Resident Evil: Welcome to Raccoon City

Kritik zum Filmreboot

Resident Evil: Welcome to Raccoon City hat einiges aufzuarbeiten. Die bisherigen Realverfilmungen des Teams Anderson/Jovovich gelten gemeinhin als Paradebeispiel für missratene Videospielverfilmungen. So waren wohl die meisten Fans der Spielevorlage froh, als mit The Final Chapter 2016 das… nun ja, finale Kapitel der Reihe erschien. Fünf Jahre später versucht es Constantin Film mit einem Reboot, dass die Fans wieder einfangen soll. Die ersten Bilder und Infos zu Welcome to Raccoon City sahen dabei größtenteils vielversprechend aus und steigerten die Vorfreude. Könnte das endlich mal wieder eine richtige gute Spieleverfilmung werden? Nun ist der Film in den Kinos und wir verraten, ob Welcome to Raccoon City die Vorlage standesgemäß einfängt und auf die Leinwand bringt.

 

Die Story von Resident Evil: Welcome to Raccoon City

Fans der ersten beiden Resident Evil-Spiele kennen die Geschichte von Welcome to Raccoon City bereits aus dem FF. Der Film verbindet nämlich die Geschichten aus Resi eins und zwei. Soll heißen: Claire Redfield reist nach Raccoon City, um dort ihren Bruder Chris Redfield zu suchen. Der ist wiederrum Teil der S.T.A.R.S.-Einheit und muss mit seinen Kollegen Albert Wesker und Jill Valentine eine verschwundene Polizeieinheit in einem großen Herrenhaus suchen. Parallel dazu kommt der Polizeineuankömmling Leon S. Kennedy nach Raccoon City, um dort seinen Dienst als Officer anzutreten. Und wie es sich für Resident Evil gehört, passiert das alles, während Zombies die Stadt unsicher machen und Jagd auf die Lebenden machen.

Die böse Umbrella Corporation forscht in Raccoon City, bis eines Tages… etwas passiert. Was das genau ist, wird im Film nicht erklärt. Kenner der Spiele wissen jedoch, dass ein Virus ausgetreten ist, das alle Menschen zu fleischfressenden Zombies mutieren lässt. Um dieses Leck zu vertuschen, will Umbrella die namensgebende Stadt zerstören. Die eingangs erwähnten Helden haben nun nur eine Nacht Zeit, die Stadt lebendig zu verlassen.

Unsere Kritik zu Resident Evil: Welcome to Raccoon City

Resident Evil: Welcome to Raccoon City ist das perfekte Beispiel dafür, dass ein Film nicht automatisch gut ist, nur weil er möglichst viel Fanservice bietet. Fans der Videospielgrundlage werden am laufenden Band Details aus den Spielen erkennen. Sei es das Waisenhaus aus Resident Evil 2 oder die Symbolschlüssel aus dem gleichen Spiel – Fanservice wird in Welcome to Raccoon City (meist) großgeschrieben. Das ist zwar nett gemeint, führt aber dazu, dass man sich anscheinend nur auf diese Details fokussiert hat und ausnahmslos alles andere hintenangestellt hat.

Die Effekte sind entweder mies oder gleich gar nicht vorhanden, Stichwort Zombies. Die sehen nämlich teils so aus, als wäre den Machern das Geld für Maske und Kostüm ausgegangen. Explosionen oder Kulissen wirken völlig aus der Zeit gefallen. Immerhin sind die Splattereffekte solide, aber mehr auch nicht. Gleiches gilt übrigens für den “Horror” im Film. Kennt man die Spiele, weiß man sehr genau, was einen erwartet. Schockeffekte überraschen kaum und für einen Zombiefilm gibt es generell überraschend wenige große Zombieszenen…

FaNsErvICe!!!!!

Welcome to Raccoon City wirkt zu jeder Minute so, als würden die Macher durchgehend schreien: Hier guckt mal, wir haben die Spiele gespielt! Das mag zwar stimmen, trotzdem bringt es nichts, alle Zutaten völlig ohne Sinn und Verstand in einen Topf zu schmeißen und dann zu hoffen, dass es den beinharten Fans schon schmecken wird. Das beginnt bei der Story: Ja, man (er)kennt die Versatzstücke, die in Resident Evil: Welcome to Raccoon City zum Einsatz kommen, doch zusammenpassen wollen sie irgendwie nicht.

Der Film hat beispielsweise ein riesiges Problem mit Zeit und Ort. Zwar wird immer wieder die Zeit eingeblendet, doch die dort angezeigten Uhrzeiten wirken so beliebig und nicht nachvollziehbar, dass man sich diesen Kniff auch hätte sparen können. Gleiches gilt für die Handlungsorte. Als Spielefan kennt man die Polizeistation, das Waisenhaus und das Herrenhaus, doch im Film sind sie einfach irgendwie zusammengeklatscht, egal ob das jetzt Sinn ergibt oder nicht. Die Fans werden es schon abfeiern…

Das Problemkind

Als die ersten Bilder zu Resident Evil: Welcome to Raccoon City gezeigt wurden, war die Fangemeinde zwar durchaus angetan, doch eines stieß ärgerlich auf: Wie bitte sieht Leon S. Kennedy aus? Statt blonder Prinz-Eisenherz-Frisur ist Leon eine schwarzhaariger Lockenkopf und passt optisch 0 zum digitalen Vorbild. Doch damit nicht genug: Der in den Spielen eigentlich sehr wehrhafte und toughe Jungpolizist verkommt im Film zur kompletten Lachnummer und Vollidioten.

Der Typ sieht nicht nur völlig anders aus, sondern kriegt wirklich nichts auf die Kette. Warum man Leon so umgebaut hat, bleibt wirklich ein trauriges Rätsel. Und damit fangen die Probleme nur an. Leon S. Kennedy ist dumm und unfähig – die anderen Figuren sind zumindest nur dumm. Dumme Entscheidungen folgen dummen Dialogen. Hier stellt sich nun die Frage: Ist das in den Spielen auch so und der Film ist einfach nur sehr nah dran, oder ist Welcome to Raccoon City eben besonders doof? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen…

Bei aller Liebe zum Detail…

Wir erwähnten eingangs, dass Resident Evil: Welcome to Raccoon City sehr viel Wert auf Ähnlichkeit zur Spielvorlage bietet. Auf den ersten Blick stimmt das auch und den Machern ist das sehr hoch anzurechnen. Absolute Resident Evil-Nerds werden jedoch einige Sachen sauer aufstoßen. Es beginnt mit der Stadt selbst. In den Spielen ist Raccoon City eine echte Großstadt mit Hochhäusern, einem großen Fluss, usw. Im Film ist die Stadt noch eher mit Silent Hill zu vergleichen, sodass die übergroße Polizeitstation etwas fehl am Platz wirkt. Die ikonische Tiefgarage ist ebenfalls anders im Film gehalten, genauso wie die Aufteilung im Herrenhaus. Der Film schwankt also zwischen optischen winzig Details, die wie im Spiel daherkommen, und patzt dann bei großen Grundlagen – nichts Halbes und nichts Ganzes.

Wie geht’s weiter mit Resident Evil?

Die Macher lassen Welcome to Raccoon City so enden, dass eine Fortsetzung sehr wahrscheinlich scheint. Und bei all der Kritik am Film: Irgendwie wäre eine Fortsetzung mit weiteren Charakteren des Franchises cool. Zudem gibt es erste Hin- und Verweise aus Code Veronica, das unter Fans ja als Geheimtipp gilt. Bei Erfolg an den Kinokassen ist eine Fortführung also nicht allzu unwahrscheinlich.

Was bleibt nun? Resident Evil: Welcome to Raccoon City verliert sich ein bisschen zu sehr darin, die Wunden der alten Resi-Filme zu verarzten. Man möchte es den Fans in jedem Aspekt recht machen und vergisst dabei, einen guten Film auf die Beine zu stellen. Die Weichen sind nun gestellt und der Weg für weitere Teile geebnet. In diesem Fall kann man den Machern noch zugutehalten, dass man alles wirklich richtig machen wollte, um nicht wieder einen Anderson-Jovovich-Mist zu verzapfen. Sollte es bei diesem Ausrutscher bleiben und Teil zwei nimmt die wenigen Stärken, die bei Welcome to Raccoon City hin und wieder durchblitzen, und macht daraus mehr, kann die Reihe den Bogen bekommen. Bleibt es jedoch bei diesem wilden Resi-Brei, ist der erneute Filmausflug wohl schnell wieder vorbei. Am Ende reicht es nämlich eben nicht, einfach nur wild Aspekte der Spielevorlage zusammen zuklatschen…

 

Informationen zu Resident Evil: Welcome to Raccoon City

  • Originaltitel: Resident Evil: Welcome to Raccoon City
  • Laufzeit: ca. 107 Minuten
  • Kinostart: 25. November 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Kaya Scodelario, Hannah John-Kamen, Robbie Amell

 

Trailer zu Resident Evil: Welcome to Raccoon City

  • (C) Constantin Film
    Fazit zu Resident Evil: Welcome to Raccoon City

    Ich hab mich sehr auf Welcome to Raccoon City gefreut und kam mit sehr gemischten Gefühlen aus der Vorführung. Ich weiß eigentlich, dass der Film nicht besonders gut ist und eigentlich 107 Minuten Fanservice auf die plumpste Holzhammerart bietet – egal ob es Sinn ergibt oder nicht. HIER HABT IHR EURE HELDEN LEON, CHRIS, JILL UND CO.! Doch irgendwie hoffe ich auch, dass es einen zweiten Teil geben wird, der sich dann etwas mehr darauf konzentriert, ein guter Film zu sein und den Fanservice vielleicht ein bisschen runterfährt.

    Lukas Hesselmann, Redakteur

 

Reboot der Resident-Evil-Filmmarke
Fanservice ohne Sinn und Verstand
Kenner der Spiele fühlen sich direkt daheim
Story, Effekte und Logik existieren - sind aber kaum der Rede wert

Ab ins Kino?

Resident-Evil-Fans können durchaus einen Blick wagen. Neulinge in der Materie verstehen wahrscheinlich eh nichts.

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Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies
1 Kommentar

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