Tales from the Borderlands – Review zu Epsiode 1: Zer0 Sum

Bei “Tales from the Borderlands” treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite steht Telltale Games, ein Studio, das von mittelmäßigen Spielen wie “CSI: Crime Scene Investigation” zu herzzerreißenden Dramen und erzähltechnisch absolut beeindruckenden Spielen wie “The Walking Dead” oder “The Wolf Among Us” gewachsen ist. Auf der anderen Seite stehen 2kGames und Gearbox Software, Gearbox ist für Spiele wie die “Brothers in Arms”-Reihe und eben “Borderlands” verantwortlich. Was passiert also wenn wunderbar geschriebene Dialoge und Geschichten auf eine Zillion Waffen und den trashigen, dreckigen und brutalen Borderlands-Humor treffen? Bekommen wir das Beste aus beiden Welten oder nur einen großen dampfenden Haufen Skagmist? Das erfahrt ihr im Test:

Hier haben wir Rhys...

Hier haben wir Rhys…

 

There ain’t no rest for the wicked

“Tales from the Borderlands” geht bei seiner Erzählstruktur etwas fremd und bedient sich etwas bei Quentin Tarantino, GTA IV und Varric aus Dragon Age 2, dazu aber später mehr. Wir beginnen das Spiel in den sandigen, aus Skagleder gefertigten Schuhen von Rhys. Rhys ist ein Mitarbeiter des von allen geliebten Hyperion-Konzerns. Ihr wisst schon, Handsome Jack und so. Nach einem Aufeinandertreffen mit dem Kolben eines Gewehres und der Aussicht, einen großen Teil seiner Kronjuwelen zu verlieren, beginnt Rhys seine Geschichte, oder, wie wir später erfahren, seine Version der Geschichte, die ihn auf Pandora und in diese Situation gebracht hat, zu erzählen. Rhys ist ein Mitarbeiter von Hyperion und steht kurz vor seiner Beförderung, diese Beförderung hat er sich durch drei Jahre Arschkriecherei auch redlich verdient, denkt er jedenfalls. Doch im Gespräch mit dem neuen Führungsregime geht einiges schief und Rhys endet als Vize-Präsident der Hausmeistercrew. Diesen Affront kann er aber so nicht stehen lassen und bestiehlt Hyperion um seinen neuen Chef einen Strich durch die Rechnung zu machen. Diese ganze Ausgangssituation geht natürlich gründlich schief. Um vor Spoilern zu schützen, halte ich mich an dieser Stelle recht vage. Der Grund, warum alles schief geht, begrüßt uns dann aber auch kurzerhand. Wir sind schuld. Wie, wir? Wie soll das gehen? Ganz einfach! In dem der zweite Hauptcharakter ebenfalls von uns gespielt wird. Bei diesem handelt es sich um die smarte, attraktive und komplett skrupellose Fiona. Eine Betrügerin, Diebin und Silberzunge. Fiona geht es um Geld, um das ganze Geld. Alles!

...und Fiona.

…und Fiona.

 

Money don’t grow on trees

Das ist jetzt also die Ausgangssituation. Wir haben zwei Charaktere, beide erzählen ihre Version derselben Geschichte. Beide sind Lügner und Wortakrobaten und beide sind sehr sympathische Ganoven, ähnlich wie in GTA IV erleben wir durch diese Art der Erzählung dieselben Szenen mehrfach, nur aus einem anderen Blickwinkel und mitunter auch in anderer Version. Ist Rhys in seiner Erzählung noch ein strahlender Paragon gewesen, stellt Fiona ihn als sabbernden Vollidioten dar. Der größte Gag daran? Wir entscheiden, ob beide so agieren. Dies erinnert mich stark an Varric, der in Dragon Age 2 Cassandra belügt und im Alleingang hunderte von Gegnern besiegt ohne zu schwitzen und sorgte für viele Schmunzler meinerseits. Das Gameplay von “Tales from the Borderlands” ist das bisher flüssigste der Telltale-Spiele. Wir haben wieder Quicktime Events, bei denen es Tasten zu hämmern oder Bewegungen mit der Maus oder dem Controller auszuführen gilt, Dialoge, die uns jedes Mal vor verschiedene Antworten stellen und leichte Point-und-Klick-Elemente, in denen es Orte zu untersuchen gibt. Das Hauptaugenmerk wird aber auf die abgedrehte Welt von Pandora, Actionsequenzen und großartige Dialoge gelegt. Und diese überzeugen total. Man merkt an jeder Ecke, dass man sich in Gearbox’s Garten befindet. Das ist der Spielplatz für die großen Jungs mit pubertärem Humor und dicken Knarren. Sei es ein Gladiatorenrennen in einer Raider Arena, Dialoge mit kannibalistischen Soziophaten, das Planen und dabei ungemerkte Ausführen eines Einbruches, das Missglücken eines Genickbruches, Beschwören eines Kampfroboters oder das Treffen auf Raoul Duke aus “Fear and Loathing in Las Vegas” – “Tales from the Borderlands” hat alles und noch mehr davon. Vor allem Humor und Gore!

Zwei ungleiche Charaktere die aber für ihr Wohl zusammen arbeiten müssen.

Zwei ungleiche Charaktere die aber für ihr Wohl zusammen arbeiten müssen.

 

Ich nenn meinen erstgeborenen Loader Bot

Auch bei der Optik von “Tales from the Borderlands” werden wir nicht enttäuscht. Wir bekommen eine wunderbare anzusehende Mischung des Borderlands-Cell-Shadings und Telltale Games eigenem Grafikstils. Die Charaktere bewegen sich sehr sauber, Mimik und Gestik funktioniert gewohnt hochwertig und es hat alles eine gewisse Comic-Optik. Es gibt viele Details und man erkennt an jeder Ecke, dass man auf Pandora unterwegs ist. Mir hat ganz besonders gefallen, dass Items, die aufgenommen werden, können genau wie in den Borderlands RPGs zum Beispiel grün bei Geld oder lila bei epischen Waffen strahlen. Man hat damit wirklich das Gefühl, ein Borderlands zu spielen. Diese Detailverliebtheit alleine zeigt, wie sehr sich das Team von Telltale mit der Vorlage beschäftigt hat. Die Musik im Spiel ist sehr gut, man hat oft das Gefühl, in einem trashigen Sci-Fi Spaghetti Western zu stecken. Die Sprecher legen sich alle ins Zeug, um die wahnwitzigen Dialoge zum Leben zu erwecken. Alles in allem ist “Tales from the Borderlands” ein verdammt gutes und unterhaltsames Spiel. Mit etwa 2 Stunden und 30 Minuten auch von ordentlicher Länge.

 

 

Fazit:
Tales from the Borderlands trifft den Ton, die Ästhetik, den Wahnsinn und den Humor eines Borderlands perfekt. Mit mehr Einfluss auf die Geschichte als in älteren Titeln von Telltale und sehr guten Actionsequenzen hat sich diese Episode den Platin Award verdient und setzt die Messlatte für die restlichen Episoden sehr hoch. Telltale – Bitte mehr davon!

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Geschrieben von Marco Schmandt
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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