The Order: 1886 – Review zu Werwölfen im viktorianischen London

Was genau ist The Order: 1886 überhaupt? Mehr als eine große Ankündigung auf der E3 2013 gab es bis zum Release eigentlich nicht zu sehen. Außer dem viktorianischen Look und dem neuen Namen stand eine ganze Zeit lang nicht fest, was uns am Ende erwarten wird. Nun ist das Spiel auf dem Markt und wir wissen endlich, um was für einen Titel es sich wirklich handelt. Ein filmreifer Cover-Shooter mit einer linearen Geschichte, allerdings ohne großen Wiederspielwert. Warum das so ist, verraten wir euch in unserem Test.

 

Die filmreife Erzählung

Wir schreiben das Jahr 1886, wo Jack the Ripper gerade sein Unwesen treibt. Im viktorianischen London befindet sich ein alter Ritterorden (gegründet von König Artus), welcher im Auftrag der Königin Werwölfe bekämpft. Die Idylle wird durch eine aufkommende Rebellion geschwächt und Anschläge werden auf die Aristokratie verübt. Es wird also Zeit für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Wir stecken in der Rolle des Ritters Grayson, der auch Sir Galahad genannt wird. Er hat sein Leben der Sicherheit von London gewidmet und trägt stets einen Schnauzbart. Zudem hat er, genau wie seine Kollegen, den Namen eines Gralsritters von König Artus angenommen. Nach alter Tradition kämpfen immer neue Ritter für das Gute und gegen die bösen Wesen der Nacht. Ab und an verpflichtet man sich auch gleich für ein ganzes Jahrhundert, denn dank eines geheimnisvollen Schwarzwassers verlängert der Ritter so seine natürliche Lebenszeit. Gemeinsam mit seinen Kollegen Lafayette und Isabeau (oder auch Lady Igraine genannt) kämpft sich Galahad nun also im Ortsteil Whitechapel durch Werwölfe und die rebellischen Menschen. Dabei benutzen wir allerlei verschiedenste Waffen und nutzen zudem eine Ghostbuster-artige Stromwaffe. Im Verlaufe der Geschichte müssen wir zudem feststellen, dass alles nicht so ganz normal scheint, wie man zuerst vermutet. Dem großen Komplott ist das Trio bereits heiß auf den Fersen, denn die Verschwörung könnte das Ende der Welt bedeuten.

Bereits die erste Szene bietet uns einen Einblick in die exzellente Grafik.

Bereits die erste Szene bietet uns einen Einblick in die exzellente Grafik.

 

Klasse Einspruch in eine wundervolle Welt

Ready at Dawn setzt bei The Order: 1886 auf einen neuen, filmischen Look, der mehr zum Hinschauen gedacht ist, als zum aktiven Zocken. Im Laufe des Spieles wird man generell mehr Zeit mit den Zwischensequenzen verbringen, als eigentlich zu spielen. Das macht aber alles gar nichts, denn die Zwischensequenzen gehen nahtlos ineinander über, sodass es keine bis kaum Ladezeiten gibt. Zwischendrin weiß man gar nicht, ob man nun selber steuern soll oder nicht. Wer die sehr gut inszenierten Videos allerdings dann doch überspringen möchte, den müssen wir bereits enttäuschen. Auch nach dem erfolgreichen Beenden des rund sechs bis acht Stunden langen Abenteuers kann man beim zweiten Durchlauf die Sequenzen nicht wegdrücken. Für einen Wiederspielwert sorgt dies aber nicht, denn auch einen Multiplayer oder Koop-Modus suchen wir leider vergebens. Doch zurück zum eigentlichen Geschehen. Das Spiel beginnt mit einem recht überraschenden Prolog, der unter anderem den Bartträger Galahad in einer Folterkammer zeigt. Mit dabei sind seine eigenen Truppen, die ihn fast ertrinken lassen. Nur mit Müh und Not kann er aus dem Keller fliehen. Kurz darauf springt das Spiel ein paar Wochen zurück in die Vergangenheit und wir dürfen das Abenteuer selbst erleben. Der nächste Abschnitt beginnt auf den Dächern der Stadt, wo nicht nur Galahad die Aussicht bestaunt, sondern wir ebenfalls. Denn die Sequenz über das viktorianische London zeigt, was die PlayStation 4 eigentlich so drauf hat, wenn man sie nur lässt. Wolken am Himmel, eine Gebäudevielfalt, die beeindruckend ist und Qualm, der durch die Straßen zieht. Dabei darf man natürlich nicht die vielen Menschen, Kutschen und anderen Objekte vergessen, die sich ebenfalls auf dem Boden befinden. Das Flair der industriellen Zeit wird zusätzlich durch klasse Lichteffekte und etwas mildere graue Farben dargestellt, sodass The Order: 1886 das bislang schönste und detaillierteste Spiel wurde, das überhaupt jemals erschienen ist.

Überall wimmelt es nur so mit Details.

Überall wimmelt es nur so mit Details.

 

Den Schlauch braucht doch sonst nur die Feuerwehr?!

So schön die grafische Leistung von The Order: 1886 auch ist, spielerisch lässt der Titel leider nicht unbedingt etwas Neues aufleben. Sobald das Spiel uns ans Spielen lässt, bewegen wir uns durch enge Level, die allesamt sehr schlauchartig daherkommen. Ein unerfahrener Spieler wird sich also genauso zurechtfinden und das von den Entwicklern gewünschte Ziel schnell erreichen. Dafür sorgen die zudem stets einfach designten Level, die uns dadurch aber auch keine Freiheiten oder Entscheidungen treffen lassen. Ab und zu gibt es auch einige Quicktime-Events und Minispiele, die wir erfolgreich bestreiten müssen. Sonderlich schwer sind diese aber nie. Die Level bieten uns an fast jeder Ecke eine Deckungsmöglichkeit, sodass wir uns vor den anrückenden Gegnerhorden verstecken und schützen können. Dies ist auch manchmal bitter nötig, denn die Gegner können alle gut zielen und so treffen dann doch die meisten Schüsse ins Schwarze. Besonders kritisch wird es immer dann, wenn auf einmal zu viele Gegner auf uns zulaufen. So mancher Level musste deshalb von uns auch mehrmals probiert werden. Unser Ziel lautet immer: Alles was sich bewegt muss getötet werden, sonst liegt man bald selbst unterm Grabstein. Das Zielen und Schießen macht dabei eine Menge Spaß, da die Steuerung perfekt funktioniert. So verlaufen die wilden Schießereien flüssiger, als bei so mach einem anderen Titel aus dem Genre. Bei den Waffen gibt es ein Standard-Aufgebot, welches, unter anderem, Schrotflinten, Revolver und MGs bereithält, und noch ein paar speziellere Flinten.

Außergewöhnliche Waffen bieten die Möglichkeit per One-Hit zu töten.

Außergewöhnliche Waffen bieten die Möglichkeit per One-Hit zu töten.

 

Schwarzsicht macht uns zum Hulk

Mit dem Thermitwerfer können wir eine brennbare Staubwolke auf eine Gegnerhorde schießen, die wir dann mithilfe eines Zündfunkens entzünden können. Die in der Wolke befindlichen Personen haben dann nicht mehr lange zu leben. Die Elektro-Waffe ist ebenfalls ein One-Hit-Killer, zumindest bei den normalen Bodeneinheiten. Durch die Elektro-Schüsse zerplatzen sogar die Köpfe unserer Gegner. Einziger Nachteil, die Waffe braucht leider immer etwas zum Aufladen, nachdem wir sie benutzt haben. Ist sie dann aber erst mal wieder gefüllt, macht es eine Menge Spaß diese auch zu nutzen. Wie bereits erwähnt, kann es durchaus mal zu mehreren Gegnern auf einmal kommen. Damit aber nicht jede Gegnerhorde komplett zum Desaster wird, können wir mithilfe unserer Schwarzsicht alle Gegner schnell und eiskalt ausschalten. Auf Tastendruck verlangsamen wir die Zeit und können dann alle Schüsse gezielt auf den Gegner richten. Nach der Nutzung füllt sich dieses Feature wieder langsam auf, sodass wir es auch mehrmals nutzen können. Diese Funktion ist allerdings nicht neu, sondern vom Vater der Zeitlupe Max Payne inspiriert. Neben der Schwarzsicht gibt es auch noch unser magisches Schwarzwasser, was uns dabei hilft, auch nach einem eigentlich tödlichen Schuss, wieder aufzustehen und am Leben zu bleiben. Woher wir dieses bekommen, erfahrt ihr im Verlaufe der Geschichte, weshalb wir hier nicht zuviel verraten wollen.

Auch während der Kämpfe gibt es keine Framerateeinbrüche oder Ruckler.

Auch während der Kämpfe gibt es keine Framerateeinbrüche oder Ruckler.

 

Technisch ein Meisterwerk

The Order: 1886 setzt auf eine Grafikengine, die mehr an einen Film erinnert. Doch genau das macht es möglich, die winzigen und vielen Details in die Spielwelt zu bringen, die wir dann auf dem Bildschirm sehen dürfen. An jeder Ecke gibt es etwas zu sehen und zu entdecken. Zwar bietet das Spiel keine Open-World, dennoch lässt uns so mancher Blick auf die Level die Kinnlade hinunterfallen. Auch die Mischung zwischen Film und Spiel ist einfach so genial und übergreifend, dass man manchmal einfach nicht weiß, ob man spielt oder zuschaut. Zudem werden die Charaktere, dank ihrer echt wirkenden Gesichtszüge, perfekt ins Spielgeschehen eingefügt. Fast fotorealistisch wirken sie bei ihren Bewegungen und Mimiken. Generell wurde das Spiel mit unheimlich viel Liebe erschaffen. Sind es Töpfe in einer Küche, Offiziers-Marken an den Klamotten oder aber die Blitze unserer Elektro-Waffe. Das gesamte Spiel sieht einfach umwerfend aus. Die Cinema-Streifen am oberen und unteren Bildschirmrand übersieht man nach einiger Zeit, sodass wir dazu ebenfalls nichts kritisieren – warum auch, denn bei einem Film hat man ja dasselbe Bild. Auch die Vertonung ist kann sich wirklich hören lassen. Sowohl der O-Ton als auch die deutsche Synchronisation ist sehr gut gelungen. Perfektes Zusammenspiel für Sonys PlayStation 4.

 

Fazit:

 

Wer hätte das nur gedacht. The Order: 1886 schmeißt den ganzen Markt durcheinander und zaubert mal eben die wohl schönste Grafik aller bisherigen Spiele herbei. Spielerisch zeigt es uns aber eher die kalte Schulter. Keine großartigen Neuerungen werden geboten und richtige Höhepunkte bietet die sonst recht gut inszenierte Geschichte auch nicht. Ein Pflichtkauf für jeden PlayStation 4 Besitzer ist es trotzdem, auch wenn man lieber keine 70€ ausgeben sollte. Spätestens zum Sommerloch sollte man es für günstiges Geld bekommen.

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Geschrieben von Tobias Liesenhoff
Chefredakteur für Games, Movies, Hardware seit Juni 2013.

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