Dune: Spice Wars

Test zur geschichtsträchtigen Strategie-Hoffnung

Dune: Spice Wars im Überblick

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Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

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Dune (4K UHD) [Blu-ray]
  • Ferguson, Rebecca, Isaac, Oscar, Brolin, Josh (Schauspieler)
  • Villeneuve, Denis (Regisseur)
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 12 Jahren

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Releasedatum: 26. April 2022

Genre: Echtzeitstrategie

USK: keine Freigabe

Publisher: Funcom, Shiro Games

Plattformen: Windows PC

Dune, der Wüstenplanet. Schriftsteller Frank Herbert erschuf seiner Zeit mit dem Dune-Universum ein bahnbrechendes Science-Fiction-Epos, welches seither in diversen Medien interpretiert und dargestellt wurde. Sei es die irgendwo zwischen Kult und Cringe lokalisierte Verfilmung von David Lynch 1984 oder das jüngst in den Kinosälen ausgestrahlte Feuerwerk der Bildgewalt von Denis Villeneuve, das mystische Universum rund um Arrakis fasziniert seit über einem halben Jahrhundert. Auch in der Welt der Videospiele wurde Herberts Vorlage des Öfteren verwendet, wobei die erfolgreichsten Vertreter die Lizenz vorwiegend im Strategie-Genre nutzen konnten.

Alternde Fans des Genres werden sicherlich wehmütig an die Veröffentlichung von Dune II zurückdenken, welches 1992 das Genre der Echtzeit-Strategie prägen sollte. Satte 30 Jahre später startet mit Dune: Spice Wars das neueste Werk des französischen Entwicklerstudios Shiro Games in den Early Access, mit dem Versuch dieses zentnerschwere Erbe zu stemmen. Ob das, primär durch das charmante Northgard bekannt gewordene Studio dieser Aufgabe gewachsen zu sein scheint und womit der Early Access-Titel aktuell aufwartet, erfahrt ihr im folgenden Test.

 

Dune in einem neuen Gewand

Dune: Spice Wars hat eine über 20 Jahre andauernde Durststrecke in Sachen Dune-Videospiele beendet und bringt uns Herberts-Universum endlich wieder im Strategie-Gewand auf die heimischen PC-Bildschirme. Doch anders als Dune II oder Dune 2000 haben sich die Entwickler:innen von Shiro Games für ihre eigene Interpretation am 4X-Genre bedient, welches zwar grundlegend in Echtzeit gespielt wird, sich dabei jedoch deutlich von klassischen Echtzeit-Strategiespielen abgrenzt. Für alle, die bei dem Begriff 4X-Games jetzt an Extremsportarten oder Vin Diesel denken, folgt eine kurze Erklärung. 4X ist ein Sub-Genre der Strategie-Spiele, welches auf vier grundlegenden Mechaniken aufbaut: Explore, Expand, Exploit und Exterminate – viermal “X”.

Falls euch diese Umschreibung immer noch verwirrt zurücklässt, dürfte euch vielleicht der wohl bekannteste Vertreter dieses Genres ein Lichtlein aufgehen lassen, Civilizations. Anders als in Civ oder anderen Genre-Größen vermischt Spice Wars die 4X-Formel mit der Echtzeit. Diese Mischung erzeugt ein durchaus angenehmes Spielgefühl, dass sich zwar übergeordnet auf politische und ökonomische Systeme konzentriert, euch aber dennoch die Möglichkeit bietet eure Truppen nach eigenem Gusto in die Schlacht ziehen zu lassen. Mikromanagement à la Starcraft solltet ihr dabei jedoch nicht erwarten. Aber genug der Erklärungen kommen wir zum Inhalt.

Dune: Spice Wars Fremen

Die Fremen wünschen sich ein grünes Arrakis. Im Spiel ist von dieser Motivation leider nichts zu sehen.


 

Meine Wüste, mein Arrakis, mein Dune

Wie viel Dune steckt in Dune: Spice Wars? Nun, wenn ihr das erste Mal die malerische Wüstenlandschaft von Arrakis erblickt und mithilfe eines Fremen Bataillons eure ersten Gebiete erobert, erscheint diese Frage eher rhetorischer Natur zu sein. Denn ja, Shiro Games haben es geschafft, eine glaubhafte und atmosphärische Karte des Wüstenplanets zu kreieren, die die Lizenz schon fast im Alleingang verkauft. Sandwürmer die ahnungslose Spice-Sammler oder Einheiten-Gruppen verschlingen, mörderische Sandstürme, die über die kargen Felsen fegen, der stimmungsvolle Wechsel zwischen Tag und Nacht – Dune: Spice Wars geht in Sachen Inszenierung der Oberwelt einen sicheren und unserer Meinung nach erfolgreichen Weg. Schade, dass an anderer Stelle bislang noch mächtig Potenzial liegen gelassen wird. Das fängt schon direkt beim Beginn einer neuen Partie an. In der Early-Access-Fassung stehen euch aktuell die Artreides, Harkonnen, Schmuggler und Fremen als spielbare Fraktionen zur Verfügung. Entsprechend der Vorlage wird jede dieser Fraktionen von starken und vielschichtigen Charakteren des Dune-Universums vertreten. Die Artreides werden von ihrem ehrenhaften Herzog Leto Artreides angeführt, die Harkonnen vom durchtriebenen Baron Wladimir, die Schmuggler vom bereits deutlich weniger bekannten Esmer Tuek und die Fremen letztlich von der verweiblichten Villeneuve-Version des Liet Kynes.

Große Namen und Charaktere, die abgesehen von einer kurzen schriftlichen Beschreibung bislang noch in keinster Weise genutzt werden. So gibt es abseits des Intros keine Zwischensequenzen, keine Vertonung, ja nicht einmal spielerische Hinweise auf die Existenz der Fraktions-Führer in Form von Einheiten oder dergleichen. Ingame seht ihr Leto oder Liet lediglich im Handelsmenü, wo sie stillschweigend herumstehen. Und auch die Berater, die ihr zu Spielbeginn auswählen dürft, haben erzählerisch keinerlei Einfluss auf eure Partie. Ob ihr als Artreides nun auf die Dienste von Duncan Idaho oder Lady Jessica setzt, hat zwar durchaus interessante spielerische Relevanz, die geschichtsträchtigen Charaktere lernt ihr jedoch auch hier nicht kennen. An dieser Stelle erhoffen wir uns von Shiro Games bis zum endgültigen Release von Dune: Spice Wars deutlich mehr!

Dune: Spice Wars Atreides

Die vier geschichtsträchtigen Fraktionen werden euch bislang nur via Steckbrief vorgestellt.


 

Spice Wars

So epochal und kriegerisch der Titel “Spice Wars” anmutet, so ernüchtert waren wir von der spielerischen Realität rund ums Gewürz. Denn zunächst einmal gilt es Tonnen des hart erkämpften Gewürzes, als Steuern zu entrichten, an die gesichtslose Fraktion der Raumfahrt-Gilde – gewissermaßen ein Steuererklärungssimulator mit Dune-Skin, yay! Aber mal Spaß beiseite, wie spielt sich diese frühe Version von Dune: Spice Wars? Unserer Meinung nach harmoniert der 4X-Ansatz erstklassig mit der Dune-Lizenz. Abstimmungen im Landsraad, die Allgegenwärtigkeit der “unpolitischen” Übermachtsfraktion der Raumfahrt-Gilde, der knallharte Überlebenskampf auf Arrakis selbst, der tiefgreifendere und strategische Ansatz, den Shiro Games gewählt haben, erzeugt ein glaubhaftes Spielgefühl, welches angenehm auf der feinen Linie zwischen Anspannung und Entspannung tanzt. Während ihr mit euren Einheiten eure Territorien erweitert und eure Ornithopter um den Planeten hetzt, forscht ihr gemütlich den vier Zweigen des Technologie-Baums entlang, handelt mit den verfeindeten Fraktionen oder gebt eure Stimmen im Landsraad ab. Was auf den ersten Blick recht eindimensional erscheint, entpuppt sich im Verlauf einer Partie als beachtlich vielschichtig.

Ihr arbeitet in der Rolle der Fremen an der kriegerischen Eroberung des Wüstenplanets? Tja, Jahre bevor ihr euer Ziel erreichen könnt, erklärt sich Herzog Leto Artreides zum Gouverneur von Arrakis per Landsraads-Wahl und entscheidet die Partie für sich. Denn während die Fremen, gemäß ihrer Hintergrundgeschichte, von den großen Häusern des Landsraads eher misstrauisch beäugt werden, genießen die Artreides das allgemeine Vertrauen und haben eklatante Vorteile bei Abstimmungen. Dafür können sich die Soldaten der Fremen in den unwirklichen Verhältnissen der Wüste besser Versorgen, längere Strecken zurücklegen und bei Bedarf sogar auf den berühmten Sandwürmern reiten. Jede der Fraktionen bringt eigene Vor- und Nachteile mit sich, die im Einklang mit der Vorlage sind und ein angenehm komplexes Spielgefühl erzeugen. Wir gehen davon aus, dass Genre-Neulinge vielleicht sogar etwas überfordert sein könnten. Das fängt bereits direkt zum Start einer Partie an, bei dem ihr euch für zwei spezielle Berater entscheiden müsst, die unterschiedliche Vorteile mit sich bringen und den gesamten Verlauf einer Partie prägen können – wenn ihr die Vorteile zu nutzen wisst. Entscheidet ihr euch zum Beispiel als Leto Artreides für Duncan Idaho und Gurney Hallek, seid ihr in der Lage extrem effiziente Legionen aufmarschieren zu lassen. Konzentriert ihr euch in der folgenden Partie allerdings auf Landsraad-Abstimmungen und Wissenschaft, geht dieses Potenzial völlig verloren und ihr wärt mit Lady Jessica oder Thufir Hawat besser bedient gewesen.

Dune: Spice Wars Belagerung

Mit einer Handvoll Einheiten gegen eine Hauptstadt. Durch das knappe Ressourcenmanagement stehen selten meist nur wenige Truppen zu Verfügung, die klug eingesetzt werden müssen.


 

Schere, Stein, Sandwurm

So komplex die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen sein können, so platt kommen die kriegerischen Auseinandersetzungen daher. Jede Fraktion verfügt über eine Handvoll Einheiten, die im Grunde genommen an das uralte Schere-Stein-Papier-Prinzip angelehnt sind und in einem übersichtlichen Zweig des Technologie-Baums aufgewertet werden können. Entsprechend spielen sich die Fraktionen in dieser Hinsicht alle recht ähnlich, was wir zu diesem Zeitpunkt der Entwicklung schade finden und was teilweise im Kontext des Universums keinen Sinn ergibt. Warum müssen beispielsweise die Fremen auf “ihrem” Planeten Dörfer einnehmen, eine industrielle Wirtschaft abbauen oder Abgaben an die Raumfahrt-Gilde leisten? Interessanter und sinnvoller sind da schon die ökonomischen Konsequenzen eurer Armee. Immerhin benötigen eure Einheiten einen Sold, Wasser und eine sichere Unterkunft. Stehen sie etwa ungeschützt während eines Sandsturms in der Wüste, könnt ihr schnell mal eine hart zusammengesparte Arme verlieren – von den dauerhungrigen Sandwürmern ganz zu schweigen. Gleiches gilt auch für die Versorgung eures Reichs, welches stets in einer gewissen Waage gehalten werden muss. An dieser Stelle haben sich Shiro Games für ein übersichtliches Ressourcenmanagement entschieden, das trotzdem ordentlich Hirnschmalz erfordert. Es gibt Geld, eine Bauressource, Wissenschaft, Einfluss, Population, Wasser und natürlich das Gewürz selbst. Das haben wir zwar alles schon einmal gesehen, was den Tanz auf dem Ressourcen-Drahtseil allerdings nicht weniger spannend macht.

In Bezug auf die kriegerischen Auseinandersetzungen könnten die Entwickler:innen jedoch noch etwas nachlegen. So haben wir insbesondere ernsthafte Konsequenzen vermisst, die eine Kriegserklärung mit sich bringt. Ehrlich gesagt habt ihr aktuell nicht einmal die Möglichkeit einen “Krieg” zu erklären. Eure Einheiten können fröhlich durch das benachbarte Territorium von Baron Harkonnen marschieren und seine Städte angreifen, während ihr gemütlich mit ihm am Handelstisch sitzt und euer Spice an ihn verkauft. Friedenserklärungen? Allianzen? Handelsabkommen? Fehlanzeige. Das lässt den kriegerischen Pfad aktuell, neben der eindimensionalen strategischen Komponente, zusätzlich hölzern erscheinen. Andere extrem ausgefeilte Spielmechaniken, wie der umfangreiche Spionage-Tab, der euch sogar per Attentat-Option den Sieg einheimsen kann, lassen uns allerdings darauf hoffen, dass Shiro Games hier noch nacharbeiten wird.

Dune: Spice Wars Kampf

Neue Gebiete werden durch eine neutrale Fraktion besetzt, die es zu stürzen gilt, um eurer Territorium zu erweitern.


 

Muad’Dib im Early Access

Es ist uns ein wichtiges Anliegen noch einmal umfassend zu betonen, dass es sich bei diesem Test um einen Test der Early Access Version von Dune: Spice Wars handelt. Die Entwickler:innen gehen von einem Release der 1.0 Fassung im kommenden Jahr aus, mitsamt Story-Kampagne, fünfter Fraktion, Multiplayer-Modus und mehr. Es ist also davon auszugehen, dass viele unserer Kritikpunkte in der fertigen Version null und nichtig sein werden. Immerhin können wir uns nur schwer vorstellen, dass Shiro Games eine Story-Kampange ohne Vertonung elementarer Charaktere plant oder dass militärische Konflikte weiterhin ohne politische Konsequenzen ablaufen werden. Zudem stimmt uns das Grundgerüst hoffnungsvoll. Die Karte von Arrakis ist sowohl technisch als auch atmosphärisch erstklassig umgesetzt worden, auch wenn der comichafte Grafikstil Geschmackssache sein dürfte.

In Sachen Technik gibt es schon jetzt kaum etwas auszusetzen, in unseren knapp 20 Spielstunden mit Dune: Spice Wars ist uns das Spiel nur einmalig abgeschmiert und lief sonst durchweg stabil. Und trotz der aufgeführten Kritikpunkte muss sich Spice Wars schon jetzt nicht verstecken. In unserer Spielzeit haben wir so manches Mal die Zeit vergessen und uns in der Welt von Dune verloren. Wenn Shiro Games an den aufgeführten Kritikpunkten arbeitet, könnte Spice Wars durchaus dazu in der Lage zu sein, das schwere Erbe zu stemmen, was auf dem Titel lastet. Wir drücken – vollkommen uneigennützig natürlich – die Daumen und werden uns bis dahin sicherlich noch die ein oder andere Stunde um die Herrschaft von Arrakis streiten. Und brav unsere Spice-Steuererklärung abgeben, natürlich.

 

 

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  • Dune Spice Wars Title
    Fazit zu Dune: Spice Wars

    Als Buch-, Film- und Spiele-Fan des Dune-Universums habe ich mich sehr auf den Early Access von Dune: Spice Wars gefreut. Shiro Games hat mich damals schon mit Northgard begeistern können und die Zeichen stehen gut, dass auch die fertige Version von Spice Wars ähnliche Begeisterung auslösen wird. Schon jetzt kann sich der Titel in jeder Hinsicht sehen lassen! Zum Glück sind unserer Kritikpunkte, bis auf die individuelle Gameplay Anpassung der einzelnen Fraktionen nach Charakter und Geschichte, alle lösbar und im Falle der bislang eher mauen Nutzung der Lizenz gehen wir stark davon aus, dass Shiro Games das bereits lange auf dem Zettel stehen hat. Mit einer weiteren Fraktion und einem Kampagnen- und Multiplayer-Modus könnte sich Dune: Spice Wars im kommenden Jahr locker mit den Größen des Genres messen. Ich für meinen Teil freue mich auf den Release der 1.0 Fassung und versüße mir die Wartezeit mit der soliden Basis, die schon vorhanden ist.

    Maximilian Apel, Redakteur

Positiv:

Erstklassige Umsetzung des Wüstenplaneten als Spielkarte
Atmosphärisch inszenierte Wetter- und Tageszeit-Veränderungen
Ausgefeilte 4X-Elemente
Interessantes Spionage-System, das euch sogar den Sieg bescheren kann
Fairer Preis (29,99 Euro)
Kaum bis gar keine technischen Macken

Negativ:

Dune-Lizenz wird bislang noch zu wenig genutzt
Einige Spielelemente stecken noch in den Kinderschuhen
Tutorial für Strategieneulinge eher ungeeignet
Einige Grafikeffekten fehlt es noch an Wucht

Ab in die Sammlung?

Fans des Dune-Universums können, ohne mit der sandverkrusteten Wimper zu zucken, zugreifen, sofern sie dem Genre der Echtzeitstrategie nicht abgeneigt sind.

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Geschrieben von Maximilian Apel
Unity. Precision. Perfection.
1 Kommentar

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