Scream – Was bisher geschah: Ein Recap der Horrorreihe

Nach Michael Myers im vergangenen Jahr kehrt nun auch Ghostface nach jahrelanger Abstinenz zurück. Mittlerweile ist es geschlagene elf Jahre her, dass wir uns zuletzt gefragt haben, wer unter der gruseligen, weißen Maske steckt. Nun ist Scream zurück und lässt uns erneut erschaudern – und hoffentlich auch lachen. Denn Kenner wissen: Scream war zwar immer eine Horror-Slasher-Serie, die aber stets nur so vor Selbstironie und genreparodistischen Aspekten strotzte. Bevor wir am 13. Januar einen neuen Scream-Teil in den Kinos erleben können, blicken wir aber zunächst noch einmal auf die bisherigen vier Teile der Reihe zurück.

 

Scream – Schrei! (1996)

Auf dem Papier handelt es sich bei Scream um einen schnörkellosen Slasher ohne Wenn und Aber. Die Jugendlichen einer Kleinstadt, allen voran die Schülerin Sidney Prescott, werden von einem unbekannten Killer heimgesucht. Der tritt stets schwarz vermummt mit weißer Geistermaske auf und kündigt sich meist mit unheimlichen Telefonanrufen an. Im Laufe des Filmes fallen nach und nach immer mehr Teenager dem Messer von Ghostface zum Opfer und wir fragen uns gemeinsam mit Sidney: Wer ist eigentlich der Killer?

Wichtige Figuren sind zudem Officer “Dewey” Dwight und die Reporterin Gale Weathers. Beide Parteien versuchen ebenfalls hinter das Identitäts-Geheimnis des Ghosface-Killers zu kommen. Der erste Scream endet mit der Demaskierung des Wahnsinnigen – oder besser gesagt mit DEN Wahnsinnigen. Scream zieht den interessanten Twist, dass sich zwei Teenies die Ghostface-Maske teilen. Gale und Sidney schaffen es, die Killer zu töten und den Albtraum zu stoppen – vermeintlich.

 

Was macht Scream so besonders?

Wie bereits geschrieben: Auf den ersten Blick wirkt Scream – Schrei! extrem generisch. Der Teufel steckt hier jedoch im Detail und gibt dem Film eine ganz andere Genialität. Scream ist im Kern nämlich eigentlich eine Parodie auf das gesamte Slasher-Genre. Regisseur Wes Craven verweist nicht nur immer wieder auf eigene Werke wie Nightmare on Elm Street, sondern auch auf andere Horror/Thriller-Beiträge wie Halloween, Basic Instinct oder Das Schweigen der Lämmer.

Horrorfilme sind ein stets präsentes Motiv, das im Laufe des Streifens immer weiter entzaubert wird. Allein das Gespräch in der Videothek ist ein Paradebeispiel dafür, wie gut Scream und Wes Craven das Genre verstanden haben. Die Macher kennen die Macken und Eigenheiten des Genres und spielen damit, machen sich darüber lustig. Enden wollen wir an dieser Stelle mit einem Zitat aus dem Film: “Es ist immer wieder dasselbe. Ein dämlicher Killer lauert einem Mädchen mit prallen T*tten auf, die immer die Treppe raus, anstatt die Haustür hinausläuft und miserabel spielt. Das ist hirnrissig.” Kaum besser kann man Horrorfilme in den 90ern zusammenfassen – und Scream macht aus dieser Not eine bis heute extrem sehenswerte Tugend.

 

Scream 2 (1997)

Nur ein Jahr nach Scream – Schrei! folgte schon die Fortsetzung. Scream 2 spielt zwei Jahre nach dem ersten Teil und beginnt mit der Kinovorführung der Geschehnissen vom Erstling. Klingt verrückt? Ist es irgendwie auch. In der Welt von Scream hat Gale Wethers, die Reporterin aus Teil eins, ein Buch über die Morde geschrieben. Als “Stab” läuft die Verfilmung der Morde im Kino und wie kann es anders sein: Eine jugendliche Besucherin wird während einer der Vorführungen getötet.

Anscheinend gibt es einen Nachahmungstäter, der auch wieder Sidney Prescott im Visier hat. Wir wissen wieder nicht wer hier sein Unwesen treibt und müssen miterleben, wie nach und nach die Teenager das Zeitliche segnen. Schlussendlich stellt sich heraus, dass die Mutter einer der Killer aus Teil eins, sowie Sidneys Mitschüler Mickey dieses Mal unter der Ghostface-Maske stecken. Wieder sterben beide und Sidneys Leben ist endlich sicher – oder?

 

Gut aber schlechter

Auch Scream 2 ist ein durchaus humorvoller Blick auf das Slasher-Genre. Allerdings – und so ist das leider häufig bei zweiten Teilen – fehlt diesem Film ein wenig die Frische und vor allem die Überraschung des Erstlings. Klar, wir wissen wieder nicht, wer sich unter der Maske versteckt und immer wieder werden uns gute Meta-Szenen vorgelegt. Doch Teil eins war eben noch neu, unverbraucht und überraschend. Scream 2 punktet jedoch damit, dass der Film weiß, dass er eine Fortsetzung ist.

Der filmbegeisterte Randy erklärt so im Laufe des Streifens, welche Regeln für eine gute Fortsetzung gelten – die Scream 2 dann natürlich ordnungsgemäß umsetzt. Wie schon Teil eins ist aber auch die Fortsetzung ein Sammelbecken für makabre Scherze, interessante Seitenhiebe auf das Genre und gute Slasher-Momente. Wer sich wirklich gruseln möchte, wird auch mit Scream 2 nur wenig Spaß haben.

 

Scream 3 (2000)

Ghostface ist zurück! In der Welt von Scream ist Sidney Prescott und ihre Geschichte inzwischen ein absolutes Kultobjekt. Die Dreharbeiten zu Stab 3 laufen auf Hochtouren, bis eine Mordserie die filmische Idylle erschüttert. Wieder einmal müssen Sidney, Dewey und Gale rätseln, wer sich dieses Mal unter der Maske versteckt. Dabei hat das Trio besonders viel am Set ihrer eigenen Erlebnisse zu tun, was zu einigen skurrilen Szenen führt. Wie für die Scream-Filme üblich, wissen auch wir Zuschauer bis zum Ende nicht, wer als Ghostface mordet.

Gemeinsam mit Sidney finden wir also heraus, dass Roman Bridger, Regisseur von Stab 3, hinter der Sache steckt – und damit meinen wir, hinter allem! Die Filmfiguren finden nämlich heraus, dass Roman eigentlich der Halbbruder von Sidney ist und von Anfang an hinter den Ghostface-Morden steckt. Er stachelte eine Hälfte des Killerduos aus dem ersten Film zu ihren Taten an. Wie für die Serie üblich, wird Roman aber zum Schluss abgeknallt und endlich hat das Morden ein Ende gefunden…

 

mEtA, MeTa, META!

Wie schon von den vorherigen Teilen bekannt, schreibt sich auch Scream 3 ganz groß META auf die Stirn. So erklärt der eigentlich verstorbene Randy in einem Video die Regeln für das Ende einer Trilogie – die natürlich alle auf irgendeine Art und Weise in Scream 3 eingehalten werden. Der große Gesamtzusammenhang wird aufgebaut und keiner der Hauptfiguren scheint sicher. Das ist jedoch nur teilweise richtig. Zwar sterben einige Hauptdarsteller, aber nur die der Stab 3-Verfilmung. Wir erinnern uns: Die Stab-Filme erzählen innerhalb der Scream-Filme die Scream-Filme nach. Klingt kompliziert? Das stimmt mittlerweile auch. Scream 3 wirft mit Namen und Expositionen nur so um sich.

Während die Vorgänger noch clevere aber trotzdem leicht verdauliche Slasher waren, möchte der dritte Teil eindeutig zu viel. Sidneys Mutter spielt auf einmal eine gigantisch große Rolle, die mit der Enthüllung ihres Halbbruders endet. Das wirkt leider ein wenig zu konstruiert, gerade mit Hinblick auf die rückwirkende Bedeutung für Scream 1 und 2. Doch allein, dass der Killer eigentlich mit dem Hauptopfer verwandt ist, könnte schon wieder ein Seitenhieb auf Halloween und Co. sein – Michael Myers ist schließlich auch der Bruder von Laurie (gewesen – aber das ist ein anderes Thema). Witzig ist hingegen, dass die “echten” Figuren aus Scream auf ihre Darsteller in den Stab-Filmen treffen, hier kommen einige absurde Situationen zustande. Mit fast zwei Stunden Laufzeit ist Scream 3 dann aber auch mindestens eine halbe Stunde zu lang ausgefallen. Weniger ist manchmal mehr.

Und dann sei noch eine kleine Sache erwähnt. Ein halbes Jahr nach Scream 3 erschien eine kleine Komödie namens Scary Movie. Der erste Teil dieser überdrehten Parodie-Reihe ist eine nahezu exakter alberne Nachverfilmung vom ersten Scream. Viele Dialoge oder Szenen aus Scream finden sich in Scary Movie wieder – nur eben überdreht oder überspitzt. Vielen jüngere Zuschauer dürften die Scream-typische Maske vermutlich nur aus Scary Movie kennen. Egal was man über die Slap-Stick-Streifen denken mag, sie haben Scream mit Sicherheit noch einen kleinen nachträglichen Schub verpasst.

 

Scream 4 (2011)

Elf Jahre Pause – auch ein Ghostface scheint mal Urlaub zu brauchen. Doch 2011 schlägt der Mörder mit der Geistermaske wieder zu. Neben Gale hat nun auch Sidney ein Buch veröffentlicht, das ihr Leben als Überlebende thematisiert. Zum 15. Jahrestag der ursprünglichen Morde (und 15 Jahre nach dem ersten Scream) reist sie für eine Lesereise zurück nach Woodsboro.
Doch es kommt so wie es kommen muss und das Morden beginnt wieder. Das Ur-Trio, also Dewey, Gale und Sidney, machen sich erneut auf, um die Identität des neuen Ghostfaces zu klären. Dabei helfen ihnen einige Schüler, die ganz Scream-typisch einen Filmclub an ihrer Schule betreiben. Meta-Gags und Bezüge sind also wieder vorprogrammiert.

Im blutigen Finale erfahren wir dann endlich die Identität des Killers: Sidneys Cousine Jill und Filmfan Charlie. Jill war neidisch auf Sidneys Ruhm und wollte als neue einzige Überlebende Ruhm und Ehre einheimsen. Dafür wollte sie sogar so konsequent über Leichen gehen, dass sie selbst ihren Partner Charlie umbringt. So landet sie tatsächlich als vermeintlich letzte Überlebende im Krankenhaus, wo sie erfährt, dass Sidney (wie immer) überlebt hat. Beim Versuch, ihr Werk zu vollenden, wird Jill dann erst mit einem Defibrillator gegrillt und dann Scream-typisch erschossen. Sie stehen halt immer noch einmal auf!

 

Eine neue Zeit beginnt

Die Scream-Filme sind immer ein Produkt ihrer Zeit und machen sich über den vorherrschenden Ist-Zustand der Horrorfilmszene lustig. 2011 war nun aber ein völlig andere Zeit als noch die frühen 2000er, oder gar die 90er-Jahre. Das bedeutet unter anderem, dass dieses Mal Vergleiche zu Saw und Co. gezogen werden. Vor allem heißt das aber, dass Scream 4, der bis dato härteste Film der Reihe war – blutiger und gewalttätiger denn je. Zu einem Gewaltporno a la Hostel oder Saw verkommt der Film aber nie. Natürlich darf die Meta-Eben in einem Scream-Film nicht fehlen. Gerade der Beginn vom vierten Teil ist hier Meta-Meta-Meta-mäßig aufgebaut.

Wir erleben einen Filmbeginn, der eigentlich der Beginn eines Stab-Films zu sein scheint, der wiederum der Beginn eines anderen Stab-Films ist. Ihr merkt schon, die Macher haben wenig von ihrem Meta-Charme verloren. Auf dem Regiestuhl nahm übrigens wieder Altmeister Wes Craven Platz, der mit Scream 4 seinen letzten Film ablieferte. Vielleicht erklärt sein Festhalten an der Reihe auch, warum der vierte Teil dieser Serie auch heute noch relativ gut ins Gesamtbild passt. Gerade im Horrorgenre sehen wir es ganz selten, dass moderne Fortführungen oder Neuauflagen alter Reihen gut funktionieren. Meist verkommen Remakes, Prequels und Co. zur mittelwertigen Geldmacherei. Scream 4 bildet da eine willkommene Ausnahme.

 

Scream (2022)

Und damit sind wir im Jahr 2022 angekommen. Wieder liegen elf Jahre Pause zwischen dem letzten und dem neusten Teil. Wieder einmal ist Ghostface zurück und wieder einmal müssen Dewey, Gale und Sidney den Tag retten – das verraten uns zumindest die ersten Trailer. Wer steckt dieses Mal unter der Ghostface-Maske? Und vor allem: Funktioniert Screams Meta-Spiel auch 2022 noch? Wir werden es in Kürze erfahren, denn am 13. Januar startet der erste große Horror-Blockbuster 2022 in den deutschen Kinos.

 

Share This Post
Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies
Deine Meinung?
00

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Thanks for submitting your comment!