MXGP 2: The Official Motocross Videogame – Test zu Milestones nächstem Streich

Bereits im letzten Jahr gab es von Milestone mit MXGP: Die offizielle Motocross-Simulation einen ersten Versuch die Motorcross-Szene auch auf den heimischen Spielekonsolen auszulagern. Ganz so geglückt ist das allerdings nicht, schließlich war das Gameplay im Gesamten zu mager und die Technik veraltet. Schön hingegen war die offizielle Motorcross-Lizenz. Und eigentlich könnten wir den Test fast 1:1 erneut zum zweiten Teil posten, denn viel verändert hat sich leider nicht. Warum? Das lest ihr jetzt in unserem Test zum zweiten Versuch von Milestone.

 

Ich habe ein Déjà-vu

Wie bereits im Vorgänger gibt es eine Menge an verschiedenen Spielmodi für uns zu entdecken. Neben dem Karrieremodus, einer Stadiontour und der MX-Meisterschaft stehen uns noch Zeitrennen und ein Onlinemodus zur Verfügung. Genug Umfang ist also schon einmal vorhanden. Der Onlinemodus, die Meisterschaft und die Stadiontour sind selbsterklärend und müssen von uns sicherlich nicht mehr groß erläutert werden. Wer schon einmal ein Rennspiel jeglicher Art gespielt hat, weiß genau, was ihn in den jeweiligen Modi erwartet. Im Karrieremodus können wir am Anfang unseren eigenen Fahrer so gestalten, wie wir das für richtig empfinden. Sei es die Kleidung oder der Helm, im Grunde ist für jedermanns Geschmack etwas zur Gestaltung dabei. Zu unserer Freude wurden außerdem auch die originalen Lizenzen für den Titel eingekauft, damit wir nicht auf ausgedachten Strecken fahren müssen. So sind namenhafte Fahrer und Hersteller der Motorräder sowie zahlreiche lizenzierte Strecken, die uns detailgetreu rund um den Globus schicken, mit an Bord. Dies wird Fans des Motorcross-Sports sicherlich in eine positive Stimmung versetzen. Am Anfang steht uns nur ein kleines Startkapital zur Verfügung, mit dem wir ein erstes Moped und ein bisschen neue Kleidung für unseren Charakter kaufen können. Außerdem sind ein Team und ein Manager notwendig, um an den verschiedensten Rennen teilzunehmen. Diesen dürfen wir ebenfalls zu Beginn auswählen.

Unsere Kleidung können wir so gestalten, wie wir es für hübsch empfinden.

Unsere Kleidung können wir so gestalten, wie wir es für hübsch empfinden.

 

Wer bremst verliert

Nun gilt es natürlich, die 18 offiziellen Strecken zu gewinnen und möglichst viele Ansehenspunkte zu erzielen. Diese sind nämlich für die Sponsoren wichtig. Außerdem wollen wir auch ein ordentliches Preisgeld (Credits) erhalten, um später bessere Maschinen und Aufwertungen zu kaufen. Denn ohne einen ordentlichen Motor, einer guten Bremse und einer guten Federung können wir die späteren Rennen nicht gewinnen. Jedes Rennwochenende besteht aus vier Bereichen. Erst Training, dann Qualifikation und zwei Wertungsrennen. Die komplette Aufmachung sieht ganz nett aus und kommt mit einigen guten Effekten daher. Wer zusätzliche Alleinstellungsmerkmale finden möchte, sucht leider auch bei MXGP 2 vergeblich. Mehr als Rennen absolvieren, ab und an eine E-Mail lesen, den Rennkalender anzusehen oder die Rangliste durchzublättern gibt es leider im Karrieremodus nicht. Stuntrennen um die höchste Punktzahl als Beispiel hätten dem ganzen Spielverlauf etwas mehr Abwechslung und Spannung sehr gut getan. Aber was wir bereits beim ersten Teil kritisiert haben, wird einfach ignoriert. Hier fällt weiterhin besonders negativ auf, dass die Entwickler in früheren Spielen kreativer waren und einige Features mehr mit in die Spiele einbauten. Insbesondere bei MotoGP gab es diverse Funktionen mehr. In den Optionen können wir vor jedem Event festlegen, wie stark die Gegner sein sollen und wie gut die Steuerung funktioniert. Letzteres sollte allerdings nicht unbedingt ganz hoch eingestellt werden, da sich die Bikes generell sehr schwierig fahren. Dies ist nämlich sehr fordernd und kann zu einigen Frustmomenten führen. Hier hat man im Vergleich zum Vorgänger etwas nachgebessert, auch wenn sich die Veränderung stark in Grenzen hält. Immer noch landet man zu oft neben der Piste und wird dann in einer miserablen Animation zurück auf die Strecke gebeamt. Bis wir unseren Fahrer und unser Motorcross richtig unter Kontrolle hatten, sind bereits viele Rennen vergangen.

 

Tutorials für Neulinge

Immerhin sind die Tutorials wieder mit an Board, sodass auch Motorsport-Neulinge recht schnell erklärt bekommen, wie erstens die Sportart und zweites das eigentliche Gameplay funktioniert. Am Anfang werden individuell Tutorials freigeschaltet. Diese können über das Menü ausgewählt werden, damit man nicht direkt ohne Wissen auf die Strecke gelassen wird. In diesen Videos kann man die Grundlagen kurz und bündig genießen und wird mit einfachen Erklärungen dem Spiel näher gebracht. Mit einer recht neutralen Kommentatorenstimme lernt man die Grundprinzipien schnell kennen. Aber leider brachten auch diese Videos nicht den gewünschten Lernerfolg, da es beispielsweise bei MotoGP von Grund auf schon wesentlich einfacher war, die Maschinen zu steuern. So kommt ein richtiges Feeling mit tollen Stunts, Sprüngen und spannenden Kurvenfahrten kaum zustande.

 

Technisch unterstes PS3-Niveau

Bei FIFA dauerte es fast ein Jahrzehnt, bis aus dem Papp-Publikum animierte Figuren wurden. Milestone braucht anscheinend ebenfalls so lange, denn die emotionslosen, aus Pappe geformten Zuschauer stehen erneut fast regungslos am Rande der Strecken. Ebenfalls aus Pappe sind die Bäume und Sträucher, wenn denn überhaupt mal welche da sind. Immerhin gehört das Kantenflimmern der Vergangenheit an, dafür gibt es starke Framerate-Einbrüche, die extrem nervig und störend sind. Hier erinnert man sich an die Anfangszeit der PS3-Ära zurück. Aber nicht nur die Objekte am Rand sehen nicht gut aus, sondern auch die Fahrer an sich. Die Schlammspuren auf der Strecke bewegen sich nur wenig, auch wenn man mit voller Geschwindigkeit über die Rennstrecke fährt. Auch der aufgewirbelte Staub und Dreck sieht eher plastisch aus als realistisch. Wer jetzt denkt, der Sound reißt diese Fehler wieder raus, der denkt leider völlig falsch. Sowohl die Motorengeräusche als auch der Sound im Hintergrund nerven bereits nach fünf Sekunden so dermaßen, dass man die Disc lieber schnell wieder aus dem Laufwerk nehmen möchte. Insbesondere in einer Motocrosssimulation sollten die Motoren unglaublich gewaltig klingen, dass selbst das Papppublikum vor Schreck umfällt. Auch im zweiten Teil bleibt dieser Effekt leider aus. Die Ladezeiten sind zudem ein schlechter Witz. Denn nach jedem Event wird immer neu geladen. Selbst wenn man die Strecke neu startet. So kann es beispielsweise eine knappe Minute dauern, bis wir zum gewünschten Event oder dem Shop gelangen. Den Ladebildschirm sieht man meist mehr als die eigentliche Strecke.

Technisch ist MXGP 2 eine herbe Enttäuschung, inklusive extrem Ladezeiten.

Technisch ist MXGP 2 eine herbe Enttäuschung, inklusive extrem Ladezeiten.

 

Fazit:

Schade, dass Milestone es aktuell kaum noch schafft, einen Titel in den 80er-Wertungsbreich zu bringen. Wir wollen fast meinen, dass bei den Italienern langsam die Puste ausgeht. Nachdem MXGP schon nicht wirklich der Renner unter den Rennspielen war, schließt sich MXGP 2 genauso an und bietet kaum sehenswerte Neuerungen. Es ist einfach schade, dass trotz vorhandener Lizenz noch so viel falsch gemacht wird. Klar, Motorcrossfahren ist sicherlich nicht leicht, doch muss die Steuerung deshalb so extrem frustrierend sein? Dürfen keine Stuntevents zur Auflockerung und für die Sponsorensuche in den Karrieremodus eingebaut werden? Muss die Grafik auf der aktuellen Konsolengeneration so aussehen, wie vor knapp zehn Jahren? All dies sind Fragen, die Milestone mit MXGP 2 nicht positiv beantwortet. Schade, dass auch der zweite Teil von MXGP nicht wirklich aus dem Staub und Dreck herauskommt.

 

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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