Top 7 – Das macht Piranha Bytes-Spiele so besonders

Mit Elex 2 setzt das Essener Entwicklerstudio Piranha Bytes ihre mittlerweile dritte Spielereihe fort. 2001 machten sie sich mit Gothic bereits zu Rollenspielkoryphäen in Deutschland und haben diesen Titel trotz einiger Macken in ihren Spielen bis heute nicht verloren. Doch was macht den Charme der Spiele von Piranha Bytes aus? Wie haben sie es geschafft, eine solch treue Fangemeinde hinter sich zu versammeln und was machen ihre RPGs anders als andere Vertreter des Genres?

Diesen Fragen wollen wir auf den Grund geben und haben uns daher sieben Aspekte herausgesucht, welche Piranha Bytes und ihre Spiele so besonders machen. Natürlich treffen manche Aspekte auf bestimmte Spiele mehr zu als auf andere, aber im Großen und Ganzen lassen sie sich in allen Spielen erkennen, wenn auch in manchen mehr und in manchen weniger.

 

Der Ruhrpott-Charme

1997 wurde Piranha Bytes in Bochum gegründet, mittlerweile sitzen sie in Essen. Dass das Studio und ihre Mitarbeiter*innen aus dem Ruhrgebiet, oder besser gesagt „Dem Pott“, kommen, merkt man ihren Spielen in Form ihrer Bewohner*innen deutlich an. Die gute Kodderschnauze ist hier alltäglich, da wird man auch mal recht schroff begrüßt und eine nett gemeinte Warnung wie „Steck die scheiß Waffe weg“ werdet ihr öfter hören. Dabei ist kein Charakter unnötig asozial zu euch. Bereits in Gothic treffen wir zwar eine Menge harter Kerle, diese sind aber, wenn man mal genauer drüber nachdenkt, ein echt freundlicher Haufen. Ja gut, manchmal bekommt man auch ein „Verpiss dich“ zu hören, aber allgemein wird man vor gefährlichen Gebieten gewarnt, bekommt gute Angebote bei Händlern oder nützliche Informationen.

Es fällt leicht, den Kern von Figuren in Piranha Bytes-Spielen auf „dreckige Arschlöcher, die dir ständig an den Kragen wollen“ herunterzubrechen, aber so sind wir im Pott nun mal nicht. Etwas rau und schroff, das mag sein, aber trotzdem überwiegend freundlich und immer für einen lustigen Spruch zu haben. Wir fassen uns kurz und kommen schnell zum Punkt, da wird nicht lange geschwafelt. So, ihr Penner, wir kommen in diesem Sinne jetzt mal zum nächsten Punkt.

Wenn Leute nett zu dir sind, bist du auch nett zu ihnen… © Piranha Bytes

 

Die handgemachten Welten

Wir werden nicht groß auf die Stories der Spiele zu sprechen kommen, denn diese sind einfach nicht Piranha Bytes Stärke. Klar gibt es interessante Aspekte in ihnen, aber heruntergebrochen sind es standardmäßige Fantasy-Stories, die sich zu weiten Teilen gut vorhersagen lassen. Nein, die größte Stärke der PB-Spiele sind die lebendigen und handgemachten Spielwelten, die zum Entdecken und Erkunden einladen und euch immer mit neuen Aufgaben versorgen. Dabei sind diese Welten oftmals nicht so massiv groß, sondern eher kompakt und dennoch fühlen sie sich an, als könnte man sich in ihnen verlieren. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, so ist die Welt von Gothic 3 zwar riesig, aber dafür auch an vielen Stellen recht leer. Hier kommt ein Aspekt in Rollenspielen auf, der mich einfach stört. So wird auch z.B. Skyrim als eine der besten Spielwelten angesehen, aber auch diese ist ob ihrer Größe einfach nur leer und leblos und dient mehr dazu, damit ihr von Stadt zu Stadt und zur nächsten Ruine laufen könnt.

Und wo wir bei den Ruinen sind, diese sind meist einfach nur nach dem Schema F schlauchige Wege bis zum Ende. Piranha Bytes jedoch schafft es, Dungeons und alte Tempelanlagen interessant zu gestalten, sie mit cleveren Rätseln zu füllen und euch erfüllende Belohnungen zu schenken. Wie gesagt, mit manchen Titeln wie bei Gothic 3 oder Risen 2 ging es auch mal ausnahmsweise daneben, ansonsten sind die Welten von Spielen der Piranhas aber immer eine Reise wert. Aber wertvolle Schätze und scharfe Schwerter sind nicht alles, was ihr in den Nischen und Höhlen der Welten vorfinden werdet.

Ein idyllischer Teich, im Hintergrund ragt bedrohlich ein Vulkan in die Höhe, in dessen Schatten eine alte Burg erbaut wurde. Die Piranhas wissen einfach, wie sie eine lebhafte Welt gestalten. © Piranha Bytes

 

Der knackige Schwierigkeitsgrad

Tod. Ich meine den Tod. Ihr werdet den Tod finden. Sehr oft. Mit Spielen von Piranha Bytes ist nicht gut Kirschen essen, denn passend zum ersten Thema, dem Ruhrpott-Charme, geben sie euch durchgehend volles Pfund auf’s Maul. Klar, es ist immer noch kein Dark Souls, trotzdem können auch Gothic, Risen und Elex erbarmungslos sein. Biegt ihr auch nur einmal falsch ab, dann steht ihr auf einmal vor einem riesigen Troll, einem schwer bewaffneten Echsenmenschen oder einer grauseligen mutierten Kreatur. Hey, immerhin werdet ihr von den NPCs gewarnt. „Geh nicht in den Wald“, „Da musst du dich in Acht nehmen“ und „Mit DER Waffe wird das bestimmt nichts“ sind gut gemeinte Warnungen, die ihr beachten solltet.

Piranha Bytes hat sich so einen Ruf erarbeitet, dass ihre Spiele nur etwas für hartgesottenen Typen und Typinnen ist. Gut, vielleicht werden manche Spiele automatisch schwieriger, weil die Steuerung manchmal etwas klobig ist, aber die kann man meistern und bekommt dann trotzdem auf die Fresse. Nein, hier solltet ihr auf die gut gemeinten Ratschläge hören, erst mal ein paar Lernpunkte in nützliche Fähigkeiten investieren, euch eine ordentliche Waffe besorgen und dann könnt ihr es ja nochmal probieren. Und es fühlt sich so belohnend an, wenn man gegen Ende des Spiels diese fiesen Viecher dann endgültig und fast problemlos ausrottet. Das hat man sich dann erarbeitet.

Tja, was macht man, wenn man solch einem Viech gegenübersteht? Die Antwort lautet: Nicht viel. © Piranha Bytes

 

Das Fraktionen-System

Das gehört einfach zu einem Piranha Bytes-Spiel dazu wie der Käse auf die Pizza. Ihr schließt euch einer Gemeinschaft an, erledigt für diese Aufgaben und lernt deren spezielle Fähigkeiten. Der Beitritt einer Fraktion ist dabei immer essenziell für das Voranschreiten der Geschichte und erhöht so auch den Wiederspielwert. Was passiert, wenn Piranha Bytes mal auf diese Formel verzichtet, konnte man dann in Risen 2 sehen. Hier konnte man sich keiner Fraktion anschließen, sondern nur eine von zwei Gruppierungen unterstützen. Die Möglichkeiten, die sich dadurch eröffneten, waren begrenzt und zogen so das Spielgefühl ein wenig runter.

Das machten Risen 2 zu einem der schwächsten Piranha Bytes-Titel und wurde mit Teil 3 dann direkt wieder behoben, wo man sich dann wieder eine von drei Gruppierungen aussuchen konnte und dies hob die Qualität des Spiels direkt wieder über den zweiten Teil. Also bewies sich Piranha Bytes quasi: Die Fraktionen sind einfach ihr Ding, eine Art Markenzeichen, welches sie wohl nie wieder komplett loswerden können. Aber das ist ja nichts negatives, denn wie gesagt regt es so die Spieler an, mehrere Durchläufe zu wagen, um die verschiedenen Gilden und Fraktionen alle mal kennenzulernen. In Elex 2 wird es sogar fünf Fraktionen geben, somit wird es wohl noch viel mehr Variation geben als je zuvor.

So fing das alles damals mit den Fraktionen an: Drei Lager, eine Entscheidung. © Piranha Bytes

 

Die kreativen Lösungsansätze für Quests

Wie ich bereits erwähnte sind die Hauptgeschichten der Spiele jetzt nicht die anspruchsvollsten Erzählungen, die einem einfallen. Da gibt es einen bösen Dämonen, fiese Drachen, einen bösen Titanen oder eine übermächtige Armee, die ihren Palast in einer eisigen Wüste hat. Das bedient halt die Fantasy-Klischees so derbe, aber das ist bei diesen Spielen wirklich nur Nebensache. Denn bevor ihr das große Böse besiegt, erlebt ihr abseits des Weges so manche tollen Geschichten. Und viele dieser Nebenquests lassen sich auf unterschiedliche Arten lösen und erhöhen so, wie schon zuvor das Fraktionen-System, den Wiederspielwert immens.

Natürlich gibt es auch die üblichen Aufgaben wie eine Horde Monster besiegen, eine gewisse Anzahl an Gegenständen finden oder einem NPC folgen. Aber dazwischen sind auch mal sehr clevere und unkonventionelle Questreihen gesät. Da wäre zum Beispiel die Chromanin-Schnitzeljagd in Gothic, die Suche nach Stahlbarts Schatz in Risen und eine der besten Quests in Risen 2 mit einem außergewöhnlichen Twist, die zwar am Ende etwas schwach aufgelöst wird, wenn man den Twist vorher schon weiß, aber dennoch erinnerungswürdig bleibt. Auf jeden Fall bekommt man in diesen Spielen immer etwas zu tun und langweilig sind diese Aufgaben selten.

Die Garcia-Quest in Risen 2 ist bis heute eine der durchdachtesten Quests in PB-Spielen…nun, zumindest für eine Weile. © Piranha Bytes

 

Die Bugs und Fehlerchen

Ja, auch das gehört zu Gothic, Risen & Co. dazu. Dabei ist es gar nicht abwertend gemeint, diesen Fakt als einen Absatz in dieser Top 7 zu nennen, denn nur die wenigsten Fehler in den Spielen sind Gamebreaking. Soll heißen: Unspielbar machen die meisten Bugs diese Spiele nie, sie dienen vielmehr dem Amüsement. Und sie zeigen, dass es sich hier einfach um ein kleines Entwicklerteam handelt, dem halt einige Dinge einfach entgehen können. Ich persönlich finde, es verleiht den Spielen einen ganz eigenen Charme und natürlich sind Spiele von Piranha Bytes nicht die einzigen Spiele der Welt, die Bugs beinhalten.

Aber vor allem Gothic-Bugs waren so herrlich bizarr und konnten manchmal sogar für das Spiel ausgenutzt werden. Gelegentliche Spieler werden vielleicht sagen, dass sie solche Sachen aus dem Spielerlebnis herausziehen, aber als Fan muss ich sagen, dass immer ein Gedanke wie „Ach schau, ein typischer Piranha Bytes-Bug, ist ja lustig“ aufkommt und dann ist die Sache auch vergessen. Sicher könnten die Spiele auch zu 100 % fehlerfrei sein, aber das wäre ja langweilig.

Diese Kuh kennt jede*r Gothic 3-Spieler*in und sie ist immer für einen Lacher gut. © Piranha Bytes

 

Die Community und das Entwicklerteam selbst

Tja, was macht die Spiele von Piranha Bytes so besonders? Na, Piranha Bytes selbst natürlich. Wer bereits einmal ein Mitglied des Teams getroffen hat der weiß, das ist ein ganz toller Haufen Menschen. Klingt wie Arschkriecherei, ist aber wahr. Ein gutes Beispiel war ein Livestream von Gronkh, in dem er eine frühe Version von Elex 2 anspielen konnte und zwar mit Björn und Jenny Pankratz von den Piranhas. Im Chat konnte man viele Sachen lesen wie „Oh, wer sind denn die Beiden? Die sind aber symphatisch“ oder „Wow, echt lustige und nette Leute die Zwei“ usw. Es war klar, dass die Art von Björn und Jenny auch sehr gut bei Menschen ankam, die sie zuvor noch nicht kannten. Als jemand, der auch noch mehr Mitglieder aus dem Team kennenlernen durfte, kann ich sagen, dass wohl das gesamte Team diese Aura ausstrahlt.

Und dann wäre da noch die Community, die nicht nur seit über 20 Jahren immer noch religiös auf jedes neue Spiel warten, sondern auch aktiv mitarbeiten. Fast schon legendär ist der Community-Patch für Gothic 3, welches aufgrund von Zeitdruck und Druck des Publishers echt unfertig erschien und durch den Patch aber nicht nur deutlich fehlerfreier wurde, sondern auch viele neue Inhalte bekam. Und Stichwort neue Inhalte: Auch die Modding-Community ist fleißig am Werk und erschafft neue Spiele basierend auf den Piranha Bytes-IPs am laufenden Band. Besonders Gothic 2 ist bei Moddern ein beliebter Grundstein. Entweder werden neue Gegenstände, Missionen und Fähigkeiten zu Gothic 2 selbst hinzugefügt, manchmal entstehen sogar komplett neue Spiele wie das von Fans sehr gefeierte Legend of Ahssun. Sowohl vor als auch hinter den Kulissen befinden sich also viele wunderbare Menschen, die Gothic, Risen und Elex leben, feiern und mit Spannung auf die Zukunft des Entwicklerstudios aus dem Pott blicken.

Die Jungs und Mädels von Piranha Bytes sind einfach ein sympathischer Haufen. Punkt. © Piranha Bytes

 

Und das war sie also, unsere Top 7 Punkte, welche die Spiele von Piranha Bytes so besonders machen. Wie seid ihr mit den Piranhas in Berührung gekommen? Seid ihr schon seit 2001 mit Gothic dabei oder seid ihr später eingestiegen? Welches ist euer liebstes Spiel der Essener? Und freut ihr euch auch so doll wie Bolle auf Elex 2? All diese Frage könnt ihr uns gerne in den Kommentaren beantworten. Wir blicken jedenfalls gespannt auf den 1. März 2022, wenn Elex 2 einschlägt und uns neues gutes deutsches Rollenspielfutter bescheren wird.

 

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Geschrieben von Maarten Cherek
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