The Retreat: No Way Out

Kritik zum lesbischen Trash-Horror

Vielleicht kann man Pat Mills als Regisseur des Films The Retreat: No Way Out gar nicht so große Vorwürfe machen. Vielleicht lag es auch an dem Drehbuch von Alyson Richards und der mangelnden Erfahrung beider im Genre Horror. Etwas davon muss es jedenfalls gewesen sein, wenn man sich entscheidet, ein ziemlich gutes Thema in ein altes, viel zu oft gesehenes Schema zu quetschen und dabei nicht auf Details achtet. Was es zu bemängeln gibt, obwohl die Message dahinter riesig hätte sein können, erfahrt ihr unserer Kritik.

 

Die Story von The Retreat: No Way out

Valerie (Sarah Allen) und Renee (Tommie-Amber Pirie) sind ein Paar. Eines, welches direkt zu Beginn offenbart, dass es einige ungestellte Fragen zur Beziehung zwischen ihnen gibt. Trotzdem wollen sie zusammen ein Wochenende in einer Hütte im Wald verbringen und zwei Freunden von Valerie bei den Vorbereitungen zur Hochzeit helfen. Doch im Haus finden sie niemanden vor und an das Telefon geht auch keiner. Nicht schlimm, denken sich die Beiden und verbringen Zeit zusammen, bis sie bemerken, dass sie beobachtet werden. Es dauert nicht lang, da sehen sie sich einer Hetzjagd konfrontiert, die mit einem Kidnapping endet.

Die beiden Protagonisten stellen nach und nach fest, dass sie von Menschen gefangen genommen wurden, die Tötungsvideos drehen. So erging es ihren Freunden und so soll es ihnen ergehen. Aber die beiden Frauen setzen sich zur Wehr und entkommen mit einigen waghalsigen Aktionen den Fängen der Extremisten. Allerdings nicht ohne sich zu rächen.

 

Unsere Kritik zu The Retreat: No Way out

Es hätte so gut sein können. Von Anfang an brodelte eine kleine Wahrheit zwischen den Zeilen. Die Protagonisten sind homosexuell. Das wurde nicht extra eingefügt damit es zum modernen Mainstream passt, sondern steht hier im Mittelpunkt. Auch die Freunde und die Hausbesitzer sind homosexuelle Personen. Die getötet werden. Aufgrund ihrer Sexualität. Eine Message, die ganz klar an den Zuschauer geht – wenn auch unausgesprochen – und diese erreicht. Die Bösen sind also diejenigen, die diese liebevollen Menschen aus Spaß und für das Internet Schaden zufügen. Das Drama, was dahinter steckt, wird völlig in der Unglaubwürdigkeit etlicher Szenen erstickt. Das beginnt bei der Frau, die eine Kaffeemaschine nicht bedienen kann und stattdessen für die Liebste Instantkaffee mit kaltem Leitungswasser ans Bett bringt. Enden tut das Ganze dann mit dem Schießen einer Schrotflinte, ohne Schulterstütz und stabilisierender Hand. Beinahe treffsicher. Die deutschen Synchronstimmen sind nicht bei der Sache und die Charaktere sind zu Unglaublichen fähig.

Dies sind nur wenige von vielen Szenen, die mir als Zuschauer das Gefühl geben, dass sich mit den dargestellten Szenen nicht auseinandergesetzt wurde. Sie ergeben keinen Sinn und lassen mich mit so vielen Fragezeichen zurück, dass es mir am Ende auch nicht mehr wichtig ist, ob die Beiden noch aus der Sache raus kommen oder nicht. Das Skript ansich ist unglaubwürdig.

Selbstverteidigung gegen Selbstjustiz

Valerie und Renée müssen viel ertragen und es ist schön zu sehen, dass es dieses Mal die LGBT+ Personen sind, die absolut im Vordergrund bleiben und die Oberhand gewinnen. Seit jeher gibt es wenig Filme, in denen homosexuelle Charaktere zum Einen die Protagonisten sind und zum Anderen als Paar überleben oder die Guten bleiben. The Retreat ging das Thema an, machte aber aus Heldinnen trotzdem Mörder ohne Kompromisse. In einer Szene hat Valerie die Chance ihren Gegner einfach K.O. zu schlagen. Sie entscheidet sich aber dafür einen Monitor zu nehmen und damit den Kopf des Anderen zu zerquetschen.

Auch zum Schluss, als der letzte Kontrahent zu Boden ging und höchstwahrscheinlich seinen Wunden erliegen würde, reicht es der Protagonistin nicht. Sie nimmt eine der vielen Kameras, die auf dem Gelände verteilt sind und schneidet vor Augen aller die Kehle des Feindes durch. Sehr intensiv betrachtet sie dabei das Verbluten der Person und zeigt ihr Gesicht den unbekannten Zuschauern aus dem Darknet. Das ist nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich. Ich kann verstehen, dass sich dabei eine gewisse Genugtuung ergibt, doch wären die Folgen nach den Ereignissen ziemlich gravierend. Niemand würde das Handeln als Selbstverteidigung oder situationsbedingte Reaktion abnicken. Doch das kommt niemals zur Sprache.

Spannungsfaktor gleich 0

Für Jemanden wie mich, der Horrorfilme generell scheut, war dies eine Enttäuschung. Es dauerte beinahe eine Stunde, bis tatsächlich Spannung aufgebaut wurde. Heikle Situationen wurden einfach ausgeblendet. Die Macher waren versucht, mit dramatischer Musik Unruhe ins Programm zu bringen und machten es damit aber nur künstlich übertrieben. So war es eben durch die klassischen Elemente wie Wald, vermummte Männer, und Bärenfallen stets einfach nur sehr vorhersehbar.

Kommunikationsmittel verschwinden oder werden im Auto vergessen und das Selbige wird in Abwesenheit der Protagonistinnen im nächsten See versenkt. Die Hausbesitzer, die vorher verschwunden waren und nur kurz Erwähnung fanden, werden während die beiden Frauen im Obergeschoss sind, hübsch, aber tot im Erdgeschoss zur Demonstration drapiert. Nachdem wenig später eine der beiden Protagonistinnen während der Flucht in eine Bärenfalle gerät, benötigt die Andere für einen Weg, den sie zuvor locker am Tag gelaufen sind, bis in die Nacht, um zum See zurück zu kehren, um dort im Dunkeln und im verschlossenen Auto eine Brechstange zu holen. Die Freundin ist bei ihrer Rückkehr nicht mehr da und sie selbst schreit lautstark auf, als ihr beim plötzlichen Umdrehen ein Jagdgewehr ins Gesicht gehalten wird. Wird sie erschossen? Nein. Wie wird sie verschleppt? Man weiß es nicht.

Die einzige Frage, die man sich zwischendurch stellte, war, ob beide Protagonisten durchkommen würden oder nur eine. Doch als auch das ziemlich sicher feststand, blieb man ernüchtert zurück. Man hätte zumindest bei den beiden männlichen Rettern nochmal ein offenes Ende einbauen können, welches dem Zuschauer mit rasenden Herzen zurücklässt. Aber auch das blieb aus und der Abspann folgte nach unnötig humoristischen Floskeln.

 

Informationen zu The Retreat: No Way out

  • The Retreat: No Way Out
  • Laufzeit: ca. 82 Min
  • Heimkinostart: 04. August 2022, auf Blu-Ray ab 02.September
  • Altersfreigabe (FSK): ab 18 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Aaron Ashmore, Rossif Sutherland, Celina Sinden, Munro Chambers, Chad Connell, Sarah Allen, Patrick Garrow, Gavin Fox, Tommie-Amber Pirie, Joey Coleman, Don Masters

 

Trailer zu The Retreat: No Way Out

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  • The Retreat: No Way Out – Kritik zum lesbischen Trash-Horror
    Fazit zu The Retreat: No Way Out

    Wer den Trailer gesehen hat, kannte alle interessanten Szenen im Film bereits. Mit Darstellern wie Aaron Ashmore und Rossif Sutherland, deren Nachnamen Gewicht in der Filmindustrie haben, erwartete man doch eigentlich ein intensives Schauspiel, doch das war weit gefehlt. Mit ein wenig Splatter und brutalen Szenen kam der Film einem Horrorfilm nahe, schaffte es aber nicht ansatzweise zu überzeugen. Absolut kein Muss, um zwei Stunden Lebenszeit zu füllen.

    Janine Günther, Trainee
Unlogische Schnitte ergeben keinen Sinn
Oberflächliche Charaktere
Szenerie, die man im Horror-Genre schon etliche Male gesehen hat
Endlich kein "bury your gays"

Ab in die Filmsammlung?

Nur für jemanden, der trashige Horrorfilme mag, ist der Film eine Überlegung wert.

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Geschrieben von Janine Günther
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