XCOM 2 – Test zur taktischen Konsolenportierung

Bereits seit dem Frühjahr 2016 ist XCOM 2 für den PC erhältlich. Damals hieß es noch ausdrücklich, dass das Spiel nur für den PC erscheint. Doch in dieser Branche ist nie etwas sicher. Nun knapp acht Monate später erscheint der Strategietitel auch für die Playstation 4 und die Xbox One. Wir haben uns die Playstation 4 geschnappt und verraten euch in unserem Test, ob das Spiel was taugt.

 

Die Welt in der Hand der Aliens.

Der Nachfolger zu XCOM: Enemy Within erzählt die Geschichte um den Krieg zwischen der Menschheit und den Aliens weiter. Doch im zweiten Teil wird davon ausgegangen, dass die Aliens den Planeten im ersten Teil erobert haben. Dabei haben sie den Planeten vollständig unter Kontrolle gebracht und unterdrücken mit ihren Advent Einheiten die restliche Bevölkerung. Doch der Widerstand wächst. Eine letzte Schar von Überlebenden XCOM Einheiten agiert aus dem Hintergrund heraus. Dabei versuchen sie, den Aliens Einheit zu gebieten und den Planeten zurück zu erobern. Ihr erster Schachzug den einstigen Commander aus den Fängen der Aliens zu befreien gelingt auch. Mit diesem übernimmt man dann, die Geschicke der restlichen XCOM Einheiten und kommandiert diese von Schlacht zu Schlacht. Wie sich die Geschichte dabei entwickelt, hängt von den Entscheidungen und den Ergebnissen der Schlachten ab. Denn je nachdem ob die Widerstandskämpfer der XCOM Truppe gegen die Aliens erfolgreich sind, kann die Geschichte einen anderen Verlauf nehmen. Während man im ersten Teil noch den gesamten Planeten gegen die Attacken der Alien verteidigen musste, sind im zweiten Teil die Rollen vertauscht. Nun ist man in der Rolle der Angreifer und muss aus dem verdeckten agieren und das Regime der Aliens sabotieren. Diese Rolle kommt im Spiel sehr gut rüber. Laufend spürt man den Druck der Aliens im Nacken. Da man immer mehr Aufgaben erledigen sollte, als man derzeit kann und es sonst immer etliche Aufgaben und Baustellen gleichzeitig gibt, hat man immer die Zeit im Auge. Denn in naher Zukunft werden die Aliens ihre ultimative Waffe fertigstellen und die Menschheit vollständig unterjochen.

Die Geschichte von XCOM 2 wird unter anderem in kleinen Zwischensequenzen erzählt.

Die Geschichte von XCOM 2 wird unter anderem in kleinen Zwischensequenzen erzählt.

 

Eine Gruppe gegen den Rest der Welt

Auf dem Schlachtfeld hat sich im Prinzip nichts geändert. Noch immer führt man ein Trupp von vier, später sechs, Einheiten in taktischen Rundenschlachten gegen die Aliens. Pro Runde hat dabei jeder Soldat zwei Aktionen frei. Mit diesen Aktionen läuft man von Deckung zu Deckung, schießt auf die Gegner oder aktiviert die Spezialfähigkeiten seiner Agenten. Dabei sind die Kämpfe beinhart und erfordern einiges an taktisches Geschick. Denn die Aliens sind ein mehr als ebenbürtiger Gegner. Auf dem Schlachtfeld kämpft man gegen riesige Mutons und Berserker, die gut und gerne mal mit einem Schlag einen Soldaten besiegen, Vipern Aliens, welche die Soldaten aus der Entfernung zu sich heranziehen kann, den Kodex, der sich über die Karte teleportieren, sich klonen und großflächig die Waffen unserer Soldaten deaktivieren kann und viele einfallsreiche Gegnerarten mehr. Damit man gegen diese Übermacht eine Chance hat, muss man stets die Fähigkeiten der Gegner im Auge behalten und klug agieren. Doch allzu viel Zeit sollte man sich dabei nicht lassen. Denn in vielen Missionen kommt eine weitere Komponente ins Spiel. Da man als Untergrund Truppe unterwegs ist, muss man oft in Gebäude eindringen und diese sabotieren, VIP Gefangene befreien etc., in diesen Missionen muss man sich beeilen, da ansonsten Verstärkung anrückt. Dieser Zeitdruck drückt sich im Spiel über ein Rundenlimit aus. In diesen Missionen hat man nur eine gewisse Anzahl an Runden Zeit damit man diese erfüllt. Dies fordert ein offensiveres Vorgehen als in den Vorgängern. Allerdings sollte man stets den Gegner im Auge behalten, geht man zu offensiv vor kann der Gegner einen schnell flankieren und die eigenen tapferen Soldaten sterben wie die Fliegen. So ist ein ständiges spannendes taktisches Abwiegen des nächsten Zuges nötig. Damit die Verteidigung der Erde jedoch nicht ganz unmöglich ist, gibt es auch einige Hilfestellung. Zu Beginn einer jeder Runde ist der Trupp verborgen. Anders als im Vorgänger sind die Soldaten bis zum Entdecken getarnt. Damit kann man geschickt Hinterhalte planen und mit geschicktem Platzieren der eigenen Soldaten ganze Gegnertruppen erledigen. Wie schon im Vorgänger sind die eigenen Soldaten nun in vier Klassen unterteilt. Diese und der jeweilige Skilltree wurde im Vergleich ein wenig umstrukturiert. Der Scharfschütze hat nun als zweite Kampffertigkeit die Pistolen hinzu bekommen. Der Grenadier ist mit einer schweren Kanone und einem Granatwerfer ausgerüstet. Der neue Spezialist ersetzt den Medic. Dieser ist mit einer Gremlindrohne ausgestattet, mit der er Mitstreiter heilen, schützen oder feindliche Geschütze oder andere Einrichtungen hacken kann. Der Ranger ist eine flinke Nahkampfeinheit, bewaffnet mit Schrotflinte und Schwert macht er die Aliens aus naher Entfernung den gar aus. Später kann man durch Forschung noch Psi-Einheiten ausbilden. Mit jedem Kill und jeder erfolgreichen Mission steigen die Einheiten im Rang weiter auf. Mit jedem Rang erhalten die Soldaten einen von zwei verschiedenen Fähigkeiten. Aus denen man einen auswählen kann. Je nachdem für welche Fähigkeiten man sich entscheidet, lassen sich die jeweiligen Klassen sehr variabel skillen und spielen. Bei dem Spezialist beispielsweise kann man in einer Stufe auswählen, ob man mit der Drohne seine Kameraden heilen oder Gegner angreifen kann. Eine wichtige Entscheidung, denn so kann man seine Einheiten, egal wie weit sie vom Spezialist entfernt sind, heilen oder weit entfernte Gegner eliminieren. Jeder Soldat, jede Einheit ist im Spiel einzigartig und wichtig. Da jeder besiegte Soldat für immer besiegt ist, überdenkt man jeden seiner Züge doppelt. Zudem kann man seine Soldaten vollständig anpassen. Egal ob Aussehen, Herkunft, Outfit, Name oder Hintergrundgeschichte, nahezu alles ist personalisierbar. Wer will, kann sich und seine Freunde ins Spiel packen. Allerdings ist dann der Verlust der Kämpfer doppelt schmerzhaft. Zusätzlich kann man seine Einheiten mit verschiedenen Rüstungen, Waffen, Granaten oder mit Upgradteilen wie Visieren oder zusätzlichen Magazinen ausstatten und verbessern. Diese findet man zum Teil als Beute von besiegten Gegnern oder lassen sich durch Forschung in der Avenger erwerben.

Nach und nach baut die Avenger weiter aus.

 

Die mobile Kommandozentrale: Die Avenger

Neben den Gefechten besitzt XCOM 2 eine weitere wichtige Ebene, und zwar die Avenger. Dieses erbeutete Alienschiff dient der Widerstandstruppe der XCOM Einheit als mobiles Einsatzzentrum. In ihr befinden sich etliche Abteilungen, in der man Einrichtungen baut, Forschungen betreibt, um die technische Entwicklung kümmert, seine Soldaten ausbildet oder von der Brücke aus, die nächsten Einsätze koordiniert. Dieser Aspekt wurde gegenüber den vorherigen Teilen weiter ausgebaut. Zu Beginn befinden sich mit der Waffenkammer, Quartiere, Labor, Technikabteilung oder der Brücke nur wenige Abteilungen auf dem Schiff. Ein Großteil der weiteren Räume sind allerdings mit Trümmern noch versperrt und müssen im Laufe der Zeit freigeräumt werden. Sind diese freigeräumt, können dort weitere Abteilungen gebaut werden. Allerdings können die Abteilungen nicht frei gebaut werden. Denn diese benötigen zum einen Strom, wichtige Ressourcen zum Bau und zusätzliches Personal. Zudem können bestimmte Abteilungen mit zusätzlichem Personal (Wissenschaftler, Ingenieure) ausgestattet werden, um deren Effizienz zu erhöhen. Die benötigten Wissenschaftler und Ingenieure können gegen Ressourcen angeheuert werden oder sie schließen sich nach erfolgreichen Missionen an. Da ständig Platz-, Personal-, und Ressourcenknappheit herrscht, muss man stets die richtigen Prioritäten setzen. Investiere ich jetzt die letzten Ressourcen in den Bau einer wichtigen Abteilung oder investiere ich diese in die neu erforschte Rüstung, damit meine Soldaten im Kampf mehr Leben besitzen? Oder kaufe ich in der Ausbildungsstätte eine neue Taktik und kann dadurch einen weiteren Soldaten im Kampf mitnehmen? Wichtige und überlegte Entscheidungen wollen getroffen werden. Dieser Aspekt ist nun deutlich interessanter und komplexer als in den Vorgänger. Des Weiteren findet man in der Avenger nette kleine Details wie eine Gedenkwand für die Gefallenen Soldaten und Hintergrundinformationen zu den Soldaten. Doch der wichtigste Bereich der Avenger ist die Brücke. In der hat man eine Weltkarte vor sich und schickt die Avenger von einem Ort zum nächsten. Zu Beginn wartet nur ein Stützpunkt auf dem Planeten. Nach und nach kontaktiert man weitere Widerstandzentralen auf der Erde und gelangt so an weitere Missionen und Ressourcen wie Alienlegierungen, Vorräte oder Informationen. Diese Ressourcen werden auch bitter benötigt. Denn Alienlegierungen werden für den Bau von neuen Waffen und Rüstungen benötigt. Vorräte sind die Währung des Spiels und werden für alles gebraucht. Informationen dienen als Währung auf den Schwarzmarkt und können dort gegen neue Gegenstände, Vorräte oder neues Personal eingetauscht werden. Des Weiteren dient Information auch als Ressource, um Kontakt mit neuen Widerständlern herzustellen. Anfangs ist es dabei dank der wenigen Aufgaben noch recht übersichtlich und simpel. Doch nach und nach wird es immer schwieriger und taktischer. Dann gilt es Ressourcen zu sammeln, Missionen zu erfüllen, Guerilla Attacken ausführen und Gegenschläge der Aliens zu vereiteln. Da man allerdings nicht verschiedene Brandherde gleichzeitig löschen kann, muss man auch hier wichtige Prioritäten setzen. Über die komplette Zeit kreiert XCOM 2 einen fordernden Druck und eine packende Spannung. Nebenher arbeitet der Gegner an einer geheimen Superwaffe, dessen Fertigstellung es zu stoppen gilt. Als wäre diese Aufgabe nicht schon schwer genug, gibt es noch die Dunklen Bedrohungen. Diese Bedrohungen sind Projekte der Aliens, welche die XCOM Truppe auf viele Arten schwächen und ebenfalls verhindert werden müssen. So füllt sich mit der Zeit, recht schnell die Weltkarte mit Missionen. Da man stets nur eine Mission bewältigen kann, kommt man schnell unter Zugzwang. Denn die Balance zu finden zwischen den Schlüsselmissionen, Ressourcenbeschaffung, Ausbau des Widerstands, bremsen des Avatarprojektes und das Verhindern der Dunklen Projektes ist der Knackpunkt des Spiels. Denn vernachlässigt man einen der Aspekte zu sehr, bekommt man die Folgen recht schnell zu spüren und zwingt einen zu verzweifelten Maßnahmen. Wie man seine Prioritäten setzt, hängt natürlich von einem selbst ab. Die Konsequenzen bekommt jeder auf seine eigene Weise zu spüren. Denn die Aliens reagieren mit eiserner Härte gegen die Rebellion. Durch die enorme Entscheidungsvielfalt ist jeder Spieldurchlauf, abgesehen von den Schlüsselmissionen unterschiedlich, wodurch das Spiel einen enormen Wiederspielwert besitzt.

Über die Weltkarte koordiniert man sein Trupp.

Über die Weltkarte koordiniert man sein Trupp.

 

Gelungene Konsolenportierung?

XCOM 2 erschien bereits im Frühjahr für den PC, eine Konsolenfassung war damals noch nicht angekündigt. Doch bereits der Vorgänger erhielt eine Konsolenportierung, wodurch auch beim zweiten Teil eine Portierung sehr wahrscheinlich war. Zudem wirkten viele Elemente der PC Fassung so, als wäre an eine zukünftige Konsolenportierung gedacht worden. Davon profitiert das Spiel jetzt ungemein. Denn das Spiel steuert sich auf den Konsolen hervorragend. Mit dem Cursor bewegt man seine Einheiten gekonnt über die zufallsgenerierten Karten. Mit den Schulterbuttons wählt man gezielt die Einheiten und Gegner aus. Allerdings gibt es auch hier kleinere Unstimmigkeiten. Wer zum Beispiel eine Granate werfen möchte, muss zunächst in die Zielansicht wechseln, die Granate auswählen und dann wieder aus der normalen Sicht den Wurf bestimmen. Aber ansonsten steuert sich das Spiel ordentlich flott und intuitiv. Nicht nur die Steuerung wurde hervorragend an die Konsole optimiert auch technisch ist die Portierung gelungen. XCOM 2 sieht auch auf der Konsole wunderbar aus und läuft weitestgehend flüssig. Lediglich bei größeren Explosionen kommt es hier und da zu kleineren Framefrateeinbrüchen, aber nie in dem Umfang als das es großartig stören würde. Zudem gibt es bei den Zwischensequenzen stellenweise zu leichtem Tearing, aber auch hier im verkraftbaren Bereich. Größter Kritikpunkt sind die Ladezeiten. Diese sind ein Ticken zu lang geraten. So kann es gut und gerne mal 80 – 90 Sekunden dauern, bis eine Mission geladen ist. Besonders beim Neuladen eines Speicherstandes ist dies besonders nervig. Auch ein paar kleinere Fehler der PC Fassung wurden in die Konsolenfassung übernommen. So gibt es kleinere Kamerafehler oder fehlerhafte Animationen. Da sich die Punkte, bis auf die Ladezeiten, in einem tolerierbaren Bereich befinden und somit nicht stören. Kann man die Konsolenportierung als gelungen betrachten.

Beim Kampf muss man jeden seiner Züge genau planen.

Beim Kampf muss man jeden seiner Züge genau planen.

 

Fazit:

Bereits der Vorgänger XCOM: Enemy Within konnte mich stundenlang begeistern. Darum war ich sehr erfreut, dass eine Konsolenportierung des Nachfolgers überraschend angekündigt worden ist. Sofort packte mich der Titel genauso wie der hervorragende Vorgänger. Ich koordinierte meine Einheiten taktisch über das Schlachtfeld, freute mich, wenn ein Hinterhalt gelang und eine Gruppe aus mehreren Aliens das Zeitliche segnete. Ich ärgerte mich, als mein Soldat mit einer Trefferwahrscheinlichkeit mit 86% trotzdem daneben schoss und trauerte um die gefallenen Soldaten. Mit dem ständigen Druck, den man permanent ausgesetzt ist, wächst die Spannung mit jeder Stunde. Waren die Entscheidungen die ich getroffen, hab richtig? Hätte ich doch lieber die Magnetwaffen erforschen sollen? Stets gibt es etwas zu tun oder wichtige Entscheidungen gilt es, zu treffen. Dabei greifen die verschiedenen Zahnräder perfekt ineinander. Ob die vielen Missionen mit dem Zeitdruck hätten sein müssen, muss jeder für sich selbst beantworten. Unerfahrene XCOM Spieler dürften an diesen ordentlich zu knabbern haben. Denn besonders der Einstieg ist ordentlich fordernd und kann schnell frustig werden. Im Laufe der Spielzeit wird es allerdings merklich leichter. Auch die Konsolenportierung ist, bis auf die nervig langen Ladezeiten gelungen. XCOM 2 ist nicht nur eines der besten Rundenstrategiespiele, sondern auch eines der Topspiele des Jahres.

 

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Geschrieben von Kevin Kreisel
Freier Redakteur von NAT-Games.de

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