The Town of Light – Verstörende Nervenanstalt im Test

Unter den vielen Spielen, die die Publisher so zu bieten haben, beruhen die wenigsten auf wahren Begebenheiten. Eine dieser wenigen Ausnahme ist das aus dem Hause LKA stammende The Town of Light, in dem ihr den Horror einer Nervenanstalt zu Beginn des 20. Jahrhunderts nacherleben dürft. Dabei erwarten euch weniger übernatürliche und Furcht einflößende Wesen, vielmehr arbeitet das Spiel mit einer packenden Atmosphäre und erschreckenden Fakten. Ob der Psychoterror etwas für jedermann ist, erfahrt ihr in folgendem Test.

 

Willkommen in der Anstalt

The Town of Light basiert auf einer Doku über Geisteskranke, die in einer Nervenheilanstalt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Italien ihrem Schicksal überlassen wurden. Dabei steuern wir die junge Frau Renée aus der First Person Ansicht durch die abgewrackte Anstalt, um mehr über ihr früheres Leben und das mysteriöse Gebäude zu erfahren. Doch hierbei haben wir es nicht mit einem klassischen Walking Simulator zu tun, bei dem die Umgebung alleine die Geschichte erzählt. Vielmehr erwarten uns ab und an einige kleinere Rätsel, die allerdings wenig fordernd sind. Kein Strom vorhanden? Da könnte ein Stromkasten Abhilfe verschaffen! Dabei dürft ihr erst das nächste Areal betreten, wenn ihr das Rätsel gelöst habt. Somit werdet ihr vielmehr durch die Anstalt geleitet, als dass ihr diese erkunden dürft. Selbst wenn ihr nicht direkt auf des Rätsels Lösung kommt, könnt ihr durch einen einzigen Tastendruck einen entscheidenden Hinweis zur Lösung erhalten. Doch die Rätsel sind nicht der Hauptaspekt des Spieles. Vielmehr sollt ihr die Anstalt erkunden und dabei allerlei Notizen und Gegenstände finden, die euch Hinweise auf das damalige Leben geben. Dabei ist eine Notiz verstörender als die andere: Hin und wieder seht ihr Zeichnungen für Chirurgen, wie der Kopf und andere Körperstellen seziert werden können, sozusagen „Anleitungen zur Verstümmelung“. Auch die gynäkologische Abteilung besitzt solche Zeichnungen, die in einem einen solchen Ekel auslösen, aber gleichzeitig faszinieren.

Die Anstalt wirkt alleine durch ihre Atmosphäre

 

Schock ohne Schocker

Doch nicht nur die Atmosphäre innerhalb der Anstalt ist schaurig, auch viele technischen Sachen schocken unsere Redaktion: Die Musik trägt wenig zur Atmosphäre bei, da sie oft viel zu abrupt einsetzt und die meist eingesetzte Klaviermusik eher stört. Auch die Grafik ist nicht unbedingt einer Top Engine zu verschulden, trotzdem versprüht die Anstalt ihr gewolltes Flair. Zudem ist die Steuerung sehr schwerfällig, so blieb ich oft irgendwo an Hindernissen hängen oder bewegte mich viel zu langsam durch Räume, in denen es nichts zu sehen gab. Dazu gesellen sich teilweise unterirdische Bildraten und Ruckler. Die viel zu kleine Textschrift, die auf gefundenen Notizen zu sehen war, trug ihr Übriges dazu bei. Doch trotz all dieser Mängel ist The Town of Light ein atmosphärischer Horrortitel, da keine billigen Jump Scares oder andere Effekte benutzt werden, um den Spieler zu erschrecken. Ausschnitte aus der Vergangenheit in Schwarz/Weiß, eine verrückte Protagonistin, die mit sich selber redet und eine stimmige Lichtkulisse machen The Town of Light zu einem spielbaren Titel. Die Schockeffekte, die den Spieler einschüchtern, sind beispielsweise sich von selbst schließende Türen oder gruselige Soundeffekte.

Die Notizen, die sich finden lassen, sind teilweise verstörend

 

Ein auswegloses Leben

Die Story der Hauptperson Renée fesselt nicht das gesamte Spiel über, da sich vieles wiederholt. Gegen Kapitel 14 trat bei mir das Bedürfnis auf, das Spiel enden lassen zu wollen. Renée war 16 Jahre alt bei ihrer Einlieferung in die Anstalt und hat seitdem viele grausame Sachen erlebt, die wirklich nur für hartgesottene Spieler sind. Tod, Vergewaltigung und Wahnvorstellungen sind nur einige der Themen, die den Spieler in den Bann ziehen. Aus den Notizen liest man zudem viele Kleinigkeiten, die einen auch noch nach Spielende beschäftigen. Wie gingen die Ärzte in der Anstalt mit den Patienten um? Was geschah mit dem Hab und Gut der Patienten? Vieles wird dabei aus Büchern oder Briefen von der Protagonistin vorgelesen. Als Synchronsprecherin diente dabei Youtube-Sternchen Pandorya, die allerdings mit ihrer monotonen Sprechart eher langweilte, als in den Bann zu ziehen. Dafür wirken die italienischen Dokumente sehr authentisch. Das Spiel wirkte auf Dauer sehr monoton, da die Anstalt zwar „frei erkundbar“ ist, allerdings sind viele Türen verschlossen und manche Ebenen unpassierbar. Erst nach und nach dürft ihr weitere Gänge und Räume erkunden, die euch zu Beginn des Spieles verwahrt blieben. Doch nach etwa drei Stunden endet das Spiel, das auf unterschiedliche Weisen erlebt werden kann. Zwischendurch stellt sich Renée Fragen, auf die ihr mit drei unterschiedlichen Antworten kontern könnt. Je nachdem, welche Antworten ihr wählt, können einige Kapitel auf unterschiedliche Arten erlebt werden.

 

Positiv:

Interessante Geschichte auf wahren Begebenheiten
Packende Atmosphäre innerhalb der Anstalt (auch ohne billige Jump Scares)
Viel zu Entdecken an Notizen und Bildern im Gebäude

Negativ:

Technisch leider nicht so hochkarätig
Einschläfernde Synchronisation
Keine freie Erkundung der Anstalt durch verschlossene Türen möglich
Eintöniges Gameplay
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58908″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Jasmin Paskuda, Redakteurin”]

“The Town of Light möchte nicht mit gruseligen Schockern überzeugen, sondern mit der knallharten Realität einer Nervenheilanstalt aus vergangenen Tagen. Die grausamen Methoden sind dabei oft verstörend und nicht für jedermanns Psyche geeignet. Die gesamte Anstalt zieht den Spieler dabei komplett in seinen Bann, allerdings ist das Spiel voll von technischen Mängeln und einer so einschläfernden Synchro, dass ein gelegentliches Bild eines aufgeschnittenen Körperteils Abhilfe verschaffen kann. Auch der Wiederspielwert wird durch die unterschiedlichen Kapitel einigermaßen gesteigert. Falls ihr euch wirklich für die damalige Situation in Nervenheilanstalten, die Schicksale der Patienten und die grausamen Methoden interessiert, dürfte das Spiel definitiv nicht in eurem Spieleregal fehlen. Allerdings sind Fans von technisch hochvisierten Games hier eher fehl am Platz.”

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Besuch in der Anstalt?

Fans von Horrorschockern sind hier fehl am Platz, doch Liebhaber von gut erzählten Geschichten, die auch einiges abkönnen, sind hier an der richtigen Adresse.

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Geschrieben von Jasmin Beverungen
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!

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