The Legend of Zelda: Oracle of Seasons/Ages – Retro-Doppelreview zu den verknüpfbaren Handheldabenteuern

Ein Spiel in zwei verschiedenen Versionen herauszubringen ist heutzutage längst nicht mehr unüblich. Besonders Pokemon hat dieses Prinzip bis heute rigoros durchgezogen. Als aber zwei Zelda Spiele auf diese Art erschienen, war die Spielewelt erst einmal baff. Ob The Legend of Zelda: Oracle of Seasons und Oracle of Ages diesen Spagat meistern oder doch separat voneinander hätten bleiben sollen, erfahrt ihr in dieser Retro-Review.

 

2 Welten, 2 Geschichten

Hyrule ist sicher. Link hat das Königreich mal wieder vor dem Bösen bewahrt und ist nun derzeit arbeitssuchend. Doch neue Abenteuer sind gleich um die Ecke, denn das Triforce höchstselbst schickt den grünbemützten Jungen in zwei verschiedene Welten, um diese vor ihrem bevorstehenden Untergang zu bewahren. Die Welt Holodrum wird vom fiesen General Onox bedroht. Dieser entführt Din, das Orakel der Jahreszeiten und stürzt diese somit ins Chaos. In frühlingshaften Gebieten beginnt es zu schneien, während in den eigentlich schneebedeckten Bergen die sommerliche Sonne auf die Gipfel knallt. In der anderen Welt Labrynna führt eine Entführung zu unschönen Umständen. Hexe Veran hat Besitz von Nayru, dem Orakel der Zeit ergriffen und ist in die Vergangenheit gereist, um ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Sie lässt einen dunklen Turm errichten, um ihre schwarze Magie wirken zu können und die Zeit für immer anzuhalten. Beide Unheile, sowohl in Holodrum, als auch in Labrynna, lassen sich jedoch auf ein und dieselbe Art aufhalten: Link muss acht Essenzen, in acht Tempeln finden und zum sagenumwobenen Makubaum bringen, um die Finsternis zu durchbrechen und Onox und Veran zu besiegen. Doch mit dem Ableben der beiden Finsterlinge ist die Gefahr noch nicht vorüber. Denn wenn die Spiele miteinander verknüpft werden, kommt die wahre zu besiegende Bedrohung zum Vorschein. Die Gerudohexen Twinrova nutzen die Aktionen von Onox und Veran, um die Flammen der Zerstörung und Qual zu entfachen. Gemeinsam mit der Flamme der Verzweiflung, welche mit der Entführung von Prinzessin Zelda entfacht wird, wollen sie Ganon auferstehen lassen. Link, also zu Beginn dieser Review, als arbeitssuchend zu bezeichnen war wohl doch ein wenig voreilig. Für ihn gibt es in den beiden Welten genug zu tun.

Das Triforce ruft

Das Triforce ruft

 

Die schönsten Pixel der Welt

Und diese beiden Welten sehen auf dem Gameboy Color so gut aus, wie sie nur aussehen können. Auch in der heutigen Zeit der Retro-Indietitel kann die Pixelgrafik der Gameboyzeldas mithalten. Die Welten sind liebevoll designed, und welche Jahreszeit bzw. welche Ära gerade vorherrscht ist immer ersichtlich. Im Sommer trocknen Seen aus, im Frühling knospen Blüten, im Herbst liegen rote Blätter auf dem Boden und im Winter ist der Boden schneebedeckt. Die Vergangenheit ist in einem dunkleren Farbton gehüllt, während die Gegenwart kunterbunt daherkommt. Die Grafik macht einen wundervollen Job, die Welt in all ihren Ecken detailverliebt darzustellen, so dass man schnell in diese Welten hineingezogen wird und sofort Lust bekommt, die Geheimnisse und versteckten Höhlen und Gebiete zu erkunden und zu entdecken. Trotz einer sehr minimalen Anzahl an Möglichkeiten, den vielen Bewohnern Holodrums und Labrynnas verschiedene Charakteristiken zu verleihen, ist es dennoch gelungen. Der fleißige Gärtner schaufelt den ganzen Tag Beete, die quirlige Hexe Martha fliegt auf ihrem Besen umher und ihre Ausbilderin Syrup vermischt Zutaten in ihrem Kessel. Die Welten sind also nicht nur schön anzusehen, sie sind auch reich bewohnt. Es ist viel los und es gibt viel zu sehen. Dazu trägt auch die Musik bei. Diese war schon immer ein starkes Schwert der Zeldareihe. Oracle of Seasons und Ages machen hier keine Ausnahmen. Jeder Tempel hat sein eigenes Theme, die Overworldmelodie wird jedem Zeldafan sofort ins Ohr kriechen und auch der restliche Soundtrack tut sein übriges. Mit inbegriffen sind natürlich auch die altbekannten Sounds beim Lösen eines Rätsels oder beim Töten eines Bosses. Generell ist die Musik der Gameboyzeldas ein perfektes Pixelorchester.

Sag AHHH!

Sag AHHH!

 

Von einem Dungeon zum nächsten

Doch damit diese Welten so schön, bewohnt und friedlich bleiben können, muss Link ganze Arbeit leisten. Die Welt rettet sich schließlich nicht von alleine. Wer bereits den Quasi-Vorgänger Links Awakening gespielt hat, der weiß wie der Hase läuft. 8 Dungeons, oft nur mit einem Schlüssel zu öffnen, in ihm zu finden sind Karte, Kompass und ein neuer Gegenstand, mit welchem man den Boss besiegt, um eines von acht Artefakten einzusammeln. An dieser Formel hat sich auch in den Oracle-Titeln nichts geändert. Die Dungeons sind gespickt mit kniffligen Rätseln und fiesen Monstern, und die Bosse sind fies designete Monster, deren Vernichtung allerdings leider, wie in Zeldaspielen üblich, nicht allzu schwer ist. Viel Strategie ist bei den Endgegnern nicht vonnöten. Meist muss man nur überlegen, wie das eben erhaltene Item einsetzbar ist, um die Bosse, manchmal innerhalb von Sekunden, zu schlagen. Leider ist dies eine immer wiederkehrende Schwäche der Zeldaspiele. Doch ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ sind die Dungeons großartig. Hierbei gibt es jedoch Unterschiede, je nachdem welchen Titel man spielt. Oracle of Seasons ist eher actionorientiert, mehr und stärkere Monster und die Rätsel sind hier keine große Hürde. In Oracle of Ages schwingt man hingegen seltener das Schwert. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf den Rätseln, die mitunter schon recht knifflig ausfallen können. Selbst einige Bosse beinhalten ein Rätsel, was schon eine recht erfrischende Abwechslung ist. Ebenfalls recht erfrischend sind die neuen Ideen und die Spielmechanik, die in Seasons und Ages eingeführt wurden. Als erstes fallen natürlich die Editionsspezifischen Gegenstände auf, um die sich die ganze Spielmechanik der jeweiligen Welt dreht. In Seasons findet man den Stab der Jahreszeiten, mit welchem man eben diese nach Belieben ändern kann und so im Winter über gefrorene Seen laufen, sich im Frühling von Blumen in die Luft schießen lassen und im Herbst Abgründe mit Herbstlaub überqueren kann. In Ages kann man mit der Harfe der Zeit, wie sollte es auch anders sein, Zeitreisen. Die Höhle ist eingestürzt? Schnell in die Vergangenheit, wo sie noch intakt war. Man braucht Schwimmflossen? Plündern wir in der Gegenwart doch einfach das Grab des Erfinders. Dazu haben bestimmte Ereignisse natürlich Auswirkungen auf die Gegenwart. Eine weitere, interessante Neuerung sind die tierischen Begleiter, die man im Laufe seiner Abenteuer trifft. Da hätten wir zum einen Ricky, das quirlige Känguru, welches einem in seinem Beutel mitnimmt und mit seinen Boxhandschuhen die Gegner K.O. schlägt. Der geflügelte Bär Benny behilft sich dafür seines Hinterns, mit dem er auf dem Boden aufstampft. Außerdem kann er einen über kleinere Abgründe fliegen. Und dann gibt es noch den Wasserdino Dimitri, der einen sogar Wasserfälle hinauftragen kann. Überhaupt nicht neu ist die Tatsache, dass die Welten mal wieder mit Sammelobjekten gefüllt sind, manche altbekannt, andere komplett neu. Zu den bekannten Objekten zählen unter anderem die Herzteile, die einem die Herzleiste erweitern. Neu hingegen sind Gasha-Kerne, die man in Beete einpflanzen kann, um die Früchte der Bäume zu ernten. Genauso neu sind Ringe, die man schätzen lassen kann und die, wenn sie getragen werden, diverse positive aber auch negative Effekte mit sich bringen. Der größte Clou in den Oracle-Spielen ist jedoch weder die Beeinflussung von Jahres- und anderen -zeiten, noch die zugegebenermaßen witzigen tierischen Begleiter und auch nicht die neuen Fundsachen, sondern die Tatsache, dass man die Spiele miteinander verknüpfen kann. Hat man einen Teil durchgespielt, erhält man ein Passwort, welches man zu Beginn des anderen Spiels eingeben kann. So eröffnen sich neue Möglichkeiten und viele weitere Passwörter, mit denen man neue Items freischalten kann. Außerdem kann man nur das komplett richtige Ende der Spiele erfahren, wenn man sie miteinander verbindet. Ihr wisst schon, mit Ganon und so.

Boing, Boing, Boing

Boing, Boing, Boing

Fazit:

Zelda zum mitnehmen  und das gleich in doppelter Ausführung. Auch auf den kleinen, tragbaren Geräten weiß das Action-Adventure zu begeistern. Die Welten sind kunterbunt und prall gefüllt mit allerlei Fundsachen, die Dungeons sind sowohl schön rätsellastig als auch actionreich. Die Bosse machen Spaß, auch wenn sie leider meistens recht einfach zu besiegen sind. Das Feature, beide Spiele miteinander zu verbinden funktioniert gut und gibt sogar einen kleinen Wiederspielwert. Alles in allem haben wir hier zwei vollwertige Zeldatitel und Gamer wissen, worauf sie sich einlassen.

 

85

 

 

 

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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