Angespielt: Noble Fates (Early Access)

Fans von Rimworld, Going Medieval und ähnlichen Simulationen aufgepasst! Mit Noble Fates bekommt die Simulationsgemeinschaft neuen Zuwachs und bringt ein eigenes Setting mit. In Noble Fates geht es in eine zwar mittelalterlich inspirierte Welt, diese ist jedoch von Menschen, Elfen und Orks bevölkert. Wie sich das Spiel gerade im Early Access macht, erfahrt ihr hier in unserem Angespielt.

 

Ein Hauch von Fantasy

Das Grundgerüst von Noble Fates ist schnell erklärt. Ihr seid der Halbgott Kontra, der Sterbliche dabei anleiten will, ein Königreich zu erschaffen, das lange in Erinnerung bleiben wird. Leider bislang nur mit mäßigem Erfolg. Während euer letzter Auserwählter als Skelett in einer Höhle vor sich hin fault, kommen jedoch auch schon die nächsten Sterblichen, die ihr euch zu eigen machen könnt. Dabei stehen am Anfang immer vier verschiedene Sterbliche zur Auswahl, die alle unterschiedliche Vorlieben, Abneigungen und Fähigkeiten haben. Einen von ihnen könnt ihr als Anführer aussuchen, wobei sich ihm immer zwei anschließen werden und der dritte die Gruppe verlässt.

Die Auswahl des Anführers ist wichtig, denn alle Sterblichen in eurem Königreich mögen oder hassen diesen zum großen Teil aufgrund ihrer Beziehung gegenüber eurem Auserwählten. Falls euch keiner der präsentierten Sterblichen zusagt, könnt ihr eine neue Gruppe kommen lassen oder einzelne Sterbliche auswechseln, wobei per Zufall ein neuer erstellt wird. Komplett auswählen, was ihr am liebsten hättet, geht also nicht. Und wenn ihr nach langem Klicken zwar endlich einen Elfen rausbekommen habt, dieser jedoch böse ist, obwohl ihr einen guten wolltet, dann habt ihr leider Pech.

Mit dem Zufall muss man hier leider leben, aber genau das kann ja auch den Reiz des Spiels ausmachen. Eure Macht als Halbgott reicht also anscheinend nur zur Kontrolle über die Sterblichen aus, selbst Erschaffen ist da nicht drin.

 

Ernten, Bauen, das Übliche halt

So ein Königreich baut sich natürlich nicht von selbst. Das bedeutet, ihr müsst euren Sterblichen befehlen, Baumaterialien zu sammeln und selber die Gebäude planen. Dass das Spiel noch nicht besonders umfangreich ist, merkt man hier einmal an den relativ wenigen Bauoptionen sowie an den Ressourcen. Für Gebäude braucht ihr lediglich Holz und Stein, für Möbel kommen dann noch Kupfer, Eisen, Silber und Gold hinzu. Mit den paar Dekoobjekten könnt ihr zwar ganz nette Burgen bauen, aber die Möglichkeiten stehen schon hinter denen von z. B. Rimworld zurück. Positiv ist jedoch, dass ihr über ganz viele Etagen bauen könnt. Nur dass man die dann außer mit Betten mit kaum etwas füllen kann.

Neben dem Bedürfnis Schlaf gilt es natürlich auch alle Bewohner zu ernähren. Am einfachsten geht das, indem ihr Beeren und Mais von wilden Sträuchern erntet. Im Winter geht das leider nicht, sodass ihr euch am besten einen Vorrat anlegt. Aber aufgepasst, Gegenstände und Nahrung verfallen bzw. verderben mit der Zeit. Im Lagerhaus hält sich aber alles deutlich länger. Neben den wild wachsenden Pflanzen können auch Felder bestellt werden, sofern ihr einen Sterblichen mit den nötigen Fähigkeiten dazu habt. Dasselbe gilt übrigens auch fürs Bauen und Herstellen. Wollt ihr bessere Waffen, Kleidung oder Möbel müssen eure Sterblichen die nötigen Fähigkeitsstufe haben. Und davor müssen sie dann noch jedes neue Rezept eine Zeit lang lernen, bevor es losgehen kann.

Hier liegt eine große Schwäche von Noble Fates. Alles dauert erstens sehr lange und ist zweites teilweise purer Zufall. Wie werden in anderen Simulation eure Bewohner in bestimmten Bereichen besser? Richtig, indem sie die Tätigkeit immer wieder ausführen und wie richtige Menschen üben. Nicht so in Noble Fates. Durch jede Aktion erhalten eure Sterbliche Erfahrungspunkte und können dann in der Stufe aufsteigen. Beim Stufenaufstieg winken mehr Lebenspunkte sowie ein Anstieg der Fähigkeitenpunkte um eine Stufe.

Aber welche Fähigkeit aufgestuft wird, ist Zufall. Was natürlich völlig unlogisch ist, warum erhält unsere Bauarbeiterin plötzlich einen Fähigkeitenpunkt im Ernten, obwohl sie dafür nicht eingeteilt ist? Vor allem, wie soll man sich so an die besseren Rezepte ranspielen, wenn man seine Leute nicht spezialisieren kann und völlig zufällig die Punkte in unsinnigen Kategorien erhöht werden? Mal abgesehen davon, dass die Charaktere auch nicht besonders schnell aufsteigen.

Damit wären wir dann bei der Zeit. Das meiste in Noble Fates dauert quälend lange. Ihr habt es irgendwie geschafft, dass euer Bauarbeiter Gegenstände der Stufe 5 bauen könnte und wollt eine Steinwand errichten? Die muss er dann vorher noch mal mit einigem Zeitaufwand lernen. Aber nein, nicht nur das, er muss auch noch das vorangegangene Rezept für die Holzwand lernen, weil die aus irgendeinem Grund darauf aufbaut. So könnt ihr auch nicht direkt eine Hose aus Leder herstellen, wenn der Sterbliche das Rezept für eine Stoffhose noch nicht gelernt hat. Das alles frisst unnötig Zeit und nervt eher.

 

Noble Fates oder Noble Dates?

Abgesehen davon, dass man durch ein neues Update nun auch seine Sterblichen verheiraten kann, verbringt man auch so viel Zeit damit, mit allen möglichen Leuten zu reden. Bzw. befiehlt man seinem Auserwählten das zu tun. Neben euren Adligen, Sklaven und Gefangenen werden sich in eurem Königreich auch immer wieder Banditen und Besucher aufhalten. Während Banditen ausbezahlt oder mit Gewalt vertrieben werden können, sind Besucher nützlich, um sie zu rekrutieren oder ihnen gegen Geld Essen zu verkaufen oder ihnen Räume zu vermieten. Wenn sie euch beitreten sollen, müssen sie euch natürlich mögen. Und damit sie euch mögen, müsst ihr ziemlich stupide Dialoge mit ihnen führen.

“Ich finde Elf Haut ist für Idioten!” “Ich liebe euch, weil ihr überreife Bohnen mögt!”. Wer meint es handelt sich hier um ein schlechtes Dialogschreibeprogramm könnte vielleicht sogar recht haben. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass ein erwachsener Mensch diese Sätze geschrieben hat. In den Gesprächen, die ihr führt, verkünden eure Gesprächspartner nämlich immer ihre Meinung zu bestimmten Leuten, Moralvorstellungen oder Vorlieben zu allen möglichen Items. Ihr könnt nur wahrheitsgemäß darauf antworten, wie ihr diese Dinge seht und bei einer Übereinstimmung mag euch die Person gleich viel mehr. Wenns nur im echten Leben so einfach wäre.

Habt ihr eine andere Meinung, könnt ihr übrigens auch einfach immer weiter fragen, bis ihr genug von den richtigen Antworten gegeben habt. Und das müsst ihr auch, sofern ihr mehr als eure drei Sterbliche vom Start haben wollt, was sehr zu empfehlen ist. Ihr ahnt es schon, diese Dialoge sind das erste Mal ganz lustig, nach ein paar Spielstunden sind sie jedoch nervig, langweilig und lassen sich nicht mal schneller vorspulen. An sich ist es ja ein nettes Feature, womit sich Noble Fates auch von anderen Koloniesimulationen unterscheidet, aber in der jetzigen Ausführung verliert es sehr schnell seinen Reiz und ist eher ein negatives Element als ein positives.

 

Gute Grundidee mit Luft nach oben

Wenn man wie ich Simulationen wie Die Sims und Rimworld mag und viel gespielt hat, weiß man ja im Grunde, was man von dem Genre zu erwarten hat. Trotzdem hat mich Noble Fate ein wenig überrascht. Dass man seinen Auserwählten z. B. direkt in third person Ansicht steuern und kämpfen lassen kann, spielt sich erfrischend anders und lässt einen sein Königreich noch einmal ganz anders erleben. Außerdem hat man wirklich viele verschiedene Schaltflächen, um sich genau über die Vorlieben der Sterblichen sowie über ihre Bedürfnisse einen Überblick zu verschaffen.

Natürlich gibt es aber noch einiges, was nervt, wie das Bauen oder auch der Stufenaufstieg, der neben dem Zufallsaspekt zudem nur sehr langweilige Fähigkeiten zu bieten hat. In die Höhe bauen ist zwar super und gibt einem an sich viel gestalterische Freiheit, jedoch kann man diese dann auch nicht so richtig nutzen. Dafür muss man dem Spieler einfach noch mehr Gegenstände zum Bauen geben, vielleicht auch welche, die wirklich einen Einfluss auf das Spielgeschehen haben. Denn nachdem man die vier Herstellungsbänke gebaut hat, ist man eigentlich auch schon fertig und kann nur noch Deko hinklatschen.

Da das Bauen in dieser Art von Simulationen einen sehr hohen Stellenwert hat, sollte hier unbedingt noch nachgebessert werden. Dabei kann man dann gleich noch Herstellungsrezepte hinzufügen und sich bitte das Lernsystem der Sterblichen vornehmen. Natürlich handelt es sich hier um ein kleines Indie Team und Noble Fate ist noch im Early Access, daher bin ich guter Dinge, dass sich das Spiel noch macht. Wer kein Englisch spricht, muss hier übrigens leider in die Röhre gucken, Noble Fates ist ausschließlich auf Englisch verfügbar

Ein kleiner Kritikpunkt muss hier aber noch sein. Ich hatte mich sehr auf den Fantasy Aspekt gefreut, wurde jedoch größtenteils enttäuscht. Zwar kommen ein paar Dämonen und mal ein Zauberer vorbei, das passiert aber sehr spät. An dieser Stelle dürften einige Spieler auch schon wieder aufgehört haben zu spielen. Falls da also noch was geändert wird, würde zumindest ich mich sehr freuen!

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  • Angespielt: Noble Fates (Early Access)
    Fazit zu Noble Fates

    Es gibt wenig Simulationen, die mir nicht gefallen und ich habe auch nichts dagegen, wenn es mal etwas langsamer ist. Noble Fates brachte mich teilweise aber schon an meine Grenzen, weil relativ lange einfach gar kein Fortschritt erkennbar war. Stattdessen musste ich weitere haarsträubende Dialoge darüber führen, ob Kuhleder jetzt der heiße Scheiß ist oder nur so “meh”. Zitat. Trotzdem werde ich Noble Fates nicht aufgeben, sondern weitere Mods und Updates abwarten. Denn das Grundprinzip ist eigentlich wirklich gut und wenn das mit dem Fantasy Flair noch weitergeführt wird, könnte Noble Fates eine gute Alternative zu Going Medieval werden. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

    Tobias Mehrwald, Redakteur und Lektor
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Geschrieben von Tobias Mehrwald
entkommt in unter fünf Minuten aus der Unterwelt.
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