Cris Tales

Test zum Zeitreisen-Indie-JRPG

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Releasedatum: 20. Juli 2021

Genre: JRPG

USK: Ab 12 Jahren freigegeben

Publisher: Modus Games

Plattformen: PC, PS4, PS5, Xbox One, XSX, Switch

Japanische Rollenspiele, kurz JRPGs, gibt es wie Sand am Meer und je mehr von ihnen auf der Bildfläche aufschlagen, desto mehr laufen sie Gefahr, in die typischen Klischees abzurutschen. Auch das Indiespiel Cris Tales versucht sich am Genre und lockt mit einem innovativem Twist im Konzept des Spiels. Aber auch das gewählte Thema Zeitreisen ist ein eher ausgelutschtes Feature, welches clever eingesetzt werden muss. Ob Cris Tales dies schafft, das erfahrt ihr in unserem Test.

 

Die ersten Klischees bereits in der Story von Cris Tales

Wie ich einleitend bereits anmerkte, ist die Klischee-Gefahr bei solch einem Spiel sehr groß und Cris Tales tappt leider von Anfang an direkt hinein. Wir spielen das Mädchen Crisbell, die in einem Waisenhaus aufwächst und sich nicht an ihre Vergangenheit erinnern kann. Bei einer ihrer täglichen Aufgaben trifft sie auf einen sprechenden, gelben Frosch, der sie in eine Kathedrale lotst. Dort erweckt sie besondere Fähigkeiten, mit denen sie in die Vergangenheit und in eine mögliche Zukunft blicken kann. Sie sieht die eventuelle Zerstörung ihres Waisenhauses und macht sich so auf den Weg auf eine lange Reise, um die böse Kaiserin der Zeit aufzuhalten, welche die Welt erobern möchte. Ihr merkt schon, besonders einfallsreich ist diese Geschichte nicht und sie ist auch ein wenig plump dargestellt. Bis auf ein paar wunderschön animierte Zeichentricksequenzen wird die komplette Story mit Standbildern und Texten erzählt, die immerhin vertont wurden.

Und so zieht sich die Hauptstory an einem langen roten Faden komplett durch das Spiel, man wird von Ort zu Ort geleitet, ohne groß Freiraum zu bekommen. Nebenaufgaben und kleinere Geschichten in den besuchten Orten gibt es nur sehr spärlich und kaum etwas hinterlässt einen großen Eindruck. Manche Nebenquests sind ganz nett, wie zum Beispiel die Rettung eines kleinen Jungen, der fortan plant, eines Tages ein Klempner zu werden. So sieht man dann in der Zukunft, dass ein versunkenes Stadtviertel nicht mehr unter Wasser steht. Nette Details und Storyelemente wie dieses gibt es ein paar mal und sie werten die Erzählung ein wenig auf.

Die Hauptstory jedenfalls bedient sich bei allen Klischees, die solch eine Geschichte bieten könnte. Ihr seid die Auserwählte? Check. Ihr trefft auf Gegenspieler, die später zur guten Seite wechseln? Check. Ihr seid der Einzige, der direkt erkennt, dass der Bürgermeister böse ist? Check. Jeder Twist ist vorhersehbar und jede Spannungskurve innerhalb kürzester Zeit wieder gesunken. Ein gewisser Charme ist dem Spiel dabei aber nicht abzusprechen.

 

Reißt das Zeitreisekonzept das Ruder herum?

Wenn schon die Geschichte Cris Tales nicht von anderen JRPGs abheben kann, wie sieht es dann mit dem Gameplay aus? Auch hier haben wir auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches. Ihr erkundet Städte, sprecht mit NPCs, deckt euch in Läden mit Ausrüstung und Heilgegenständen ein und zieht dann in Dungeons, in denen ihr in rundenbasierten Kämpfen gegen Monster und Bossgegner antretet. Ziel sind vier Kathedralen, die auf der Weltkarte verteilt sind und die ihr besuchen müsst, um Crisbells Fähigkeiten zu erweitern und sie auf den Kampf gegen die Kaiserin der Zeit vorzubereiten. Wie aber bereits im Storyabschnitt erwähnt ist dies extrem linear und euch wird kaum Spielraum zum Erkunden gegeben. Wenn ihr einen Ort betreten wollt, die in der Story nicht als nächstes Ziel vorgesehen ist, dann gibt es so Dialoge wie „Wir wollten doch zu meinem Haus gehen. Lass uns direkt dort hin auf den Weg machen und hier keine Zeit verschwenden.“

Ihr klappert also die Orte nacheinander ab, levelt eure Party hoch und erfüllt hier und da kleine Nebenaufgaben. Bisher also nichts Untypisches für JRPGs, doch es gibt da ja noch die Zeitreisemechanik. In den Städten ist euer Bildschirm dreigeteilt, so dass ihr die Stadt immer in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft im Blick habt. Auch NPCs könnt ihr in den unterschiedlichen Zeitperioden anschauen, interagieren könnt ihr jedoch nur in der Gegenwart. An bestimmten Stellen könnt ihr jedoch mit Matias, dem Frosch, in der Vergangenheit oder Zukunft etwas bewirken. So springt ihr vielleicht in die Vergangenheit, um ein lange verloren geglaubtes Objekt wiederzufinden oder ihr erfahrt in der Zukunft einen wichtigen Dialog, der euch in der Gegenwart weiterhilft. Dabei sind die Stellen, an denen man etwas bewirken kann, immer entsprechend markiert. Richtig nachdenken muss man zu keinem Zeitpunkt, fordernde Rätsel mit der Zeitsprungmechanik gibt es nicht. In den Dungeons ist diese Funktion überhaupt gar nicht erst möglich, die Rätsel hier sind altbekannte Schalter- und Schieberätsel. Hinzu kommt, dass die Dungeons, ähnlich wie das ganze Spiel, extrem linear sind. Ab und zu mal eine Abzweigung, wo man eine Truhe findet, ansonsten läuft man geradlinige Gänge entlang bis zum letzten Raum. Ab und zu trifft man dann auf Zufallskämpfe, die ja jeder JRPG-Fan liebt.

 

Die Zeit ist auf eurer Seite

Um dem Spiel jetzt kein Unrecht zu tun, muss man sagen, dass die Zufallskämpfe im Vergleich zu anderen JRPGs echt selten stattfinden. Doch kommt mal einer, erscheint erst mal ein langer Ladebildschirm, bis man dann im Kampf ist. Die Kämpfe selbst sind aber der wohl stärkste Aspekt von Cris Tales. Jeder Charakter, der sich im Laufe der Story eurer Truppe anschließt, hat ganz eigene kämpferische Eigenschaften. So lässt Wilhelm Pflanzen mit unterschiedlichen Effekten auf eure Gegner los, während der Roboter K sein Kühlungssystem im Auge behalten muss, um nicht zu überhitzen. Währenddessen zieht die lustige Zas allerlei Überraschungen mit zufälligen Effekten aus ihrer Zaubertasche. All diese Elemente sorgen für ein lustiges Kampfsystem, mit dem man auch taktisch vorgehen kann, wenn man auf den Zeitstrang am oberen Bildschirmrand achtet. Dieser zeigt an, welcher Charakter als nächstes an der Reihe ist.

Der größte Clou ist mal wieder die Zeitmanipulation von Crisbell. Sie kann ihre Gegner in die Vergangenheit oder Zukunft schicken und sie so verjüngen oder altern lassen. Eigentlich ein cleveres Prinzip und einige Werte verändern sich auch mit dieser Fähigkeit, so dass alte Monster manchmal langsamer sind oder jüngere Monster weniger Verteidigung haben. Am Anfang wird einem sogar beigebracht, dass man mit bestimmten Effekten viel erreichen kann. So kann man den Schild einer Bossgegnerin erst mit einem Wasserangriff durchnässen, sie dann in die Zukunft schicken und schon ist der Schild rostig. Solche Spielereien gibt es aber fast gar nicht im Rest des Spiels, so dass das Zeitreisefeature im Kampf auch meistens gar nicht benötigt wird.

Generell ist Cris Tales kein schweres Spiel. Wie bereits erwähnt sind die Rätsel, wenn vorhanden, extrem simpel und auch in den Kämpfen ist selten Gefahr vorhanden. In Bosskämpfen kann sich die Angelegenheit etwas länger hinziehen, aber in der Regel sind sie auch recht einfach besiegt. Bis ihr schließlich ganz am Ende auf eine Hürde trefft. Denn während ein Großteil des Spiels euch nicht zum übermäßigen Leveln zwingt, traf ich am Ende des Spiels an eine Stelle, die wie eine Wand meinen ganzen Prozess gestoppt hat. Dieser Gegner konnte sich in jeder Runde automatisch heilen und währenddessen meiner Gruppe so sehr zusetzen, dass ich kaum Schaden austeilen konnte. Dabei haben Statuseffekte und bestimmte Attacken meiner Partymitglieder auch keinen Effekt. Am Ende half es nicht einmal, nochmal 8 Level hochzustufen, immer noch war der Kampf einfach zu schwer. Einen solchen Unterschied im Schwierigkeitsgrad plötzlich einzuführen kann dem Spiel nicht zuträglich sein. Es herrscht ein schmaler Grat zwischen fordernd und unfair, dieser Kampf gehört eher in die zweite Kategorie.

*Die Amazon-Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekommt die Redaktion von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

 

Fazit zu Cris Tales

von Maarten Cherek

“Bisher habe ich kaum ein gutes Haar an Cris Tales lassen können, aber ein kompletter Reinfall ist das Spiel nun auch nicht. Das würde ich sagen, wenn es nicht aktuell auf Steam knapp 36 € kosten würde. Für diesen Preis wird hier deutlich zu wenig geboten. Das Spiel ist extrem hübsch anzuschauen und bietet in den Kämpfen bis zu einem gewissen Punkt kurzweiligen Spielspaß. Die Zeitreisemechanik ist zwar eine clevere Idee, besonders die Veranschaulichung der drei Zeiten auf einem Bildschirm, leider wurde viel zu wenig daraus gemacht. Die Story ist klischeebelastet, die Nebenquests sind mit einer Menge unnötigem Backtracking verbunden und die Dungeons sind linear und bieten kaum etwas Außergewöhnliches. Wenn ihr am Ende auch nicht bereit seit, mehrere Stunden für Level zu grinden, dann werdet ihr Cris Tales auch nicht durchspielen können. Insofern muss man sagen, dass hier viel Potential liegen gelassen wurde und hinter einem auf den ersten Blick sehr vielversprechenden JRPG leider nur ein in vielen Aspekten enttäuschender Indietitel steckt.”

Positiv:

Aufgrund bunter, handgezeichnet wirkender Optik wunderschön anzuschauen
Zeitreisekonzept mit dreigeteiltem Bildschirm interessanter Ansatz
Kämpfe machen mit einigen Spielereien Spaß

Negativ:

Extrem linear in Erzählstruktur und Dungeondesign
Viel Potential mit der Zeitreise wurde liegen gelassen
Schwierigkeitsgrad schwankt am Ende des Spiels extrem
Nebenquests mit extrem viel Backtracking verbunden
Hauptstory steckt voller Klischees

Ab in die Sammlung?

JRPG-Veteranen werden mit Cris Tales unterfordert sein, Anfänger stoßen am Ende auf ihre Grenzen. Befindet ihr euch irgendwo dazwischen und braucht wirklich dringend neues Futter für eure JRPG-Anforderungen, dann könnt ihr hier kurzweiligen Spaß haben. Zumindest, wenn dieser euch zwischen 36 bis 40 € wert ist.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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