Tour de France 2015 – Review zum diesjährigen Radsportableger

Seit einigen Tagen ist es wieder so weit. Denn wie jedes Jahr radeln rund 22 Profiteams durch Frankreich, um zu ermitteln, wer denn der schnellste Radfahrer auf dem Planeten ist. Wie es sich für ein sportliches Großereignis dieser handelt, darf natürlich eine passende Videospielumsetzung nicht fehlen. Ob sich Tour de France 2015 von Entwickler Cynanide lohnt, oder ihr die Zeit besser nutzt, um lieber selber draußen ein paar Runden mit dem Rad zu drehen, erfahrt ihr in unserer Review.

 

Reifen aufgepumpt, Bremsen gecheckt und ab gehts

Jedes Jahr im Sommer messen sich in Frankreich rund 200 Fahrer aus aller Welt in verschiedenen Etappen. Der Gewinner muss sein Können in unterschiedlichen Aufgaben wie Sprintrennen oder Bergetappen messen. Bereits seit einigen Jahren nimmt sich der Publisher Koch Media und Entwickler Cyanide die Aufgabe an ein möglichst authentisches Spiel umzusetzen. Nachdem man bereits im letzten Jahr mit der Playstation 4 Fassung den Sprung auf die neue Konsolengeneration schaffte, kommen nun auch Besitzer einer Xbox One auf den Sattel. Doch wer ein Spiel mit den technischen Möglichkeiten von heute erwartet wird vermutlich enttäuscht. Zwar werden alle 200 Fahrer auf der Strecke i Originaltrikots dargestellt, was ein realistisches und authentisches Gefühl vermittelt. Besonders der Start ist meistens recht spannend, da man dort schon etliche Plätze gewinnen oder verlieren kann. Doch die Schattenseite des Spiels kommt spätestens dann zum Vorschein, wenn sich das Fahrerfeld lichtet und man die nähere Umgebung betrachtet. Allein wenn man die Zuschauer am Wegesrand beobachtet, wirken mit ihren stets gleichem Aussehen und Bewegungsabläufen, eher wie Roboter als Menschen aus. Auch sonst wirken die Landschaften detailarm und trist. Ab und zu tauchen auch in näherer Umgebung deutliche Pop-Ups aus. Auch gelegentliches Flimmern und Tearing plagen das Spiel. Diese Detailarmut geht für Rennspiel in Ordnung, wenn man mit Autos mit 200 Sachen um die Kurven brettert. Durch diesen Geschwindigkeitsrausch hat man meistens nicht die Zeit die Umgebung zu betrachten. Auf dem Fahrrad hingegen brettert man mit 20 – 80 KMH durch die Berge Frankreichs und man blickt gelegentlich in die weiten Berge Frankreichs.

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Nur wer seine Kraft gut einteilt, wird am Ende vorne landen.

 

Die Tour der Leiden

Doch die Aufgabe der Radfahrer bei der Tour de France ist es nicht die Umgebung zu beobachten, sonder die technisch anspruchsvollen Etappen so schnell wie möglich zu bewältigen. Bei dieser Umsetzung versucht Entwickler Cynaide ein möglichst realistisches Gefühl ins Spiel zu übertragen. Den nur, wer den Energiehaushalt des jeweiligen Fahrers geschickt einsetzt, wird am Ende das Gelbe Trikot gewinnen. So stehen beispielsweise im Karrieremodus verschiedene Energieriegel zur Verfügung, welche man seinen Fahrern vor einer Etappe verabreichen kann. Dadurch kann mit einem Riegel die langfristige Ausdauer verbessern, was besonders bei Bergetappen hilfreich ist oder eine der die Sprintfähigkeit schneller regeneriert. Denn im Laufe des Rennens verringert sich die allmählich die Ausdauer des Fahrers. So muss man im Rennen stets kleinere Ruhepausen tätigen und seine Kraft einsparen, um dann im richtigen Moment einen Sprint hinzulegen. Wer von Anfang an Vollgas gibt, wird später ausgepowert sein und Plätze verlieren. Zudem kann man die Aerodynamik ausnutzen und sich durch einen vorderen Fahrer durch die Strecke schleppen lassen. Durch Knopfdruck kann man sich an das Hinterrad des Vordermanns positionieren und in seinem Windschatten Kraft einsparen. Neben diesen taktischen Möglichkeiten gibt es im Spiel noch weitere Funktionen sich an die Spitze zu setzen. Mit “Teambildschirm” Befehle kann man seinen Rennstall im Laufe des Rennens Befehle geben, um auf verschiedene Situationen im Spiel reagieren zu können. So kann man seine Teammitglieder den Befehl geben Windschatten zu geben oder weitere Anweisung die helfen können. Falls alles nicht gelingen sollte, kann man auch den letzten Schritt wählen und die anderen Teammitglieder auf der Strecke ebenfalls steuern. Jedoch besitzt jedes Teammitglied andere individuelle Ziele, die er im Rennen erreichen soll. Neben den Zielen besitzt auch jeder einzelne Fahrer unterschiedliche Fähigkeiten und Tagesformen. Mit diesen kleinen und großen Managerfeatures wirkt nicht nur der Tourmodus, sondern auch der Profiteammodus stets motivierend an. Im Tourmodus kann man die komplette Tour de France nachspielen und dabei individuell Etappen ab oder anwählen. Im Profiteammodus wird man wohl die meiste Zeit verbringen. Denn in diesem baut man sich ein Team über mehrere Jahre auf. Man kann neue Fahrer kaufen, seine Fahrer an ein anderes Team verkaufen. Mit dem verhandelten Geld lassen sich dann weitere Extras wie Energieriegel, neue Fahrräder etc. kaufen die das Team weiter verbessern. Wer kurzweiligen Spaß sucht, für den ist der Herausforderungsmodus bestens geeignet. In diesem müsst ihr eine Abfahrt möglichst schnell bewältigen. Im Gegensatz zu den anderen Modi spielt hier der Energiehaushalt nur eine untergeordnete Rolle. Dieser Modus ist auch bestens für Anfänger geeignet, da man in diesem schnell die Bremspunkte der kurven und an die Fahrphysik heran geführt wird. Besonders löblich ist, dass es auch ein lokaler Multiplayer gibt, in dem man sich mit einem Freund zusammen oder gegeneinander messen kann.

Wer am Ende der Tour das gelbe Trikot trägt, gewinnt das Event.

Wer am Ende der Tour das gelbe Trikot trägt, gewinnt das Event.

 

Fazit:

Radsport ist mittlerweile nur noch ein Nischensport und wird mittlerweile nur noch absoluten Fans geschaut. Nun bin ich kein Radsportfan und kann diesem Sport nix abgewinnen. Jedoch hab ich anhand der vielen Taktiken ein größeres Verständnis an die Taktik hinter diesem Sport. Und dies muss an dem Entwickler zollen, denn diese waren ambitioniert und haben die taktische Komponente der Tour, bei der sowohl individuelle als auch Teamziele beachtet werden müssen, hervorragend ins Tour de France 2015 transportiert. Zudem bietet das Spiel mit neben dem Karrieremodus, dem Herausforderungsmodus und dem Splitscreenmodus genügend Abwechslung um auch auf lange Sicht zu punkten. Jedoch ist Entwickler Cynanide von einer perfekten Radsportumsetzung noch weit entfernt. Beispielsweise gibt es im Spiel keinerlei Stürze, egal, mit welchem Tempo man gegen ein Hindernis oder ein Gegner fährt, der Fahrer bleibt auf dem Rad. Das nimmt dem Spiel ein wenig die Authentizität, da Stürze in dem Sport was ganz wichtiges sind und über Sieg oder Niederlage entscheiden, kann. Zudem treten im Spiel zahlreiche technische Mängel, die es bei der dargestellten Grafik und Präsentation nicht auftreten sollten. Somit kann ich Tour de France 2015 nur absoluten Radsportfans empfehlen, die auch nach dem Event daheim die Etappe nachfahren wollen. Wer kein Fan vom Radsport ist, kann das Spiel getrost im Händlerregal liegen lassen.

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Geschrieben von Kevin Kreisel
Freier Redakteur von NAT-Games.de

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