Battlefield 1 – Test zur Rückkehr des Ersten Weltkrieges

In den letzten Jahren gab es nur noch Shooter mit Zukunftsvisionen. All das Gehüpfe, die futuristischen Waffen und Gadgets und die überzogenen Storys der Singleplayer-Kampagnen haben dafür gesorgt, dass viele schlichtweg keine Lust mehr auf solche Titel haben. Als mit Call of Duty: Infinite Warfare dann der nächste Zukunftsshooter angekündigte wurde, schlug EA mit Battlefield 1 genau in die alte Richtung zurück. Man nehme den Ersten Weltkrieg, packt das Grundgerüst Battlefield dazu und schon entsteht der beste Shooter des Jahres… wenn nicht sogar der letzten JahrE!

 

Solo-Abenteuer der neuen Art (Singleplayer)

Mit der Solo-Kampagne geht DICE einen bis dato neuen, noch nie dagewesenen Weg. Nachdem die Missionen aus den beiden direkten Vorgängern eher müdes Beiwerk waren, wird die Erzählung dieses Mal in fünf Kriegsgeschichten aufgeteilt. Dabei entsteht nicht etwa eine zusammenhängende Geschichte, sondern wir schlüpfen jeweils in die Haut eines anderen Kriegsveteranen in einem anderen Teil des Krieges. Doch bevor wir uns überhaupt in die erste Geschichte oder gar dem Multiplayer stürzen können, startet mit dem Prolog Stahlgewitter ein echtes Highlight der Singleplayer-Kampagne. Nach einer schön inszenierten Zwischensequenz bekommen wir den Hinweis darüber, dass man diesen Teil nicht überleben kann. Auf dem mit Schlamm und Trümmern bedeckten Schlachtfeld sterben wir minutenweise und werden an einer anderen Stelle des Kriegsschauplatzes als neuer Soldat wieder ins Spiel geholt. Dies wäre auch gar nicht mal so schlimm mit anzusehen, wenn die Charaktere ohne persönliche Informationen daher kommen würden. Doch dem ist nicht so. Nach jedem Neustart gibt das Spiel Namen, Geburts- und Sterbedatum bekannt, bis wir schließlich selbst mit ansehen müssen, wie der jeweilige Charakter stirbt. Egal wie gut wir uns auch schlagen, Überleben funktioniert einfach nicht. Nach einer knappen Viertelstunde ist der Einstieg vorbei und wir sind emotional aufgebracht. Hiermit hat DICE einen wirklich guten Einstieg in die Materie gefunden.

Mit schweren Geschützen wird versucht den Krieg für sich zu entscheiden.

Mit schweren Geschützen wird versucht, den Krieg für sich zu entscheiden.

 

Spielerische Neuerungen kommen der Geschichte zugute (Singleplayer)

Es macht wirklich Spaß die weiteren fünf Geschichten zu erleben. Auch wenn diese das sehr hohe Niveau des Prologes nicht wirklich halten können, gab sich DICE wirklich Mühe, alles ordentlich umzusetzen und vor allem Abwechslung in die Missionen zu packen. Rund um das Gameplay werden wir ab und zu auch mit persönlichen Angelegenheiten konfrontiert. Dabei werden die Geschichten auf die verschiedensten Weisen erzählt und bleiben dadurch spannend. Mit meist nur etwa einer Stunde Spielzeit pro Story ist das Gesamtpaket etwas zu kurz geraten. Trotzdem wirken alle Charaktere glaubwürdig und bekommen mit tollen Zwischensequenzen geniale Animationen, die wir gerne noch öfters hätten sehen wollen. Beispielsweise sind wir als junger Soldat Danny Edwards unterwegs, um einen Panzer zu führen. Dies geht mächtig in die Hose und somit sind wir fortan damit beschäftigt, uns und unser Team sicher aus dem feindlichen Gebiet zu bringen. Aber auch als Kampfpilot Clyde Blackburn fliegen wir durch die Lüfte und versuchen möglichst viele Gegner zu Fall zu bringen. Abwechslung wird bei den einzelnen Missionen groß geschrieben, was man vor allem an den unterschiedlichen Orten erkennt. Es ist schön zu sehen, dass DICE aus den beiden Vorgängern gelernt und die Missionen abwechslungsreicher gestaltet hat. Dadurch macht es erstmals in der Serie auch Spaß, bis zum Ende zu spielen und die fünf Storys mitzuerleben.

Auch von der Luft kann es zu Angriffen kommen.

Auch von der Luft aus kann es zu Angriffen kommen.

 

Der Krieg fängt gerade erst an (Multiplayer)

Dennoch bleibt der Multiplayer natürlich das Herzstück von Battlefield. Dies hat sich auch mit dem ersten Weltkrieg nicht geändert. Es wird auf verschiedenen Maps in unterschiedlichen Modi mit bis zu 64 Spielern der entsprechende Modus gespielt. Vor jedem Spieleinstieg können wir unsere Klasse wählen, die unterschiedliche Funktionen aufweist. Als Sturmsoldat kämpfen wir an vorderster Front und sind quasi der Krieger in unserem Team. Standardmäßig spielen wir mit Maschinenpistolen und Sturmgewehren. Dazu gibt es Unterstützung von Waffen zur Fahrzeugabwehr. Der Verfolgungssoldat bietet Munition zum Verteilen an, der Sanitäter hingegen kann Medi-Kits abwerfen und tote Mitspieler bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nach dem Tod wiederbeleben. Der Späher ist der klassische Scharfschütze und räumt das Schlachtfeld von hinten auf. Dabei besitzt er neben seinem Gewehr auch noch eine Signalpistole, mit der er feindliche Gegner markieren kann. Die Spielmodi sind ebenfalls altbekannt. Für klassische Matches mit viel Action steht uns Conquest zur Verfügung. Mit Rush geht es schneller voran, ebenfalls ein Klassiker aus Battlefield. Aber auch Domination und Team Deathmatch stehen zur Verfügung, um einige Stunden auf den Servern zu verbringen. In War Pidgeon jagen 24 Spieler eine Brieftaube und müssen versuchen mit der eingesammelten Taube einen Brief zu schreiben, der dann dank der Taube auf Reisen geschickt wird. Dies ist eine abgewandelte Form von Capture the Flag. Wer möchte, kann auch eigene Matches erstellen und diese dann mit eigenen Einstellungen spielen. So ist es möglich, auch abgeänderte Spiele zu bestreiten, was sicherlich für die notwendige Abwechslung zwischen den normalen Modi sorgt.

Überall auf den Karten explodiert und kracht es.

Überall auf den Karten explodiert und kracht es.

 

Etwas frischer Wind (Multiplayer)

All dies klingt jetzt nicht nach einer großen Innovation. Viel interessanter wird es, wenn wir uns die verschieden Modi anschauen. Denn in Battlefield 1 finden die Operations Einzug in die Reihe. Diese gab es zuvor bereits in Star Wars Battlefront. Zum Start wird in einer Zwischensequenz die jeweilige Story, welche aus der Geschichte des Ersten Weltkrieges stammt, zur Operation erläutert. Diese Sequenzen unterscheiden sich zudem je nachdem auf welche Seite man in das Match stößt. Die beiden Teams sind mit jeweils 32 Spielern ausgestattet und kämpfen entweder als Angreifer oder Verteidiger. Als Angreifer müssen je nach Sektor ein bis drei Punkte eingenommen werden. Insgesamt müssen mehrer Sektoren eingenommen werden, damit die Runde gewonnen wird. Dafür haben sie allerdings nur eine bestimmte Ticketanzahl Zeit und jeweils zwei Leben. Sind diese verbraucht und die Punkte nicht vorher eingenommen, gewinnt das defensive Team. Der Kniff an der Sache ist dann allerdings, dass das Match jetzt noch nicht zu Ende ist, sondern auf einer weiteren Map fortgesetzt wird. Je nach Operation kann es bis zu drei unterschiedliche Karten geben, auf denen letztendlich das Match entschieden wird. Das unterliegende Team bekommt nach einer Runde Hilfe durch entweder einen Panzerzug, einen Zeppelin oder ein Schlachtschiff. Diese Hilfe kann durch das gegnerische Team aber natürlich zerstört werden. Wie lange ein jeweiliges Match also funktioniert hängt ganz von den Teams ab. Je besser das offensive Team spielt, desto länger dauert die Runde. Auf den jeweiligen Schlachtfeldern knallt es an jeder Ecke. Besonders gut gelungen ist das ausgewogene Gameplay und die Balance zwischen den einzelnen Fraktionen, Klassen, Waffen und Fahrzeugen. Man bekommt zu keiner Zeit das Gefühl, man werde ungerecht getötet. Wir erleben Panzerschlachten und Duelle in der Luft sowie am Boden.

Der Panzerzug steht dem unterlegenem Team zur Verfügung.

Der Panzerzug steht dem unterlegenen Team zur Verfügung.

 

Battlepacks und die technische Seite

Natürlich stehen uns wieder diverse Anpassungsmöglichkeiten und Level für den Charakter zur Verfügung. Mit jedem Levelaufstieg erhalten wir Kriegsanleihen, mit denen wir dann unterschiedliche Waffen freischalten können. Nebenbei stehen uns noch wöchentliche Aufgaben zur Verfügung. Außerdem werden nach jedem Match Battlepacks verteilt, die, ähnlich wie bei FIFA die Packs, neue Skins für Waffen beinhalten. Aber auch Puzzleteile verstecken sich gerne mal in den Paketen. Haben wir alle zusammen, wird eine spezielle Waffe freigeschalten. Optional können die Battlepacks auch gegen Echtgeld im Store erworben werden. Technisch ist Battlefield 1 eine Wucht. Selten haben wir eine solch packende und toll inszenierte Atmosphäre gehabt, wie hier. Es ist einfach der Wahnsinn, wie DICE gearbeitet hat. Die Umgebungen sind liebevoll und detailliert gestaltet. Dazu kommt, dass die Maps unterschiedlicher nicht sein können. Mal sind wir in der Wüste, mal im Dschungel und mal an der Küste. Zudem verändern die Karten sich optisch dank der Frostbite-Engine stetig, was man während eines Matches ebenfalls zu Gesicht bekommt. Beim Sound brauchen wir nicht groß ins Detail gehen. Dank Surround-Support kann mit entsprechender Hardware der Krieg ins eigene Haus geholt werden. Vom Vorteil ist es auf jeden Fall mit einem Headset zu spielen. Einzig einige kleine Bugs stören aktuell hin und wieder den Spielspaß. So ist es uns häufig passiert, dass nach der Wiederbelebung durch einen Sanitäter unsere Waffe nicht mehr bedienbar war und wir somit gleich wieder gefallen sind. Aber auch verschiedene Stellen auf einigen Maps bringen den sofortigem Tod. Hier muss DICE auf jeden Fall noch einmal ran und mit ein paar Patches nachbessern. Negativ auf das Spielerlebnis wirken die Fehler sich aber größtenteils nicht auf.

Die technische Umsetzung ist extrem gelungen, was man an diesem Bild besonders am Detailgrad und der Explosion sehen kann.

Die technische Umsetzung ist extrem gelungen, was man an diesem Bild besonders am Detailgrad und der Explosion sehen kann.

 

Fazit:

Mit Battlefield 1 hat Electronic Arts ein wahres Highlight ins Rennen geschickt. Die Rückkehr in den ersten Weltkrieg war wohl der beste Schachzug, den man in diesem Jahr hätte machen können. Nachdem Call of Duty: Infinite Warfare von der Community sehr stark negativ aufgenommen wurde, landete Battlefield 1 auf Platz 1 der Vorbestellercharts. Das altbekannte Gameplay weist zwar keine großartigen Neuerungen auf, der neue Operationsmodus funktioniert aber so wunderbar erfrischend, sodass man das Gefühl bekommt, man spiele hier wirklich eine Revolution im Genre. Dazu kommen die toll detaillierten Maps, der Zeppelin, Panzerzug und das ausgewogene Waffenarsenal. Zwar plagen ab und an einige fiese Bugs den Spielablauf, richtig gravierend sind diese aber wahrlich nicht. Um die sehr große Spielerschaft allerdings nicht im Regen stehen zu lassen, muss DICE noch einmal an den Feinschliff denken und einen großen Patch veröffentlichen, der die kleinen Fehler entfernt. Battlefield 1 kann man zurecht als Shooter des Jahres 2016 betiteln.

 

91

 

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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