Rad Rodgers – Test zum abgedrehten 2,5D Jump ‘n’ Run

Ein klassisches Jump ‘n‘ Run ganz im Geiste von Commander Keen und Co. mit einer Prise Contra, etwas derbem Erwachsenenhumor und ganz vielen Anspielungen an vergangene Videospielzeiten. Klingt gut, oder? So kann man Rad Rodgers im Groben beschreiben. Doch ob es auch so cool ist, wie es sein will, verraten wir euch in den folgenden Zeilen.

 

Die gute, alte Zeit

Wir schlüpfen in die Turnschuhe von Ricardo Rodriguez, alias Rad Rodgers. Ein kleiner Junge, der genau das tut, was wir in den 90ern auch alle nach der Schule getan haben. Er daddelt fröhlich an seiner Konsole. Und wie sollte es anders sein, der eine oder andere erinnert sich bestimmt daran, kommt abends die Mutter ins Zimmer und schickt den kleinen Kerl ins Bett. Und als er da so liegt, geht plötzlich die Flimmerkiste (so nannte man damals die alten Röhrenfernseher) an und eine eigenartige Bildstörung taucht auf. Diese entpuppt sich als Portal in die Videospielwelt und ehe wir uns versehen, befinden wir uns im ersten Level unseres Spiels. Dusty, unsere Spielkonsole, wurde zum Leben erweckt und begleitet uns auf unserem Abenteuer. Häufig auch mit  ziemlich derben Sprüchen.

Das Menü ist klassisch im Pixellook gehalten

 

Die Reise beginnt

Nachdem wir nach einer kurzen aber witzigen Introsequenz unsere Waffe erhalten haben (welche natürlich überdimensional groß ist und ein wenig an die Bolter aus Warhammer 40K erinnert) und nun auch wissen, wo wir hin müssen, geht’s auch schon direkt los. Das Spiel langweilt nicht mit langen Erklärungen oder dergleichen. In jedem Level sind vier Teile eines Amuletts versteckt, welche es zu finden gilt. Der Levelaufbau ist weiträumig und verwinkelt. Das lädt zum Erkunden ein, was sich auch lohnt. In jedem Level sind bis zu zehn Geheimnisse versteckt, welche gefunden werden wollen. Für manche muss man sich schon anstrengen oder einfach nur Glück haben. Dazu zählen auch 28 verschiedene Kopfbedeckungen, welche im ganzen Spiel verstreut sind. Das geht vom Baseballhelm, über Cowboyhut und Wikingerhelm, bis hin zur Gasmaske. Diese können natürlich auch getragen werden. Das hat auf das Spiel keine Auswirkungen. Sieht aber cool aus.

Mit Minigun, Charme und Melone ääh Krone: Die Waffenmods machen richtig Laune

 

Eine kunterbunte Welt voller Gefahren

Das Design von Rad Rodgers kann sich sehen lassen. Der kindliche Comicstil und die kunterbunte Farbvielfalt sehen klasse aus und machen Spaß. Die Grafik ist schick und die Effekte können sich auch sehen lassen. Doch die farbenfrohe Umgebung täuscht. Überall lauern Gefahren in Form von mies gelaunten Gegnern und Fallen. Hier haben die Entwickler einiges an Retrocharme übernommen. Wasser zum Beispiel lässt unsere Lebensanzeige sehr schnell sinken. Doch wir sind nicht ganz wehrlos. Unsere Knarre ist nämlich modular! Überall in der Spielwelt können wir verschiedene Modifikationen einsammeln. Unter anderem gibt es eine Gatling-Gun, einen Granatwerfer, einen Laser und eine Art Flammenwerfer, die Feuervögel abschießt. Im Gegensatz zu unserer Standardbewaffnung haben diese Mods begrenzte Munition. Das ist aber nicht schlimm, da diese großzügig in den Levels verteilt ist. Die Steuerung geht sowohl mit Controller als auch mit Maus und Tastatur leicht von der Hand. Wobei das Spiel mit Controller viel mehr Spaß macht. Es unterstützt ebenfalls den Steam-Controller und hat für diesen schon ein fertiges Layout parat.

Die Levels sind bunt und sehr detailliert. Die Grafik sieht durchweg super aus

 

Lets make it Dangerous to go alone

Was bei Rad Rodgers schon im Intro auffällt, sind die Anspielungen an die Anfänge der Videospiele. Nachdem wir in der Videospielwelt erwachen und unsere Konsole mit uns redet, übergibt sie uns unsere Waffe mit den Worten: „Lets make it Dangerous to go alone!“. Das ist eine Anspielung an den ersten Zelda-Titel: „It’s Dangerous to go alone. Take This!“ Mit diesen Worten erhielt Link sein erstes Schwert. Aber das ist eine andere Geschichte. Witzig sind auch die Kommentare von Dusty. Fallen wir ins Wasser legt er uns nahe, es doch mal mit der „Springen“- Taste zu versuchen. Die Sprüche sind teilweise schon ziemlich derber Erwachsenenhumor und der Gewaltgrad ist schon recht hoch. Doch wem das nicht passt, oder wer seine Kinder auch mal spielen lassen will, der kann die Schimpfwörter und die Splattereffekte jederzeit in den Optionen ausschalten.

„Lets make it Dangerous to go alone.“ Die Anspielungen bringen ältere Semester häufig zum schmunzeln

 

Weißt du noch, wie es früher war?

Der Ablauf des Spiels ist an die klassischen 2D Jump ‘n’ Run Spiele der alten Schule angelehnt. Auf einer Übersichtskarte sehen wir alle Levels. Die schon abgeschlossenen sind Grün markiert und können jederzeit wieder besucht werden. Das ist hilfreich, wenn man noch nicht alle Geheimnisse gefunden hat und natürlich um den Highscore des jeweiligen Levels zu erhöhen. Levels, welche noch vor uns liegen, sind Rot. Dazwischen sind immer wieder kleine Bonuslevels, in denen wir mit einem Pogostock immer weiter nach oben gelangen müssen. Auch der eine oder andere Zwischenboss erwartet uns am Ende einiger Levels. In den einzelnen Levels finden wir auch eine Art verpixelter Wurmlöcher. Betreten wir diese, schlüpfen wir in die Rolle von Dusty und müssen entweder Gegenstände finden, die uns in der „richtigen“ Welt weiter bringen oder Schalterrätsel lösen. Das ist eine spaßige Abwechslung, kommt aber an manchen Stellen etwas zu oft vor. Doch eines der Highlights ist auf jeden Fall der Excalit Bat! Ein spezieller Baseballschläger, mit dem wir für kurze Zeit unverwundbar sind. Dieser ist aus einem indizierten Titel aus dem Jahr 1994 bekannt.

Die Karte ist recht übersichtlich. Und bunt.

 

Es passt fast alles

Die Steuerung geht leicht von der Hand, die Grafik und die Effekte sehen toll aus und der Soundtrack ist der Hammer. Angelehnt an die 80er und 90er Jahre und mit starken Gitarrenriffs und Synthesizer-Sounds schafft er es, die Atmosphäre passend zu untermalen und ermutigt zur Action. Dennoch gibt es auch einiges zu beanstanden. Die Gegnervielfalt und die KI lassen arg zu wünschen übrig. Es kann natürlich als Stilmittel gewertet werden aber die Gegner haben keinerlei nennenswerte Stärken oder Schwächen. Im Endeffekt kann man alle Gegner mit der Standardwaffe besiegen. Es wäre interessanter, wenn man für bestimmte Gegnertypen auch eine bestimmte Waffe bräuchte. Doch die Ladezeiten sind angenehm kurz. Auch verfügt das Spiel über eine brauchbare deutsche Sprachausgabe, jedoch sollte man diese auf Englisch stellen, wenn man die ganzen Anspielungen auch nachvollziehen will.

 

Positiv:

Schöne, detaillierte Grafik
Klasse Soundtrack
Große, verwinkelte Levels
Viel zu entdecken
Viele Anspielungen an alte Klassiker und derbe Sprüche...

Negativ:

...die sich leider zu oft wiederholen
Kaum Gegnervielfalt
Mini-Spiele wiederholen sich etwas zu häufig
  • Rad Rodgers – Test zum abgedrehten 2,5D Jump ‘n’ Run
    “Rad Rodgers ist ein kleiner aber gelungener Trip in die Jugend von den älteren Semestern unter uns Zockern. Der eine oder andere kann sich wohl ganz gut mit dem kleinen Ricardo Rodriguez, alias Rad Rodgers identifizieren. Das Gameplay mit seinem Retro-Charme kommt gut an. Die Sprüche von Dusty bringen einen zum Schmunzeln, auch wenn sie sich recht häufig wiederholen. Das Gameplay, die Grafik und der Sound können auf ganzer Linie überzeugen. Ich bin gespannt, wie es in Rad Rodgers: World Two weitergeht.”
    Tobias Panten, Redakteur

Ab in die Sammlung?

Ältere Zocker mit einem Hang zu etwas derben Humor und Nostalgie sollten sich den Titel nicht entgehen lassen. Man fühlt sich trotz der modernen Grafik immer mal wieder in die eigene Jugend versetzt. Auch jüngere Spieler können ihren Spaß damit haben. Jedoch sollten die Eltern dann auf die Einstellungen vom Gewaltgrad und der Sprache achten.

Tobias Panten
Geschrieben von
ist gespannt, was der Herbst noch so alles bringt.

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