The Long Journey Home – Test zu Daedalics Weltraumabenteuer

Daedalic Entertainment, dieser Name ist sofort jedem Adventurefreund ein Begriff, denn die deutsche Spieleschmiede steht für Point and Click Titel wie kaum ein anderer Entwickler in Deutschland. Edna bricht aus, The Whispered World, die Deponia-Reihe, die Bibliothek von Daedalics Adventures ist riesig. Mit ihrem neuesten Spiel The Long Journey Home haben sie allerdings mal etwas anderes gewagt, ein Weltraum-Survival-Erkundungsspiel. Aber natürlich steckt auch hier ein wenig Adventure drin. Ob Daedalics Ausflug in den Weltraum ein Problem für Houston ist, werden wir in diesem Test klären.

 

„Houston, wir haben ein Problem“ ist eine Untertreibung

In The Long Journey Home stellt ihr eine Crew aus vier Personen für eine Weltraummission zusammen, um den Sprung nach Alpha Centauri zu schaffen. Ihr wählt dabei aus verschiedenen Kandidaten, viele davon typische Astronauten wie ehemalige Piloten, Ingenieure etc. Doch auch für die Raumfahrt ungewöhnliche Berufsgruppen sind mit von der Partie. Wenn ihr wollt, dann könnt ihr auch einen Botaniker und sogar eine Zivilistin mit auf eure Reise nehmen. Jeder der Charaktere besitzt einen persönlichen Gegenstand, der euch auf eurer Reise helfen kann. Entweder könnt ihr ein Reparaturkit an der Hand haben, mit dem ihr euer Schiff reparieren könnt. Ein anderer Charakter hat spezielle Medizin für eines eurer Crewmitglieder dabei. Andere Charaktere haben persönliche Objekte, die anfangs nicht so wertvoll erscheinen, im späteren Verlauf der Mission jedoch zum Beispiel für ein Tauschgeschäft mit Aliens genutzt werden kann. Nachdem ihr euch für vier Raumfahrer, ein Hauptschiff und ein Landeschiff entschieden hat, kann eure Mission beginnen.

Ihr werdet viele Umlaufbahnen anfliegen, um Planeten auszukundschaften

 

Am Arsch des Universums

Das Tutorial, welches leider nicht wirklich jeden Aspekt des Spiels erklärt, sendet euch erst einmal zum Mars, wo ihr die Grundlagen lernen sollt. Jedoch gibt es nicht wirklich viel Hilfestellung Ingame, stattdessen verlinkt euch das Spiel zu Tutorial-Videos auf Youtube. Habt ihr euch die Grundlagen selbst erarbeitet, beginnt das eigentliche Spiel. Ihr versucht einen Raumsprung nach Alpha Centauri, doch es geht etwas schief und ihr landet mehrere Galaxien von der Erde entfernt in einem anderen Sonnensystem. Jede Galaxie besteht natürlich aus mehreren Sonnensystemen, die bei jedem Spielstart zufällig generiert werden. Euer Ziel: Den Weg über die diversen Galaxien bis zur Erde zurückfinden, und wenn möglich die gesamte Crew heil zurückbringen. Obwohl die Galaxien zufällig generiert werden und sich jeder Playthrough dadurch anders spielt, könnt ihr eure Ausgangssituation immer wieder gleich gestalten. Zum Start einer Mission könnt ihr nämlich einen Seed eingeben. Wenn ihr diesen gleichen Seed beim nächsten Neustart eingebt, werden die gleichen Galaxien und Ereignisse generiert. So könnt ihr euer Universum mit euren Freunden teilen, sodass ihr euren Fortschritt vergleichen und euch gegenseitig Tipps über Planeten und Quests geben kann. Und so ist euer Ziel in Sicht, stirbt eure Crew oder wird euer Schiff zerstört, heißt es Game Over.

Wo sind wir hier nur gelandet?

 

Abbauen, Handeln, Erkunden

Bei The Long Journey Home ist der Name Programm, eure Reise zurück zur Erde ist lang und beschwerlich. Ihr steuert euer Raumschiff durch das jeweilige Sonnensystem, fliegt die Umlaufbahn der Planeten an und analysiert die zu erbeutenden Rohstoffe. Dabei wird eure Flugbahn jederzeit durch eine Linie angezeigt, die Stärke der Gravitation beeinflusst euren Flug ebenfalls, sie wird durch ein Gitternetz angezeigt. Wenn ihr euch in der Umlaufbahn eines Planeten befindet, könnt ihr dessen Rohstoffe betrachten. Gefällt euch die Ausbeute, sendet ihr euer Landeschiff auf den Planeten. Hier wechselt das Spiel von einer Draufsicht in eine 2D-Perspektive, in welcher ihr das Landeschiff steuert. Ihr könnt Rohstoffe ergattern, seltsame Orte erkunden und dabei Artefakte und viel mehr finden und mit an Bord bringen, oder außerirdische Stämme besuchen. Das Ergattern der Rohstoffe ist am wichtigsten, doch Vorsicht, wenn ihr auf einem bewohnten Planeten die Rohstoffe abbaut, werden euch die Einheimischen feindlich gesinnt sein. Mit ihnen könnt ihr jedoch handeln, Aufgaben für sie erledigen, und so solltet ihr sie euch freundlich gesinnt halten. Unbewohnte Planeten können jedoch ohne Weiteres geerntet werden. Blaue Rohstoffe sind Gase, die euren Tank wieder auffüllen. Graue Rohstoffe sind Metalle, sie werden für die Reparatur eurer Schiffe verwendet. Bei grünen Rohstoffen handelt es sich um exotische Materie, und sie ist vielleicht der wichtigste Rohstoff. Er füllt den Tank für eure Raumsprünge, und nur so könnt ihr die Sonnensysteme und auch die Galaxien wechseln, welches für das Erreichen der Erde natürlich unabdingbar ist.

Hier wird Magnesium abgebaut

 

Jede Aktion will gut überlegt sein

Ab und zu entdeckt ihr sonderbare Gebiete wie Raumstationen und Meteoritenfelder, die ihr genauer erkunden könnt. Vielleicht findet ihr dort Aliens, die euch euer Schiff reparieren, oder zerstörte Meteoriten enthalten seltene Rohstoffe. In The Long Journey Home gibt es viel zu entdecken, und man verliert schnell den Überblick. Denn neben dem ganzen Erkunden von Planeten und Ernten von Rohstoffen müsst ihr eure Crew natürlich bei bester Gesundheit und eure Raumschiffe gänzlich in Takt halten. All diese Aufgaben erfordern eine gute Konzentration und einen guten Überblick. Vor allem, da ihr keine Speicherstände habt. Das Spiel speichert automatisch, und wenn ihr ein neues Spiel startet, wird euer alter Fortschritt gelöscht. So habt ihr für eure Missionen immer nur einen Versuch, beim Scheitern werdet ihr entweder zu eurem letzten Besuch der Galaxiekarte zurückgesetzt, oder ihr startet komplett neu. The Long Journey Home ist ein schweres Spiel, daran gibt es keinen Zweifel.

Der polygonale Professer leidet an einer Gehirnerschütterung, zu erkennen am blauen Symbol

 

Vorhandene Adventure-Atmosphäre

Daedalic wäre nicht Daedalic, wenn es in The Long Journey Home nicht wenigstens einige Adventure-Aspekte geben würde. Die Kommunikation mit Raumstationen, Robotern und Aliens gehört definitiv dazu. Zwar sind die Dialoge nie so abgezweigt wie in gewöhnlichen Adventures, aber ihr könnt schon einige interessante Unterhaltungen führen. Auch die Interaktion der Crew auf eurem Schiff erinnert an Adventures. So sagen sie euch bei jeweiligen Objekten und Aufgaben, was sie darüber denken, und ihr müsst ihre Gesundheit und Stimmung immer im Auge behalten. Die Optik in The Long Journey Home ist mal etwas anderes, doch es ist einer der schönsten Videospielwelträume, die es gab. Die Planeten haben schöne Hintergründe, auch wenn sich viele von ihnen sehr ähneln. Auf dem Raumschiff tritt die Optik ein wenig in den Hintergrund, hier sind die Anzeigen wichtiger. Dennoch wäre es nett gewesen, wenn die Modelle der Astronauten und das Design der Schiffe besser aussehen, würden als sie es tun. Worüber man nicht meckern kann, ist der Sound, hier hat Daedalic einfach ein Händchen für. Sehr von Star Trek und Star Wars inspirierte Musik war bei einem Weltraumspiel zu erwarten, und ihr bekommt es auch. Technisch ist das Spiel so eine Sache für sich. Die Steuerung ist extrem gewöhnungsbedürftig, sowohl das große Raumschiff in dem Sonnensystem, besonders beim Anflug auf die Umlaufbahnen, aber ganz schlimm ist es mit dem Landungsschiff. Dieses lässt sich so wackelig steuern, dass man selbst nach einiger Übung noch nicht ohne Rempler einen Planeten erkunden kann. Doch diese Makel tun dem Weltraumabenteuer bei Weitem keinen Abbruch.

 

Positiv:

Der Weltraum, unendliche Weiten (zum Erkunden)
Fordernder Schwierigkeitsgrad, selbts auf leichten Einstellungen
Kleinere Adventure-Elemente
Perfekte Weltraumatmosphäre
Zufällig Generierte Galaxien, die jedoch per Code teilbar sind

Negativ:

Teils hakelige Steuerung
Kein Speichersystem
Kleinere grafische Schwächen
[testimonial_slider][testimonial image_url=”58910″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Maarten Cherek, Redakteur”]

“The Long Journey Home ist ein wunderbares Weltraum-Adventure, welches euer Abenteuer bei jedem Neustart anders erzählt. Ihr erkundet Planeten, freundet euch mit Aliens an, haltet eure Crew bei Laune und euer Schiff in Takt und macht euch auf eine weite Reise nach Hause auf. Trotz einiger Makel wie einer sehr hakeligen Steuerung, einem fehlenden Speichersystem und teilweise von Daedalic ungewohnt mangelhafter Optik ist The Long Journey Home ein Muss für Weltraumfans.”

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Ab in den Weltraum?

Daedalic-Fans bekommen hier vielleicht nicht, was sie erwarten, doch wenn sie auch Weltraumfans sind, dann dürfte das nicht besonders stören. The Long Journey Home ist etwas für jeden, der mit der Erkundung von Galaxien etwas anfangen kann.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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