Pokémon Stadium 2 – Retro-Test zum Stadion-Kampf der Taschenmonster

Mit Pokémon Stadium 2 erschien 2001 in Europa der Nachfolger des gleichnamigen Spiels Pokémon Stadium und richtete sich dieses Mal zusätzlich an die Pokémon Spieleditionen Gold, Silber und Kristall. In Kämpfen solltet ihr euch gegen Arenaleiter und andere Trainer beweisen, abgerundet wurde das Spiel mit lustigen Minispielen. Besonders ungewöhnlich: Die damaligen Farben des Spielmoduls waren nicht nur ödes grau, sondern glitzerndes Silber und Gold (den jeweiligen Editionen nachempfunden), weshalb auch die legendären Pokémon Ho-oh und Lugia das Cover zierten. Doch ist das Spiel außen hui und innen pfui? War das Spiel sein Geld von damals wert? All das erfahrt ihr in unserer Retro-Review!

 

Old but gold

Natürlich muss man sich – wie jedes Mal, wenn ich ein altes N64 Spiel in das Modul stecke, nachdem ich es durch Pusten vom Staub befreit habe – an die Grafik von damals gewöhnen. Wie bei jedem Spiel erlebt man zunächst einen mittelschweren Schock (sah das Spiel damals wirklich so aus?), zumal die heutigen Formate der Flachbildschirmfernseher das Spielgeschehen teilweise verzerren. Doch einem Retro-Reviewer macht die alte Grafik nix aus! Und so starten wir das Spiel. Zunächst können wir auswählen, ob wir einen Blitzkampf, einen Schaukampf gegen einen Freund oder das Stadion betreten wollen. Im Stadion befinden sich vielerlei Einrichtungen, die zum Teil nur für die Gameboy-Editionen Blau, Rot, Geld, Silber, Gold und Kristall ausgelegt sind. Mit einem N64-Transfer Pak könnt ihr euer Spielmodul mit Pokémon Stadium 2 verbinden und somit neue Möglichkeiten freischalten, die euch ohne Modul verwehrt bleiben. Den GB-Turm beispielsweise könnt ihr nur betreten, wenn ihr eure Edition mit dem Spiel verbunden habt. Hier könnt ihr eure Edition auf dem Fernseher abspielen, mit dem Unterschied zur Gameboy-Version, dass ihr im Dodu-Modus (doppelte Geschwindigkeit) oder im Dodri-Modus (dreifache Geschwindigkeit) spielen könnt. Auch das Pokémon-Labor lässt sich nur mit verbundener Edition betreten. Hier habt ihr die Möglichkeit, eure Items und Boxen im Spiel zu verwalten und den Pokédex einzusehen. Das wohl lustigste Gimmick: In Mein Zimmer könnt ihr euer Zimmer aus der Edition umgestalten und so dekorieren, wie ihr es mögt.

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Das legendäre Pokémon steht leider nur zur Auswahl, wenn ihr es in einer Edition gefangen habt

 

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Doch auch ohne Edition habt ihr die Möglichkeit, vieles im Spiel zu entdecken. Das Herzstück des Spiels bildet das Stadion in der Mitte. Hier könnt ihr euch aus allen damals verfügbaren Pokémon ein Sechser-Team zusammenstellen, um ihr aufeinanderfolgenden Kämpfen gegen verschiedene Trainer zu gewinnen. Hierbei könnt ihr auch Teams registrieren, um in späteren Cups schneller starten zu können. Unterteilt werden die Cups im Stadion wie folgt: Im Challenge-Cup wird euch ein Pokémon-Team gestellt, mit welchem ihr euch bis an die Spitze kämpfen müsst. Im Mini-Cup können nur Pokémon bis Level 5 antreten, also frisch geschlüpfte Baby-Pokémon. Im Pokémon Cup dürfen nur Pokémon von Level 50-55 teilnehmen, während es im Premium-Cup keine Levelbegrenzung gibt. Auch hier haben Spieler mit einer Edition einen Vorteil: Ihr könnt eure eigenen Pokémon aus den Editionen in Pokémon Stadium 2 transferieren und so an den Kämpfen teilhaben lassen. Das hat vor allem den Vorteil, dass euer Pokémon seine ganz eigenen Attacken beherrscht, die nicht wie in Pokémon Stadium 2 vorgegeben sind. Das bringt euch vor allem im Modus Freier Kampf einen Vorteil, denn wenn eure Freunde nur die Qual der Wahl der vorgegebenen Pokémon haben, könnt ihr diese mit der einen oder anderen Attacke (oder Item) überraschen. Auch in der Arenaleiterburg, in der ihr gegen alle Arenaleiter und die Top 4 aus den Editionen Gold und Silber kämpfen müsst, könnt ihr mit euren Pokémon mächtig einheizen.

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Im Kämpfen müsst ihr euer Geschick beweisen

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Im Kampf an sich könnt ihr – je nach Modus – nur drei Pokémon aus eurem Team mitnehmen. Die Auswahl der Attacken trefft ihr durch Drücken bestimmter Knöpfe, wobei ihr die Ansicht auf eure Attacken und beim Auswechsel die Ansicht auf eure Teampokémon verschleiern könnt. Habt ihr einmal eine Attacke ausgewählt, startet meist das Pokémon mit der höheren Initiative. Für damalige Verhältnisse startete dann ein Showdown der Spezialeffekte. Die Attacken, Bewegungen und Posen, der Pokémon waren gut animiert. Allerdings wirkte die gesamte Runde ein wenig… langsam. Zum einen wirkten die Animationen ein wenig träge, da diese sehr verlangsamt dargestellt wurden (und das nicht nur bei Relaxo!). Auch sind die Animationen der Attacken an sich nicht wegklickbar, sodass ihr euch auch den 30. Sternschauer hintereinander ansehen müsst. Bei zu vielen Spezialeffekten kam das Spiel zudem nicht klar und schraubte die FPS-Zahl um einiges nach unten. Unterstützt wird das Ganze durch die ewig gleichen Kommentare des Kommentators, der gerade so zwischen Volltreffer, Treffer und Daneben unterscheiden konnte. Positiv fällt mir hierbei allerdings auf, dass das gesamte Spiel sowie die Vertonung auf Deutsch herausgebracht worden sind.

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Manchmal verlangsamen die schönen Spezialeffekte das Spiel

 

Morgenstund hat Gold im Mund

Habt ihr einmal keine Lust, euch in Kämpfen zu messen, bietet das Spiel weitere Möglichkeiten zur Unterhaltung. In der Pokémon Akademie habt ihr die Möglichkeit, euer Wissen in der Bibliothek zu erweitern. Ihr könnt zudem als Schüler im Klassenraum verschiedene Vorlesungen besuchen. Euer Wissen wird anschließend in einem Test abgeprüft, welchen ihr bestehen müsst, um euch ein entsprechendes Diplom zu verdienen. Je nach Schwierigkeitsgrad werdet ihr in verschiedene Klassen eingeteilt (Trainer, Arenaleiter, Top 4) und erhaltet bei erfolgreichem Abschluss der Klasse das entsprechende Pichu-, Pikachu- oder Raichu-Diplom. Euer Wissen könnt ihr zusätzlich im Quiz beweisen, in welchem Pokémon-Typen, -Schatten oder auch –Stimmen abgefragt werden. Hier müsst ihr in 100 Sekunden so viele Fragen wie möglich richtig beantworten. Ein weiteres Highlight neben dem Stadion sind für mich die Minispiele. In 12 Minispielen könnt ihr euch so richtig austoben und bei angeschlossener Edition sogar eure Pokémon aus den Spielen verwenden, falls sie mit dem Spiel kompatibel sind. Vor jedem Minispiel erhaltet ihr eine kurze Erklärung über das Minispiel mit Tastenbelegung. Anspruchsvoll ist keines der Minispiele, trotzdem machen sie einfach nur Spaß. Besonders lustig finde ich teilweise die Namen, die mit und den COMs gegeben werden (als Beispiel: Als Spieler 1 Botogel heißt man Ogoti). Meine persönlichen Lieblingsspiele sind Fang das Ei, in welchem ihr mit Chaneira die herabfallenden Eier auffangen und den Voltoballs ausweichen müsst, sowie Zähltag, bei welchem ihr als Pii oder Fluffeluff die verschiedenen, vorbeirennenden Pokémon zählen müsst.

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Um sich voneinander abzuheben, steuert ihr verschiedenfarbige Pokémon

 

Fazit:

Das Spiel Pokémon Stadium 2 bietet alles, was man rund um Pokémon erleben kann. Für die kampfwütigen Pokémon-Trainer sowie die verspielten Pokémon-Fanatiker ist alles dabei, was das Herz begehrt. Allerdings ist der starke Zwang mit dem Spiel verbunden, eine zusätzliche Edition zu besitzen, da ansonsten die Hälfte der Funktionen im Spiel wegfällt. Sehr schade bedenkt man, dass das Spiel damals zum Vollpreis von teilweise 100 DM angeboten wurde. Dennoch ist das Spiel rundum gelungen und kann zum Treffen mit Freunden wieder entstaubt werden!

80

Good
  • Deutsche Synchronisation
  • Abwechslungsreiche Minispiele
  • Spezialeffekte der Attacken
  • Viel Content (auch neben den Kämpfen)
Bad
  • Nerviger Kommentator
  • Stark auf Editionen ausgelegt
  • Attacken nicht überspringbar
  • FPS-Zahl-Sturz bei zu vielen Spezial-Effekten
80
Jasmin Beverungen
Geschrieben von
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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