Yakuza 0 – Test zum Japan Gangster Epos

Seit 2005 können wir in Yakuza die Geschichte um den Drachen von Dojima erleben. Yakuza 0 ist dabei der erste Teil, der hier für die PS4 erscheint und gleichzeitig ein Prequel zum ersten Teil ist. Dadurch sollten vor allem Einsteiger hier an der richtigen Stelle sein. Ob das der Fall ist und wie sich der Titel ansonsten im Test geschlagen hat, erfahrt ihr jetzt im Test.

 

Spannung pur in der Welt der Yakuza

Yakuza 0, das Prequel zum ersten Teil, bringt euch zurück ins Jahr 1988. Wir beginnen in der Rolle des noch jungen Kazuma Kiryu, dem Drachen von Dojima. Kiryu treibt gerade auf unsanfte Weise in einem Hinterhof die Schulden eines Mannes ein und lässt diesen dann zurück. Kurz darauf erwächst aus diesem Ereignis ein echtes Chaos. Der Mann den Kiryu vor Stunden noch eine Faustmassage verpasst hat, wurde erschossen in dem Hinterhof aufgefunden. Um Konsequenzen von seinem Ziehvater, der ihn in die Yakuza eingeführt hat, abzuwenden, versucht Kiryu den gefährlichen Weg zu gehen und die Yakuza zu verlassen. Schon bald findet er sich aber in einen Komplott wieder, dass weit größer ist, als es erst scheint. Der Hinterhof ist nämlich bekannt als “Empty Lot”, wer dieses kleine Grundstück besitzt, kann ein riesiges Immobiliengeschäft abschließen und so jede Menge Geld verdienen. Und die Yakuza sind natürlich nicht sehr erfreut, dass dieser Vorfall so viel Aufmerksamkeit auf diesen Ort zieht. Doch es ist ein Verräter von innen, der euch in diese Situation gebracht hat. In diese Vorfälle wird früher oder später auch der verstoßene Yakuza Goro Majima hineingezogen. Als man ihm die Möglichkeit nimmt sich in die Yakuza zurückzukaufen, verspricht man ihm durch einen Auftragsmord wieder einen Zugang zu den Yakuza zu bekommen. Majima, der sich in den letzten Jahren als Manager des Grand, einem Kabarett/Nachtclub einen Namen gemacht hat, scheint das der einzige Weg zu sein. Sein Opfer ist allerdings nicht so einfach zu finden. Nach einiger Recherche macht er die Bekanntschaft einer jungen blinden Frau. Er hält ihren Chef für die Zielperson, muss jedoch nach einem überraschenden Überfall durch Yakuza erkennen, dass die junge Frau das eigentliche Ziel ist. Majima rettet die blinde Makoto vor den Gangstern und bringt diese in Sicherheit. Das erste Versteck ist der “Empty Lot”, hier ist es auch, wo er sich entschließt, seinen Auftrag aufzugeben und herauszufinden, warum Makoto sterben soll. Und so finden sich die beiden Hauptcharaktere in diese spannende Geschichte verstrickt.   

Yakuza 0

Kazuma Kiryu steckt gleich zu Beginn in ernsten Schwierigkeiten.

 

Yakuza ist KEIN GTA

Ich habe bisher jeden Yakuza Teil, der den Weg nach Europa gefunden hat, gespielt. Immer wieder wollte ich andere für die Spiele begeistern wurde aber immer von einer Auffassung überrascht. Immer wieder glauben viele, dass hinter Yakuza die japanische Variante von GTA steckt. Diese beiden Titel haben aber tatsächlich rein gar nichts gemeinsam. Yakuza ist eher vergleichbar mit dem Dreamcast Klassiker Shenmue. Die beiden Städte Kamurocho und Soutenbori sind in Bezug auf die Größe sehr begrenzt dafür aber zu einem überwältigenden Grad mit Details gefüllt. Von den etwas eng gepackten, klaustrophobischen Shops oder den Arcades und Karaoke Bars kann man überall die Liebe zu Detail erkennen. Im Kern des Gameplays ist Yakuza aber im Gegensatz zu GTA ein reiner Brawler. Auf eurem Weg durch die Stadt rennt ihr immer wieder in kleinere Gruppen von Schlägern, die ihr dann erst mal mit Kombos die Gesichter verbeult. Kiryu und Majima haben dafür jeweils drei unterschiedliche Kampfstile zu Verfügung. Kiryu kann auf Brawler, Rush und Beast Stil zurückgreifen. Während Majima im Thug, Slugger oder Brecher zuschlägt. Je nachdem wie ihr die Stile einsetzt und wie erfolgreich ihr seid, umso mehr Yen prügelt ihr aus den Mobs raus. Und Geld ist extrem wichtig für die Yakuza, denn damit schaltet ihr weitere Fähigkeiten oder Upgrades für eure Lebensenergie etc. frei. Wichtig und vor allem witzig für die Kämpfe ist aber die Heat Anzeige. Mit erfolgreichen Attacken füllt sich die Anzeige langsam und gibt euch abhängig vom gerade gewählten Stil die Option per Dreieck Taste eine Heatattacke auszuführen. Ein Beispiel dafür wäre Majimas Slugger Attacke, bei dem der unglückliche Empfänger eine direkte Bekanntschaft mit dem Baseballschläger macht. Diese Attacken sind insbesondere gut um viel Schaden bei Bossen anzurichten. Wenn ihr zusätzlich dann noch Waffen findet, könnt ihr diese ebenfalls mit einbinden, wirklich notwendig sind Waffen aber eigentlich nicht und machen zudem auch weniger Spaß. Abseits der Kämpfe und den zahlreichen Video- und Ingamesequenzen in denen ihr oft nur den Text verfolgt, dirigiert euch das Spiel immer wieder in die Richtung der vielen Nebenmissionen. Sidequests sind meist recht kurz gehalten dafür aber immer recht unterhaltsam. In diesen kleinen Nebenaufgaben trefft ihr auf die schrägsten Leute wie zum Beispiel Mr. Libido, der mit euch gerne Infos über die neuesten schmutzigen Filme und die neuesten Hostessen austauschen will und dabei ständig nur in seinen Unterhosen rumrennt.

Yakuza 0

Mr. Libido ist ein wirklich schräger Zeitgenosse.

 

Mini Games und Multiplayer Galore

So faszinierend die Hauptstory auch ist, die Minispiele und Nebenbeschäftigungen im Spiel schaffen es immer wieder, euch abzulenken. Trotz der verhältnismäßig kleinen Schauplätze in Kamurocho und Soutenbori gibt es massig Potenzial für Zerstreuung. Von Indoor Baseball über Karaoke und Tanzspiele in der Disco bis hin zu kleinen heißen Filmchen gibt es eine Menge zu sehen. Ihr könnt Stunden damit verbringen Mahjong zu spielen, in Sega Arcades Outrun oder am Greifautomaten spielen.  Egal, wonach euch der Sinn steht, es wird immer etwas geboten. Zwei Aktivitäten stechen dabei aber deutlich heraus. Kiryu erhält im Verlauf des Spiels Zugang zu einem Immobilien Management Metagame. Hier könnt Stück für Stück die Stadt übernehmen und investieren. Majima hingegen bekommt als Metagame die Kontrolle über die Damen seines Clubs. Hier könnt ihr die Hostessen mit besseren Kleidern ausstatten, das Aussehen verändern und vieles mehr. Alles mit dem Ziel die Beliebtheit der Frauen bei den Gästen zu steigern und so für höhere Einnahmen zu sorgen. Was sich simpel anhört, bietet eine unglaubliche Tiefe, sodass man allein damit eine halbe Ewigkeit verbringen könnte. Wenn ihr diese Minigames nicht immer alleine spielen wollt, könnt ihr im Multiplayer damit Spaß haben. In Climax Battles könnt ihr euch Mann gegen Mann Schlägereien mit anderen Spielern liefern.   

Yakuza 0

Goro Majima stolpert mehr oder weniger in die gesamten Ereignisse.

 

Nostalgie ist nicht immer etwas Gutes

Die Optik von Yakuza 0 ist ein zweischneidiges Schwert. In den Videosequenzen können die Animationen und Charaktermodelle wirklich mehr als überzeugen. Besonders haben mich die detaillierten Gesichtsanimationen beeindruckt, die sogar beinahe immer vollständig lippensynchron mit den japanischen Sprechern sind. Etwas seltsam wirken dann schon wieder die Ingame Szenen, in denen zum Beispiel Kiryu direkt neben einem NPC steht. Denn selbst Ingame sehen die Hauptcharaktere weitaus besser aus als die Standard 08/15 NPC Charaktere. Am schlimmsten ist dabei der krasse Unterschied, da deren Optik selbst auf der PS3 als schlecht gelten würde. An diesem Punkt wäre deutlich mehr Arbeit nötig gewesen. Absolute perfekt sind aber die japanischen Sprecher der Hauptcharaktere. Selbst wenn man kein Wort Japanisch versteht, fühlt man jedoch die Emotionen hinter den Worten. Alle Sprecher liefern eine filmreife Leistung ab, die man so nur selten geboten bekommt. Leute die allerdings nicht gerne Lesen, sollten sich dabei klar sein es gibt nur die japanische Sprachausgabe. Untertitel gibt es zudem nur auf Englisch und Yakuza gibt euch jede Menge zu lesen.

Positiv:

Das Spiel bietet eine exzellente und spannende Story
Die Nebenmissionen und Minispiele können euch für eine Ewigkeit beschäftigen
Charaktermodelle und Animationen der Hauptcharaktere sehen sehr detailliert aus
Die japanischen Sprecher der Hauptcharaktere liefern eine erstklassige Leistung ab

Negativ:

Die Optik schwankt teilweise stark zwischen detaillierter PS4 Optik und schlechter PS3 Grafik
Obwohl jeder Charakter drei Stile hat, ist jeweils einer immer deutlich nützlicher als die beiden anderen
Es gibt manchmal lange Abschnitte in denen ihr in Gesprächen feststeckt
  • Yakuza 0 – Test zum Japan Gangster Epos
    “Yakuza 0 markiert nicht nur den eigentlichen Start des großen Japan Gangster Epos, sondern auch den ersten Teil auf PS4, der hier erschienen ist. Wer bisher noch keinen Einstieg in die Serie gefunden hat, findet hier die perfekte Gelegenheit. Viele Leute erwarten bei Yakuza immer ein japanisches GTA, was aber nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte. Yakuza 0 mixt beinahe perfekt Brawler Gameplay mit einer packenden Story um Ehre, Verrat und Machtspiele im Japan Ende der 80er Jahre. Dabei nimmt sich der Titel aber nie zu Ernst, um an allen Ecken seltsame Charaktere, massenhaft Minispiele und schräge Beispiele für japanische Kultur für euch bereitzuhalten. Wo sonst kann man auf einen tanzenden kleinen Mann in Unterhose treffen. Kapitel für Kapitel erlebt ihr die Geschichte um die beiden Hauptcharaktere Kazuma Kiryu und Goro Majima. Sowohl Kiriyu als auch Majima sind glaubhafte Persönlichkeiten mit ebenso überzeugenden Antagonisten. In mehreren Multiplayer Modi kann man dann noch weitere Kämpfe austragen und Spaß mit den Mini Games haben. Bei all der Klasse lässt sich jedoch nicht verstecken, dass Yakuza 0 technischer Mix ist. Während die Hauptcharaktere durchaus PS4 würdig aussehen, fallen die NPCs häufig zurück auf schlechte PS3 Grafik. Das fällt insbesondere immer dann auf, wenn Hauptcharaktere und NPCs plötzlich zusammen zu sehen sind. Dennoch ist Yakuza 0 der perfekte Einstieg für alle, die in die Unterwelt Story abtauchen wollen. Diesen Hit sollte sich keiner entgehen lassen.”
    Marco Schmandt, Redakteur

Lohnt es sich in die Unterwelt Japans abzutauchen?

Wer auf erstklassige Stories steht ist auch bei diesem Yakuza Game wieder genau richtig. Die beiden Hauptcharaktere sowie deren Gegenspieler sind sehr überzeugend in ihren Animationen sowie deren Ausdruck. Auch wenn die teilweise zweischneidige Optik manche Leute stören könnte, sollte man sich diesen Hit nicht entgehen lassen. Absolute Empfehlung.

Marco Schmandt
Geschrieben von
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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