Escape Room 2: No Way Out

Kritik zur Horror-Fortsetzung

2019 gelang Sony Pictures mit Escape Room eine kleine Horrorsensation. Mit einer neuen Marke über 140 Millionen Dollar Gewinn einzufahren – das kann sich sehen lassen. Durch ein offenes Ende war den Zuschauern schon damals relativ klar, dass es irgendwann einen Nachfolger geben würde. Nun, zwei Jahre später, ist es soweit und Escape Room 2: No Way Out läuft in den hiesigen Kinos an. Der erste Teil konnte Anno 2019 durchaus mit guten Ansätzen punkten, ließ aber noch den letzten Feinschliff vermissen. Hat No Way Out eben diesen Feinschliff bekommen, oder ist auch der zweite Anlauf der Folter-Escape-Rooms nur ein solider Auftritt? Wir klären es in der Kritik zu Escape Room 2: No Way Out!

Die Story von Escape Room 2: No Way Out

Die Geschichte von Escape Room 2: No Way Out setzt ziemlich genau am Ende vom Erstling an. Die beiden Überlebenden Zoey und Ben schworen sich am Ende von Teil eins, der bösen Organisation Minos, die hinter den tödlichen Rätselräumen steckt, das Handwerk zu legen. Doch natürlich ist eine weltweit agierende Untergrundorganisation, die Menschen in extrem aufwändige Escape Rooms steckt, nicht so einfach zu schnappen. Und so kommt es, wie es kommen muss, und das Duo findet sich bald selbst in einem erneuten “Spiel” wieder.

Dieses Mal kann sich das Duo aber auf seine Mitspieler verlassen, die ebenfalls wie Zoey und Ben, bereits Escape Rooms von Minos überlebt haben. Der englischen Filmtitel, Tournament of Champions, verrät hier bereits mehr über die Handlung als das eher nichtssagende No Way Out. Zurück zu Handlung: Die neu zusammengewürfelte Gruppe muss wieder einmal Rätsel lösen, um sich von Raum zu Raum zu spielen. Können Zoey und Ben hinter das Geheimnis von Minos kommen? So viel sei schon einmal verraten: Einem dritten Teil steht nichts im Wege!

Unsere Kritik zu Escape Room 2: No Way Out

Wer den ersten Escape Room gesehen hat, weiß ziemlich genau, was er vom Nachfolger zu erwarten hat. No Way Out ist einfach mehr Escape Room, mehr vom ersten Teil, mehr, mehr, mehr – und das ist keinesfalls negativ gemeint. Tatsächlich wirkt Escape Room 2 anfangs so, als könnte er in die SAW-Falle tappen. Keine Sorge, inzwischen ist die Abgrenzung von SAW und Escape Room groß genug, sodass wir nicht ständig Vergleiche der beiden Reihen bemühen werden. Nur so viel: SAW machte irgendwann den Fehler, zu viel zu wollen, von der Geschichte zu groß zu werden.

Immer neue und wichtige Charaktere wurden eingeführt, die Story wurde immer komplexer, verschiedene Zeitstränge, unterschiedliche Killer und so weiter und so fort. Auch wenn Escape Room 2 hier Andeutungen macht, dass es eine vergleichsweise komplexe und große Hintergrundgeschichte geben KÖNNTE, fokussiert man sich schnell auf die Tugend der beiden Filme: Escape Rooms! Und das ist gut. Die böse Organisation Minos braucht aktuell noch keine große Tiefe, um zu funktionieren. Wie das nach Escape Room 4 und 5 aussieht, sei einmal dahingestellt, aber momentan fahren die Macher gut damit, den Fokus auf die Fallen zu legen und sich hier kreativ auszutoben.

Horrorneuland

Es tut uns unendlich leid, wir müssen unser Versprechen doch noch einmal brechen und auf SAW zu sprechen kommen. Erinnert ihr euch noch an SAW 2? Das ist der Teil, in dem eine Gruppe Gefangener gemeinsam aus einem Haus entkommen muss. Stichwort Spritzen unterm Bett, Ofen im Keller – ihr wisst schon. Diese Gruppe war nicht nur extrem unsympathisch, sondern bestand gefühlt nur aus Einzelkämpferarschlöchern.

Gleiches gilt übrigens auch für SAW 5, aber das nur am Rande. Escape Room 2 schafft etwas, mit dem wir so in diesem Genre eigentlich gar nicht mehr gerechnet hätten: Der Film arbeitet mit einer Protagonistengruppe, die tatsächlich relativ sympathisch ist und – Achtung, festhalten – zusammenarbeitet! Von Anfang an vertrauen sich die Figuren und hinterfragen nicht die Taten der Mitgefangenen. Alle wissen, dass sie nur zusammen aus diesem Spiel entkommen können. Es gibt keine egoistischen Einzelmärsche, keiner hintergeht die anderen. Das ist dermaßen erfrischend und selbst im Jahre 2021 noch einigermaßen neu. Horrorfilmfiguren, die sich der Situation angemessen und regelrecht klug agieren – wow! Der thematisch sehr ähnliche Streifen Follow Me bewies 2020 mehr als eindrucksvoll, wie das auch anders geht.

Im Rahmen der Möglichkeiten

Versteht uns bitte nicht falsch, das bedeutet natürlich nicht, dass Escape Room 2: No Way Out ein durchdachtes Storymeisterwerk darstellt. Der Film bewegt sich natürlich immer im Rahmen seines Genres. Die Grundidee, scheinbar zufällig ausgewählte No-Names in tödliche Escape Rooms zu packen, mag ja gut sein, ist aber doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Auch die absurde Komplexität dieser fallengespickten Räume bleibt im zweiten Teil erhalten. Escape Room 2 ist und bleibt halt ein übertriebener Horrorfilm – spielt aber im Rahmen dessen inhaltlich schon weiter oben mit.

Schon im ersten Teil fiel das Gewaltlevel vergleichsweise niedrig aus. Auch hier bleibt Teil 2 treu. Tatsächlich könnten wir sogar eine FSK 12-Freigabe nachvollziehen. Klar, das Thema ist nicht ohne und wie zu erwarten, verlieren die Spieler nach und nach ihr Leben. Das passiert aber recht zahm und unblutig, sodass auch Zuschauer mit schwachem Magen einen Kinobesuch in Betracht ziehen können.

Die Escape Rooms

Sprechen wir noch kurz über die namensgebenden Escape Rooms. Wie schon erwähnt, sind die Räume erneut völlig übertrieben designet – was aber auch den Spaß am Film ein wenig ausmacht. Die Rätsel wirken dabei teils ein wenig zu sehr konstruiert. Anders als im ersten Teil haben die Räume dieses Mal eine tatsächliche Verbindung zueinander, die wir aus Spoilergründen an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Das ist zumindest ein kleines Upgrade im Vergleich zum Erstling. Ein, zwei Raumtwists wurden leider in den Trailern schon preisgegeben, sodass die Überraschungen ein wenig geringer ausfallen. Ein absolutes Spoilerdebakel wie bei Old erwartet uns aber zum Glück nicht. Es macht einfach Spaß zu sehen, welche irren Rästel die Macher erstellt haben.

Doch auch wenn Minos als gesichtsloser, rein böser Verein aktuell noch funktioniert, hätten wir uns zumindest ein paar kleine Hinweise auf das große Ganze gewünscht. Teil eins ließ am Ende zumindest einen kurzen Blick hinter die Kulissen zu – Teil zwei lässt sich hier überhaupt nicht in die Karten schauen. Schade! Kleine verstreute Hinweise würden das Mysterium rund um Minos nicht zerstören, sondern nur neugierig auf mehr machen.

Reicht das?

Ob man nun Spaß mit Escape Room 2: No Way Out hat, lässt sich ganz einfach rausfinden. Wenn ihr den ersten Teil mochtet, ist die Fortsetzung wie gemacht für euch. Für Kenner des Erstlings wartet am Ende ein netter Twist, der tatsächlich einigermaßen überraschend kommt. Wer jedoch mit dem 2019er-Teil schon nicht warm wurde, wird auch hier keine Freude haben. Denn No Way Out ist wirklich nur mehr vom gleichen.

Das ist für den Moment noch völlig ausreichend, doch für den dritten Teil steigen die Erwartungen dann schon. Wie bereits geschrieben, dass es weitegeht, scheint nach dem Ende des Filmes klar. Doch für die Fortsetzung reicht es dann schon nicht mehr, einfach nur neue Escape Rooms aufzufahren. Das Fazit zum zweiten Teil ähnelt also dem zu Teil eins: Eine gute Grundlage, doch jetzt muss mehr kommen.

Informationen zu Escape Room 2: No Way Out

  • Originaltitel: Escape Room: Tournament of Champions
  • Laufzeit: ca. 88 Minuten
  • Kinostart: 19. August 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Taylor Russell, Logan Miller, Holland Roden

Trailer zu Escape Room 2: No Way Out

  • (C) Sony Pictures
    Fazit zu Escape Room 2: No Way Out

    2019 schrieb ich meine erste Kritik für NAT. Der Film war damals Escape Room. Nun, zwei Jahre später, bin ich wieder an diesem Punkt, nur dass dieses Mal eine 2 hinter dem Filmtitel steht. Ich bin nach wie vor ein Fan der Filmidee. Doch schon beim ersten Teil fehlte mir irgendwie das Fleisch am Filmknochen. Teil zwei bietet mehr vom gleichen, das ist grundsätzlich erst einmal gut. Für Teil drei muss aber dann wirklich ein bisschen mehr kommen, um mich zu überzeugen. Wer weiß, vielleicht lesen wir uns in zwei Jahren dann zu Escape Room 3: Escape again (oder so) wieder.

    Lukas Hesselmann, Redakteur

Fortsetzung zum 2019 erschienenen Horrorfilm
Fans vom Erstling bekommen mehr vom Gleichen
Spannende Fallenräume
Sympathische und verhältnismäßig kluge Hauptfiguren

Ab ins Kino?

Fans vom ersten Teil bekommen genau das, was sie erwarten. Wer noch unsicher ist, schaut Teil eins und entscheidet dann, ob er/sie mehr vom gleichen braucht.

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Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies
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