OLD

Kritik zum neuen Shyamalan-Thriller

Wenn ein neuer Film von Regisseur M. Night Shyamalan im Kino anläuft, gibt es eigentlich nur diese möglichen Ausgänge: Entweder wir bekommen einen modernen Klassiker zu sehen, geschehen bei The Sixth Sense oder auch Split, oder wir erleben ein absolutes Desaster – After Earth, Signs und vieles mehr. Mit OLD schafft es der Filmemacher nun aber erstmals einen absolut mittelmäßigen Film abzuliefern, der vor allem an einer Sache scheitert: Dem aggressiven Trailer-Marketing! Warum OLD weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, klären wir hier in unserer Kritik.

 

Die Story von OLD

Wer auch nur einen einzigen Trailer zu OLD gesehen hat, kennt im Prinzip schon die gesamte Geschichte des Films. Eine Gruppe Urlauber findet sich an einem versteckten Strand wieder, der ihnen von der Hotelleitung ihres Ferienressorts empfohlen wurde. Schnell merken die Touristen allerdings, dass etwas mit diesem Strand nicht stimmt: Eine halbe Stunde kostet sie ein ganzes Jahr – oder anders formuliert: Die Menschen am Strand altern viel schneller als normal. Schnell sind die Kinder der Reisegruppe erwachsen, die ersten älteren Menschen sterben. Die Urlaubstruppe muss nun herausfinden, wie sie vom Strand entkommen kann und was genau mit ihnen passiert.

 

Unsere Kritik zu OLD

Ein kurzer Hinweis vorweg: Shyamalan-Filme bieten immer ein gigantisches Spoilerpontenzial, da der Regisseur mit Twists, Wendungen und Überraschungen selten geizt. Im Vergleich zu älteren Werken ist OLD zwar weitaus zahmer, nichtsdestotrotz sprechen wir hier eine Spoilerwarnung aus!

Da wir jetzt unter uns sind, verraten wir euch ein Geheimnis: Wenn ihr in den ersten fünf Minuten des Films aufpasst und die Trailer gesehen habt, gibt es gar nichts, was wir spoilern könnten. M. Night scheint irgendwie ein Problem mit guten Filmenden zu haben – mit wenigen positiven Ausnahmen. Aber OLD bietet final eine derart an den Haaren herbeigezogene Auflösung, dass es wirklich traurig und ärgerlich ist. Die Prämisse des Filmes ist nämlich eigentlich wirklich spannend. Wie würde man reagieren, wenn man nur noch x Stunden zu leben hat? Was würde man tun, wenn man jede Stunde zwei Jahre älter wird? Leider greift OLD diesen interessanten Ansatz nur selten wirklich überzeugend auf.

wAs IsT hIeR LoS?!

Stattdessen vergeudet der Film unfassbar viel Zeit damit, seine Prämisse aufzubauen. Die Urlauber sind recht schnell am Strand und von dort an zieht sich die Story wie ein altes Kaugummi unterm Kinositz, in das man aus Versehen reinpackt. Was könnte hier nur passieren? Unsere Kinder sind auf einmal nicht mehr klein, sondern Teenager – was ist da denn los? Erklärungsversuch einer Filmfigur: Vielleicht haben sie etwas falsches gegessen – ja genau, das wird’s sein. Wir notieren also: Die Hauptfiguren sind nicht besonders schlau, ebenso das Ende bzw. die Auflösung des Films. Dazu nur so viel: Relativ früh wird eine Gesundheitsorganisation auf der Urlaubsinsel erwähnt. Den Rest überlassen wir euch.
Wie gehen denn die Urlauber nun mit der für sie bedrohlichen Lage um? Nun, sie versuchen natürlich zu fliehen, klar. Der einfachste Weg scheint der zu sein, über den sie auch auf den Strand gelangen konnten – durch eine Höhle. Der erste Versuch scheitert, da sie irgendetwas in der Höhle daran hindert, sie zu durchqueren. Der Fliehende landet ohnmächtig wieder am Strand. Logisch wäre es nun, einen anderen Weg zu suchen. Aber nein, natürlich müssen noch drei weitere Leute in die Höhle rennen, um das gleiche Schicksal zu erleben. Überraschung! Warum der Höhlenweg nicht klappt, wird übrigens nie wirklich aufgeklärt.

Der verdammte Trailer

Wie vermarktet man einen Film, dessen Handlung einzig und alleine daraus besteht, dass Menschen überdurchschnittlich schnell altern? Eine schwierige Frage, bei der die Macher von OLD anscheinend auch keine Antwort parat hatten. Bei der vorangegangenen Trailerkampagne wurde, bis auf die (maue) finale Auflösung, wirklich alles verraten. Jeder einzelne Fluchtversuch wurde schon gezeigt, jede noch so schockierende Szene – Stichwort Blutvergiftung – war schon zuvor zu sehen. Das nimmt dem Film nicht nur jegliche Spannung, sondern macht im Nachhinein auch wütend. Man verbringt 108 Minuten damit, ein Mysterium zu verfolgen und am Ende stellt sich heraus, dass zum kostenlosen Trailer eigentlich nichts Essentielles dazugekommen ist. Keine große Überraschung, kein neuer Twist, den man so nicht erwartet hat. Versteht uns nicht falsch, die Trailer sollen nun einmal vermitteln, worum es in OLD geht – das ist der Sinn und Zweck dieses Marketingmediums. Allerdings sollte die Vorschau nicht nahezu alles verraten. Das ist gerade bei einem Thriller wie OLD der Genickbruch.

Wo ist die Kamera?

Und dann gibt es noch eine Sache, die ungemein stört und irgendwie überraschend ist. Die Kameraführung in OLD ist der absolute Graus. Beispielhaft möchten wir das an einer Szene verdeutlichen, die – welch Überraschung – eh schon im Trailer zu sehen war. Nachdem die Besucher am Strand merken, dass der Weg durch die Höhlen nicht passierbar ist, entscheiden sie sich für die Flucht nach oben. Eine Urlauberin wagt den Aufstieg der Klippen, die den Strand umgeben. Um ein Gefühl für die schwindelerregende Höhe zu bekommen, wäre es nun sinnvoll, eine Totalansicht der Klippe zu zeigen, mit der Kletternden in luftiger Höhe. Das passiert aber nicht. Stattdessen wechselt das Bild ständig von einer Close-Aufnahme ihres Gesichts und Aufnahmen der anderen Urlauber, die nach oben starren. Als Zuschauer möchte man schreien: “Man Kameramann, Junge! Guck mal nach oben! Zeig mir, warum die Lage gerade verdammt bedrohlich ist!” Aber das passiert nicht. Und solche Momente gibt es immer wieder. Shyamalan hat für OLD eine “coole” Idee entwickelt, bei der die Protagonisten im Kreis stehen und die Kamera in der Mitte des Kreises um die eigene Achse rotiert. Der Sound ändert sich dabei so, dass man immer hört, wo der Sprechende gerade steht. Diese Kameradrehs sind aber so dämlich inszeniert, dass einzig die Augen beim Zusehen wehtun. Eigentlich beherrscht Shyamaln sein Handwerk, doch das war wohl nichts.

Hit oder Flop?

Ist OLD nun ein moderner Klassiker oder ein absoluter Flop? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Es ist mit Sicherheit nicht der beste Mystery-Thriller der letzten Jahre – aber auch kein Totalreinfall. Leider lässt der Film zu viel offen und flüchtet sich einige Male in die Erklärung “ist halt so, muss man hinnehmen”, wodurch einige Logiklöcher entstehen – Gift für Filme dieser Art. Ein großer Vorteil ist es, die Trailer vorher nicht gesehen zu haben, denn dann vermag OLD tatsächlich zu überraschen. Die Darsteller leisten größtenteils eine gute Vorstellung, die Prämisse an sich ist spannend. Aber wie so oft bleibt auch hier die Frage: Warum macht man so wenig aus so guten Grundlagen? Wäre die Werbung rund um den Film geheimnisvoller ausgefallen und hätte man ein cooleres Ende gedreht, wäre OLD ein guter Film. So gibt es aber zu viel zu bemängeln, sodass der Streifen am Ende leider eher in Richtung Flop kippt. Schade – da wäre mehr drin gewesen.

 

Informationen zu OLD

  • Originaltitel: OLD
  • Laufzeit: ca. 108 Minuten
  • Kinostart: 29. Juli 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Gael García Bernal, Alex Wolff, Ken Leung

Trailer zu OLD

  • (C) Universal Pictures
    Fazit zu OLD

    Ich bin hin und her gerissen. Eigentlich mag ich die Filme von M. Night Shyamalan und irgendwie will ich OLD auch mögen. Die Darsteller sind passend, die Grundidee auch. Tatsächlich gibt es sogar ein, zwei Szenen die richtig, richtig gut funktionieren. Doch am Ende steht und fällt ein solcher Film für mich immer mit der finalen, großen und hoffentlich überraschenden Auflösung – und die bietet OLD nicht. Mit der ersten Erwähnung des Pharmakonzerns war klar, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Hier wurde viel Potenzial verschenkt.

    Lukas Hesselmann, Redakteur

 

Gute Grundidee
Trailer verraten leider schon die komplette Story
Finale ist extrem vorhersehbar
Viele offene Fragen und Logiklöcher

Ab ins Kino?

Wer keinen Trailer zu OLD gesehen hat, kann dem Film eine Chance geben – alle anderen kennen den Streifen im Prinzip schon.

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Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies

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