Silence – Test zur Rückkehr in die Scheinwelt

Im Jahre 2009 brachte Daedalic Entertainment mit The Whispered World ein magisches Adventure heraus, welches mit seinem grandiosen Hauptcharakter Sadwick und dessen Sidekick Spot sowie einer fantastischen Welt punkten konnte. Nun erscheint mit Silence quasi ein Nachfolger, obwohl der Untertitel „The Whispered World 2“ gestrichen wurde. Wir verraten euch in diesem Test, warum dies wahrscheinlich der Fall ist.

 

Zurück in die Traumwelt

Im Tutorial wird die Vorgeschichte aus The Whispered World ein wenig zusammengefasst. Bis auf einige Anspielungen im Rest des Spiels war es das dann, wenn man den Vorgänger nicht gespielt hat, schaut man in die Röhre. Silence erzählt die Geschichte von Noah und Renie, die sich während eines Krieges in einem Bunker verschanzen. Nachdem Noah, welcher im ersten Teil das reale Gegenstück vom traurigen Clown Sadwick war, seiner Schwester im eben genannten Tutorial die Geschichte von Silence erzählt hat, landen sie kurzerhand in ebenjener magischen Welt. Dort gibt es eine Wiedervereinigung mit der kleinen Raupe Spot, zudem begegnen unsere Helden allerlei alten Bekannten wie den Steinen Yngo und Ralv oder dem Orakel Shana, aber auch neue Bekanntschaften werden geschlossen, zum Beispiel mit den Rebellen Kyra, Janos und Sam. Gemeinsam will diese Truppe die falsche Königin stürzen, welche wiederum ihre grässlichen Sucher ins Land geschickt hat, um etwas zu suchen. Neben der üblichen „Heldentruppe rettet Königreich“-Storyline gibt es noch tiefschichtigere Geschichten über Traumwelten und Plottwists, die man von Daedalic kennt. So toll die Geschichte auch ist, so fehlt ihr doch ein essenzieller Bestandteil, welcher im ersten Teil noch vorhanden war: Der Humor. Keine urkomisch-depressiven Sadwick-Sprüche und auch keine ausgefallenen Charaktere a la Bando. Die vorhandenen Charaktere bieten leider nicht die gewohnte Substanz. Nicht nur der Humor fehlt Silence, auch die adventuretypischen Dialogbäume sind nicht wirklich vorhanden. Man kann zwar in bestimmten Situationen Unterhaltungen mit anderen Charakteren führen, diese fallen jedoch leider nie wirklich so ausführlich aus wie in anderen Daedalic-Adventures.

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Noah kann jonglieren, fast so gut wie Sadwick

 

Abgespecktes Adventure

Nicht nur bei den Dialogen, auch generell hat man den Eindruck, dass bei Silence viele Schritte rückwärts gemacht wurden, was das Adventure-Design angeht. Klar, es handelt sich immer noch um ein passendes Point’n’Click Adventure, doch so elementare Aspekte wie zum Beispiel ein Inventar wurden komplett entfernt. Gegenstände werden jetzt mehr oder weniger mit den Sachen verwendet, die ihr anklickt. Dadurch geht das Herumprobieren verschiedener Kombinationsmöglichkeiten etwas verloren. Generell wird das Spiel durch diesen Aspekt leider etwas zu linear, da sich die Möglichkeiten etwas einschränken. Sicher, Rätsel gibt es hier und da schon, diese sind aber fast schon zu einfach und auch recht rar gesät. Dennoch sind sie eine willkommene Abwechslung, genau wie die kleinen Minispielchen mit Spot, wo man zum Beispiel einem Drachen einen Splitter entwenden muss, indem man die Verwandlungskünste der kleinen Raupe voll ausspielen muss. Generell gibt es oft Augenblicke, in denen ihr zwischen den Charakteren wählen könnt. Wollt ihr zuerst Noahs Aufgaben erfüllen? Oder wollt ihr lieber erst Renie steuern und ihr Problemchen bewältigen. Der Rest des Spiels ist eines der simpelsten Adventures, die Daedalic jemals kreiert hat. Und nicht nur das, es ist auch eines der Kürzesten, in gut 5-6 Stunden ist das Abenteuer schon vorbei, Das sind für Casualspieler zwar vielleicht willkommene Neuerungen, für Adventure-Veteranen und Daedalic-Fans jedoch leider eine Enttäuschung. Das Spiel ist schlichtweg zu einfach. Die bereits erwähnten Rätsel stellen keine besonders große Herausforderung dar und auch die Point’n’Click-Sektionen verlangen einem nicht allzu viel Können ab. Aufgelockert werden bestimmte Spielstellen durch kleinere Quick Time Events, wenn man zum Beispiel die Balance halten muss oder aber einen Gegenstand schiebt bzw. zieht. Dies ist eine willkommene Neuerung, die das übliche Herumgeklicke ein bisschen abwechselnd gestaltet. Diese Mechaniken bieten zusammen mit den Spot-Abschnitten und einigen der Rätsel die besten Passagen von Silence.

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Einfache Interaktionen, dabei bleibt es

 

Einfach nur traumhaft schön

Silence präsentiert sich mal wieder von seiner besten Seite. Die handgezeichneten Hintergründe sind einfach nur wunderschön anzusehen. Sobald man die Traumwelt wieder betritt, kommt einem das gleiche Gefühl auf, welches auch bei The Whispered World aufkam. Eine neue, unbekannte Welt, welche dennoch sehr heimisch wirkt, und trotzdem eine Magie enthält, die es in der Realität nicht gibt. Ein wenig düsterer wird es in Silence auch, sobald die Sucher die Bühne betreten, sie verkörpern die Gefahr, die in dieser scheinbar so perfekten Welt herrscht. Untermalt werden sowohl die ruhigen als auch die gefährlichen Situationen perfekt von der orchestralen Musik unterstützt, einfach alle Aspekte der Präsentation sind nur zu einem Zweck da: Euch als Spieler in eine magische Welt zu entführen, in der ihr am liebsten für immer leben möchtet. Was die Präsentation der Charaktere angeht, hat Daedalic diesmal etwas anderes ausprobiert. Obwohl es sich im Grunde um ein 2D-Point’n’Click handelt, sind die Charaktere in 3D-Optik gehalten. Manche Dialoge werden sogar kameratechnisch in Szene gesetzt, so dass die 3D-Charaktere zur Geltung kommen. Auch wenn man auf den ersten Blick skeptisch sein kann, ob dieser 3D-Look denn funktionieren kann, so fügt sich alles zu einem tollen Gesamtbild zusammen. Allerdings scheint diese Art der Präsentation sehr an der Performance zu ziehen. Bei jedem Wechsel eines Screens lädt das Spiel einfach nur zu lange. Besonders bei Rätseln, bei denen man mal hin und her läuft, zieht sich das ewig. Dies war bei vorherigen Daedalic-Adventures nicht der Fall.

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Einfach nur traumhaft

 

Fazit:

Schade. Das fasst Silence eigentlich ganz gut zusammen. Dies soll nicht heißen, dass es sich hier um ein schlechtes Spiel handelt. Die Story ist märchenhaft, die Optik und Akustik einfach nur wunderschön und einige Gameplayelemente machen sich echt gut im Gesamtbild. Dann sind da jedoch leider die Mängel, die Silence im Vergleich zu anderen Daedalic-Adventures etwas abschwächen. Die Point’n’Click-Elemente wurden sehr abgeschwächt, nicht alle Charaktere versprühen Witz und Charme, die Rätsel sind nicht weiter fordernd und die Ladezeiten sind zu lang. Ihr merkt schon, Silence hat leider eine zu lange Liste an Problemen, die man von Daedalic bisher nicht gewohnt ist. Dennoch sollten sich Daedalic- und The Whispered World-Fans nicht abschrecken lassen, die Story und die Präsentation sorgen auf jeden Fall für Gänsehaut bei Fans.

 

80

 

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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