Scream

Kritik zum potenziellen Horrorfilm des Jahres 2022

Zugegeben: Unsere Überschrift ist vielleicht ein bisschen provokant. Anfang Januar schon über den Horrorfilm des Jahres spekulieren – das ist natürlich ein bisschen übertrieben. Aber schaut man sich einmal an, was 2022 im Horrorgenre auf uns wartet, sieht 2022 eher mau aus. Klar, gerade in diesem Genre kann es immer kleine Überraschungshits geben, doch im Größenbereich eines Screams haben wir außer Halloween Ends und The Black Phone (bisher) nur wenig Konkurrenz. Abgesehen davon ist der neue Scream aber auch einfach eine gelungene Fortsetzung der Kultreihe. Warum uns Scream – tatsächlich ohne die 5 – so gut gefallen hat, verraten wir euch in unserer Kritik.

Die Story von Scream

Eigentlich scheint die Welt in Ordnung zu sein. Sidney Prescott hat eine Familie gegründet und Woodsboro hinter sich gelassen. Gale Weathers arbeitet wieder als TV-Moderatorin und Officer Dewey hat den Officer-Titel abgelehnt und “genießt” seinen Ruhestand. Doch natürlich bleibt es nicht lange ruhig, denn über ein Jahrzehnt nach den letzten Morden ist der Ghostface-Killer zurück. Eine Gruppe Teenager scheint im Fadenkreuz des Killers zu stehen, denn nach und nach werden Mitglieder dieses Freundeskreises auf brutale Art und Weise umgebracht. Die verängstigten Jugendlichen suchen Hilfe bei Dewey, der widerwillig zustimmt und sich mit auf die Jagd nach Ghostface macht. Nach und nach finden die Teens heraus, dass sie alle irgendwie mit den allerersten Morden in Verbindung stehen. So ist Hauptfigur Sam beispielsweise die uneheliche Tochter von Billy Lumis – Fans der Reihe wissen Bescheid. Der Leichenberg wird immer größer und wie immer steht die Frage im Raum: Wer steckt unter der Ghostface-Maske und vor allem: Wie funktioniert eine Fortsetzung eines kultigen Horrorfilms 2022?

Unsere Kritik zu Scream

Scream (5) hat keinen leichten Stand. Die ersten drei Filme sind Kult und erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit bei Horrorfans. Was muss ein guter Scream-Film also haben? Zum einen ist das die extreme Meta-Ebene der Filme. Die Macher, allen voran Wes Craven, waren sich immer darüber im Klaren, was die Scream-Filme sind: Slasher. Und Slasher folgen seit jeher bestimmten Regeln. Scream spielte mit diesen Regeln, brach sie oder erfüllte sie bewusst, um sich darüber lustig zu machen. Zur Meta-Ebene gesellte sich also immer noch extrem makabrer Humor. Zum anderen spielen die Scream-Filme immer mit ihrem Mysterium: Wir wissen nie, wer unter der Ghostface-Maske steckt und sind am Ende meist genauso überrascht wie die Hauptfiguren. Natürlich gibt es abseits dieser Elemente noch kleinere Facetten, die immer wieder auftauchen, im Kern sind die Scream-Streifen jedoch das: Meta-Slasher mit unbekannten Killern und tiefschwarzem Humor. Trifft das auch auf den neuen Scream zu?

Meta made in 2022

Seit dem letzten Scream-Film aus dem Jahr 2011 hat sich einiges getan. Streamingdienste und Social Media sind unverzichtbar geworden und alte Horrorkultserien versuchen in regelmäßigen Abständen zurückzukehren. Mit Halloween Kills lief erst im vergangenen Jahr ein solcher Versuch in den Kinos. Und auch 2022 sollen zumindest Texas Chainsaw Masscre und Jeepers Creepers zurückkehren – und eben Scream. Scream wäre jedoch nicht Scream, wenn man aus dieser späten Rückkehr keine Tugend machen würde. Und so erhalten wir den “Was-muss-ein-Horrorfilm-haben”-Monolog, den Fans aus allen Filmen der Serie kennen, nur eben angepasst auf die neue Situation. Die Filmfiguren sprechen also darüber, dass eine Neuauflage zum Beispiel die alten Stars dabei haben muss – check. Besonders cool sei es zudem, wenn der Film einfach den alten Namen behält und keine Zahl drangehangen bekommt – check. Außerdem müssen die alten Fans befriedigt und gleichzeitig neue Zuschauer angelockt werden – 50/50 check.

Vorwissen ist ein Muss

Ihr merkt schon, die Meta-Ebene hat Scream 2022 voll und ganz beibehalten und in die aktuelle Zeit verfrachtet. Die Macher wissen immer noch genau, um was für einen Film es sich bei ihrem neusten Werk handelt. Als Zuschauer muss man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass man die alten Filme gesehen haben muss. Da im Prinzip jeder neue Charakter irgendwie mit den alten Streifen zusammenhängt, versteht man ohne Vorwissen vermutlich nur Bahnhof. Warum ist es zum Beispiel so ein Schock, dass Hauptfigur Sam Carpenter die Tochter von Billy Lumis ist? Fällt euch was beim Namen auf? Richtig, Carpenter, wie bei John Carpenter. Dass eine andere Figur Wes heißt und eine der Figuren in der Elm Street wohnt, dürfte euch dann vermutlich auch ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wo waren wir? Richtig, Vorwissen. Scream baut stark auf die alten Geschichten auf, führt sie fort und leistet auf diesem Gebiet 1a Fanservice. Für Neueinsteiger könnten die vielen Namen und Verwandtschaftsverhältnisse jedoch etwas abschreckend und verwirrend wirken.

Wer ist der Killer?

Ein Unterschied zwischen Scream und zum Beispiel Nightmare on Elm Street ist, dass wir nie wissen, wer dieses Mal Ghostface ist. Ghostface ist nicht DER eine Killer, so wie Freddy, Jason, Michael Meyers oder Leatherface, sondern viel mehr eine immer wieder wechselnde Identität. Wir verraten euch natürlich nicht, wer unter der Maske steckt, wollen jedoch einige spoilerfreie Dinge zur Auflösung loswerden: In jedem anderen Horrorfilm würde man sich denken, dass die Auflösung und vor allem das Motiv des Täters (oder der Täter?) unfassbar konstruiert wirkt. Nun ist Scream aber eben nicht irgendein Horrorfilm, sondern dieses Meta-Werk, das selbst bei der Auflösung nicht auf diese Schiene verzichten möchte. Also auch hier der Hinweis: Die Auflösung zur Ghostface-Identität ist nur dann wirklich befriedigend und schlüssig, wenn ihr euch auf die Funktionsweise von Scream als Ganzes einlasst.

Scream - Schrei!
  • Amazon Prime Video (Video on Demand)
  • David Arquette, Neve Campbell, Courteney Cox (Schauspieler)
  • Wes Craven (Regisseur) - Kevin Williamson (Autor) - Cary Woods (Produzent)
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 18 Jahren

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Habt ihr Angst vor Scream?

Wir haben es schon oft angedeutet, wollen es hier aber nochmal klipp und klar sagen: Scream ist in erster Linie ein Slasher-Film und kein Atmosphärenhorror wie zum Beispiel A Quiet Place 2. Große Erschrecker solltet ihr also weniger erwarten. Stattdessen spielen die Macher mit den typischen Vorgehensweisen für derartige Filme und Szenen. Besonders gut funktioniert das in einer Szene, in der Wes alleine zuhause ist und vom Killer beobachtet wird. Ihr kennt diese Szenen: Ein Charakter macht eine Tür auf, die so die den Hintergrund der Szene verdeckt. Sobald die Figur die Tür wieder schließt, steht dort der Mörder, das Monster oder was auch immer und wir sollen uns erschrecken. Scream macht sich über diese unzählig oft gesehene Masche lustig und spult das gleiche Procedere mehrfach ab (sogar mit passender musikalischer Untermalung), ohne dass etwas passiert. Wenn wir dann denken, dass der Gag erneut abgespielt wird, werden wir von Ghostface überrascht. Ein einfacher und eigentlich dummer Trick, der im Kontext von Scream aber ganz anders wirkt.

So bitte häufiger

Scream meistert einen schwierigen Balanceakt: Der Film schafft es, die alten Charaktere behutsam und so pointiert einzusetzen, dass alte Fans auf ihre Kosten kommen, das Ganze aber nicht wie ein müder Abklatsch wirkt. Die alten Tugenden der Scream-Reihe werden beibehalten, gleichzeitig aber so clever ergänzt, dass der Streifen nicht aus der Zeit gefallen wirkt. Die Macher haben es tatsächlich geschafft, die kultige 90er/2000er-Reihe in ein zeitgemäßes Gewand zu packen. Viele Reihen, allen voran Nightmare on Elm Street, sind an diesem Vorhaben bisher gescheitert. Scream ist hingegen genau das, was sich die Fans erhofft haben. Ein böser Meta-Slasher, bei dem keine Gefangenen gemacht werden und am Ende niemand sicher zu sein scheint.

Informationen zu Scream (5)

  • Originaltitel: Scream
  • Laufzeit: ca. 115 Minuten
  • Kinostart: 13. Januar 2022
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Neve Campbell, David Arquette, Courteney Cox

Trailer zu Scream (5)

  • Scream
    Fazit zu Scream

    Ich habe mir zur Vorbereitung auf Scream nochmal alle Teile der Reihe angeguckt – zum Glück. Die Gefahr war daher groß, dass ich mit dem fünften Teil einen kleinen Ghostface-Overkill erleiden könnte. Doch tatsächlich ist das Gegenteil passiert: Der fünfte Teil hat sich so organisch in die Gesamtreihe eingefügt, dass ich fast schon Lust habe, die alten Filme nochmal zu gucken. Mir hat Scream wirklich großen Spaß gemacht und ich könnte mir vorstellen, dass 2022 kaum ein anderer Horrorfilm solche Gefühle auslösen könnte.

    Lukas Hesselmann, Redakteur
Fortsetzung der Kultreihe (auch ohne 5 im Titel)
Vorwissen der alten Filme ist ratsam
Blutig, brutal und bitterböse
Die Scream-typische Meta-Ebene bleibt erhalten

Ab ins Kino?

Für Horrorfans ist Scream Pflichtprogramm. Das gilt für die alten Filme wie für den neusten Teil!

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Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies
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