Yo-Kai Watch – Test zum Monstersammeln in Lenzhausen

Yo-Kai Watch erfreut sich in Japan größter Beliebtheit und so blieb es nur eine Frage der Zeit, bis die Popularitätswelle auch bis nach Deutschland schwappte. Das Spiel hat sogar seine eigene Anime-Serie. Im Spiel geht es darum, Monster, sogenannte Yo-Kai, als Freunde zu gewinnen und mithilfe einer mysteriösen Uhr, der Yo-Kai Watch, in Kämpfen zu beschwören. Doch Moment: Monster sammeln? Kämpfen? Kommt einem das nicht aus Pokémon bekannt vor? Von vielen verschrien gilt Yo-Kai Watch als billiger Abklatsch der bekannten Pokémon-Reihe. Doch warum Yo-Kai Watch explizit von Pokémon zu unterscheiden ist und in gewissen doch den einen oder anderen Charme mehr als Pokémon hat, das verrät euch dieser Test.

 

Wir beginnen unsere kleine Tour

Wir starten zu Beginn des Spiels in Lenzhausen, einer großen, idyllischen Stadt, in der wir uns das gesamte Spiel über aufhalten werden. Wir begeben uns also nicht auf große Reise wie in Pokémon, wo uns unsere herzlose Mutter im Alter von 10 Jahren in die brutale Welt schickt. Vor dem Start haben wir die Wahl, ob wir als Junge (Nathan) oder Mädchen (Katie) das Abenteuer beginnen möchten. Das Spiel besitzt insgesamt drei Speicherplätze, sodass ihr im Falle von Geschwistern oder Freunden das Modul auch teilen könnt, ohne ein neues Spiel kaufen zu müssen. Das Spiel hat einen Tages- und Nachtrhythmus, der sich nach vielen Minuten des Spielens oder beim Schlafengehen im Spiel umstellt. Auf eurem Touchscreen seht ihr eine Karte von Lenzhausen, wo wichtige Punkte bunt markiert sind. Lenzhausen bietet alles, was eine Großstadt haben muss: Badehäuser, Uhrenreparaturgeschäfte, Supermärkte, Postfilialen usw. Die Stadt und die Häuser sind liebevoll und detailreich gestaltet. In unserem Elternhaus befindet sich zum Beispiel alles, was zu einem ordentlichen Haushalt gehört und beim Betreten ziehen wir auch brav unsere Schuhe aus. Es ist gespickt mit Details (z.B. volle Badewanne) und lässt einen ins Spiel eintauchen. In der Stadt befinden sich sogar Ampeln an Zebrastreifen. Ignoriert ihr diese und geht mehrmals über rot, bekommt ihr es mit einem mächtigen Yo-Kai zu tun, der euch anfangs mit Onehits besiegen wird. Allerdings bildet die Karte von Lenzhausen so ziemlich das größte Manko im Spiel. Die Stadt ist in mehrere Segmente gegliedert, in welchen ihr verschiedene Orte finden müsst, um Quests zu erfüllen oder Yo-Kais zu suchen. Allerdings wisst ihr neben der Beschreibung des Questortes nicht, wo sich dieser Ort auf der Karte befindet, da auf dieser keine Markierungen vorhanden sind. Da heißt es für eine Quest: stundenlang suchen, bis ihr die richtige Gasse oder das passende Geschäft gefunden habt. Damit geht schon mal der Spielspaß verloren, vor allem, wenn man nach einem verlassenen Tunnel in der hintersten Ecke des Waldes suchen soll. Der einzige Pluspunkt der Karte: Sie zeigt euch mithilfe eines kleinen Pfeiles an, wo sich euer nächstes Ziel der Hauptstory befindet.

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Hier seht ihr, wie man nicht über die Ampel gehen sollte!

 

So viele Yo-Kai!

Der namensgebende Hauptbestandteil des Spiels bilden die Yo-Kai. Mithilfe eurer rosafarbenen Taschenuhr (oder hellblauen Armbanduhr) könnt ihr diese beschwören, indem ihr eine Münze einwerft. Die Münze erhaltet ihr, nachdem ihr euch mit Yo-Kai angefreundet habt, ihr fangt diese also nicht wie in Pokémon. Neben dem Beschwören von Yo-Kai kann die Uhr auch mithilfe des Yo-Kai Radars wilde Yo-Kai aufspüren. In der rechten oberen Ecke eures Bildschirmes befindet sich dann eine Anzeige, die ausschlägt, sobald ihr euch einem Yo-Kai nährt. Des Weiteren zeigt die Anzeige den Rang des Yo-Kai an, welcher für die Stärke und Seltenheit steht. Durch die Yo-Kai Linse (Y-Knopf) könnt ihr aufgespürte Yo-Kai enttarnen, indem ihr die Anzeige der Linse füllt. Hierbei solltet ihr den Touchpen verwenden, da die Yo-Kai fliehen möchten und sich eurem Sichtradius entziehen wollen. Die Yo-Kai selbst sind in acht Stämme eingeteilt, welche mit verschiedenen Eigenschaften einhergehen. Setzt ihr Yo-Kai des gleichen Stammes in euer Kampfteam, so erhaltet ihr einen Einheitsbonus. Alle Namen der Yo-Kai spiegeln ihre Eigenschaften oder ihr Aussehen wider. Jammsel beispielsweise ihr ein trauriger Vogel, während Winzikado eine winzige Zikade ist. Ein anderer Yo-Kai ist zum Beispiel Pupsi, der die Form eines Gesäßes hat. Wie die Weiterentwicklung heißt, könnt ihr euch ja mal selbst in Listen ansehen. Neben den normalen Yo-Kai gibt es allerdings starke Boss Yo-Kai, die eine riesige Lebensanzeige haben und länger bekämpft werden müssen als normale Yo-Kai. Bei solchen Kämpfen benötigt ihr zudem spezielle Taktiken, die ihr im Kampf anwenden müsst. Die Yo-Kai können zudem die Menschen im Spiel beeinflussen, je nach Name und Eigenschaft verändert sich so der Charakter des Menschen (Simpel, ein Ninja Yo-Kai, lässt Menschen zum Beispiel unsichtbar erscheinen). Jeder Yo-Kai besitzt eine eigene, deutsche Vertonung, da sie beim Anfreunden kurz ihren Namen sagen. Die Yo-Kai sowie Nathan und seine Freunde besitzen zudem die originalen Synchronstimmen wie im deutschen Anime.

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Jeder Yo-Kai hat seine eigene Persönlichkeit

 

Neuartiges Kampfkonzept

Um im Spiel zurechtzufinden, zeigt euch Whisper, euer Butler Yo-Kai, zwischendurch kleine Tutorials, die meist sehr hilfreich sind und immer wieder nachgeschaut werden können, falls ihr es zu schnell weggeklickt habt. Besonders hilfreich ist das Tutorial im Kampf, da dieser sehr gewöhnungsbedürftig ist. Anders als in Pokémon seht ihr auf eurem Touchscreen ein Rad mit 6 Plätzen, welches ihr drehen könnt, wie ihr lustig seid. Allerdings können immer nur die oberen drei Yo-Kai, die sich auf dem Rad befinden, aktiv am Kampfgeschehen teilnehmen. Die unteren drei Yo-Kai könnt ihr beispielsweise reinigen, wenn sie vom Gegner beseelt wurden, was so viel wie ein schlechter Statuszustand wie in Pokémon ist. Die Yo-Kai greifen den gesamten Kampf über von alleine an und setzen auch selbstständig Techniken ein. Nachdem allerdings die Seelenanzeige des Yo-Kais gefüllt wurde, welche sich durch Angriffe auflädt, könnt ihr selbstständig die Ultiseel einsetzen. Die Ultiseel ist von Yo-Kai zu Yo-Kai unterschiedlich und lässt sich durch Aktionen mit dem Touchpen auslösen, indem ihr wischt, tippt oder dreht. Eure Yo-Kai besitzen parallel wie in Pokémon Lebenspunkte, die es gilt, beim Gegner auf Null zu bringen. Die Yo-Kai können zudem Erfahrung erhalten und im Level steigen, manche entwickeln sich ab einem bestimmten Level sogar weiter. Neu ist allerdings, dass ihr Yo-Kai zu neuen fusionieren könnt. Dazu könnt ihr leider nicht kombinieren, was ihr möchtet, sondern müsst vorgegebene Yo-Kai und Items untereinander fusionieren. Hierbei sollte es in zukünftigen Spielen mehr Möglichkeiten geben. Die LP eurer Yo-Kai könnt ihr im Kampf mit Essen füllen, welches ihr in öffentlichen Gebäuden mit Euro als Währung erwerben könnt. Das Essen könnt ihr nebenher auch verwenden, um euch mit gegnerischen Yo-Kai anzufreunden. Denn ihr könnt euch generell nicht aussuchen, mit welchem Yo-Kai ihr euch befreunden wollt. Durch Zufall kann nach dem Kampf ein gegnerisches Yo-Kai beschließen, euer Freund zu werden. Dies kann echt nervig sein, wenn ihr euch mit einem bestimmten Yo-Kai anfreunden wollt. Mit einem Pin im Kampf könnt ihr eure Angriffe auf bestimmte Yo-Kai oder Körperteile fokussieren, was neue Taktiken in Kämpfen ermöglicht.

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Alle Ultiseel-Attacken sind bereit!

 

Das Sammelfieber beginnt

Um alle Yo-Kai zu besitzen, ist euch das Medaillum eine riesige Hilfe. Ähnlich zum Pokédex zeigt es alle Yo-Kai mit Hintergrundinformationen an, die ihr bereits gefangen habt oder welchen ihr bereits begegnet seid. Nervig ist allerdings, dass ihr keine Anzeige innerhalb des Kampfes habt, ob ihr das gegnerische Yo-Kai bereits als Medaille besitzt. Bei der Menge an Yo-Kai verliert man da schon schnell den Überblick. Neben dem Sammeln von Yo-Kai bietet das Spiel allerdings viele Nebentätigkeiten. Die Bewohner haben ihre eigenen Probleme, weshalb ihr diesen Bitten oder Gefallen (ähnlich wie Daily Quests) erfüllen könnt. Hierfür müsst ihr unter anderem Fische oder Insekten fangen, was sich als äußert schwierig bei einigen Exemplaren gestaltet, das das Auftauchen und Fangen der gewünschten Spezies als zufällig herausstellt. Nachdem ihr einen Fisch oder ein Insekt entdeckt habt, erscheint eine kreisrunde Anzeige. Bei dieser müsst ihr im rechten Moment den Knopf drücken, um auf einem markierten Feld zu landen, da es euch ansonsten entwischt. Nach vielen Missionen nervt einen allmählich das zufällige Fangen der Lebewesen. Andere Teile von Missionen beinhalten, dass ihr euch in dunkle Gassen begeben müsst, wo euch Yo-Kai direkt angreifen können, ohne, dass ihr diese vorher suchen müsst.

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Ja, wo sind sie denn?

 

Rundum gelungen

Ein kleines Manko ist der Online-Modus. Ihr könnt zwar lokal gegen eure Freunde kämpfen, allerdings bleibt der große Kampf gegen Spieler aus aller Welt aus. Nach Yo-Kai Kämpfen erhaltet ihr generell viele Items. Mit Ausrüstung könnt ihr eure Yo-Kai stärken, allerdings haben die meisten einen zusätzlichen negativen Effekt auf einen weiteren Statuswert. Mit Münzen könnt ihr am Yo-Kaimaten Münzen verwenden, um zusätzliche Items und Yo-Kai zu erhalten. Allerdings könnt ihr nur dreimal am Tag Münzen verwenden! Im Großen und Ganzen sticht bei Yo-Kai Watch die prägnante Hintergrundmusik hervor, die typisch für das Spiel ist und situationsbedingt passend eingesetzt wird. Auch die Grafik befindet sich im oberen Drittel des Nintendo 3DS-Niveaus und regt mit seiner bunten und kitschigen Art zum Erkunden von Lenzhausen ein. Mithilfe von Portalen könnt ihr euch im weiteren Spieleverlauf sogar durch Lenzhausen hin und her bewegen, ohne großartig Zeit zu verlieren. Allerdings bleibt das Auffinden von bestimmten Orten trotzdem schwer. Welches Geheimnis birgt Lenzhausen? Könnt ihr es herausfinden?

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Eine erfolgreiche Fusion!

 

Fazit:

Bei Yo-Kai Watch handelt es sich keineswegs um einen billigen Pokémon-Klon. Es ist ein eigenständiges Spiel mit vielen, einzigartigen Yo-Kai, bei denen man sieht, dass sie mühevoll erfunden wurden. Neben witzigen Einlagen wie tanzenden, alten Männern in Badehäusern während des Bosskampfes behandelt Yo-Kai Watch auch ernste Themen wie Streit, Trennung bei Eltern oder das Sterben des Haustieres. Dies gelingt dem Spiel auf einer Ebene, sodass auch Kinder sich mit solchen Dingern auseinandersetzen. Allerdings bleibt der Spaß im Vordergrund, sodass ich Yo-Kai Watch für alle Altersklassen empfehlen kann! Auch wenn ihr eingefleischte Pokémon-Fans seid, solltet ihr dem Spiel eine Chance geben.

86

Good
  • Viele verschiedene Yo-Kai mit lustigen Namen
  • Liebe zum Detail bei Gebäuden
  • Neues Kampfkonzept
  • Fusionieren von Yo-Kai…
  • Drei Speicherstände
Bad
  • Karte ohne Markierungen
  • Anfreunden von Yo-Kai Zufall
  • Keine Anzeige im Kampf, ob man Yo-Kai schon besitzt
  • … allerdings wenig Fusionsmöglichkeiten
86
Geschrieben von
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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