Cruella

Kritik zu Disneys Light-Antwort auf Joker

Wer in der jüngeren Vergangenheit das Portfolio von Disney betrachtet hat, dem dürften allerlei bekannte Namen aufgefallen sein. Mulan, Dumbo und König der Löwen – das gab es doch alles schon einmal. Richtig, nur fand es Disney klug, all diese Klassiker noch einmal als optisch aufgemotzte Realverfilmung umzusetzen. Das ist mal geglückt, wie z.B. beim König der Löwen, und mal nicht so gut ausgegangen, wie bei Mulan. Bei Cruella geht man nun einen neuen Weg: Die Figur ist bereits aus 101 Dalmatiner bekannt und berüchtigt, doch für die Realverfilmung setzt man auf eine völlig neue Story rund um die hundehassende Schurkin. Cruella bildet quasi die Origin-Story zu den Dalmatiner-Filmen und ist somit auch für Fans der Originale durchaus einen Blick wert. Warum uns Cruella extrem begeistert hat, lest ihr in unserer Kritik.

 

Die Story von Cruella

Die Geschichte von Cruella spielt im Großbritannien der 1970- und 80er-Jahre. Die junge Estella träumt schon im Kindesalter davon, eine erfolgreiche Modedesignerin zu werden. Ihr Traum wird allerdings vom plötzlichen Tod ihrer Mutter überschattet. Verwaist und völlig planlos bricht sie nach London auf, wo sie sich einer zweiköpfigen Diebesbande anschließt, die ihre neue Ersatzfamilie bildet. Das Trio klaut sich so durch die Jahre, doch Estellas Plan bleibt für sie stets erhalten. Eines Tages bietet sich ihr die Möglichkeit, in einem angesehenen Modehaus als Aushilfskraft anzufangen. Dort wird die Grande Dame der Modewelt, die Designerin Baroness, auf sie aufmerksam und nimmt Estella unter ihre Fittiche.
Da bekannterweise nicht alles Gold ist was glänzt, wird Estella schon bald dazu gezwungen, eine Seite an sich zuzulassen, die sie eigentlich lange unterdrückt hatte – ihre dunkle Seite Cruella übernimmt die Macht und zieht in den Kampf gegen die böse Baroness.

 

Unsere Kritik zu Cruella

Die Geschichte von Cruella kann ohne Probleme verstanden werden, wenn man 101 Dalmatiner nicht gesehen hat. Das ist schon einmal eine gute Nachricht – und wir sagen es einmal so: Das soll nicht die letzte ihrer Art gewesen sein. Cruella ist ein wirklich richtig, richtig guter Film geworden, den mal so wohl kaum auf dem Schirm hatte. Klar, die hochkarätige Besetzung lässt auf ein ordentliches Endergebnis hoffen, doch wie oft hat uns die Vergangenheit gezeigt, dass ein prominenter Cast noch keinen Zwangserfolg bedeutet?
Cruella schafft den wackligen Balanceakt zwischen Prequel und eigenständigem Film. Es gibt immer wieder kleiner Verweise auf das, was in 101 Dalmatiner thematisiert wird. Zudem wird jeder Charakterzug von Cruella selbst, oder jede Eigenschaft vorsichtig zusammengebaut, um zur hinterhältigen Schurkin aus dem Original zu passen. Wir Zuschauer erleben mit, wie aus der kleinen unschuldigen Estella die böse Cruella wird – oder etwa nicht?

Eine Schurkin zum liebhaben

So gut die Transformation vom Kind zur Schurkin auch klappt, ein Problem hat Cruella, was viele Filme oder Serien dieser Art haben. Auch wenn wir am Ende das Bild einer hundehassenden Hexe vor uns sehen sollen, empfinden wir doch viel zu viel Sympathie für Cruella. Das mag unter anderem damit zu tun haben, dass sich der Film einige Freiheiten rausnimmt, die so nicht zu 101 Dalmatiner passen – aber dennoch: Bei alle ihrem Wahnsinn ist Cruella doch irgendwie eine liebenswerte, coole Figur. Dexter ist hier ein nettes Beispiel. Eigentlich ist Dexter ein Serienkiller, den wir als Zuschauer trotzdem unfassbar sympathisch finden. Bei Cruella klappt das leider nur bedingt, weil durch diese Charakterbruch ein zu großer Unterschied zu ihrer 101-Dalamtiner-Version entsteht. Oder kurz gesagt: Für Cruella als Einzelwerk funktioniert die Rolle als ihre aber liebenswerte Persönlichkeit gut, in Verbindung mit 101 Dalmatiner nicht mehr wirklich.
Nichts desto trotz ist die Namensgeberin das absolute Highlight von Cruella.

Emma Phoenix?

Wenn es einen irren Filmschurken in den letzten Jahren gab, der über alle Zweifel erhaben war, war es der Joker im gleichnamigen Streifen. Joaquin Phoenix schafft es, den irren Clown so unfassbar gut zu spielen, dass er zurecht mit Preisen überhäuft wurde. Wir wollen nicht soweit gehen, dass Emma Stone für ihre Darstellung der Cruella ebenfalls dermaßen abgefeiert werden muss, doch ihr Schauspiel erinnert in den besten Momenten frappierend an Joaquin Phoenix. Stone gibt der stilsicheren aber punkigen Jungdesignerin eine extreme Abgefucktheit, die einfach nur herrlich anzuschauen ist. Ihre Blicke, ihre Attitüde, ihr Wahnsinn – hier stimmt einfach alles. Natürlich handelt es sich hier um einen Film von Disney und somit für Kinder, doch nach dem Abspann hatten wir große Lust auf eine Fortsetzung für ein etwas älteres Publikum, in der Emma Stone alles rauslassen kann – den ganzen Wahnsinn. Wer also Spaß am Joker hatte, dürfte auch an Cruella einiges finden.

Disney bleibt Disney

Wir haben es gerade schon angedeutet: Cruella ist ein Disney-Film. Dementsprechend erwarten uns hier auch die typischen Elemente eines solchen Films. Humor, Slapstick und süße Tiere dürfen ebenso wenig fehlen, wie skurrile Nabencharaktere, die den düsteren Grundton ein wenig aufhellen. Disney eben.
Auch die Schurkin des Films, die Baroness, könnte disneyiger nicht sein. Ein tölpelhafter Assistent, große übertrieben Auftritte und kaum ein Kratzer an der “Ich bin hier das pure Böse”-Fassade. Das ist keineswegs negativ zu bewerten, sondern passt zur Ausrichtung des Filmes. Hier soll kein Film mit doppeltem Boden, politischen Denkanstößen oder irgendwelchen Tabubrüchen abgefeiert werden. Cruella ist pures Popcorn-Kino, im guten wie im schlechten Sinne. Einen storytechnischen Tiefgang sollte man nicht erwarten.

Auf die Ohren

Was man hingegen erwarten darf und sollte, ist ein Soundtrack zum Niederknien. Von Feeling Good über Fire von den Ohio Players bis hin zu Should i stay or should i go, ist alles dabei was man aus dieser zeitlichen Epoche erwartet. Die Musiken unterstreichen dabei den extrem coolen Flair der 80er-Jahre in London. Optisch ist alles so, wie man es von Disney erwarten würde: Eine absolute Wucht. Animationen stimmen, die wenigen “Action”-Sequenzen machen Spaß und die gesamte Präsentation passt von vorne bis hinten. Die deutsche Synchro ist ebenfalls gut gelungen und gibt keinen Anlass zum meckern.
Einen großen Nachteil hat Cruella dann aber doch – auch wenn der nur im Kino zum Tragen kommt. Mit über zwei Stunden Laufzeit wird der Film extrem gestreckt. Gerade die letzten 45 Minuten sind dann doch zu viel des Guten. Parallel zum Kinostart ist Cruella übrigens auch bei Disney+ angelaufen (anfangs noch mit einem Aufpreis von 20 Euro). Hier funktioniert die Länge natürlich wunderbar, da man zwischendurch Pinkelpause machen kann oder den Film gleich in zwei Teilen guckt. Fürs Kino verlangt der Streifen dann aber doch einiges an Sitzfleisch. Aber wir wollen uns gar nicht beklagen – als Start nach den Corona-bedingten Kinoschließungen ist ein solcher Mammutfilm eine willkommene Abwechslung.

 

Informationen zu Cruella

  • Originaltitel: Cruella
  • Laufzeit: ca. 134 Minuten
  • Kinostart: 27. Mai 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 06 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Emma Stone, Emma Thompson, Mark Strong

Trailer zu Cruella

Fazit zu Cruella

von Lukas Hesselmann

“Cruella hat mich aus dem Nichts überrascht. Ich bin völlig ohne Erwartungen ins Kino gegangen und wurde dementsprechend komplett umgehauen. Einen so liebevoll und verrückt gestalteten Disney-Film habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Die Stimmung ist fantastisch, der gesamte Cast – allen voraus Emma Stone – macht Spaß, die Bilder sind toll, der Soundtrack der absolute Wahnsinn. Ihr seht schon, ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und kann euch nur empfehlen: Schaut euch Cruella an, gebt dem Film unbedingt eine Chance, auch wenn ihr mit 101 Dalmatiner vielleicht nicht so viel anfangen könnt.”

Fazit zu Cruella

von Julia Dohm

“Schon die Trailer für Cruella haben so unheimlich gut ausgeschaut, dass ich es kaum erwarten konnte, den Film endlich im Kino zu sehen. Und ich bin nicht enttäuscht worden! Auch, wenn die Geschichte teilweise ein bisschen an den Haaren herbeigezogen wirkt, macht Cruella einfach Spaß. Kostüm, Szenenbild und Musik schaffen eine authentische 70s-Punk-Atmosphäre und das Schauspiel in diesem Film ist einfach grandios. Insgesamt funktioniert Cruella vielleicht als Prequel zu 101 Dalmatiner nicht fehlerfrei, aber als Stand-Alone haut er einen wirklich von den Socken! Eine absolute Empfehlung!”

Emma Stone spielt sich um den Verstand
Famoser Soundtrack
Tolles Prequel zu 101 Dalmatiner
Gut und gerne 45 Minuten zu lang

Ab in die Filmsammlung?

Als Start ins Kinojahr ist Cruella ein absoluter Genuss.

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Geschrieben von Lukas Hesselmann
Redakteur im Bereich: Movies

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