Titan Quest Ragnarök – Test zur Hack and Slay-Überraschung

Im Jahr 2006, Diablo 3 stand noch am Anfang der Entwicklung, kam ein Rollenspiel auf den Markt, welches als der inoffizielle Nachfolger zu Diablo 2 gefeiert wurde. Die Rede ist von Titan Quest. Was es mit dem etwas spät erschienenen Add On auf sich hat und ob sich die Anschaffung lohnt, lest ihr hier.

 

Diablo macht Ferien in der Antike

Getreu seinem inoffiziellen Vorgänger, Diablo 2, ist Titan Quest ein klassisches Hack and Slay-Rollenspiel, angesiedelt in der griechischen Mythologie. Anfangs noch ein Geheimtipp, welcher sich aber schnell als ein würdiger Nachfolger zur Diablo-Reihe etablierte. Es war sogar erfolgreich genug, um im darauffolgenden Jahr, also 2007, ein Add On spendiert zu bekommen. In Titan Quest: Immortal Throne ging es dann hinab in den Hades und wieder zurück. Danach wurde es still um Titan Quest. Die Community schrumpfte und nur die Hardcore Fans befassten sich weiterhin mit der Reise ins alte Griechenland. Nachdem THQ geschlossen werden musste und Diablo 3 veröffentlicht wurde, schien es das Aus für das Titan Quest-Franchise zu sein. Doch heute im Jahr 2017, also genau 10 Jahre nach Immortal Throne, veröffentlichte THQ Nordic Titan Quest: Ragnarök am 17. November 2017 auf Steam. Mit dieser Überraschung hatte niemand mehr gerechnet. Es bringt auch einige Änderungen mit. Die maximale Charakterstufe wurde auf 85 angehoben, neue Ausrüstungen und Waffen, inspiriert durch die keltische und die nordische Mythologie und ein fünfter Akt, welcher der größte sein soll sind in dem Add On enthalten. Auch wurde mit Ragnarök eine neue Meisterschaft eingeführt: der Runenmeister.

Auch in der neuen Erweiterung starten wir erstmal im alten Griechenland.

 

Ein kleiner Rückblick (ACHTUNG! Spoiler!)

Wer die Geschichte von Titan Quest noch nicht kennt und diese noch selbst erleben möchte, der möge diesen Absatz überspringen! Im Grundspiel Titan Quest hatten wir die Aufgabe die Telkinen, Diener der Titanen, welche die Welt unterjochen wollten, zu stoppen. Wir kämpften uns in drei Akten durch das Antike Griechenland, über die Pyramiden in Ägypten, durch Asien bis hin zum Olymp. Dabei waren die einzelnen Akte sehr liebevoll und detailreich gestaltet. Die Waffen und Rüstungen waren ebenfalls an die griechische Mythologie angepasst. Gegen Ende jedes Aktes trafen wir auf einen der benannten Telkinen. Das waren unheilvolle Magier, die es zu besiegen galt. Megalesios war der erste der Telkinen. Danach folgten noch Aktaios und Ormenos. Als die Telkinen besiegt waren, stellten wir uns auf dem Olymp dem größten und gefährlichsten Gegner in Titan Quest entgegen. Die Rede ist natürlich von Typhoon, dem Fluch der Götter. Nachdem dieser besiegt wurde, öffnete sich ein Portal und ihr hattet Zutritt zur Unterwelt. Ab dem Punkt begann Akt 4 und somit das erste Add On Immortal Throne. Damit wurde auch eine neue Meisterschaft verfügbar: Die Traumbeherrschung. Auch das Maximallevel wurde um 10 Stufen erweitert von 65 auf 75. Im Hades begegneten einem allerhand grausige Gesellen. Neben Geistern, Untoten und Charon, dem Fährmann, bekamen wir auch einen alten Bekannten vors Schwert. Typhoon, der Fluch der Götter wurde als Untoter wiedererweckt und bewacht den Zugang zu Hades Schloss. Wurde auch diese Herausforderung bewältigt, stand der letzte Kampf bevor. Der letzte Gegner war kein geringerer als der Höllenfürst Hades selbst.

Das Inventar ist wie gewohnt übersichtlich.

 

Das Abenteuer geht weiter

Titan Quest: Ragnarök knüpft auch wieder direkt an die fortlaufende Story an. Anfangs haben wir drei Möglichkeiten. Entweder mit einem bestehenden Charakter (falls dieser nach zehn Jahren immer noch besteht) weiter zu machen, oder mit einem neuen Charakter von ganz vorne, oder direkt mit dem fünften Akt zu beginnen. Wobei wir bei letzterem schon mit Stufe 40, 84 Attributs- und 124 Fähigkeitenpunkten starten. Auch können wir uns von Anfang an zwei Meisterschaften aussuchen und so schon mal unsere eigene Klasse definieren. Darüber hinaus befinden sich noch 2,5 Millionen Goldmünzen in unserem Besitz. Wir starten in Korinth und erwachen dort im Tempel von Asklepios. Ein Priester des Tempels ist überrascht uns zu sehen. Offensichtlich sind wir gerade direkt aus der Unterwelt dorthin teleportiert worden, nachdem wir Hades den Garaus gemacht haben. In der ganzen Stadt sind die Leute glücklich darüber, dass die Monsterarmee besiegt worden ist und endlich wieder Ruhe einkehrt. Doch in der Stadt gehen Gerüchte um, dass der Hafen von einem riesigen Seeungeheuer und anderen Monstern belagert wird. Also werden wir losgeschickt, uns das mal genauer anzusehen. In der Stadt von Korinth treffen wir auf Ylva, die Prinzessin der Nordlande. Ylva ist auf der Suche nach einem tapferen Recken und hat schon von unseren Taten gehört. Sie ersucht uns um Hilfe, da ihre Heimat ebenfalls von Monstern heimgesucht wird. Doch bevor es losgeht, kümmern wir uns noch um den Hafen.

Mit dem neuen Runenmeister wurde eine sinnvolle und passende Meisterschaft hinzugefügt.

 

Wie war das noch gleich?

Was bei Titan Quest: Ragnarök am Anfang schon positiv auffällt, ist die Tatsache, dass man erstmal wieder in der Antike beginnt, um das Spielgefühl vom ursprünglichen Titan Quest neu zu entfachen. Wir haben die ein oder andere kleinere Nebenquest und eine Hauptquestreihe, welche uns auch zum ersten Bosskampf führt. Diese Einführung dauert etwa 30-45 Minuten und ist noch recht abwechslungsreich. Danach können wir auch schon übersetzen und finden uns inmitten von Germanien wieder. Dort geht unsere Reise durch die Schwäbische Alb, über den Teutoburger Wald immer weiter in Richtung Norden. Die Entwickler von Titan Quest: Ragnarök sind immer noch recht humorvoll. So passiert es, als wir die Schwäbische Alb betreten, dass wir erstmal von einer auffällig großen Horde feindseliger Trolle in Empfang genommen wurden. Es könnte aber auch sein, dass das purer Zufall ist. Bei der Gestaltung des fünften Aktes haben die Entwickler fast alles richtig gemacht. Die Umgebung besticht durch üppiges Grün, dichte Sträucher und Wälder. Die Flora und Fauna passt sich auch immer entsprechend dem Fortschreiten gen Norden an. Auch die Monster ändern sich immer fortwährend. Je nach Region schlägt auch das Wetter um. Nebel, Regen und sogar Schnee kommen vor. Jedoch sind die Wege zwischen den Checkpoints, im Spiel als Brunnen der Wiedergeburt bezeichnet, teilweise sehr weit auseinander. Das wirkt sich leider etwas negativ auf den Spielspaß aus.

Ob mit Absicht oder nicht. Es lässt einen schon etwas schmunzeln, wenn man die Schwäbische Alb betritt und direkt von einer Horde Trolle in die Mangel genommen wird.

 

Leider ist nicht alles gut!

Das Gameplay an sich ist gelungen. Jedoch wären einige Komfortfunktionen eine große Hilfe gewesen. So ist es zum Beispiel recht mühsam, Gold und Tränke immer manuell aufheben zu müssen. Legendäre oder Setgegenstände sind zwar anders gefärbt als normale oder magische, jedoch fallen sie nicht sonderlich auf, da man erst eine Taste drücken muss, um die Gegenstände auf dem Boden angezeigt zu bekommen. Da kann es schonmal vorkommen, dass der ein oder andere Legendäre Gegenstand übersehen wird. Durch die FullHD-Auflösung, die Titan Quest mit Ragnarök spendiert bekommen hat, ist der sichtbare Bereich zwar größer, jedoch dadurch auch die Figuren und Gegner kleiner. Dadurch verliert man in hektischen Kampfsituationen gerne mal den Mauszeiger. Was jetzt weniger schlimm ist, aber dennoch gelegentlich auffällt ist die Physikengine. Diese macht zwar grundsätzlich einen ziemlich guten Job, aber zeigt teilweise, trotz der Überarbeitung, sehr skurrile Bilder. Auch wenn das Nostalgiker vielleicht anders sehen, aber ein paar neue Texturen und Effektüberarbeitung hätten dem Spiel schon gut getan. Die Synchronisation ist eher durchwachsen und an mancher Stelle wäre ein Umbesetzung sinnvoll gewesen, da die Stimmen einfach nicht zum Gesamtbild passen. Einige Sprecher klingen wenig überzeugend. Doch das ist noch vertretbar. Was auch noch negativ aufstößt ist die Tatsache, dass Ragnarök nur mit der Anniversary Edition funktioniert. Wer noch die alte Versionen von Titan Quest und Immortal Throne hat, schaut leider in die Röhre.

 

Positiv:

Cooles neues Setting
Weitergeführte Story
Schön gestaltete und glaubwürdige Gegend
Musikalische Untermalung passt sehr gut
Schöner und leichter Einstieg für Neulinge wie auch Veteranen

Negativ:

Fehlende Komfortfunktionen erschweren den Spielfluss
Trotz Nostalgiebonus Grafik leider etwas altbacken
Es kann passieren, dass man Set- oder legendäre Gegenstände übersieht
Titan Quest: Ragnarök ist leider nur mit der Anniversary Edition von Titan Quest kompatibel, Besitzer der Ur-Version schauen in die Röhre
  • Titan Quest Ragnarök – Test zur Hack and Slay-Überraschung
    “Titan Quest hat im Jahre 2006 schon überraschen können. Der inoffizielle Nachfolger zu Diablo 2 hatte zu damaliger Zeit durch die Grafik und das Gameplay überzeugen können. Es ist zwar mehr als lobenswert, dass so ein Titel nach zehn Jahren ein weiteres Add On spendiert bekommt, jedoch hätten die Entwickler ruhig ein wenig mit der Zeit gehen können und neben besserer Grafik noch ein paar Komfortfunktionen implementieren können. Doch alles in allem ist Titan Quest: Ragnarök eine der Überraschungen des Jahres 2017 und definitiv einen Blick wert. Nicht nur für Veteranen.”
    Tobias Panten, Redakteur

Ab in die Sammlung?

Sowohl alt eingesessene Fans von früher, als auch Neulinge können bedenkenlos zugreifen. Trotz einiger Mängel ist Titan Quest: Ragnarök ein kleines Meisterwerk. Man merkt richtig, wie viel Spaß und Ehrfurcht die Entwickler dabei hatten.

Tobias Panten
Geschrieben von
ist gespannt, was der Herbst noch so alles bringt.

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