Shadow of the Colossus – Test zum erneuten Release der kolossalen Jagd

Momentan können viele Spieletitel von sich behaupten, dass sie so erfolgreich sind, dass von ihnen ein Remake für die neue Konsolengeneration entwickelt wurde. Trotzdem erscheint es wohl mehr als selten, dass ein Spiel es gleich zu zwei Remakes bringen kann. Ein Spieletitel, von dem nun bereits das zweite Remake erschienen ist, ist Shadow of the Colossus. Erstmals erschien Shadow of the Colossus vor 12 Jahren für die PlayStation 2 und wurde Jahre später für Sonys nächste Konsolengeneration bedacht. Auch das neuste Remake von Shadow of the Colossus bleibt exklusiv für die PlayStation 4 und hat ein paar nette grafische Updates für die PlayStation 4 Pro erhalten. Doch war dieses zweite Remake wirklich nötig? Was hat sich im Vergleich zu den vorherigen Versionen verändert? Im folgenden Test könnt ihr euch ein eigenes Bild von unserem Eindruck machen.

 

Eine Reise zu den Kolossen

Die Geschichte von Shadow of the Colossus ist eigentlich weitläufiger, als sie zunächst scheint: Zu Beginn des Spieles begebt ihr euch als Protagonist Wander auf eine Reise zu unterschiedlichen Giganten, die durch die Landschaft des verbotenen Landes streifen. Mit im Schlepptau habt ihr eine Frau namens Mono und euer Pferd Agro. Mono ist bereits tot und soll mithilfe einer mysteriösen Macht im verbotenen Land wiederbelebt werden. Zentral im verbotenen Land gelegen befindet sich ein antiker Tempel, in welchem ihr die Stimme von Dormin vernehmt. Die Stimme von Dormin hat mich wirklich beeindruckt, da sie das Übernatürliche und Göttliche gut einfängt. Wenn Dormin spricht, reden eine weibliche und eine männliche Stimme zugleich, die euch in einem widerhallenden Echo mit dumpfer Stimme in einer Fantasiesprache durch die Welt des verbotenen Landes geleiten. Denn Dormin kann euch nur helfen, wenn ihr die 16 Kolosse besiegt, die in diesem Land hausen. Und so habt ihr gerade zu Beginn den immer gleichen Ablauf: Erst besiegt ihr einen Koloss, dann kehrt ihr zum antiken Tempel zurück und begebt euch erneut auf die Reise zum nächsten Koloss. Doch spätestens ab dem 12. Koloss nimmt die Geschichte rasant an Fahrt auf ihr eure Fragen, was es mit Dormin auf sich hat und ob ihr überhaupt das Richtige tut, um Mono wiederzubeleben, werden schneller beantwortet, als es euch lieb ist. Gerade wegen der dramatischen Geschichte, solltet ihr Shadow of the Colossus eine Chance geben, wenn ihr es noch nicht spielen konntet.

Der Blur-Effekt trägt zu einem realistischeren Spielerlebnis bei.

 

Wunderschöne Landschaften, soweit das Auge reicht

Doch da das Besiegen der Kolosse der immer gleiche Ablauf ist, ist vielmehr der Weg zum Ziel das eigentliche Spielerlebnis. Denn die Landschaft des verbotenen Landes hat einiges zu bieten: Meterhohe Berge, sandige Wüsten, neblige Schluchten, idyllische Graslandschaften und vieles mehr machen die erlebnisreiche Welt von Shadow of the Colossus aus. Dabei sieht man einen deutlichen Unterschied im Vergleich zu den Versionen der PlayStation 2 und PlayStation 3. Auch wenn ihr keine PlayStation 4 Pro besitzt, ist es ein einmaliges Erlebnis, durch die Landschaft zu galoppieren. Anders als beispielsweise in The Legend of Zelda: Breath of the Wild begleitet euch keine idyllische Hintergrundmusik durch die Landschaft. Ihr begegnet einer Stille, um die Natur besser genießen zu können. Allein der Wind fegt durch die Landschaft und die Kolosse kündigen sich mit einer eigenen Musik an. Durch die bombastische Grafik könnt ihr jeden einzelnen Grashalm sehen, wie er sich im Wind bewegt. Die Texturen der Gebirge sehen auch wahnsinnig gut aus und Agros Hufgetrappel, der sich je nach Untergrund ändert, trägt sein Übriges dazu bei. Die Open World Map geht nahtlos ineinander über und für ein realistischeres Erlebnis habt ihr einen Blur-Effekt, der euren Bildschirmrand weich zeichnet, wenn ihr euch schnell umdreht oder bewegt. Schade ist allerdings, dass es abseits der schönen Landschaften kaum etwas zu entdecken gibt. Es ist nicht das Ziel des Spiels, versteckte Gegenstände in der Umgebung zu finden, um so die kompletten Winkel der Landkarte kennenzulernen. Man soll einfach reiten und genießen. Ein Grund dafür könnte sein, dass manche Winkel im Spiel „vergessen“ wurden. So gibt es unter Wasser beispielsweise keine prachtvolle Kulisse, sondern nur einen schwarzen Abgrund, der im Kontrast zur Landschaft sehr bedrohlich wirkt.

Der Kampf mit den Kolossen ist vom Prinzip her immer gleich.

 

Kampf der Kolosse

Da es im Spiel weder Nebenaufgaben noch sonstige Aktivitäten in Shadow of the Colossus gibt, sind die 16 Kolosse das eigentliche Hauptaugenmerk des Spiels. Jeder Koloss ist ein Rätsel für sich, da jeder mit einer anderen Taktik bezwungen werden muss. Doch der Ablauf ist immer der Gleiche: Ihr müsst es irgendwie schaffen, auf den Koloss zu gelangen, um ihm dann an aufleuchtenden Stellen den Gnadenstoß zu versetzen. Einige Kolosse durchschaut ihr sofort, bei anderen sind die Kletterpassagen eher kniffelig und frickelig. Gerade durch die unsaubere Steuerung beim Klettern entsteht oft ein großer Frust, wenn ihr auf dem Koloss nicht weiterklettern könnt, weil eine unsichtbare Wand euch den Weg versperrt oder die Steuerung mal wieder rumzickt. Auch die Kameraansicht versagt oft bei den kolossalen Kämpfen, weshalb ihr den einen oder anderen Absturz aufgrund der zur Neige gehenden Ausdauer kassieren müsst. Wirklich beeindruckend ist allerdings bei den Kämpfen, dass sich die Umgebung mit dem Kampf verändert. Die riesigen Kolosse hauen die Umgebung in Schutt und Asche und hinterlassen auf ihrem Weg Fußspuren auf dem Boden. Bei einem Kampf müssen wir uns beispielsweise in einen unterirdischen Gang begeben, um den Titanen zu täuschen. Bewegt sich der Titan oberhalb des Ganges, fallen kleine Steinchen im Tunnel herunter und Staubwolken bilden sich. Ein wirklich sehr eindrucksvoller Effekt, um gegen die Titanen zu bestehen, könnt ihr zwischen einem Schwert und einem Bogen wechseln. Mit dem Bogen könnt ihr dem Koloss aus der Distanz Schaden zufügen, um ihn beispielsweise zu Fall zu bringen und so auf ihn zu klettern. Mit dem Schwert versetzt ihr dem Koloss dann den Gnadenstoß. Im Anschluss verliert jeder Koloss eine schwarze Substanz, die sich in Wander zu sammeln scheint. Was es damit auf sich hat, erfährt man erst gegen Ende des Spieles und so erledigt man ohne Nachdenken einen Koloss nach dem anderen. Das kann gerade zu Beginn des Spiels sehr monoton wirken, gerade weil man nach den Kämpfen keine Belohnung erhält wie in anderen Vertretern des Genres. So gibt es keinen verbesserten Ausdauerbalken und keine verbesserte Ausrüstung. Doch Spieler mit Durchhaltevermögen werden gegen Ende die Belohnung erhalten, die sie nicht erwartet hätten.

Was tritt da bloß für eine schwarze Substanz aus den Kolossen aus?

 

Remake gerechtfertigt?

Für die Portierung auf die PlayStation 4 wurde natürlich um einiges an der Grafik geschraubt. Allerdings gibt es sonst kaum Veränderungen im Vergleich zu den älteren Versionen. Es gibt eine moderne Steuerungsalternative, allerdings ist hier nur die Tastenbelegung eine andere. Die Steuerung innerhalb des Spieles ist genauso fummelig wie schon in den Vorgängern. Ist Pferd Agro beispielsweise in Fahrt, so ist es nur sehr schwer, ihn unter Kontrolle zu bringen. Natürlich kann man Pferde im realen Leben auch nicht einfach so steuern, wie man möchte, allerdings ist es sehr schwer, Agro über schmale Brücken oder durch dünne Gänge von Schluchten zu manövrieren. Entweder kriegt das Pferd keine Kurve oder es schwant zu stark, um auf einer Spur zu bleiben. So würde man das Pferd oft am liebsten stehen lassen, da es einem sowieso überall hin folgt und zur Verfügung steht, ohne es rufen zu müssen. Ebenfalls geblieben ist die Navigation zu den einzelnen Kolossen: Mithilfe eines Lichtstrahles, den unser Schwert im Licht aussendet, findet ihr den direkten Weg zum nächsten Koloss. Allerdings bezieht sich dies auf die Luftlinie, denn unser Protagonist kann sich schlecht durch Felsen oder über Schluchten teleportieren. So ist es oft eine langwidrige Angelegenheit, den nächsten Koloss ausfindig zu machen. Auch die große Übersichtskarte des Landes ist uns dabei keine wirkliche Hilfe.

 

Positiv:

Bombastische Grafik holt das Beste aus den Landschaften hervor
Jeder Koloss muss mit einer anderen Taktik bezwungen werden
Rührende Geschichte, die zum Schluss hin eine ungewohnte Dramatik annimmt
Keine zusätzlichen Nebenaktivitäten lassen den Spieler sich auf das Wesentliche konzentrieren

Negativ:

Steuerung beim Klettern und Reiten nicht zeitgemäß
Zu Beginn monotoner Ablauf des Spiels, der sich durch fehlende Belohnungen zieht
Abseits der schönen Landschaften gibt es keine Geheimnisse zu entdecken
Manövrieren zum nächsten Koloss oft umständlich
  • Shadow of the Colossus – Test zum erneuten Release der kolossalen Jagd
    “Die Neuauflage zu Shadow of the Colossus wird einem Remake gerecht. Die Grafik wurde so toll aufpoliert, dass es sich alleine dadurch lohnen könnte, sich das Spiel erneut zu kaufen. Es ist einfach nur schön, durch die Landschaft zu reiten und die Aussicht zu genießen, ohne ständig störenden Gegnern zu begegnen oder lästige Nebenmissionen erledigen zu müssen. Allerdings wurde abseits der Grafik nicht wirklich viel am Spiel verändert. Das ist besonders schade, wenn man sich eine modernere Steuerung des Spiels gewünscht hätte. Denn diese ist leider immer noch so behäbig wie in den Vorgängern. Solltet ihr also Lust haben, das erste Mal in Shadow of the Colossus einzutauchen, dass macht ihr mit diesem Spiel nichts falsch. Ihr dürft lediglich nicht erwarten, dass euch das Spiel mit Input vollstopft und ihr eine Beschäftigung nach der anderen findet. Im Fokus steht wirklich nur die Jagd nach den Kolossen. Alle anderen Spieler, die das Spiel schon ihr Eigen nennen können, sollten sich überlegen, ob sie nur aufgrund der verbesserten Grafik das Spiel erneut zulegen möchten.”

    Jasmin Paskuda, Redakteurin

Ab in die Sammlung?

Fur Neulinge sowie Veteranen zu empfehlen, die abseits der schönen Grafik keine weiteren Neuerungen erwarten.

Jasmin Paskuda
Geschrieben von
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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