Ich spuck auf dein Grab

Kritik zum entbeschlagnahmten Skandalfilm

Es gibt ein paar Filme, die bis heute als Sinnbild für Indizierung, Beschlagnahmung und sonstige Verbote in Deutschland stehen: Dawn of the Dead, Maniac, Braindead und eben auch Ich spuck auf dein Grab. Mittlerweile hat sich der Jugendschutz in Deutschland jedoch stark gewandelt und was in den 70ern oder 80ern noch ein absolutes No-Go war, ist heute kaum noch ein Wimpernzucken wert.

Bei Braindead oder Dawn of the Dead mag das wirklich zutreffen, denn gerade im Vergleich mit aktuellen Filmen des Genres, wirken diese alten Schinken doch etwas überholt – eine Streichung vom Index oder eine Ent-Beschlagnahmung war wirklich nötig. Anders sieht es bei Ich spuck auf dein Grab aus. Warum der Film auch über 40 Jahre nach seinem Erscheinen noch schwer zu ertragen ist und warum man einen großen Bogen um dieses “Werk” machen sollte, verraten wir in unserer Kritik. Wir sprechen für diese Kritik zudem eine Triggerwarnung bezüglich sexueller Gewalt aus!

 

Die Story von Ich spuck auf dein Grab

Ich spuck auf dein Grab handelt von der Buchautorin Jennifer, die bei der Arbeit zu ihrem neusten Roman in eine Sackgasse geraten ist. Um die nötige Inspiration zu finden, reist sie in ein abgelegenes Haus im Wald. Es dauert nicht lange, bis sie erste Erfahrungen mit der dort ansässigen Männerwelt machen muss. Es beginnt mit im Vergleich zu dem was noch folgen soll, harmlosen Anmachversuchen und dennoch extrem unangenehmen Bedrängungen. Das ganze eskaliert jedoch, als die vierköpfige Peinigergruppe damit beginnt, Jennifer zu vergewaltigen. Sie entkommt der Gruppe nur knapp mit dem Leben und schwört bittere Rache, die wie der Rest des Films, nichts für schwache Nerven ist.

 

Unsere Kritik zu Ich spuck auf dein Grab

Wie bewertet man einen Film wie Ich spuck auf dein Grab? Dass die Inhalte und das Gezeigte absolut verachtenswert sind, steht außer Frage. Gut, damit wäre alles gesagt, Kritik vorbei. Tschau. Nun ja, so leicht ist es dann doch nicht und wir müssen noch einige Worte zu diesem Film verlieren. Ich spuck auf dein Grab ist kein Film für schwache Nerven. Die Vergewaltigung von Jennifer und der darauffolgende Rachefeldzug sind derart schonungslos und explizit in Szene gesetzt, dass es wirklich schwer fällt, zuzusehen. Nun könnte man den Machern unterstellen, dass man eine Parabel zeichnen wolle: Wie weit kann man das Ertragbare ausreizen, bis es unertragbar wird?

Dafür ist die ganze Machart aber zu voyeuristisch und plakativ. Gerade die Vergewaltigung ist so explizit und ausufernd dargestellt, dass es hier rein um den Skandal um des Skandals Willen geht. Es bleibt nichts der Vorstellungskraft überlassen. Es gibt keine zweite Ebene, keine verstecken Details, keine Kritik. Die Kamera hält drauf und als Zuschauer fühlt man sich fast mitschuldig, dass man dieser Untat beiwohnt und dem Treiben zusieht. Sollte dieses Unwohlsein ein Ziel der Macher gewesen sein, wurde es definitiv erfüllt.

Beschlagnahmung – ja oder nein?

Dass Ich spuck auf dein Grab 2021 von seiner Beschlagnahmung befreit wurde und sogar eine ungeschnittene 18er-Freigabe erhalten konnte, löste sogar in den Communities rund um Filme der härteren Gangart Verwunderung aus. Die im Intro angesprochenen Filme wie Braindead oder Dawn of the Dead sind aus heutiger Sicht immer noch blutig, aber auch irgendwie aus der Zeit gefallen und mit heutigen Standards betrachtet teils sogar unfreiwillig komisch. Bei Ich spuck auf dein Grab ist das jedoch anders. Alleine dadurch, dass die Geschichte so geerdet und realistisch kommt, ist sie nahezu zeitlos.

Das Remake von 2010 erzählt beispielsweise die gleiche Geschichte und funktioniert genauso gut – wenn man “gut” in diesem Kontext überhaupt verwenden kann. Die Vergewaltigung und gerade das Leid Jennifers sind so intensiv dargestellt, dass den Zuschauer auch heute, über 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung im Jahr 1978, ein extrem unangenehmes Gefühl überrollt. Dass so ein Film heute plötzlich weniger jugendgefährdend sein soll, wirkt irgendwie unpassend. Sollte man einen solchen Film deshalb verbieten? Nein. Verbote haben gerade im Bereich der kommerziellen Filme in der Vergangenheit eher wenig genützt. Siehe Ich spuck auf dein Grab: Um den Film herrscht aufgrund der Verbote ein Kultstatus, der sicherlich nicht auf der Qualität des Streifens beruht. Oder kennt jemand I Spit on your Grave – Deja Vu, der 2019 direkt mit einer FSK 18 auf den Markt kam?

Kult oder Schrott?

Alles in allem ist Ich spuck auf dein Grab ein Film, der menschenverachtender, grausamer und überflüssiger kaum sein könnte. Hier gibt es keine Zwischentöne, kein Grau – hier ist alles entweder gut oder böse. Eine über 20 Minuten lange Vergewaltigung wird in allen Details inszeniert, die darauffolgende brutale Rache als einziger und vor allem richtiger und konsequenzloser Ausweg dargestellt. Die Vergewaltiger suchen kurz vor ihrem Tod die Schuld, den Grund der Vergewaltigung beim Opfer. Das ist einfach unfassbar schwer anzusehen und eine ekelhafte Darstellung einer grauenhaften Tat. Mit Sicherheit gibt es Filmfans, die an solchen Rape-and-Revenge-Streifen ihre Freude finden – und das sei ihnen auch gelassen.

Für das normale Publikum, das sich über den neusten Blumhouse-Streifen freut, müssen wir jedoch eine klare Warnung aussprechen: Ich spuck auf dein Grab zeigt euch Bilder, die ihr nicht so einfach vergessen werdet. Hier werden die Grenzen des guten Geschmacks überschritten und Tabus gebrochen. Wenn ihr den Film unbedingt sehen wollt, seid euch dessen bitte bewusst! Trotz der Aufhebung der Beschlagnahmung ist Ich spuck auf dein Grab auch heute noch nur ein Film für hartgesottene Splatterfans, bei dem jeder für sich selbst entscheiden muss, ob er eine derartige Thematik in einem Unterhaltungsprodukt sehen möchte.

 

Informationen zu Ich spuck auf dein Grab

  • Originaltitel: I Spit on Your Grave / Day Of The Woman
  • Laufzeit: ca. 101 Minuten
  • Heimkinostart: 14. Oktober 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 18 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Camille Keaton, Eron Tabor, Richard Pace

Trailer zu Ich spuck auf dein Grab

 

  • Ich spuck auf dein Grab – Kritik zum entbeschlagnahmten Skandalfilm
    Fazit zu Ich spuck auf dein Grab

    Als Horrorfan versuche ich immer wieder meine Grenzen auszuloten. Vor einigen Jahren tat ich das, indem ich mir Ich spuck auf den Grab ansah. Für diese Besprechung des Films musste ich mich dann ein zweites Mal durch die 100 Minuten Film kämpfen. Meine Meinung ist dabei gleich geblieben: In meinen Augen ist Ich spuck auf dein Grab ein absolut menschenverachtender Film, der die Grenzen des Ertragbaren im kommerziellen Kino bis ans Limit ausweitet und darüber hinaus geht. Ein drittes Mal muss für mich wirklich nicht sein. Und nochmal: Seid ihr an diesem Streifen interessiert, macht euch bitte bewusst, worauf ihr euch einlasst!

    Lukas Hesselmann, Redakteur

 

Triggerwarnung sexuelle Gewalt, Stichwort Vergewaltigung
Äußert explizite Darstellung, die nichts der Fantasie überlässt
Nach Das letzte Haus links der erste große Rape-and-Revenge-Film
Nach langer Beschlagnahme erstmals ungeschnitten in Deutschland erhältlich

Ab in die Filmsammlung?

Ich spuck auf dein Grab spricht eine extrem spitze Zielgruppe an – die den Film vermutlich eh schon kennt. Das Otto-Normal-Publikum überlegt sich bitte zweimal, ob man sich hierauf einlassen möchte.

Share This Post
Deine Meinung?
00
Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies

Hinterlasse einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.