The Dry

Kritik zum Thrillerdrama

Buchverfilmungen sind immer so ne Sache. Manch unverfilmbarer Stoff wird zu FIlmen für die Ewigkeit, manche Bücher werden von ihren Verfilmungen sogar weit übertroffen, und manche werden wie Eragon und sollten nie wieder erwähnt werden. Und dann gibt es Filme wie The Dry. Verfilmungen, deren Rechte verkauft werden, noch bevor das Buch erschienen ist, und die anfangs nicht wie der beste Filmstoff wirken. Ob es sich dennoch lohnt oder verschwendete Liebesmüh ist erfahrt ihr hier.

 

Die Story von The Dry

Bundesagent Aaron Falk kehrt nach über 20 Jahren in sein Heimatdorf Kiewarra im australischen Outback zurück. Der Grund ist aber ein trauriger: sein alter Schulfreund Luke soll seine Frau, seinen Sohn und schließlich sich selbst erschossen haben. Von Lukes Eltern überredet beginnt er, sich den Fall genauer anzuschauen, macht sich dabei jedoch nicht nur Freunde im Ort. Denn vor über 20 Jahren ist Aarons Flamme Ellie im Fluss ertrunken, und die Hinweise deuteten damals auf Aaron.

 

Unsere Kritik zu The Dry

Um eine Sache direkt klarzustellen: Es steht zwar auch Thriller drauf, aber es geht hier vor allem um das Drama. Auch wenn es einen potenziellen Mordfall zu klären gibt, geht es hier vielmehr um einen Menschen, der sich mit 20 Jahren Abstand auf einmal mit der Vergangenheit konfrontiert sieht und irgendwie damit fertig werden muss. Nachdem wir das geklärt haben können wir uns gemeinsam an diesen Film wagen.

Willkommen im Nirgendwo

Fangen wir mal mit der Umgebung an. Die ganze Geschichte spielt in einem kleinen Kaff mitten im australischen Outback. In den Rückblenden gibt es wenigstens noch einen Fluss, in der Gegenwart jedoch hat es seit fast einem Jahr nicht mehr geregnet, und das sieht man auch. Es ist trocken, es ist eintönig, kurzum nicht gerade einladend. Das ist allerdings wunderbar eingefangen, denn es gibt dem Film ein sehr passendes Gefühl.

Ein verschlafenes Örtchen mitten im Nichts, das alles andere als einladend wirkt. Und doch gibt es immer noch die alteingesessenen Einwohner, die sich auch von den nicht gerade optimalen Bedingungen nicht vertreiben lassen. Eine minimalistische, und doch perfekt ausgestattete Bühne für die erzählte Geschichte.

Aaron Falk, das Alien

Auch die Menschen vor Ort sind ein eigenwilliger Schlag. Die meisten Einwohner leben bereits seit langer Zeit im Ort, und nicht wenige können sich noch an die Ereignisse von vor 20 Jahren erinnern. Seitdem scheint sich aber – abgesehen von der Dürre und natürlich der Familientragödie – nichts geändert zu haben. Das Leben in Kiewarra läuft nach eigenen Regeln ab, und alles, was diesen Regeln nicht folgt fällt auf.

Das trifft vor allem auf den Protagonisten Aaron Falk zu, der durch sein Heimatdorf läuft wie ein bunter Hund. Sein Auto, seine Kleidung, seine Art, nichts passt so richtig in den Ort. Und doch merkt man immer wieder, dass er den Ort eigentlich kennt, oder zumindest kannte. Denn der Ort hat sich nicht verändert, sondern er.

Das eigentliche Drama

Und genau darum geht es eigentlich. Natürlich geht es auch um den Tod von Luke und seiner Familie, aber das wird fast beiläufig aufgeklärt. Es geht vielmehr darum, wie man damit umgeht, nach 20 Jahren in eine fremde Heimat zu kommen, und dennoch von der Vergangenheit eingeholt zu werden. Denn gerade die Familie der vor 20 Jahren ertrunkenen Ellie lässt Aaron deutlich wissen, dass sie ihn noch immer für einen Mörder hält. Dabei sieht man in Rückblicken immer wieder das Verhältnis von Ellie und einem jungen Aaron, und auch einen jungen Luke und eine junge Gretchen, die noch immer im Ort lebt.

Das ist eine interessante Geschichte, aber auch nichts, was einen vom Hocker reißt. Denn auch die Geschichte wird in einem eher ruhigen Ton erzählt, ohne Hektik oder aufgebauschtes Drama. Das kommt erst am Ende, bis dahin passt sich das Tempo der Umgebung an. Das macht den ganzen Film durchaus rund und in sich passend, aber auch nicht herausragend. Es wird zu keinem Punkt so langweilig, dass man das Interesse verliert, aber sagen wir es so: eure Fingernägel laufen nicht gerade Gefahr, das Ende des Films nicht zu erleben.

 

Informationen zu The Dry

  • Originaltitel: The Dry
  • Laufzeit: ca. 117 Minuten
  • Heimkinostart: 10. September 2021
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Eric Bana, Genevieve O’Reilly, Keir O’Donnell, Bruce Spence, Matt Nable, Joe Klocek, Bebe Bettencourt

Extras auf der Blu-ray:

  • Interviews mit Cast & Crew, B-Roll, Trailer

Trailer zu The Dry

  • The Dry – Kritik zum Thrillerdrama
    Fazit zu The Dry

    The Dry ist ein sehr eigener Film. Er folgt einem eigenen Tempo und lässt sich davon auch nicht abbringen. Das Ergebnis ist ein in sich stimmiger und durchaus unterhaltsamer Film, einen bleibenden Eindruck hinterlässt er jedoch nicht.

    Lennart Hoffmann, Redakteur

 

Stimmiges Bild des australischen Outbacks
Eigenes, aber passendes Tempo
Größerer Fokus auf persönlicher Geschichte als auf anfänglichem Aufhänger
Solide und unterhaltsam, bleibt aber nicht lange im Gedächtnis

Ab in die Filmsammlung?

Wer ein Faible für ruhigere Filme hat, die ihr eigenes Ding durchziehen, wird hier gut bedient. Wer einen packenden Thriller oder ein hochemotionales Drama sucht wird hier hingegen nicht zufrieden sein.

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Geschrieben von Lennart Hoffmann
diskutiert mit Tarantino über Trinkgeld.

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