Kritik: Mad Heidi

Der Trashkäse des Jahres

Erinnert ihr euch noch an Iron Sky und dessen Nachfolger The Coming Race? Wenn ihr die Frage mit “ja” beantworten könnt und zudem Lust auf mehr Trash in dieser Richtung habt, ist der November 2022 euer Glücksmonat: Der Produzent vom erstgenannten Film hat wieder zugeschlagen und mit Mad Heidi einen Film auf die Beine gestellt, der Iron Sky nicht nur ebenbürtig ist, sondern auf vielen Ebenen noch eine Schippe drauflegt. Finanziert über Crowd Funding läuft die schweizer Exploitation-Komödie nun für kurze Zeit im Kino, bevor sie schon bald fürs Heimkino erscheint. Ob sich ein Kinobesuch lohnt, verraten wir euch in unserer Kritik zu Mad Heidi.

 

Die Story von Mad Heidi

Die Geschichte von Heidi ist spätestens seit der Kinderserie allseits bekannt. Mad Heidi würde seinem Namen aber nicht alle Ehre machen, wenn es hier nicht ein paar Twists gäbe. Die Handlung vom Swissploitation-Film, wie ihn die Macher selbst nennen, ist in einem Universum angelegt, in dem die Schweiz von einem brutalen Diktator unterdrückt wird. Präsident Meili unterdrückt die Alpenrepublik mit seinem Käseimperium und lässt Jagd auf die Laktoseintoleranten im Land machen. Die werden entweder direkt hingerichtet oder aber landen in brutalen Gefängnissen. Versteckt vor dem Diktator und seinen Schergen verdingt sich der Geissenpeter als Schwarzmarkthändler für Ziegenkäse – sowie als Geliebter von Heidi. Als Peter eines Tages vom bösen Kommandant Knorr hingerichtet wird, dreht Heidi durch, landet im Frauenknast und plant von dort aus ihren Rachefeldzug gegen die Diktatur im Land. Mit der Unterstützung der Helvetia und ihrem Großvater Alpöhi, der schon in seinen jungen Jahren eine Rebellion aufgebaut hat, zieht sie in die alles entscheidende Schlacht.

 

Unsere Kritik zu Mad Heidi

Wenn ihr die Story-Zusammenfassung von Mad Heidi lest und euch denkt “ja klar, klingt doch völlig einleuchtend”, müsst ihr an dieser Stelle gar nicht weiterlesen. Kauft euch ein Ticket und habt den Spaß eures Lebens mit diesem Film. Denn als Trash-Exploitation-Film, und genau das will Mad Heidi sein, funktioniert der Film tatsächlich sehr gut. Zwar gibt es auch hier einige Einwände, aber dazu später mehr.
Wie genau soll man einen Film wie diesen eigentlich vernünftig bewerten? Aus rein “logischer” Sicht, mit der man aktuell zum Beispiel Wakanda Forever bewertet, kommt man bei so einem Werk nicht weit. Jeder Kritikpunkt könnte mit einem einfachen “Naja, ist halt bewusst Trash” weggefegt werden, deswegen versuchen wir erst gar nicht mit normalen Gesichtspunkten an die Sache heranzugehen. Ja, im Vergleich mit anderen aktuellen Kinowerken stinkt Mad Heidi natürlich ab. Die Effekte sind maximal solide, die Story ist an Absurdität und WTF-Momenten der normalerweisen schlechten Sorte nicht zu überbieten und alles ist irgendwie ein bisschen drüber – aber genau so soll es ja sein.

Swissploitation – äh was?

Um zu verstehen, warum Mad Heidi in seinem Nischengenre doch ganz gut funktioniert, müssen wir uns dieses Genre erst einmal kurz anschauen. Unter Exploitationfilmen versteht man Streifen, die “die Neugier und Sensationslust des Publikums [nutzen], um ihre i.d.R. gewalttätigen und blutigen Bilder zu verkaufen“. Wichtige Merkmale sind also in der Regel Gewalt, eine skandalöse Prämisse sowie meist die Einbindung von sexuellen Motiven, wobei hier eher das Untergenre Sexploitation greift. Optisch dürften vor allem die beiden Grindhouse-Filme von Robert Rodriguez (Planet Terror) und Quentin Tarantino (Death Proof – Todsicher) in den letzten Jahren im Gedächtnis geblieben sein. Lange Rede kurzer Sinn: Exploitation, oder in unserem Fall Swissploitation, bedeutet skandalös, brutal und dreckig. Gucken wir mal, ob Mad Heidi diese Kriterien nicht nur erfüllt, sondern auch in ihrer Erfüllung brilliert.

Skandälchen nach Skandälchen

Ohne Frage: Nazis sind scheiße und dazu auch ziemlich skandalös. Mad Heidi meistert die filmische Nazi-Ästhetik mit Bravour. Statt Hakenkreuz-Binden gibt es Schweizer-Kreuz-Binden, das Intro des Streifens gleicht einem Propagandafilm. Die Nazi-Thematik ist dann aber auch fast schon der einzige Skandal, den Mad Heidi befeuert. Gleiches gilt für das Frauengefängnis, übrigens auch ein sehr beliebtes Motiv im Exploitation-Genre. Hier wird geschlagen und gefoltert – aber auch hier ist der Schockeffekt schnell verflogen. Ja, das ist alles furchtbar und dumm, aber man gewöhnt sich auch schnell an das Gezeigte. Natürlich versucht der Film immer wieder mit seinen Bildern und Ideen zu schocken, schafft das aber nur in den seltensten Fällen. Leider verpasst es der Film auch über zwei, drei Schweiz-Klischees hinauszuschießen. Das Hauptthema ist Käse. Ja, das mag ein Klischee sein, aber mit Sicherheit nicht das einzige. Zu unserem Bedauern werden andere gängige Vorurteile wie das der Steueroase, der dauernden Neutralität oder dem langsamen (Sprach)tempo wenn überhaupt nur angekratzt. Hier wäre sicherlich mehr drin gewesen, um die Schweiz selbst, aber auch darüber hinaus zu schocken. An das Skandalkriterium können wir also maximal ein kleines Minihäkchen machen.

FSK 18 aus gutem Grund

Vorweg: An das Gewaltkriterium können wir einen großen Haken machen. Die 18er-Freigabe hat Mad Heidi aus sehr gutem Grund bekommen. Hier spritzt das Blut und es wird mit Käse und Toblerone gefoltert (kein Witz), was das Zeug hält. Wer ein Problem mit wirklich harter, aber auch comichaft übertriebener Gewalt hat, braucht sich Mad Heidi nicht anzusehen. Hier geht es heftig zur Sache, auch was die politische Korrektheit angeht. Abseits der eher mäßigen Schweiz-Klischees ist dem Film nämlich nur sehr wenig heilig. Aber auch das ist eben Teil von Exploitationfilmen. Ob das 2022 noch zeitgemäß ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.
Platzende Köpfe sind ebenso Teil von Mad Heidi wie eine große Liebe zum Medium Film an sich. Immer wieder streuen die Macher Anlehnungen an bekannte Szenen aus Blockbustern ein, oder ändern berühmte Zitate leicht ab. So wird aus “Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen” aus Apocalypse Now, “Ich liebe den Geruch von Fondue am Morgen”. Filmfans finden hier immer wieder kleine, liebevolle Easter Eggs. Sehr cool!

Dreck ist toll

Exploitation bedeutet dreckig. Mad Heidi ist hier ein zweischneidiges Käsemesser. Gerade das Intro des Films und die teils bewusst (?) trashigen Effekte schreien nur so “EXPLOIT”. Doch dann gibt es immer wieder Hochglanzshots und stylische Kamerafahrten, die irgendwie nicht so ganz in das Muster passen. Wer jedoch schon einmal das Grindhouse-Projekt, Filme wie Foxy Brown, Ich spuck auf dein Grab oder Shaft gesehen hat, wird sich bei Mad Heidi gleich zuhause fühlen.
Aber natürlich entsteht ein “dreckiger” Film nicht nur durch die Optik, sondern auch durch das Gesamtgefühl, welches der Zuschauer mit auf den Weg bekommt. Und das fühlt sich tatsächlich gut an. Alles an Mad Heidi ist irgendwie ein bisschen drüber – und das durchaus im positiven Sinne. Der Bösewicht ist so durchgedreht und eindeutig böse, dass es eine Freude ist. Heidi selbst ist eine typische Exploitation-Heldin, die in einer Kill-Bill-Trainingsmontage von der flüchtenden Gefangenen zur Dirndl-tragenden Amazone wird. Unter normalen Gesichtspunkten wäre oder ist Mad Heidi kompletter Müll. Wer jedoch weiß, was der Film sein will und sich darauf einlassen kann, der kann eine Menge Spaß haben.

Ja, was denn nun?!

Kommen wir (endlich) zum Fazit. Mad Heidi wurde von Fans finanziert, die sich eine brutale Trash-Komödie erhofft haben. Ist dieses Vorhaben geglückt? Auf jeden Fall. Der Film ist mit Sicherheit nur für eine ganz schmale Zielgruppe gedacht, die auf Streifen dieser Art steht. Ein hoher Gewaltgrad, wenige Grenzen in Sachen Political Correctness, sowie ein immens hoher Trashfaktor machen Mad Heidi zu einem Filmerlebnis, das man so 2022 nur selten im Kino erleben dürfte. Zwar steht mit Terrifier 2 ein ebenso ungewöhnlicher Film ins Kinohaus, doch bis hierhin bildet Mad Heidi sicherlich die Spitze der Absurdität im Kino. Unter normalen Bewertungsmaßstäben fällt der Film zwar gnadenlos durch, aber wenn Mad Heidi eines mit Sicherheit nicht ist, dann normal. Und das ist gut so.

 

Informationen zu Mad Heidi

  • Originaltitel: Mad Heidi
  • Laufzeit: ca. 93 Minuten
  • Kinostart: 24. November 2022
  • Altersfreigabe (FSK): ab 18 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Alice Lucy, Casper Van Dien, David Schofield

 

Trailer zu Mad Heidi

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  • (C) Swissploitation Films
    Fazit zu Mad Heidi

    Ich gebe zu, dass ich eine Schwäche für Trash und Exploitation-Streifen habe. Manchmal ist es einfach sehr entspannend das Hirn am Eingang abzugeben und sich stumpf berieseln zu lassen. Hirn abgeben, ist hier sowieso der genau richtige Hinweis! Nehmt den Film nicht zu ernst, sonst werdet ihr nach zwei Minuten wieder rückwärts aus dem Kino stolpern. Mad Heidi ist kein “normaler” Blockbuster für die breite Masse und will das auch gar nicht sein. Seht es eher wie ein Wrestling-Match: Man weiß, dass das alles gerade ziemlich dumm ist, aber irgendwie unterhält es doch. Ich wurde extrem gut unterhalten und kann somit über die Schwächen hinwegsehen.

    Lukas Hesselmann, Redakteur
Exploitation-Trash aus der Schweiz
Tiefschwarzer Humor und extremer Gewaltgrad
Mehr als Käse ist in Sachen Schweiz-Klischees nicht zu erwarten
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Ab ins Kino?

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Lukas Hesselmann
Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies

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