Angespielt: Achilles – Legends Untold (Early Access)

Mit griechischer Mythologie kann man ja eigentlich nie was falsch machen. Eigentlich. Das haben sich wohl auch die Entwickler von Achilles: Legends Untold gedacht und ihr Spiel mit dem namensgebenden größten griechischen Helden im Mai 2022 bei Steam veröffentlicht. Ein ganzes Jahr soll sich das Spiel noch im Early Access befinden, bevor es dann richtig fertig ist. In unserem Angespielt erfahrt ihr, wie gut oder schlecht sich Achilles bis jetzt macht.

 

Eine etwas eigenwille Darstellung der antiken Welt

Der Trojanische Krieg dürfte den meisten ja ein Begriff sein. Hier startet ihr auch das Tutorial, um die sehr hakelige Steuerung kennenzulernen. Dazu aber später mehr. Warum die Griechen mit ihren Schiffen landen und dann in die Stadt einfallen wird nicht erklärt, dabei dauerte die ursprüngliche Belagerung laut der Ilias ganze zehn Jahre. Geöffnet wurden die Tore erst durch das berühmte trojanische Pferd. Davon seht ihr aber nichts. Naja, geschenkt.

Nachdem ihr euch als Achilles durch’s Stadtgebiet gekämpft habt – gekämpft wird gegen Trojaner und die Steuerung – begegnet ihr erst Hektor und dann Paris. Was in der Ilias ein ziemliches Spektakel war, fällt hier relativ unspektakulär aus. Hektor legt ihr um und geht dann direkt weiter. Kenner der Sage erinnern sich vielleicht an die lange Leichenschändung und spätere Versöhnung mit König Priamos. Geschenkt. Paris hingegen metzelt euch ziemlich gnadenlos nieder. Wie bei den Griechen üblich landet Achilles daraufhin in der Unterwelt. Jedoch nicht in Elysium, wo es für die meisten Helden hingeht, sondern im Tartaros wo böse Menschen ewiges Leiden erfahren. Warum genau Achilles jetzt da ist und nicht in Elysium, wird nicht behandelt.

Eingewöhnen muss sich Achilles im Tartaros zum Glück nicht, denn ein Gott im Sensenmann-Outfit schickt ihn gleich wieder zurück in die Welt der Lebenden. Dieser vermeintliche Sensenmann ist nicht etwa Thanatos, der personifizierte Tod, an den man hier mit dem Outfit denken könnte. Nein es ist Hades, Gott der Toten. Dieser muss Achilles natürlich nicht lange überreden etwas für ihn zu tun, schließlich will niemand im Tartaros versauern. Wieder in Griechenland spürt ihr als Achilles den Gott Hephaistos auf. Dieser wurde, warum auch immer, von seinem Halbbruder Ares gefangen genommen. Nach dessen Rettung geht das Spiel so langsam los und Achilles wird in einer nicht sehr überzeugenden Unterhaltung von Hades eingeschworen, gegen Ares vorzugehen, denn dieser hätte schon in Troja Paris unterstützt.

Warum Hades jetzt gerade mit Ares Clinch haben soll, erschließt sich in den ersten Momenten der Story leider nicht und wird auch im weiteren Spielverlauf nicht sehr überzeugend dargestellt. Abgesehen davon bietet die Mythologie auch kein großes Konfliktpotenzial zwischen diesen Göttern. Darauf könnte ich mich einlassen, wenn es denn ordentlich und spannend erzählt worden wäre. Wurde es aber leider nicht.

Die Geschichte wirkt bisweilen sehr konstruiert und überzeugt in weiten Teilen nicht. Wirklich das Gefühl im alten Griechenland zu sein habe ich nicht, was auch daran liegt, dass die übernatürlichen Gestalten und Helden eher etwas langweilig gestaltet sind. Einzig Hades sticht mit seinem Design etwas raus, was dann aber auch sehr nach generischem Sensenmann aussieht. Und Hephaistos beispielsweise scheint eher ein übertrieben bemuskelter Charakter aus einem Street Fighter, als denn ein griechischer Gott zu sein. Wenn einen schon die Story nicht fesselt, dann ist hoffentlich der Fokus des Spiels besser gelungen, nämlich das Kampfsystem.

 

Eher Körperklaus denn Held

Das Kampfsystem ist überhaupt nicht gelungen. Natürlich muss betont werden, dass sich Achilles: Legends Untold noch im Early Access befindet. Was euch aber zum jetzigen Zeitpunkt erwartet, verdient leider keinen Blumentopf.

Da wäre zu einem die starre Kamera. Diese kann nicht gedreht werden und ihr könnt auch nicht näher dran oder weiter weg zoomen. Das ist sowohl im Kampf als auch beim Erkunden der Karte hinderlich und manchmal sieht man einfach viel zu wenig von dem was man sehen möchte. Wenn man dann unter irgendeinem Vordach von Gegnern bedrängt wird kann das schonmal gefährlich werden und macht vor allem eins: Keinen Spaß.

Dann ist da Achilles selbst. Ihn zu steuern fühlt sich etwas schwerfällig an, gerade im Kampf erhöht das den Spielspaß eher weniger. Wirklich flüssig geht so zb. ein Ausweichschritt nicht in die rettende Ausweichrolle über, ganz zu schweigen von manchen Waffenangriffen. Am schlimmsten ist jedoch das aufschalten auf Feinde. Ihr habt die Möglichkeit es so einzustellen, dass Achilles sich stets zu dem aufgeschalteten Gegner dreht und auch in dessen Richtung schlägt. Das spielt sich schwerfällig sobald mehrere Gegner da sind und auch das Durchschalten mit dem Mausrad zwischen diesen Gegnern funktioniert nicht so gut wie es sollte. Schaltet man dieses Aufschalten dann aus hat man die Möglichkeit Achilles in Richtung des Mauszeigers schlagen zu lassen. Also laut Menütext. In der Realität schlägt er bisweilen einfach trotzdem daneben oder dreht sich einfach gar nicht um, auch wenn ihr mit der Maus genau hinter ihm seid.

Zusammenfassend hat Achilles: Legends Untold also gewaltige Probleme mit der Steuerung in Kämpfen, was auch der größte Kritikpunkt der meisten Rezensionen auf Steam ist. Hier haben die Entwickler mit Updates schon ein klein wenig nachgebessert, so kann man jetzt auch ein Gamepad anschließen, was die Probleme mit dem Aufschalten der Gegner aber auch nur bedingt verbessert. Hier bleibt zu hoffen, dass die Entwickler noch deutlichen Aufwand in die Verbesserung der Steuerung stecken, denn so wie es jetzt ist, kann man das Spiel leider niemandem empfehlen.

 

Quality of Unlife bitte erhöhen

Im Grunde bietet Achilles: Legends Untold im Kern ja ein interessantes Spiel. Trotz der zweifelhaften Story könnte man hier mit einem besseren Kampfsystem durchaus seinen Spaß haben. Man hat ja interessante Fähigkeiten wie etwa die Hadessicht, wodurch man mystische Energien und Untote entdecken kann, oder den magischen Schild, welcher nach einem Wurf wieder zurückkommt. Wer will denn nicht den berühmte Achilles mit leichten magischen Fähikeiten spielen?

Nunja, abgesehen von den genannten Problemen gibt es auch noch einige Negativpunkte bezüglich der UI, die nicht so wirklich nachvollziehbar sind. So habt ihr etwa keine Karte oder Minimap, auf der ihr sehen könntet wo ihr seid oder wo ihr hin müsst. Ja, man kann sich anzeigen lassen wo man hin muss, aber das ersetzt wirklich keine ordentliche Karte. Zumindest einen Kompass wie in einem Skyrim hätte ich mir gewünscht, schließlich sieht das Levelsystem mit seinen Sternbildern schon ziemlich stark nach dem Abenteuer in Himmelsrand aus.

Ebenfalls schlecht geraten ist die Synchronisation. Diese wirkt eher als hätte ein überambitionierter Lehrer seine vierte Klasse dazu verdonnert ein Stück aufzuführen, auf das nun wirklich niemand Bock hatte. Die Synchronsprecher lesen müde vom Zettel ab und scheinen nicht so recht überzeugt von dem zu sein, was sie da sagen. Einzig allein der Sprecher von Hades sticht hier etwas positiv raus, was aber angesichts der Konkurrenz und der vielen Effekte auf seiner Stimme keine große Leistung ist. Das auditive Trauerspiel ist nur in englischer Sprache verfügbar, alle Menütexte und die gesamte UI sind jedoch in leicht fehlerhaftem Deutsch zu haben.

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  • Angespielt: Achilles – Legends Untold (Early Access)
    Fazit zu Achilles: Legends Untold

    Ich war leider sehr enttäuscht von Achilles: Legends Untold. Dabei hatte ich mich richtig darauf gefreut, einen der berühmtesten Krieger der Welt durch sein Unleben steuern zu können. Aber die Kämpfe frustrieren durch die desolate Steuerung viel mehr, als das sie mir Spaß gemacht hätten. An die Story habe ich, gerade bei griechischer Mythologie, hohe Ansprüche, aber selbst wenn ich diese zurückschraube kommt hierbei keine interessante oder überzeugende Geschichte bei rum. Die Charaktere sind eindimensional und verhalten sich eher seltsam. Und dann ist Achilles nicht einmal hübsch sondern sieht aufgedunsen wie nach zu viel Morphium aus. Nichtmal das ist uns gegönnt. Zum Glück handelt es sich natürlich nicht um die finale Version des Spiels, sondern um den Early Access. Von daher kann sich hier noch viel verändern und ich wünsche dem Spiel auch einen guten Weg, damt er Fans von Fantasy und Mythologie irgendwann glücklich machen kann. Nach dem jetzigen Stand muss ich jedoch leider stark davon abraten, sich das Spiel im Early Access zu besorgen. Wartet lieber auf den finalen Release.

    Tobias Mehrwald, Redakteur
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Geschrieben von Tobias Mehrwald
entkommt in unter fünf Minuten aus der Unterwelt.
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