beweisen, dass mehr in ihnen steckt, und auch sie Geschichten tragen können. Und wenn sie dann aufeinandertreffen, wird es viel mehr Bedeutung haben als mit irgendeinem 08/15 Bösewicht, den wir seit nicht mal zwei Stunden kennen. Deren Zahl in den letzten 20 Jahren kann ich nicht an beiden Händen abzählen, wahrscheinlich nicht einmal an dreien. Das kann hier nicht passieren. Also Hut ab, Sony, wir freuen uns auf alles weitere, was da kommen mag.

 

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Geschrieben von Lennart Hoffmann
diskutiert mit Tarantino über Trinkgeld.
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