Angespielt: RimWorld

Angespielt: RimWorld

Matt Damon hat euch vergangenes Jahr in „Der Marsianer – rettet Mark Whatney“ gezeigt, wie jemand auf einem fremden Planeten überleben kann, und uns für zwei Stunden sehr gut unterhalten. In RimWorld hingegen habt ihr weitaus länger Spaß. Ihr landet mit drei Überlebenden auf einer ebenso fremden Planetenoberfläche, und müsst sehen wie ihr zurechtkommt, mit dem was ihr habt. Spielbar ist RimWorld bereits seit November 2013 und wird seitdem stetig mit Updates versorgt. Das Spiel wird von Tynan Sylvester entwickelt und vertrieben, der bereits an Bioshock Infinite beteiligt war und ein Buch über Game Design geschrieben hat. Laut der offiziellen Kickstarter Kampagne, welche bereits 2013 mit ca. 189.000 US Dollar finanziert wurde, zieht das Spiel viel von der Serie „Firefly“ in seiner Fiktion. Dies merkt man an der trockenen westernartigen Stimmung und der ständigen Bedrohung durch Banditen. Auch Gesetze spielen in RimWorld keine Rolle; es gibt keine Weltraumpolizei, die euch vorschreibt, wie ihr eure Siedlung aufzubauen habt. So könnt ihr beispielsweise aus Menschenhaut ein Sofa oder Klamotten herstellen. Auch Science-Fiction Romane wie Dune und die Revelation Space Reihe haben zur Inspiration beigetragen. Obwohl sie nicht dieselbe Engine teilen, hat RimWorld in Sachen Stil und Grafik viel gemeinsam mit Prison Architect von Introversion Software. Außerdem hat RimWorld viel von „Dwarf Fortress“ und „Faster Than Light“.

 

Sieht aus wie Prison Architect?

Bevor ihr mit dem Spiel loslegt, müsst ihr euch einen Planeten erstellen. Hierbei gebt ihr einen beliebigen Seed-Code ein, oder ihr lasst euch einen generieren, ähnlich wie bei Minecraft. Ihr könnt euch natürlich mehrere Planeten erstellen, falls euch das Resultat nicht gefällt. Danach sucht ihr euch ein kleines Quadrat der Karte aus, wo ihr eure Kolonie errichten wollt. Wichtig hierbei ist auf die Temperatur zu achten, da Kolonien in vereisten Regionen oder in einer Wüste schwer aufrechtzuerhalten, sind. Nun müsst ihr einen KI-Storyteller wählen. Es stehen zurzeit Cassandra Classic, Phoebe Chillout und Randy Random zur Verfügung. Bis auf die Punkte „Freies Spiel“ und Basisbau“ habe ich jedoch in den ersten Spielstunden jeweils keine tief greifende Änderung bei den jeweiligen KIs feststellen können. Die Größe von feindlichen Angreifern legt lediglich die Menge eures Silbervorrats fest. Als Nächstes erhaltet ihr die Möglichkeit, eure drei ersten Kolonisten auszusuchen. Ihr könnt euch auf den Zufall verlassen und die ersten drei euch vorgestellten zukünftigen Gestrandeten nehmen, oder ihr lasst euch so lange neue generieren, bis euch die Fähigkeiten gefallen. Denn jeder Kolonist hat eine Aufgabe und jeder mindestens ein Spezialgebiet, wie Medizin, Schießen, Kochen und Bergbau. Außerdem könnt ihr den Namen ändern.

RimWorld Screenshot 1

Die zufällig generierte Welt wird in Biomen aufgeteilt

 

Aller Anfang ist schwer…

Nachdem ihr mit euren Überlebenden auf der Planetenoberfläche gelandet seid, heißt es Unterschlupf suchen. Findet ihr einen guten Ort, sei es nun zwischen zwei Felsen oder in einer Ruine. Ihr könnt aber auch mitten auf dem Feld anfangen, eure Häuslichkeiten zu errichten. Solange eure Kolonisten ein Dach über dem Kopf haben und es warm genug ist, sind sie zufrieden. Sobald ihr Unterkünfte gebaut habt, geht es um die Nahrungsbeschaffung. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Ihr könnt eure Kolonisten auf die Jagd nach einheimischen Tieren schicken, wobei manche eine Gefahr darstellen, und schnell den Spieß umdrehen können. Oder ihr baut in eurer neuen Kolonie euer Essen selbst an. Hier habt ihr die Auswahl zwischen vielen verschiedenen Feldfrüchten, von Kartoffeln bis hin zu allerlei Bäumen, um die Holzproduktion im späteren Spielverlauf voranzutreiben. Durch einen Nährstoffspender könnt ihr organische Stoffe, die ihr angebaut habt, synthetisieren, um Nährstoffpaste herzustellen. Diese schmeckt zwar nicht, versorgt aber alle Bewohner mit den nötigen Stoffen, um bei Kräften zu bleiben. Für den Nährstoffspender und andere elektrische Geräte benötigt ihr hingegen Strom, dieser lässt sich durch Solarplatten und Windturbinen, aber später auch durch Geothermie gewinnen. Für die Verbindung von der Stromquelle zum Gerät müsst ihr eine Leitung legen, diese ist immer aus Stahl im Gegensatz zu Wänden und Türen, dort könnt ihr das Material beliebig aussuchen. Es gibt verschiedene Steinarten abzubauen sowie Metalle. Sogar aus Silber und Gold könnt ihr eure Wände bauen, wobei Silber jedoch die eingesetzte Währung von Händlern ist, die mit ihren Schiffen vorbeischauen. Ihr könnt bei diesen Händlern alles verkaufen, was ihr nicht benötigt. Zum Beispiel angebaute Pflanzen, die ihr nicht benötigt, oder Kleidung, die ihr Angreifern abgenommen habt. Außerdem könnt ihr Gefangene als Sklaven verkaufen, oder selbst Sklaven kaufen. Steuern lassen sich die Kolonisten nicht direkt, außer im Kampf. Sollte es zu Auseinandersetzungen kommen, ob mit anderen Kolonisten oder feindlich gesinnten Besuchern, könnt ihr jeden Bewohner, über den ihr Kontrolle habt, seine Waffe ziehen lassen, auch wenn dieser keine Waffe zur Hand hat. Dann unterbricht dieser jede Tätigkeit und wartet auf Befehle durch den Spieler. Ihr könnt ihn an eine beliebige erreichbare Stelle auf der Karte schicken, oder einen Feind angreifen lassen. So könnt ihr eure schwächeren Kolonisten in Sicherheit bringen, und die Kämpfer nach vorne.

RimWorld 2

Dieser Text ist das einzige was ihr an Vorgeschichte bekommt.

 

Viel Micromanagement

Sollte sich ein Kolonist verletzen, braucht er einen Arzt. Die jeweiligen Tätigkeiten lassen sich im Menü „Arbeit“ für jeden Kolonisten festlegen. Daher müsst ihr immer darauf achten, dass mindestens ein Arzt in der Kolonie ist. Dieser sollte normalerweise automatisch den verletzten Kollegen aufsammeln und in ein freies Bett bringen, oder in die Krankenstation, sofern ihr diese bereits gebaut habt. Wenn ihr noch Medizin habt, wird der Arzt diese auch auf den Verwundeten einsetzen. Notfalls könnt ihr jedoch auch über das „Waffe ziehen“ Menü den Arzt direkt zum Einsatzort hinschicken. Durch einen Klick auf einen Kolonisten seht ihr jede Menge Daten. Den Namen, die momentane Tätigkeit, die Zufriedenheit und die Gesundheit. Bei einer Verletzung, die behandelt wurde, könnt ihr hier den Status verfolgen, wie gut die Verletzung heilt. Bei zu schweren Verletzungen und einer mangelhaften Behandlung kann der Kolonist für die Zukunft eingeschränkt sein. Eine langsamere Bewegungsgeschwindigkeit und langsameres Arbeiten sind nur zwei Beispiele, die Möglichkeiten sind hier zahlreich. In einem Ernstfall kann auch eine Gliedmaße amputiert werden, und durch einen Stumpen ersetzt werden. Auch Organe können entnommen werden und auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Achtet aber hierbei darauf, welches Organ ihr entnehmt, da ein Kolonist ohne Herz keine lange Lebenserwartung hat. Sobald die Kolonie steht, heißt es verteidigen, da je nachdem welcher KI-Erzähler und welche Schwierigkeit gewählt wurde, irgendwann Feinde vorbeischauen. Das können Eingeborene mit Speeren und Pfeil und Bogen sein, oder Außerirdische die mit einer Kapsel, ähnlich wie eure Überlebenden, auf den Planeten notlanden. Letztere können sogar die umliegende Region verpesten, sodass jede Pflanze und jedes Tier dort langsam getötet wird. Ihr könnt Verteidigungslinien aus automatischen Geschützen bauen, die auf jeden Feind in Sichtweite schießen. Nach dem letzten Update können jetzt auch Tiere gezähmt werden, welche eure Kolonie bei Bedarf verteidigen können.

RimWorld 4

So sieht eine Kolonie aus, in der viele Spielstunden stecken.

 

Gefahren für eure Kolonisten

Durch Hunger, nicht behandelten Verletzungen oder einem Hitzschlag kann ein Kolonist durchdrehen. Dabei kann er andere Kolonisten angreifen oder er entledigt sich seiner Kleidung und läuft unkontrollierbar in der Gegend herum. Daher müsst ihr auf jede Beschwerde achten, die rechts am Bildschirmrand angezeigt wird. Dort wird bereits angekündigt wenn euer Nahrungs- oder Medizinvorrat zur Neige geht. Eure Kolonie wächst wiederum indem Wanderer sich euch anschließen, ihr Sklaven kauft oder bewusstlose Angreifer gefangen nehmt und überredet, dass sie sich euch anschließen. Das kann ein langwieriger Prozess sein und Monate in Anspruch nehmen. In dieser Zeit verbraucht der Gefangene natürlich Nahrung und einen Schlafplatz. Ihr könnt alternativ natürlich immer, sofern ein Arzt zur Verfügung steht, dem Gefangenen Organe entnehmen und verkaufen, oder jemandem einpflanzen, der sie dringender benötigt.

RimWorld 5

Eva hat den Überfall überlebt und wird nun im Gefangenenraum verhöhrt

 

Auch Makroökonomie spielt eine Rolle

Das waren nur die Grundlagen, das Spiel geht sogar in seiner jetzigen Version noch viel tiefer. Es gibt verschiedene Werkbänke, mit denen ihr Rohmaterialien in Baustoffe, Werkzeuge, Waffen und Kleidung umwandeln könnt. Außerdem könnt ihr mit der Forschungsbank weitere Dinge erforschen, wie farbige Lampen, Krankenhausbetten und Teile für ein Raumschiff, mit dem ihr eure Kolonisten wieder vom Planeten bringt. Zudem könnt ihr noch die Karte auf Zonen aufteilen, welche dann nur von bestimmten Personen betreten werden dürfen. Das erinnert stark an den Gefängnissimulator „Prison Architect“, in dem bestimmte Gefangene bestimmte Bereiche nicht betreten dürfen, um sie von den Mitarbeitern der Gefängnisverwaltung fern zu halten. In RimWorld hingegen ist es eher nützlich, um Tiere in einem Gebäude zu sammeln oder Feuer nur innerhalb der Kolonie zu löschen. Wildbrände werden meist von selbst gelöscht. Zudem kann es auch mal nuklearen Niederschlag geben,  der die Kolonisten krank macht. In dieser Zeit empfiehlt es sich, alles andere als die eigenen vier Wände zu meiden. Über einen großen Gemeinschaftsraum mit genügend Sitzmöglichkeiten und Freizeitbeschäftigungsmöglichkeiten freuen sich die Kolonisten auch. Neben Billiard könnt ihr auch einen Schachtisch und eine Dartscheibe aufstellen. Eine ebenso wichtige Rolle nimmt die Raumtemperatur ein. Kolonisten lieben eine gleichbleibende Temperatur. Jedoch wird es im Sommer warm und im Winter kalt, das überträgt sich auch auf die Räume. Deshalb empfiehlt sich eine Klimaanlage einzubauen, die auf einen Zielwert ausgerichtet ist, wie 21°. Nahrung hingegen verdirbt bei dieser Temperatur, deshalb muss man den Raum, den mal als Kühlschrank nutzen möchte, auf einen niedrigeren Wert kühlen. Hier kommen wieder die Zonen zum Einsatz. Ihr könnt verschiedene Lagerzonen definieren, in denen verschiedene Güter gelagert werden sollen, damit ein Kühlraum nicht mit Steinbrocken vollgeräumt wird, oder ihr Futter für eure Tiere direkt im Hühnerstall lagert.

RimWorld 3

In einen Berg zu graben ersetzt den Bau von Wänden um Räume

 

Fazit:

Obwohl RimWorld noch immer in der Alpha ist hat es so schon jede Menge zu bieten. In der normalen Geschwindigkeit hat das Spiel eine wunderbare beruhigende Wirkung. Sollte das einem jedoch zu langsam gehen, kann er jederzeit die Geschwindigkeit hochsetzen. Somit vergeht ein Tag schneller, das ist besonders dann nützlich wenn man auf den Abschluss eines bestimmten Bauprojekts wartet. Bei Bedarf kann jederzeit das Spiel pausiert werden, um die nächsten Schritte zu planen. Einfach ist das Spiel jedoch nicht. Es gibt kein Tutorial, man wird direkt ins Spielgeschehen geworfen. Die einzelnen Erklärungen, was welche Werkbank macht, ist jedoch einleuchtend. Das man jedoch im Schlachttisch erst die Tätigkeit eine Kreatur zu schlachten auswählen muss, und dass dieser Vorgang auch für immer wiederholt wird, darauf muss man selbst kommen. Hat man die etwas komplizierten Prozesse, was sich wie verbindet verstanden, ist der Rest des Spiels angenehm ruhig. Die spannungstechnischen Höhepunkte, in Form von Angriffen, dauern je nach Stärke der eigenen Abwehr entweder Sekunden bis zum Rückzug der Angreifer, oder sind so verheerend, dass man gezwungen wird mit anzusehen wie den Kolonisten die Möglichkeiten ausgehen und die eigene Vernichtung bevorsteht.

 

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Ehemaliger Trainee von NAT-Games.

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