Emergency 2016 – Test zum Katastrophen-Manager 2.0

Im November 2014 kam der lang ersehnte fünfte Teil der Emergency-Teil auf den Markt. Dass der Titel auch knapp nach zwei Monaten noch nicht richtig spielbar war, hat die Entwickler Sixteen Tons Entertainment nun dazu gebracht, ein Jahr später ein neues Emergency auf den Markt zu bringen. Neuer Teil? Naja… nicht wirklich. Laut der Retailverpackung handelt es sich bei Emergency 2016 nämlich um die aktuellste Reloaded-Version von Emergency 5 Deluxe inklusive neuem Einsatzfahrzeug, Mittelaltereinsatz und einer neuen Kampagne. Na dann wollen wir uns mal in die aktuellste Version wagen, vielleicht schaffen wir es ja dieses Mal weiter, als bis zum Tutorial zu kommen.

 

Alles beim Alten

Am eigentlichen Spielprinzip hat sich im direkten Vergleich zu Emergency 5 gar nichts geändert. Schließlich spielen wir hier auch die aktuellste Reloaded-Version von Emergency 5. Die Kampagne beginnt in München und zeigt uns einige aufregende Orte, die wir mit unseren Fahrzeugen und Einsatzleitern erreichen und bearbeiten müssen. Da wo damals bereits das Grauen anfing, befindet sich in der aktuellsten Reloaded-Version nun ein (fast) ruckelfreies Rendervideo, welches nach knapp einer Minute Ladezeit auf dem Bildschirm erscheint. Nach dem Video sehen wir München von seiner schicksten Seite. Besonders das Oktoberfest und die Biergärten versprechen einige aufregende Momente im Spiel. Hier kommen wir auch schon zur ersten großen Neuerung: die einzelnen Szenarien spielen immer in einer zusammenhängenden Stadt, also nicht mehr nur an bestimmten Orten. Dies bedeutet zudem, dass man nach den Einsätzen nun nicht mehr in einen anderen Bereich wechseln muss, sondern neue Aufträge in der Welt freigeschaltet bekommt. Wir können uns frei auf der Karte bewegen und so zu den verschiedensten Orten fahren. In Emergency 5 war dies, dank der dauerhaft einbrechenden Framerate, leider nicht möglich.

Das Spiel bietet uns erstmals verschiedene Städte mit unterschiedlichen Fällen.

Das Spiel bietet uns erstmals verschiedene Städte mit unterschiedlichen Fällen.

 

Großeinsätze machen Spaß

Die neuen Karten bringen frischen Wind in die Emergency-Reihe und machen fast einem GTA 2 Konkurrenz. Wie bereits erwähnt, startet das Spiel in München. Wenig später kann man auch noch einen Ausflug nach Hamburg und Berlin machen. Unsere Emergency-Basis ist der Kern der Stadt. Von dort aus schicken wir unsere Einsatzkräfte los. Dort zuhause sind die Feuerwehr, die Sanitäter, die Polizei und dessen Techniker. Für jede Situation ist also gesorgt. Hauptmissionen werden immer wieder durch kleine Szenen gestartet. Insgesamt gibt es zehn Großeinsätze, die dann ausgelöst werden, wenn wir genügend Fahrzeuge zusammenhaben. Ob ein Lawinenunglück in den Bergen oder ein Großbrand in einem Bürogebäude. Für jedermann ist etwas vorhanden. Auch Nebenmissionen warten auf uns. Über Einblendungen werden wir auf der Karte informiert und können so eine Nebenaufgabe erledigen. Diese sind wichtig, da wir darüber einiges an Geld bekommen und zusätzlich neue Fahrzeuge und die Hauptmissionen freischalten. Letzteres musste nicht unbedingt in das Spiel eingebaut werden, da das Spiel dadurch nur künstlich in die Länge gezogen wird. Hauptaufgabe ist es immer, die richtigen Einheiten an den Unfallort zu schicken und die jeweilige Situation unter Kontrolle zu bringen. Auch hier hilft uns eine Anzeige am Bildschirmrand, um den Überblick zu behalten.

Die mobile Intensivstation macht den Einsatz noch komfortabler.

Die mobile Intensivstation macht den Einsatz noch komfortabler.

 

Pest trifft auf Mittelalter

Besonders bei den Großeinsätzen wird uns wirklich alles abgefragt. Jedes Fahrzeug hat eine Funktion und muss immer in Bewegung sein. Dynamische Aufträge, wie schon in Red Dead Redemption, sind zwar ebenfalls recht fordernd, so viele zufallsgenerierte Missionen scheinen allerdings wohl nicht mit an Bord zu sein. Viele wiederholen sich zu schnell, was den Spielspaß hier etwas mindert. Der Schwierigkeitsgrad wurde hingegen sehr gut ausbalanciert. Am Anfang gibt es ein Tutorial, welches uns ganz schön geholfen hat, da die Großeinsätze ziemlich fordernd sein können. So wird der Schwierigkeitsgrad nach und nach gesteigert. Wie in der Realität müssen die Ärzte die Menschen im ersten Kontakt in den Rettungswagen oder Hubschrauber transportieren und so erste Hilfe leisten. Die Polizei nimmt mit ihren Hunden Mörder und Gangster aufs Korn und stellen diese dann mit ihrem SEK-Trupp. Die Feuerwehr kommt mit ihrem Leiterwagen und rettet die Menschen aus einem Hochhaus. Dabei muss die Koordination natürlich stimmen, sodass jeder Fall auch reibungslos absolviert werden kann. Die Balance ist dem Schwierigkeitsgrad gut angepasst worden, beispielsweise ist der Notarzt für die direkte Versorgung des Patienten und der Rettungswagen lediglich für den Abtransport zuständig. Die neuen Inhalte haben leider ihre Schwächen. Die Pest-Kampange macht in der Gegenwart zwar Spaß, im Mittelalter werden die wenigen Level aber schnell langweilig und eintönig. Zudem sind die Sprüche der dort spielbaren Pestärzte einfach nur extrem nervig. Mehr als drei Sätze können die Charaktere nämlich nicht sprechen. Blöde ist nur, dass bei jedem Klick die Figur einen dieser drei Sätze raushaut. Die mobile Intensivstation bringt wertvolle Hilfe mit sich und stellt zudem das neue Einsatzfahrzeug dar. Besonders für die neue Kampagne ist dieses Fahrzeug sehr interessant. Über 20 unterschiedliche Fahrzeuge stehen uns im Level zur Verfügung, dabei hat sich an der Wegfindung leider nichts geändert. Diese ist noch immer eine reinste Katastrophe. Die Fahrzeuge versperren sich gegenseitig den Weg, brauchen viel zu lange, um an den Einsatzort zu kommen oder bleiben an Hindernissen hängen. Es kann sogar so weit führen, dass der Wagen ins Wasser fährt, anstatt an die angeklickte Stelle. Nur ein Neustart der Mission kann helfen. Nervig! 

Pest von Köln City im Mittelalter.

Pest von Köln City im Mittelalter.

 

Technisch ist Emergency mehr schlecht, als gut

Im direkten Vergleich mit Emergency 5 fällt uns direkt auf, dass das Spiel immerhin die meiste Zeit flüssig läuft. Leider gibt es aber noch immer viele Momente, wo die 30 FPS deutlich unterschritten werden. Doch wenigstens die Abstürze und extremen Ruckler gehören der Vergangenheit an. An den Grafikeinstellungen hat man leider ebenfalls nicht viel geändert. Lediglich die Voreinstellungen von niedrig bis ultra können ausgewählt werden. Das Spiel sieht im Allgemeinen wirklich hübsch aus. Es gibt viele Details an den Einsätzen zu entdecken und besonders die Licht- und Schatteneffekte sehen wirklich schick aus. Dennoch bleibt das Spiel weiterhin extrem Hardware-hunrig. Ebenfalls nervig ist die Hintergrundmusik. Die wiederholt sich stetig. Rockfans wird es freuen, alle anderen nicht.

Optisch bietet Emergency 2016 (oder auch 5 Reloaded) wirklich tolle Szenen.

Optisch bietet Emergency 2016 (oder auch 5 Reloaded) wirklich tolle Szenen.

 

Baue mir eine eigenes Szenario

Nachdem die Kampagne erfolgreich abgeschlossen wurde, gibt es noch das freie Spiel und einen Multiplayer. Im freien Spiel besuchen wir die bereits absolvierten Orte erneut und können uns den dynamischen Einsätzen stellen. Hierbei kann man sogar noch zwischen dem Endlos- und dem Herausforderungsmodus auswählen. Beim Endlosmodus werden die Nebenaufträge nach und nach gespielt, beim Herausforderungsmodus kommen wesentlich mehr Aufträge auf einen zu. Nichts für schwache Nerven. Koordination spielt hier eine wichtige Rolle. Unsere Einheiten sind alle verfügbar und wir spielen um den Highscore. Der Multiplayer bietet dasselbe, nur halt für zwei Personen. So spielt jeder um seine eigenen Punkte, die am Ende einer Partie verglichen werden. Einmal und nie wieder, so heißt wohl das Motto dieses Modi. Neben den bereits erwähnten Spielen kann man sich auch, dank des komfortablen Editors, eigene Einsätze zusammenbauen. 

Dank des Editors können eigene Szenarien erstellt werden.

Dank des Editors können eigene Szenarien erstellt werden.

 

Fazit:

Schade, Emergency 2016 ist eigentlich eine Mogelpackung. Denn außer einer kleinen Kampagne, einem neuen Fahrzeug und dem mickrigen Mittelalterlevel bietet uns das Spiel zwar eine technisch bessere Emergency 5-Version, richtig rund läuft das Spiel aber noch immer nicht. Die Abstürze, Ruckler und Framerateeinbrüche bleiben leider noch immer vorhanden, auch wenn diese mit der 2016-Version schon etwas reduziert wurden. Letztendlich kann man leider noch immer keine Kaufempfehlung aussprechen, da der Titel schlichtweg eine technische Katastrophe bleibt. Spielerisch könnte Emergency sicherlich unterhalten, in diesem Zustand kann man das Gameplay aber nicht genießen.

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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