Tokyo Mirage Sessions #FE – Test zum musikalischen JRPG

Was passiert, wenn man das japanische Popidol-Business mit Charakteren aus der Fire Emblem-Reihe miteinander verwurstet und daraus ein JRPG macht? Diese weltbewegende Frage müsst ihr euch nun nicht mehr stellen, denn die Antwort gibt es nun in Form von Tokyo Mirage Sessions #FE. Und wir verraten euch in diesem Test, ob diese sich komplett abstrus klingende Mischung auch so spielt, wie sie klingt.

 

Geister entführen Musiktalente

Popstars in Japan, das funktioniert ja bekanntlich alles etwas anders. Firmen casten Stars von der Straße weg, und man verliert schnell den Überblick bei der Masse an sogenannten Idolen. Auch Tsubasa Oribe möchte gerne ein solches Idol werden und nimmt daher an einem der besagten Castings teil. Das Ganze verläuft allerdings so ganz und gar nicht nach Plan, und seltsame Wesen entführen das Mädchen in eine Parallelwelt. Ihr Schulkamerad und, ähm, „guter Freund“ Itsuki Aoi folgt ihr zur Rettung, und die Ereignisse überschlagen sich. Itsuki und Tsubasa werden unfreiwillig zu sogenannten Mirage Masters, welche mit einer namensgebenden Mirage verschmelzen und so ein mit übernatürlichen Fähigkeiten versehener Superkämpfer werden. Die Mirages, mit Namen Chrom und Caeda, können sich derweil nicht an ihre Vergangenheit erinnern. Von nun an kämpfen sie alle Hand in Hand mit einer geheimen Organisation gegen böse Mirages, welche den Menschen ihre musikalische „Performa“ stehlen wollen. Klingt alles japanisch? Oh, das ist es auch, und wie. Die Story wird so kunterbunt erzählt, und alles sprüht nur so vor japanischen Klischees. Nicht immer kann man dabei seine Logik komplett abschalten und entdeckt die ein oder andere Ungereimtheit. Wieso akzeptiert Itsuki die so plötzlich ausartenden Geschehnisse ohne eine erkenntliche Schockreaktion als völlig normal? Und wieso wissen er und Tsubasa, was zu tun ist, als sie das erste Mal mit ihren Mirages verschmelzen? Solche Gedanken verschwinden zwar wieder schnell, dennoch hält man für kurze Zeit verwirrt inne. Ansonsten aber wird die Geschichte sympathisch erzählt und sollte jeden Manga- und Animefan zufriedenstellen. Zu erwähnen ist noch, dass Tokyo Mirage Sessions #FE eine Mischung aus Fire Emblem und Shin Megami Tensei darstellt. Während das Setting und Gameplayfeatures eher dem von Shin Megami Tensei angelehnt sind, bediente man sich bei den Mirages und diversen Waffen und Attacken bei Fire Emblem. Die Mischung funktioniert erstaunlich gut und ein Unwissender würde gar nicht merken, dass es hier zwei unterschiedliche Quellen gibt, das Ganze wirkt wie ein gesamtes Einzelwerk.

Tokyo Mirage Sessions FE 4

Kümmert euch nicht um die bunten Silhouetten im Hintergrund, DAS hier sind unsere wichtigen Charaktere

 

Das J in JRPG

Wir reden hier über ein Japanese Role Playing Game, insofern dürfen wir uns auf ein stundenlanges, episches Abenteuer einstellen. Und auch Tokyo Mirage Sessions #FE schlägt in diese Schiene, wen sollte es auch überraschen. Wer sich dem Spiel wirklich komplett widmet und alles erledigen will, der kann auch schon mal 60 Stunden mit ihm verbringen, bis die Credits über den Bildschirm rollen. Und so berüchtigt die Spielzeit von JRPGs ist, so ist es auch das Gameplay, und auch Tokyo Mirage Sessions #FE ändert nichts am Grundsystem eines rundenbasierten Rollenspiels. Ihr steuert euren Charakter durch eine Oberwelt, erkundet den einen oder anderen Dungeon und bestreitet in diesen, Kämpfe gegen fiese Monster. Dies ist das unantastbare System eines JRPGs, kommen wir also zu den Besonderheiten, die Tokyo Mirage Sessions #FE ins Spiel bringt. Zunächst einmal die Oberwelt: In dieser könnt ihr auch einfach mal auf eine Sightseeingtour durch Tokyo gehen, euch ein Getränk aus einem Automaten ziehen oder in einem Cafe etwas essen. In Geschäften kauft ihr dann Items für eure Abenteuer und Ausrüstungsgegenständen für eure Charaktere. Und ab und an helft ihr einem NPC bei einer kleinen Nebenquest. Wenn ihr euch dann dazu entscheidet, die Hauptstory voranzutreiben, führt euch das früher oder später in einen Dungeon. Hier müsst ihr diverse Rätsel lösen, um voranzuschreiten, so müsst ihr zum Beispiel die Pose eines überdimensionalen Maid-Kleids verändern, damit ihr durch dessen Ärmel auf eine andere Ebene des Dungeons gelangt. Ja, ich habe nichts dazu gedichtet, genau so funktioniert ein Rätsel im Spiel. Neben solch originellen Rätseln wimmelt es natürlich auch so vor fiesen Geisterwesen in den Labyrinthen. Wenn ihr einem begegnet, beginnt ein Kampf. Vorher könnt ihr solche Geister aber auch noch manuell mit eurem Schwert betäuben, um entweder einen Erstschlag im Kampf zu erhalten oder den Konflikt komplett zu umgehen. Neben den normalen roten Geistern gibt es noch schwarze, vor denen ihr lieber fliehen solltet, denn sie starten einen Kampf gegen besonders starke Gegner. Goldene Geister solltet ihr jedoch so schnell wie möglich triggern, denn die Monster aus diesen Kämpfen geben jede Menge Erfahrung und Geld.

Tokyo Mirage Sessions FE 1

Sind diese fetten Elefantenwesen auch gut isoliert? Finden wir es mit einem Elektroangriff heraus

 

Bühne frei

Die Kampfarena, in denen die Mirage Masters ihren Gegnern den Garaus machen, sieht aus wie die Bühne eines Popstars, komplett mit Publikum und allem. Drei Mirage Masters kämpfen gleichzeitig, jederzeit könnt ihr eines eurer Partymitglieder austauschen. Das Kampfsystem ist im Grunde totaler Standard, normale Angriffe, Spezialangriffe, Items benutzen, alles ist an seinem bekannten Platz. Bei den Spezialangriffen gibt es natürlich noch Unterkategorien. Die normalen Spezialangriffe sind diejenigen, die ihr so im Kampf mithilfe von EP ausführt. Dann gibt es noch passive Spezialfähigkeiten, die dauerhaft effektiv sind. Und dann gibt es da noch Fähigkeiten, die außerhalb des Kampfes effektiv sind, und schließlich extrem starke Superangriffe, die erst ausgeführt werden können, wenn ein Spezialbalken aufgefüllt wurde. Und zu guter Letzt kommen wir noch zu den Sessions. Diese sind die letzte Unterkategorie von Fähigkeiten und bei Weitem das interessanteste Kampffeature im Spiel. Mit diesen Skills lassen sich Angriffsketten auslösen, die noch mal mehr Schaden verursachen. Hier mal ein Beispiel: Tsubasas Sessionskill hat als Auslöser Elektroangriffe festgelegt. Wenn Itsuki jetzt also einen Elektroangriff ausführt, und der anvisierte Gegner schwach gegen diesen Angriff ist, dann wird Tsubasas Sessionskill aktiviert und sie greift nach Itsuki direkt mit an. So lassen sich lange Sessionketten bilden, wenn man die Angriffe richtig plant. Neue Skills sind von den Waffen abhängig. Wenn ihr alles gelernt habt, was ihr mit derjenigen Waffe lernen könnt, dann könnt ihr euch bei Tiki mit von Gegnern gesammelter Performa-Energie neue Waffen schmieden lassen, die euch neue Skills geben. Des Weiteren könnt ihr bei Tiki ebenfalls mit Performa-Energie neue Synergien mit euren Mirages freischalten, welche neue Fähigkeiten verfügbar machen. Ihr seht also, es gibt eine Menge Details zu beachten in Tokyo Mirage Sessions #FE, und so sollte es bei einem JRPG ja auch sein.

Tokyo Mirage Sessions FE 3

Die Sammelstelle aller freundlich gesinnten Mirages

 

Bunt, bunter, Tokyo Mirage Sessions #FE

Wenn ihr nicht auf grelle Farben steht…naja, dann mögt ihr einen Anime-Stil ja wahrscheinlich sowieso nichts, insofern wird auch Tokyo Mirage Sessions #FE nichts für euch sein. Tokyo und seine Bewohner sind einfach nur bunt, und das sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Die meisten NPCs, mit denen ihr nicht interagieren könnt, sind nämlich nur bunte Silhouetten. Dies gibt der Welt einen interessanten Look. Ansonsten ist Tokyo Mirage Sessions #FE ein spielbarer Anime. Manche Zwischensequenzen sind sogar separate Animesequenzen, und sie sind super animiert. Hinzu kommen viele, kleine Details, die einfach nett auffallen. So liegen die Charaktere der Story im Pausenmenü gemeinsam auf einer Wiese. Jedes Mal, wenn sich ein neuer Charakter zu der Gruppe gesellt, gesellt er sich auch auf diese Wiese. Optisch weiß das Spiel also vollstens zu überzeugen, man muss allerdings wirklich ein großer Japan-Fan sein. Dies gilt auch für die Musik. Da das Spiel sich zu einem großen Teil um das japanische Musikgeschäft dreht, werdet ihr auch viel japanische Musik hören. Zudem sind natürlich auch die Synchronstimmen die originalen japanischen Stimmen mit Untertiteln. Allerdings gibt es in den Kämpfen keine Untertitel, da geht das von den Charakteren gesagte leider unter.

Tokyo Mirage Sessions FE 2

Diese Session endet in einem Overkill

 

Fazit:

Die Wii U hat ein tolles, stundenlanges JRPG spendiert bekommen. Japanofans erhalten mit Tokyo Mirage Sessions #FE ein großartiges rundenbasiertes Rollenspiel, welches das japanische Popidol-Musikgeschäft kreativ mit magischen Wesen vermischt und daraus einen bunten Mix erstellt. Bis auf einige storytechnische Schwächen und eventuell etwas zu viel Japan für „Normalos“ gibt es an Tokyo Mirage Sessions #FE kaum etwas auszusetzen.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!