Turok 2: Seeds of Evil – Retro-Review zum Oldschool Dinosaurier-Schlächter

Nach dem riesigen Erfolg von “Turok” schickt Acclaim den Comic-Helden auf sein zweites Abenteuer. Schließlich muss jemand verhindern, dass die “Primagen” und seine Schergen das Lost Land endgültig in ihren Besitz bringen. Während die Verbündeten des Primagen die Verteidiger bereits überrollt haben, hält die Kraft großer Energie-Totems das teuflische Wesen selbst in seinem Raumschiffgefängnis noch zurück. Eure Aufgabe ist es, in der Haut von Joshua Fireseed, auch als Turok bekannt, den Ausbruch zu verhindern und das grässliche Ungeheuer in seine Schranken zu weisen. Ob es sich auch heute noch lohnt ein Blick in das Urgestein des Ego-Shooter Genres zu werfen, werden wir euch in der folgenden Review erläutern: Bei dieser schwierigen Aufgabe müsst ihr sechs verschiedene Abschnitte durchstreifen. Hört sich zwar wenig an – aber die Welten sind enorm groß. Bevor Ihr einen Abschnitt betretet, werden Euch von einer schmucken Schönheit, die auf den Namen Adon hört, bestimmte Aufgaben in einer kleinen Filmeinspielung mit glasklarere Sprachausgabe zugewiesen. So befreit Ihr zum Beispiel Gefangene oder Kinder oder zerstört bestimmte Einrichtungen. Am Ausgang des Level erwartet Euch dann ein Energie-Totem, das es, koste was es wolle, zu beschützen gilt.

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Vergisst Tomb Raider oder Far Cry 3, Bögen waren früher schon cool.

 

Immer auf der Suche

Im Klartext heißt das, dass Ihr innerhalb der sechs verschiedenen Level immer auf der Suche nach dem Schalter oder Schlüssel seit, der die Tür zum Weiterkommen oder den Weg zum nächsten Teleporter öffnet. Außerdem haltet Ihr Ausschau nach Lebensenergie zurückgebenden Health Force Kreuzen und nach den Extra Leben spendenden Life Forces. Beide gibt es in verschieden starken Ausführungen. Mit dem Ultra Health stockt Ihr Eure Lebensenergie sogar auf maximal 200 Punkte auf. Neben den Primärzielen, ohne deren vollständige Erfüllung ihr die Welten einmal betreten nicht mehr verlassen könnt, harren aber noch andere Geheimnisse ihrer Entdeckung. So solltet Ihr Euch aufmerksam nach Schlüsseln umsehen, die erst den Weg zu anderen Welten des Lost Land freimachen. Zudem wollen noch magische Talismane gefunden werden, ohne die Euch der Vorstoß zum Primagen versagt bleibt. Schließlich will auch noch eine Waffe zusammengebaut werden, mit deren Durchschlagskraft Ihr gegen das Primagen auch ankommt. Die Einzelteile schlummern gut bewacht in sogenannten War Portals, die im Lost Land verstreut anzutreffen sind.

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Hier sieht man deutlich mit welcher Ausprägung die Entwickler mit Nebel gearbeitet haben.

 

Pralle Bewaffnung

Dies alles wollen die Verbündeten, die das Primagen mit Versprechungen und Waffenlieferungen auf seine Seite gezogen hat, natürlich verhindern. Zum Glück steht Euch ein ansehnliches Waffenarsenal zur Verfügung, um mit den Invasoren kräftig aufzuräumen. Steht Euch mit dem Talon zunächst lediglich eine scharfe Klinge zur Verfügung, findet Ihr in manch kuscheliger Ecke durchschlagskräftigeres Gerät. Die Palette reicht von der einfachen, aber sehr effektiven Schrotflinte, über das Plasmagewehr und den Flammenwerfer bis hin zur zerstörerischen Cerebral Bore. Fast jede Waffe gibt es dabei in mehreren Ausführungen. So rüstet Ihr die Schrotflinte zum Shredder auf oder das Plasmagewehr zur munitionsfressenden Firestorm Cannon. Neu hinzugekommen ist der Sniper Modus. Mit dem Tek Bogen und dem Plasmagewehr betätigt Ihr Euch als Scharfschütze. Wie schon im indizierten James Bond Shooter von Rare zoomt Ihr mit einer Optik weit ins Land hinein, um Gegner aus der Ferne, ohne Gefahr für die eigenen Gesundheit, zu erlegen. Ebenfalls neu: Pfeile oder Projektile einer Harpune sammelt Ihr nach Gebrauch wieder ein, wenn nicht gerade Euer bedauernswerter Gegner im giftigen Sumpf oder im bodenlosen Abgrund landet.

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Die Umgebungen gestalten sich extrem abwechslungsreich.

 

Munition ist knappes Gut

Das oberste Gebot für Turok heißt “Munition sparen”. Denn einige der Waffen sind wahre Verschwender und bringen den Munitionsvorrat in nullkommanichts auf Null. Kurze, gut gezielte Feuerstöße (am besten immer auf den Kopf oder die Brust) sind also erste Bürgerpflicht. Schwache Gegner greift Ihr am besten mit einer Eurer Kampfklingen an. Ab und zu dürft Ihr aber auch ruhig mal wild um Euch ballern, wenn Ihr eine der Ecken gefunden habt, in denen ohne Ende Munition herunter gebeamt wird. Hier munitioniert Ihr Euch wieder kräftig auf. Achtet deshalb auf das Beamgeräusch, welches an solchen Orten zu vernehmen ist. Im Gegensatz zum ersten Teil werden Purr-Linn und Konsorten nicht in beliebiger Anzahl in die Pampa teleportiert. Habt Ihr ein Gebiet zwischen zwei Warp Portalen von feindlichen Kreaturen gesäubert, könnt Ihr Euch in aller Ruhe umschauen, ohne auf weitere feindliche Gesellen zu treffen. Erst wenn Ihr einen Teleporter betretet, um in einen weiteren Abschnitt des jeweiligen Level zu gelangen, tauchen wieder einige Primagenverbündete in bereits durchstreiften Bereichen auf. Die begrenzte Zahl an Monstern, die vorhanden sind, verhalten sich durchaus intelligent. Sie nehmen schon einmal Deckung hinter Kisten, versuchen sich auf Euch zu stürzen, wenn sie Turok von weitem erblicken, nehmen reißaus, wenn Ihr versucht, sie auf einem Triceratops reitend niederzutrampeln oder kommen im Zickzack auf Euch zu, um Euch das Zielen zu erschweren.

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Mit Gore-Effekten geizt das Spiel nicht.

 

Auf Wunsch neue Steuerung

Ach ja, neben der aus dem ersten Teil bekannten Steuerung (zielen über den analogen Stick, vor- und rückwärtslaufen per C-Tasten oben und unten) ist eine an Rares James Bond Shooter erinnernde Kontrolle hinzu gekommen. Hier wird mit dem Analogstick herumgelaufen und nach oben und unten über die C-Tasten (oben und unten) geschaut. Wir persönlich bevorzugen die alte Steuerung, da wir hier schneller auf höher oder tiefer gelegene Gefahren reagieren kann. Wenn Ihr partout die Gegner nicht trefft, dann schaltet die Zielautomatik an, die standardmäßig ausgeschaltet ist. Der Gore-Faktor in “Turok 2” ist in der, von uns unter die Lupe genommen en, englischen PAL-Version extrem hoch. Das Blut spritzt nur so durch die Gegend. Je nachdem, wo Ihr die Viecher trefft, trennt Ihr Köpfe oder Gliedmaßen ab oder schießt gleich ein klaffendes Loch durch die Monster hindurch. Und immer wieder Blut ohne Ende. Trefft Ihr einen Gegner, spritzt das Blut sogar auf die dahinter liegenden Wände. Hinzu kommen die extremen Sterbeszenen. Da wälzt sich der tödlich getroffene Dinosoid filmreif auf dem Boden, bricht der Endtrail von Kugeln durchsiebt zusammen oder kippt ein Purr-Linn mit einem von einem Explosivpfeil weggerissen Schädel kopflos vorne über. Dies wird in absolut flüssigen Animationen dargeboten, dass einem schonmal der Atem stockt.

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Eine Schrotflinte darf natürlich nicht im Arsenal fehlen.

 

Ruckelanfälle nicht ausgemerzt

Wo wir schon bei den Animationen sind, ein paar Worte zur Grafik. Da reicht die Spannweite von absolut brillant, weil atmosphärisch dicht, detailliert (vor allem in HighRes-Optik) und abwechslungsreich mit wunderbar flüssigen Monsteranimationen, bis zu Tode betrübt, wenn das massive Geruckel das Zielen mal wieder fast unmöglich macht. Kleinere Slowdowns sind trotz fleißigem Nebeleinsatz (allerdings weitaus weniger penetrant als im ersten Teil) oft der treue Begleiter des Spielers, vor allem, wenn Ihr grafisch spektakuläre Waffen einsetzt oder mehrere Gegner auf einmal auf Euch losgehen. Damit PAL-User nicht völlig im Geruckel untergehen hat Acclaim drastische Maßnahmen getroffen. Während US-Spieler in Vollbild die Level erkunden, müssen sich deutsche Spieler mit dicken PAL-Balken abfinden. Stellt Euch ein 16:9 Spielfilm auf einem Standardfernseher vor und Ihr habt eine Vorstellung davon, wie breit die Balken sind.

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Eure schuppigen Gegner sind fast immer in der Überzahl.

 

Seltene Speicherpunkte

Die sparsam verstreuten Speicherpunkte sorgen dafür, dass Ihr Euch für eine Runde “Turok 2” immer eine Menge Zeit nehmen solltet, wenn Eure Fortschritte auch erhalten bleiben sollen. Leider belegt ein Spielstand pralle 90 Seiten auf einem Controller Pak. Auch unsere 1 Meg Karte (mit immerhin noch freien 270 Seiten) konnte nicht dazu überredet werden, mehr als einen Spielstand aufzunehmen, da beim Speichern immer der alte überschrieben wird. Vor und nach dem Speichern werdet Ihr aufgefordert das Rumble Pak einzulegen oder herauszunehmen. Eine Memory Karte im zweiten Joypad wird zwar erkannt (man kann von ihr sogar einen Spielstand laden). Nur Abspeichern funktioniert nicht. Ihr seit also immer gezwungen umzustecken. Der Sound gehört zur Spitzenklasse. Realistische Effekte (reichen vom Rauschen eines Wasserfalles, bis hin zum Grunzen und den Schritten der Monster) tragen erheblich zur adrenalinfördernden Atmosphäre bei. Wenn Ihr Euch langsam vortastet, weil ihr die nahenden Schritte eines Purr-Linn hört, seid immer gefasst aus dem Hinterhalt angegriffen zu werden. Das sorgt für knisternde Spannung. Hinzu kommt ein anpeitschender Soundtrack.

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Die Grafik kann sich auch heute noch sehen lassen.

 

Diesmal nicht nur für Einzelkämpfer

Das sich Rares Spiel zum James Bond Film über ein Jahr nach dem Release in den USA ungebremster Beliebtheit erfreut, liegt in hohem Maße an dessen brillanten Mehrspielermodi. Da ist es kein Wunder, dass Acclaim in Turoks zweiter Auflage auch an mehr als nur einen Spieler gedacht hat. In übersichtlichen Arenen (vor einem Gefecht bestimmt Ihr nicht nur die Arena sondern auch noch die verwendeten Texturen) könnt Ihr euren Freunden eins auf den Pelz brennen. Dabei steen Euch neben Turok weitere Charaktere zur Auswahl, die Euch als Solospieler im Lost Land über den Weg gelaufen sind. Jeder Charakter hat seine Vor- und Nachteile, so dass die Wahl gut überlegt sein will. Der eine ist fix auf den Beinen, steckt aber nur sehr wenig ein, andere wiederum sind stärker gepanzert, schleichen dafür aber nur langsam über die Kampfschauplätze. Euren Lieblingskämpfer samt erzielter Abschüsse könnt Ihr übrigens auf dem Controller Pak abspeichern. Reserviert hierzu 1 Seite. Neben dem Standard “Schieß-auf-alles-was-sich-bewegt” Modus, in dem jeder gegen jeden kämpft, gibt es auch noch die Möglichkeit in zwei Teams einander auf die Pelle zu rücken. Ungewöhnlich ist das “Frag Tag”. Ein Spieler ist dabei unbewaffnet und wuselt als verletzlicher Affe auf der Suche nach einem Warp Portal durch die Gegend, das ihn zurück und einen anderen Spieler in einen Primaten verwandelt. Mit einem Wort: Ein Heidenspaß, wenn mindestens drei Spieler mitmischen. Ein Haken hat die ganze Sache aber leider: Mit vier Spielern und besonders effektgeladenen Waffen ruckelt es mächtig vor sich hin. Mit zwei oder drei Spielern gibt es selten Slowdowns, bei vier wird es schon aber extrem. Außerdem vermissen wir einen “Capture the Flag” Modus.

 

Informationen zu der deutsche Version:

Die offizielle deutsche PAL-Version konnten wir nur kurz anspielen. Darum können wir nicht mit letzter Sicherheit sagen, welche Veränderungen genau vorgenommen worden sind, um den Klauen der BPjS zu entgehen. Offensichtlichste Veränderung: Das ganze Blut fehlt. Auch scheinen uns einige der Sterbeanimationen sowie das gezielte Abtrennen von Kopf und Gliedmaßen der Schere zum Opfer gefallen zu sein. Dies tut der spannungsgeladenen Atmosphäre allerdings keinen Abbruch.

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Die Effekte konnten sich damals wirklich sehen lassen.

 

 

Expansion Pak

“Turok 2” unterstützt die Speichererweiterung des Nintendo 64. Habt Ihr das Expansion Pak in Eurer Konsole, werden zwei HighRes Grafikauflösungen freigeschaltet. Positiver Nebeneffekt: In der 640×480 Pixel Auflösung bekommt Ihr auch in der PAL-Version Vollbild geboten, allerdings auf Kosten stärkerer Slowdowns, die sich vor allem im Mehrspielermodus und beim Einsatz einiger Waffen (z.B. Shredder) zeigen. Wollt Ihr Frameraten entsprechend dem LowRes Modus, schaltet auf HighRes mit Letterboxen um. Hier ist die Bildgröße noch etwas kleiner ausgefallen, als beim mit PAL-Balken verunzierten LowRes. Wer einmal die detaillierten Texturen in HighRes Optik genießen durfte, wird so schnell nicht mehr auf LowRes umschalten.

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Mit dem N64 Expansion Pack konnte man mehr aus dem Spiel rausholen.

 

 

Fazit:

 

Trotz der gravierenden und für mich doch überraschenden Schwächen bei der Framerate gehört “Turok 2” zu den Highlights im Ego-Shooter Genre auf dem Nintendo 64. Herausfordernde und atmosphärisch dichte Level zusammen mit den leidlich intelligenten Monsterhorden trösten darüber hinweg, dass man eigentlich nichts weltbewegend Neues, was nicht schon andere Ego-Shooter geboten haben, zu sehen bekommt. Die guten Mehrspielermodi sorgen zudem dafür, dass Ihr das Modul nach dem Durchspielen des Solomodus immer mal gerne wieder hervorkramt. Einzig Anfänger im Genre werden sich aufgrund der ausufernden Spielabschnitte und den aggressiven Dinosoiden schnell überfordert fühlen.

87

 

 

Good
  • Gute KI
  • Sehr schöne Grafik...
  • Großes Waffenarsenal
  • Große Spielwelt
  • Grandioser Multiplayer
Bad
  • Speicherpunkte zu rar platziert
  • ... die leider zu Rucklern neigt
87
Geschrieben von
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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