James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

Kritik zum Daniel-Craig-Abschied

Lange Zeit mussten wir warten. Mittlerweile sind es sechs Jahre vergangen, seit wir unseren liebsten britischen Agenten James Bond das letzte Mal auf der Leinwand beobachten konnten. Anno 2015, zum Release von Spectre, schien es sogar so, als würde Daniel Craig nie wieder in die Haut des Spions schlüpfen. Nach einigem Hin und Her sollte Bond 25 dann im April 2020 anlaufen und das Finale von Craigs ikonischer Verkörperung darstellen. Und dann kam Corona… James Bond 007: Keine Zeit zu sterben musste etliche Verschiebungen hinnehmen, wurde zwischenzeitlich von Amazon und Netflix umgarnt und steht nun aber endlich dort, wo der Film hingehört: Ins Kino. Ob sich das Warten gelohnt hat und ob Daniel Craig einen würdigen Abschied feiert, klären wir in unserer Kritik.

 

Die Story von James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

007 befindet sich im wohlverdienten Ruhestand. Doch nur weil sich Bond dazu entscheidet, selbst nicht mehr für den MI6 auf Verbrecherjagd zu gehen, bedeutet das nicht, dass die Schurken dieser Welt einfach aufhören, böse zu sein. So wird er schnell von seiner Vergangenheit eingeholt und sieht sich wieder im Dienst – zumindest mehr oder weniger. Zwischen MI6, Felix Leiter und seiner Geliebten Madeleine Swann kämpft Bond gegen die Dämonen seiner Vergangenheit. Über die Story wollen wir an dieser Stelle nicht zu viel verraten, da Keine Zeit zu sterben tatsächlich versucht, alle losen Enden der vorherigen Craig-Bonds zusammenzuführen. Warum das jedoch nicht so ganz funktioniert, versuchen wir nun zu entschlüsseln.

 

Unsere Kritik zu James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

Endlich ist er da! Keine Zeit zu sterben läuft endlich in den Kinos! Die Vorfreude unter Bond-Fans ist entsprechend hoch, die lange Wartezeit hat den Hype in absurde Höhen steigen lassen. Vielleicht ist es genau diese Tatsache zusammen mit dem Abschied von Craig, die den Film auf recht hohem Niveau scheitern lassen. Ihr lest richtig: Leider ist Keine Zeit zu sterben nur ein mittelmäßiger Bond geworden. Durch die James-Bond-Fanbrille betrachtet, hat der Film eigentlich alles, was wir Agenten-Fans erwarten: Action, exotische Schauplätze, den einen oder anderen flotten Spruch, einige Gadgets und eine weltbedrohliche Gefahr samt verrücktem Superschurken. Doch ironischerweise sind diese Punkte zwar alle irgendwie vorhanden, zünden aber kaum zur vollen Zufriedenheit. Schauen wir uns die einzelnen Aspekte doch einmal en Detail an.

Action können sie…

Wenn man den Machern von James Bond eines zusprechen kann, ist es das gewisse Händchen für Action. Wo Regisseur Cary Fukunaga noch ein Neuling ist, zeigt das Produzenten-Duo Wilson/Broccoli, wie Actionkino im Bonduniversum funktioniert. Keine Zeit zu sterben besitzt gute Actionsequenzen, die im Moment des Geschehens auch gut funktionieren, doch leider kaum langfristig im Gedächtnis bleiben. Viele ältere Bond-Streifen glänzten mit Actionpassagen, die sich ins Hirn eingebrannt haben: Das Radioteleskop aus Goldeneye, die Parcours-Szene aus Casino Royale oder das Duell mit Scaramanga in Der Mann mit dem goldenen Colt. Jeder Bondzuschauer wird eine ikonische Szene benennen können – und keine wird aus Keine Zeit zu sterben stammen. Wo man mit Ein Quantum Trost ein Quäntchen zu viel Action eingebaut hat, fehlen dem aktuellen Streifen wirklich eindringliche Actionpassagen. Hier wäre eindeutig mehr drin gewesen!

Das Trailerproblem

Old hat dieses Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie man einen Film nicht vermarkten sollte. Die Trailer zum Mystery-Thriller hatten im voraus bereits nahezu die gesamte Story verraten – und leider haben die langen, ausufernden Vorschauen zu Keine Zeit zu sterben dem Film nicht gerade gut getan. Im Prinzip ist jedes Setpiece durch die Trailer bereits bekannt – Überraschungen oder große WTF-Momente gibt es so gut wie gar nicht. Natürlich hat der Film einiges zu zeigen und zu erzählen, doch der Zuschauer sollte nicht erwarten, hier völlig vom Hocker gehauen zu werden. Bei den Trailern wäre hier eindeutig weniger mehr gewesen.

007 und die bösen Buben

Mit Rami Malek als Bösewicht hat man auf dem Papier eine wirklich exzellente Wahl getroffen. Ihr merkt es schon: Wirklich viel hat man aus der Verpflichtung leider nicht gemacht. Wo Christoph Waltz als Blofeld in Spectre noch ein echtes Highlight war, ist Maleks Lyutsifer Safin eine absolute Enttäuschung. Selbst bei einer viel zu langen Laufzeit von über zweieinhalb Stunden kriegt Safin erst gegen Ende eine ordentliche Portion Screentime spendiert. 80 Prozent des Filmes ist er zum einen nicht wirklich wichtig und daher zum anderen auch einfach nicht zu sehen. Beim schauspielerischen Talent, das Rami Malek eigentlich besitzt, eine ziemliche Verschwendung. Aber auch abseits davon hat Safin als Schurke kaum etwas zu bieten. Woher kommt er? Warum verfolgt er seinen bösen Plan – und was ist sein Plan eigentlich genau? Selbst derart grundlegende Fragen beantwortet der Film nur ansatzweise. Und das ist generell das größte Problem von Keine Zeit zu sterben: Der Film gibt zu oft vor, ganz groß zu sein und ganz viele Mysterien bereitzuhalten – die am Ende aber alle verpuffen.

Der ganz große Feuerball

Mit Keine Zeit zu sterben versucht man nicht nur, die Craig-Ära würdig zu beenden, man möchte auch alle bisherigen Agenten-Auftritte des aktuellen Bonds zusammenführen. Viele lose Enden, Vesper Lynd, Spectre, Blofeld und Co., werden aufgegriffen, in den Raum geworfen und dann einfach liegen gelassen. Gerade um Bonds geliebte Madeleine werden immer wieder große Geheimnisse gesponnen, bei denen man als Zuschauer wirklich wissen möchte, was dahintersteckt. Leider werden diese losen Enden nie wirklich sinnvoll verwoben oder befriedigend aufgelöst. Generell steckt erstaunlich wenig klassischer Bond im neuen Bond. Natürlich kokettieren die Macher mit Bonds Alter, seinem Rückzug aus dem aktiven Dienst, seinen antiquierten Vorgehensweisen und vielen weiteren Aspekten der Craig-Ära. Doch so richtig will das alles nicht zünden. Der Bond-typische trockene Humor blitzt nur ganz selten durch und auch Craig wirkt müde und routiniert. Vielleicht ist sein Abgang genau richtig gewählt.

Das Ende vom Ende

Warnung: Im kommenden Absatz sprechen wir offen über das Ende des Films. Oder anders gesagt: SPOILERGEFAHR!!!

Wie beendet man nun die Ära von Daniel Craig? Tatsächlich ist das eingetroffen, was schon lange durchs Internet kursierte. James Bond lässt sein Leben. Und das ist so eindeutig inszeniert, dass es doch etwas überraschend kommt. Hier bleibt keine Hintertür offen, dieses Ende ist final. Und das ist dahingehend traurig, weil James Bond in Keine Zeit zu sterben das erste Mal so richtig menschlich wirkt. Er ist verletzlich, zeigt Emotionen und muss sich sogar mit einer ganz neuen Situation auseinandersetzen, die wir hier dann doch nicht verraten wollen – ein bisschen Überraschung soll ja auch bestehen. Das Finale von Craig ist also definitiv final, gerade gegen Ende doch etwas absehbar und recht routiniert erzählt. Ein bisschen Frust beschert zudem die finale Location. Grauer, trister und ideenärmer geht es leider kaum. Hier hätte man durchaus mehr rausholen können. Schade!

Quo Vadis, James?

Für die Zukunft der Serie haben sich die Macher mit Keine Zeit zu sterben übrigens keinen Gefallen getan. Im Film wird sehr oft erwähnt, dass 007 ja nur eine Nummer sei – die Tür für eine Frau als Bond ist somit zumindest schon einmal leicht aufgestoßen. Doch gerade durch die starke Emotionalisierung und Vermenschlichung der Figur des Bonds im aktuellen Film steht man vor einem Dilemma. Wie geht es in Zukunft weiter? Setzt man auf ein komplettes Reboot und tauscht alle Charaktere aus? M, Moneypenny, Q und Co. würden dann neubesetzt, was eine unschöne Entscheidung wäre, da die aktuelle Besetzung der Kultfiguren wirklich gut funktioniert. Setzt man einfach einen neuen Bond ein, der einfach in die aktuelle Timeline fällt? Auch das wäre mehr als komisch, gerade aufgrund des rigorosen Finales. Oder setzt man auf ein Soft-Reboot, sprich die Besetzungen bleiben, doch die Figuren werden quasi auf null gesetzt? Auch das wäre aufgrund der Ereignisse in Keine Zeit zu sterben eine merkwürdige, unbefriedigende Erscheinung. Ihr merkt also, dass es kompliziert wird – egal wer am Ende in die Fußstapfen von Daniel Craig treten wird.

15 Jahre Craig – das war’s

Und das war er nun – der letzte Bond mit Daniel Craig. Wer die Rolle in Zukunft übernehmen wird, steht noch in den Sternen. Von Idris Elba über Tom Hardy bis hin zu Henry Cavill scheint jeder zweite Hollywood-Star im Rennen zu sein.
Daniel Craigs Reise endet jedoch und ist ein solider Bond mit einigen Schwächen geworden. Gerade der Bösewicht fällt auf ganzer Linie durch und auch die Action kommt etwas zu routiniert daher. Fans der Craig-Saga dürfen sich auf einige Schocks und Überraschungen gefasst machen, die in einem Finale voller Hochs und Tiefs endet. Unbedingt erwähnt sei noch, dass man im besten Falle alle Craig-Bonds gesehen haben sollte. Da die vielen offenen Enden der vorherigen Filme zusammengeführt werden sollen, ist hier definitiv Vorkenntnis von Nöten. Zudem sollte man einiges an Sitzfleisch mitbringen, da Keine Zeit zu sterben mit 163 Minuten extrem lang – mindestens 30 Minuten zu lang – auftrumpft.
Keine Zeit zu sterben ist das Ende einer Ära, was unter normalen Umständen ein solider Bond gewesen wäre. Als Abschlussfilm von Daniel Craig leistet sich der Film dann aber doch zu viele Schnitzer, um als voll zufriedenstellendes Erlebnis durchzugehen. Ein solider Bond, ein mittelmäßiger Abschied!

 

Informationen zu James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

  • Originaltitel: James Bond 007: No Time To Die
  • Laufzeit: ca. 163 Minuten
  • Kinostart: 30. September 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 12 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Daniel Craig, Christoph Waltz, Rami Malek

Trailer zu James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

  • (C) MGM
    Fazit zu James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

    Für mich war und ist Keine Zeit zu sterben neben dem kommenden Spiderman der wohl größte Blockbuster des Jahres 2021. Ich bin mit Bond als Gesamtfigur aber gerade mit der Craig-Version groß geworden und habe diese Iteration der Figur lieben gelernt. Umso erstaunter war ich dann, wie relativ emotionslos mich Keine Zeit zu sterben zurückgelassen hat. Beim Bond-typischen Intro hatte ich noch Gänsehaut und ja, auch ein paar Tränchen im Auge – doch irgendwann ertappte ich mich sogar dabei, dass ich während des Films auf die Uhr guckte. Die lange Laufzeit, die generische Action, der generelle Umgang mit kleinen Details und Nebenhandlungssträngen, die einfach im Nichts verlaufen, konnten mich am Ende einfach nur bedingt überzeugen. Als Bond-Fan hatte ich trotzdem meinen Spaß, aber ohne die rosarote Brille ist Keine Zeit zu sterben leider nur Mittelmaß. Umso gespannter bin ich auf die Zukunft der Reihe.

    Lukas Hesselmann, Redakteur
Finaler Auftritt von Daniel Craig als Bond
Soll die Story von Casino Royal und Co. abschließen
Gute Action, leider ohne Bond-Wiedererkennungswert
Viele Plotholes und unlogische Sequenzen

Ab ins Kino?

Für Bond-Fans ist Keine Zeit zu sterben natürlich ein absoluter Pflichtbesuch. Anderweitig Interessierte sollten zunächst die älteren Craig-Bonds sichten.

Share This Post
Deine Meinung?
02
Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.