Kritik: Glass Onion: A Knives Out Mystery – Der beste Krimi 2022

2022 hätte für Fans klassischer Krimi-Filme im Stile Agatha Christie ein wunderbares Jahr werden können. Mit Tod auf dem Nil und Glass Onion: A Knives Out Mystery warteten gleich zwei Whodunit-Filme auf die Zuschauer. Erstgenannter war leider nur mit Mühe und Not zu ertragen, weshalb alle Hoffnungen auf der Fortsetzung des 2019er-Überraschungshits lasteten. Knives Out 2 erscheint aber nicht klassisch im Kino, sondern ist ab dem 23. Dezember 2022 auf Netflix zu sehen, die sich die Rechte an diesem und am dritten Benoit Blanc-Abenteuer sichern konnten. In der letzten Novemberwoche war Glass Onion kurz im Kino zu sehen und wir verraten euch, ob sich das Warten gelohnt hat, oder ob Krimifans nach dem Schiffsunglück in Ägypten einen weiteren unrühmlichen Todesfall erwarten müssen.

Die Story von Glass Onion: A Knives Out Mystery

Zur Geschichte von Glass Onion: A Knives Out Mystery wollen wir gar nicht so viel verraten, da der Film natürlich extrem storylastig daherkommt und einige nette Wendungen bereithält. Nur so viel: Privatermittler Benoit Blanc wird vom mysteriösen Milliardär Miles Bron mit dessen Freunden auf seine Privatinsel eingeladen, um dort ein Krimispiel zu lösen. Blanc reist also nach Griechenland und merkt schnell, dass weitaus mehr hinter dem vermeintlich harmlosen Krimiabend steckt, als man auf den ersten Blick glauben mag. Nach und nach lernt er die Verbindungen unter Brons Freunden kennen und sieht sich schon bald mit einem waschechten Fall konfrontiert.

 

Unsere Kritik zu Glass Onion: A Knives Out Mystery

Ihr merkt es schon an der verhältnismäßig kurzen Storyzusammenfassung: Über Glass Onion: A Knives Out Mystery zu sprechen, ohne zu viel zu verraten, ist extrem schwer. Doch da hier wirklich vieles richtig gemacht wurde, versuchen wir, die Kritik möglichst spoilerfrei zu halten. Doch auch ohne zu viel zu verraten, gibt es einiges zu besprechen – im positiven wie im negativen Sinne.
Fangen wir ganz kreativ am Anfang an, bei der Entstehung und den Hintergründen zu Glass Onion. Nachdem der erste Teil nämlich noch klassisch im Kino und dann im Heimkino vertrieben wurde, ist der zweite (und auch der kommende dritte Teil) eine Produktion unter der Flagge von Netflix. Zwar hat sich Regisseur Rian Johnson alle Freiheiten beibehalten, dennoch merkt man an einer Stelle deutlich, dass wir es mit einem Streaming-Produkt zu tun haben – beim Stil.

 

F**k You, Amazon!

Seien es subtile Disses gegen Amazons Alexa oder generellen starken Hinweisen auf die Popkultur: Man merkt Glass Onion: A Knives Our Mystery an, dass Netflix dahinter steckt. Es ist nicht leicht zu beschreiben, aber egal ob Polar, Day Shift, Gray Man, 6 Underground oder oder oder… Jeder Netflix-Streifen hat immer eine gewissen Gelecktheit. Alles wirkt sehr kalkuliert, glatt und möglichst eckenlos produziert. Gerade die Optik ist mittlerweile stark erkennbar. Hier reiht sich Knives Out 2 in die Riege der ebengenannten Filme ein, kann aber dafür vor allem inhaltlich überzeugen. Nicht falsch verstehen, Glass Onion ist bei weitem kein hässlicher Film. Man merkt ihm nur seine Herkunft an. Auch die Lauflänge von fast zweieinhalb Stunden passt sehr gut zum Streamingansatz des Streifens. Im Kino wird die Länge dann doch etwas anstrengend, da man wirklich die vollen zwei Stunden konzentriert dabei sein muss. Auf Netflix bietet es sich an, den Film in zwei Etappen zu gucken.

 

Benoit Blanc ist zurück

Man kennt es: Hat ein Schauspieler irgendwann mal eine ikonische Rolle gespielt, ist er meist bis ans Lebensende mit ihr verbunden. Egal wen Daniel Radcliffe spielt, man sieht immer Harry Potter. Egal wen Johnny Depp verkörpert, Jack Sparrow ist immer mit dabei. Daniel Craig hat nun etwas geschafft, was den wenigsten gelingt: Mit Benoit Blanc kann er sich völlig von James Bond abkapseln. Blanc ist smart aber teils etwas tollpatschig, sym- und empathisch und ein wirklich liebenswerter Charakter. Während er im ersten Knives Out noch ein neuer x-beliebiger Ermittler war, ist es in Glass Onion eine Freude, wieder an seiner Seite mit zu ermitteln. Leider verschwindet Blanc zum Ende des Films ein wenig aus dem Fokus, doch bis dahin sind wir genauso ratlos wie er, was auf der griechischen Insel vor sich geht. Wir fiebern und rätseln mit und werden von Craigs Charme in den Bann gezogen. Bond ist da völlig vergessen.
Dabei werden Craig einige Gaststars an die Seite gestellt, die den Film vom Cast noch einmal stark aufwerten: Hugh Grant, Ethan Hawke und Angela Lansbury sind teils nur für eine Szene zu sehen – bilden aber fantastische Cameos ab. Und dann ist da noch der restliche Cast…

Casting par excellence

Rian Johnson hat ein unfassbares Händchen dafür, seine Rollen gut zu besetzen. Über Craig haben wir bereits gesprochen. Edward Norton tritt als Miles Bron auf, der einen wirklich interessanten Gegenspieler darstellt. Janelle Monáe, Kate Hudson und Kathryn Hahn fallen im restlichen Freundeskreis ebenfalls mehr als positiv auf. Besonders hervorheben wollen wir aber noch Dave Bautista. Der Ex-Wrestler hat sich in den vergangenen Jahren als Schauspieler wirklich gemacht und bildet in Glass Onion: A Knives Out Mystery den skurrilsten aller Charaktere ab.
Auf Castseite läuft also wirklich alles am Schnürchen. Sprechen wir jetzt noch ein wenig über die (sehr lange) Handlung. Wie bereits erwähnt rückt Blanc im letzten Drittel ein wenig in den Hintergrund, wodurch vor allem die finale Auflösung ein wenig beliebig und fast schon zufällig wirkt. Blanc wäre zwar nicht der beste Ermittler der Welt, wenn nicht alles nach Plan gehen würde, doch irgendwie wirkt das Ende ein wenig unbefriedigend. Johnson löst zudem einen großen Twist in der Mitte des Films auf und erzählt dann einen Großteil erneut, der dann jedoch dank der neuen Informationen auf einmal ganz anders wirkt. Eine coole Idee, die den Film aber natürlich auch ein wenig streckt.

Krimi des Jahres

Alles in allem ist Glass Onion: A Knives Out Mystery aber ein wirklich toller Krimi geworden, der im Vergleich mit dem ersten Teil zwar ein bisschen abfällt, aber dennoch spannende Unterhaltung bietet. Schöne Bilder, ein toller Soundtrack und ein fantastischer Cast runden den positiven Eindruck ab. Zwar hat Glass Onion einige Längen, die aber gerade durch die Auswertung über Netflix verschmerzbar (oder pausierbar) sind. Rian Johnson schafft das, was Kenneth Branagh mit Tod auf dem Nil nicht erreichen konnte: Wir fiebern stets mit, rätseln zusammen mit dem Hauptdarsteller und sind über jeden Plottwist – mal mehr und mal weniger – schockiert. Wenn der dritte Knives-Out-Fall dieses Niveau halten kann, ist Benoit Blanc klar im Krimihimmel angekommen. Gerade Fans von Agatha Christie und Co. werden mit Glass Onion ihren großen Spaß haben.

 

Informationen zu Glass Onion: A Knives Out Mystery

  • Originaltitel: Glass Onion: A Knives Out Mystery
  • Laufzeit: ca. 140 Minuten
  • Heimkinostart: 23. Dezember 2022
  • Altersfreigabe (FSK): ab 12 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Daniel Craig, Edward Norton, Janelle Monáe

 

Trailer zu Glass Onion: A Knives Out Mystery

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  • (C) Netflix
    Fazit zu Glass Onion: A Knives Out Mystery

    Glass Onion: A Knives Out Mystery war für mich einer der meisterwarteten Filme des Jahres – und Gott sei Dank wurde ich nicht enttäuscht. Gerade im Kino war es zwar schwer so lange extrem aufmerksam zuzuschauen und die finale Auflösung zog die Laune ein wenig nach unten – doch mit etwas Abstand muss ich sagen, dass der dritte Teil gar nicht schnell genug erscheinen kann. Ein toller Film zum Jahresende.

    Lukas Hesselmann, Redakteur
Ein neuer Fall für Benoit Blanc
Ab dem 23. Dezember exklusiv auf Netflix
Krimi mit einigen Längen, aber dafür mit viel Spannung
Skurrile, liebenswerte Charaktere

Ab in die Filmsammlung?

Für Krimifans ist Glass Onion ein Muss. Auch alle anderen mit viel Zeit sollten einen Blick wagen.

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Lukas Hesselmann
Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies

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