Gunpowder Milkshake

Kritik zum Actionkracher

Gunpowder Milkshake wirkt im ersten Moment wie ein gewöhnlicher Actionfilm. Cool, stylisch, brutal. Alles super, aber auch eigentlich nichts besonderes mehr. Eigentlich. Denn einen Film, der gleichzeitig ein “gewöhnlicher” Actionfilm ist, und so viel Substanz hat wie dieser, den gab es schon lange nicht mehr. Besonders mit dieser Substanz. Denn Frauenfiguren in Actionfilmen gibt es schon lange, auch als Hauptfiguren. Aber bisher war das leider viel zu oft im Stile eines Dead or Alive oder so ziemlich jeden Michael Bay Films. Doch endlich, ENDLICH, gibt es einen Film, der das Zeug hat, all das richtig zu stellen und im Mainstream zu verankern. Wie genau, nun, das erfahrt ihr hier.

 

Die Story von Gunpowder Milkshake

Sam ist Profikillerin. Wie ihre Mutter, die sie vor 15 Jahren alleine gelassen hat, arbeitet sie für “Die Firma”. Doch dann geht ein eigentlich einfacher Auftrag gehörig schief, und Sam wird selbst zur Zielscheibe. Mit der Firma an den Fersen muss sie jetzt nicht nur sich, sondern auch die achtjährige Emily retten. Zum Glück gibt es noch die Bibliothekarinnen, die den beiden Zuflucht gewähren.

 

Unsere Kritik zu Gunpowder Milkshake

Auch wenn es erst nicht so aussieht, steckt in diesem Film viel drin. Verdammt viel. Deshalb fangen wir auch direkt an.

Gutes, kleines Worldbuilding

Und zwar mit der Welt. Denn auch kleines Worldbuilding kann einen großen Einfluss haben. Es muss nicht immer so eskalieren wie bei Herr der Ringe, auch ein Diner macht einiges aus. John Wick hat vorgemacht, wie gut eine kriminelle Parallelgesellschaft funktionieren kann, und auch hier passt es wunderbar. Die Firma als, nunja, Firma. Das Diner, in dem Killer zur Stammkundschaft gehören und Waffen verboten sind. Ein Zahnarzt, der auch Schusswunden und dergleichen verarztet. Und natürlich die Bibliothek, in der in Krieg und Frieden eine Pistole steckt. Kleine Dinge, große Wirkung.

Ein optisches Fest

Es gibt aber noch etwas, was eigentlich selbstverständlich ist und doch viel ausmacht. Und das ist die Optik. Denn dieser Film sieht einfach wirklich gut aus. Die Ausstattung, die Kostüme, die Sets, das Licht. Alles hat einen ganz eigenen Look, und jeder Look ist super. Das Diner, die Bowlingbahn mit Neonlicht, das spießige Büro der Firma, und nicht zuletzt die Bibliothek. Und dazu noch passende Kostüme. Dieser Film wäre auch ohne Ton ein Genuss. Eine gute Idee wäre es trotzdem nicht, denn das Gesamtpaket ist noch viel besser. Und es macht im Mainstream Film etwas goldrichtig, was schon vor vielen Jahren nötig gewesen wäre.

Feminismus wie er sein sollte

Denn dieser Film ist ein feministisches Fest. Das mag im ersten Moment von einem Mann vielleicht komisch klingen, aber das ist nur ein Grund, warum es so gut ist. Feminismus ist nämlich nicht nur für Frauen wichtig, und feministische Filme nicht nur etwas für Frauen. Und dieser Film zeigt, warum. Denn auf den ersten Blick ist er gar nicht so feministisch. Ok, die Hauptfigur ist eine Frau, aber das alleine macht den Film noch nicht feministisch. Und tatsächlich fällt dieses Wort im ganzen Film nur zwei Mal. Auf der Oberfläche ist der Film also nur ein Actionfilm mit weiblicher Hauptfigur. Unter der Oberfläche könnte es aber nicht offensichtlicher sein. Denn jede männliche Figur in diesem Film ist zu einem gewissen Grad ein Idiot. Egal ob es die Schläger sind, die Sam und ihre Verbündeten unterschätzen. Oder ihr Boss, der genau weiß, wozu sie in der Lage ist, und sie dennoch nicht aufhalten kann. Beizeiten habe ich mich als Mann fast beleidigt gefühlt, und das ist auch gut so.

Eine Lektion für uns alle

Denn im Gegenzug dazu sind diese Ladies der Hammer. Sie sind in jeder Hinsicht überlegen, und das zurecht. Keine von ihnen wird hier heruntergespielt, und keine bedient sich irgendwelcher “feministischen” Klischees, wie einer männlich orientierten Darstellung einer Frau. Das Höchste dieser Gefühle ist die Hauptfigur Samantha, die ihren Namen mit Sam abkürzt. Aber da hört es auch schon auf. Diese Frau kann alles, was die Männer können. Nein das stimmt nicht, sie kann noch viel mehr. Und sie ist dabei eindeutig als Frau dargestellt, nicht als – bitte entschuldigt den Ausdruck – “Mannsweib”. Und das ohne jegliche Form von Sexualisierung. So sollte es sein, und es sollte nicht mehr nötig sein, es so zu betonen. Dabei habe ich noch gar nichts von den anderen Frauen gesagt. Angela Bassett, Michelle Yeoh, Carla Gugino und Lena Heady. Diese Ladies lassen sich nichts gefallen, egal in welcher Hinsicht. Ich kann es nicht genug betonen, so sollte es sein. Das sieht man auch als Mann, und daran hat man auch als Mann Spaß. Das ist kein Film nur für Frauen, nur für Feministen. Das ist ein Film für alle Actionfans. Wer immer noch behauptet, sogenannte “Minderheiten” als Hauptfiguren seien nur für Angehörige solcher “Minderheiten” zur Identifizierung nützlich, sollte zurück unter seinen Stein kriechen und nochmal genauer darüber nachdenken.

 

Informationen zu Gunpowder Milkshake

  • Originaltitel: Gunpowder Milkshake
  • Laufzeit: ca. 114 Minuten
  • Kinostart: 2. Dezember 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 18 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Karen Gillian, Chloe Coleman, Lena Headey, Angela Bassett, Michelle Yeoh, Carla Gugino, Paul Giamatti

Trailer zu Gunpowder Milkshake

  • Gunpowder Milkshake – Kritik zum Actionkracher
    Fazit zu Gunpowder Milkshake

    Als ich in den Film gegangen bin, habe ich “nur” einen stimmigen Actionfilm erwartet. Den habe ich auch bekommen, aber dieser Film ist so viel mehr. Er ist schön, er ist cool, er ist packend. Aber vor allem ist er eines: WICHTIG. Für mich, für euch, für die Filmwelt. Wir alle können etwas von diesem Film lernen und wir alle stehen in der Pflicht, genau das zu tun.

    Lennart Hoffmann, Redakteur

 

Guter Actionfilm in verdammt cooler Optik
Starke Lektion, wie Feminismus im Film funktioniert
Solides Worldbuilding, das Raum für Fortsetzungen lässt
Stellenweise explizite Gewaltdarstellung

Ab in die Filmsammlung?

Ja. Dieser Film ist etwas für alle Actionfans, egal welchen Geschlechts. Er ist aber auch nicht ohne, wer also keine krasse Gewalt mag sollte mit Vorsicht genießen.

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01
Lennart
Geschrieben von Lennart Hoffmann
diskutiert mit Tarantino über Trinkgeld.
2 Kommentare

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