Gran Turismo Sport

Gran Turismo Sport – Test zu Polyphony Digitals Online-Rennspiel

Zum ersten Mal zeigte uns Sony Gran Turismo Sport während der Paris Games Week 2015. Seitdem gab es einige Verzögerungen, begleitet von immer neuen Trailern, die Fans heißmachen sollten auf den neuen Titel. Jetzt haben wir die Racing Sim für euch getestet, ob sich hier der erwartete Hit verbirgt, verraten wir euch jetzt im Test.

 

Wo ist der Rest vom Spiel

Seit der ersten Playstation steht der Name Gran Turismo für eines der realistischsten Rennerfahrungen auf Konsolen. Angefangen beim Fahrverhalten, dem Tuning, einem großen Fuhrpark und Fahrprüfungen. Das Gesamtpaket war also immer ein echter Hit für Rennspielfans. Diesmal sieht das leider anders aus. Wer bei Gran Turismo Sport einen echten Nachfolger für die PS4 erwartet hat, wird das hier nicht finden. Das Spielangebot teilt sich im Grunde in zwei Bereiche und nein, diese sind nicht Singleplayer und Multiplayer. Hauptteil von GT Sport ist der Sport Mode, hier spielt ihr zu jeder Zeit nach einem Rennplan gegen andere Spieler weltweit. Die Rennen in diesem Modus folgen einem echten Zeitplan wie Rennen in der Realität. Startet ein Rennen 14:00 Uhr und es ist 13:55 Uhr bei euch, dann müsst ihr fünf Minuten warten, bis es losgehen kann. Neu ist in diesem Modus das Sportsgeist Feature. Eine Art Reputationssystem für Spieler, die sich an die Regeln des Sports halten. Wer also andere rammt oder Kurven schneidet, bekommt Strafsekunden aufgebrummt. Dieses System ist aber eine echte Katastrophe, denn leider macht das Spiel keinerlei Unterschied, ob ihr gegen die Regeln verstoßt oder ob ihr gerammt werdet. Wenn euch beim Überholen also ein anderer Spieler abdrängt und dabei rammt, werdet ihr genauso bestraft. Das führt leider dazu, dass Siege in Rennen eher zufällige Ereignisse als Zeichen von Können sind. Wer fair bleiben will, verliert hier eigentlich fast immer. Vierzig Strecken werden euch geboten, von denen allerdings gerade einmal sechs reale Strecken sind. Ein guter Teil des Rests sind zudem gespiegelte Strecken, was den tatsächlichen Umfang noch mal verkleinert. Im Laufe des Spiels bekommt ihr Zugriff auf einen im Vergleich sehr enttäuschenden Fuhrpark. In Zahlen sehen 160 Fahrzeuge erst mal nicht schlecht aus, schaut man dann aber genauer hin, schrumpft die Auswahl aber wieder drastisch. Das liegt daran, dass viele Automodelle bis zu fünf mal vorhanden sind und lediglich für unterschiedliche Rennklassen optimiert sind. Der tatsächliche Fuhrpark ist daher in der Realität deutlich kleiner und Oldtimer Fans zum Beispiel werden hier nichts Passendes finden. Außerhalb des Sport Modus bietet man euch dann noch einen Arcade Mode und einen Karriere Modus und hier liegt auch ein weiterer Kritikpunkt. Der Karriere Modus ist nicht, was man als Fan der Reihe vermuten würde. Hier bekommt man keine Singleplayer Karriere geboten, sondern die Fahrprüfungen, ein paar Zeitchallenges oder Ausdauertests. Je nachdem wie ihr bei diesen abschneidet, erhaltet ihr Fahrer XP, Credits etc., mit denen ihr Strecken und Fahrzeuge freischaltet oder kauft. Der Arcade Modus hat leider nicht viel mehr zu bieten, lediglich Einzelrennen, Zeitrennen und Zwei-Spieler Splitscreen und der kleine VR Part sind möglich.

Gran Turismo Sport

Die Automodelle sehen erstklassig und sehr detailliert aus.

 

Ohne Internet nichts los

Was absolut unverständlich ist, ist wie Polyphony Digital das Spiel strukturiert hat. Fortschritt im Spiel, also Strecken und Autos freischalten, im Fahrerlevel aufsteigen etc. ist möglich, solange ihr online seid. Sollte während eines Rennens mal euer Internet eine Störung haben, bevor das Spiel speichern kann, ist euer Fortschritt verloren. Das liegt daran, dass eure Spielstände nicht auf eurer Konsole landen, sondern auf externen Servern. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, verliert ihr auch Zugang zu mehr als der Hälfte des Spiels, wenn ihr nicht online seid. Lediglich der Arcade Modus steht euch offline zur Verfügung und dort könnt ihr dann nur auf Strecken und Fahrzeuge zugreifen, die ihr zuletzt online freigeschaltet hattet. Aus irgendeinem Grund lässt man euch nicht einmal den Photo Modus offline nutzen, warum ist mir während des gesamten Tests nicht klar geworden. Da man an Umfang gespart hat, fragt man sich natürlich, wo die Arbeit investiert wurde. Die Antwort ist ein Lexikon mit unnützem Wissen. Ja in der Tat gibt es neben einem Showroom für Autos eine Art Galerie, die Events in der Autosportwelt mit anderen Ereignissen aus der Geschichte zusammenbringt, zum Beispiel wann Sängerin Björk ihr Debüt Album veröffentlicht hat. Natürlich interessieren mich solche Informationen in einem Rennspiel viel mehr als eine umfangreiche Strecken- und Autoauswahl.

Gran Turismo Sport

Diese kleine Auswahl ist alles, was euch offline bleibt.

 

Realismus realisiert

Bei all den negativen Punkten muss man Gran Turismo Sport zumindest zugute halten, dass die Automodelle und Strecken erstklassig aussehen. Spiegelungen, Materialtexturen und Details lassen die Modelle extrem realistisch wirken und die Originalsounds der Autos runden den Eindruck dann ab. Was mich allerdings enttäuscht hat, war die schwankende Qualität bei den Fantasiestrecken, die den Hauptteil der Streckenauswahl ausmachen. Manche sind wirklich gelungen, andere wiederum sind einfach eine Qual. Und als ob das nicht genug wäre, lässt man euch diese dann auch noch rückwärts fahren. Im Gegensatz zur Konkurrenz müsst ihr außerdem komplett auf dynamisches Wetter verzichten, was die Rennen an sich sehr steril erscheinen lässt.

 

Positiv:

Extrem detaillierte Automodelle und Strecken
Handling der Autos ist wie gewohnt hervorragend

Negativ:

Offline ist das Spiel so gut wie unbrauchbar
Sportsgeist Feature macht keinerlei Unterschied zwischen Unfallverursacher und Opfer
Auswahl an Strecken und Autos ist viel zu gering und zudem mit vielen Duplikaten gestreckt
Singleplayer haben kaum spielbare Inhalte zur Verfügung
Vollpreis ist für das Angebot nicht gerechtfertigt
  • Gran Turismo Sport

    “Nach all den Trailern und Verschiebungen ist Gran Turismo Sport endlich da und ich muss sagen, das Warten hat sich nicht gelohnt. Was angepriesen wurde als das nächste GT für die aktuelle Generation, ist nicht viel mehr als ein Prologue Titel mit eingeschränktem Umfang. Im Vergleich zu seinen großen Vorgängern bietet die aktuelle Version zu wenige Strecken und Autos. Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass die Hälfte des Spiels nicht nutzbar ist, sollte mal das Internet aussteigen, fühlt man sich ein wenig veräppelt. Die Always Online Implementierung macht hier zudem absolut keinen Sinn. Das neue Sportsgeist Feature spornt nicht dazu an Regel konform zu fahren, sondern bestraft jeden Spieler, der sich an die Regeln hält. Spieler, die zudem nach einem Racing Game suchen, bei dem der Fokus auf einer Offline Karriere liegt, wird hier auch nicht glücklich, denn dieser existiert hier nicht. Was ihr bekommt, ist ein Always Online Multiplayer Spiel mit extrem geringem Umfang und einem schlecht gemachten Sportsgeist Feature. Die einzig positiven Dinge sind die Optik, denn ohne Zweifel sehen die Automodelle und die Strecken klasse aus, sowie das Handling der Fahrzeuge. Wer also mit einer Always Online Multiplayer Renn Sim leben kann und dem der geringe Umfang nichts ausmacht, kann hier ein paar Runden drehen. Alle, die auf ein klassisches Gran Turismo gewartet haben, müssen weiter warten. 

    Marco Schmandt, Redakteur

Ab in die Sammlung?

Wer nach einem vollwertigen Rennspielerlebnis sucht sollte lieber zu Titeln wie Driveclub oder Project Cars 2 greifen. Wer realistische Automodelle anschauen will sollte zumindest warten, bis der Titel preislich günstiger geworden ist.

Marco Schmandt
räumt im Moment ordentlich in Destiny auf.
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