Stay Out

Kritik zum inhaltslosen Nazi-Horror

Stay Out ist ein im Horror-Genre angesiedelter Film, der in die Geschichte der Nazi-Experimente einzutauchen versucht. In dem Film möchten die drei Ex-Sträflinge, Imani, Carlos und Schillinger, ihre zweite Chance nutzen und als Möbelpacker nur den Umzug eines alten Mannes erledigen. Dieser macht ihnen ein verlockendes Angebot, wodurch die drei tiefere Einblicke in das Leben des alten Mannes werfen können, als ihnen eigentlich lieb ist. Bevor sie sich versehen, stecken sie plötzlich in dem alten Haus fest und müssen ihren Weg ins Freie finden, vorbei an entstellten menschlichen Kreaturen und Fallen. Der Film greift, teilweise, die Nazi-Symbolik und die in der Nazi-Zeit durchgeführten Experimenten an Menschen auf.

 

Die Story von Stay Out

Der Leiter einer Umzugsfirma, Schillinger, ist zusammen mit seinen beiden Angestellten Imani und Carlos auf dem Weg zu ihren heutigem Auftrag: Ein altes Haus leerräumen. Schon kurz nach der Ankunft am viktorianischem Haus stellt sich jedoch bei den dreien ein etwas ungutes Gefühl ein. Nach einem Gespräch mit ihrem Arbeitgeber, Vern Muller, bestätigt sich ihre Annahme, dass dies kein normaler Auftrag ist, denn sie sollen binnen 24 Stunden die beiden Stockwerke des Hauses ausräumen. Den Dachboden und Keller sollen sie jedoch nicht betreten.

Wie wichtig das dem alten Mann ist, beweist die Summe, die er bereit ist für ihre Arbeit zu bezahlen. Von Geldgier getrieben, ignorieren die Umzugshelfer alle Warnzeichen und nehmen das Angebot an. Doch sobald die Nacht anbricht, finden die drei Arbeiter*innen immer mehr beunruhigende Hinweise, die auf die dunkle Vergangenheit Mullers hindeuten. Als es ihnen zu viel wird und das Haus schnellstmöglich verlassen möchten, stellt Muller jedoch sicher, dass keines seiner dunklen Geheimnisse die alte Villa verlassen kann. Er möchte die drei stattdessen lieber für seine kranken Menschenexperimente verwenden. Eine Jagd um Leben und Tod beginnt.

 

Unsere Kritik zu Stay Out

Der Film bedient sich für die Hintergrundgeschichte an der deutschen Geschichte. Genauer gesagt an den während des Dritten Reiches vollzogenen Experimenten an Menschen. Damals wurden grausame Versuche an Menschen durchgeführt, unter anderem von dem im Film genannten Josef Mengele. Versuche, die Augenfarbe mittels Einspritzen von Farbe zu verändern oder Operationen ohne Betäubung an Kindern durchzuführen, sind nur wenige Beispiele für seine Grausamkeiten. Im Film werden die Resultate noch brutalerer Menschenexperimente dargestellt und versucht, sie für das Horror-Genre zu benutzen.

So interessant der Film zunächst klingen mag, richtig überzeugen kann er nicht. Die Idee, Menschenexperimente aus der Geschichte als Monster in einem Horrorfilm wiederauferstehen zu lassen, gelingt kaum. Nicht zuletzt, weil nur eines der beiden Experimente auch wirklich die Verfolgung der drei Protagonisten aufnimmt. Man ist als Zuschauer schon mal angewidert von dem, was man im Film sieht und auch an blutigen Szenen mangelt es nicht. So wirklich fürchten tut man sich beim Anschauen des Films allerdings eher weniger.

Sinnfreie Dialoge zwischen charakterschwachen Protagonisten

Die verschiedenen Charaktere des Films werden unterschiedlich gut verkörpert. So fehlt es Schillinger zum Beispiel etwas an Ausdruck. Imani wirkt hingegen manchmal etwas zu überschwänglich und unterstreicht ihre Worte etwas zu stark mit Gestik. Allerdings kann man sich manchmal nicht zu einhundert Prozent sicher sein, ob die Schuld für die schlechte Darstellung nun am Schauspieler oder aber doch an der deutschen Synchronisierung liegt. So wirkt die deutsche Stimme von Carlos an einer Stelle gelangweilt, während er Imani nachdrücklich weismachen will, dass er sich für seinen ersten Tag doch ganz gut schlage. Auch Fehler haben sich in die Endfassung geschlichen: Einmal nennt Muller das Mädchen, das eigentlich Anne heißt, ziemlich deutlich “Anna”. Gut gespielt hat allerdings diese besagte Anne alias Anna ihre Rolle. Auch wenn sie keinen Dialog hat, so kauft man ihr das leidende Mädchen ab.

Den Charakteren wurde zudem versucht eine gewisse Tiefe und eine Hintergrundgeschichte zu geben. Das gelingt jedoch leider nicht so gut. Nach knapp 15 Minuten des Films sitzen die drei Hauptdarsteller*innen zu diesem Zweck zusammen in der Pause und erzählen sich gegenseitig von ihrer Vergangenheit. Was ein guter Versuch ist, den Figuren mehr Tiefe zu verleihen und ihre Bindung zueinander zu vertiefen, findet leider zum falschen Zeitpunkt in der Geschichte statt. In der ersten Viertelstunde des Films ist einfach zu wenig passiert, um der Szene die gewünschte Wirkung zu verleihen.

Auch hinsichtlich der Dialoge herrscht an mancher Stelle Verbesserungsbedarf. Sie wirken manchmal zu sehr gestellt und sind meistens eher inhalts- und zusammenhangslos. Zudem gibt es in manchen Wortwechseln zu viele Wiederholungen, die von den Schauspieler*innen einfach nicht gut genug rübergebracht werden. Deswegen vermitteln sie eher den Eindruck, als ob den Autor*innen einfach nichts Besseres eingefallen wäre. Der Sinn, der vermutlich hinter diesen Wiederholungen steckt, kommt beim Zuschauer daher leider nicht an. Besonders bei den Dialogen zwischen Muller und Schillinger fühlt man sich manchmal so, als würde man zwei Menschen beobachten, die nicht vernünftig kommunizieren können.

Was die Kamera nicht schafft, übernimmt eben die Maske

Wie jeder weiß, ist die Kameraführung, ihre Einstellung und der Schnitt ein wichtiges Element eines jeden Films und kann Szenen und die Atmosphäre unterstreichen. Die Kameraführung und -einstellung sind meistens gut ausgeführt. Allerdings gibt es auch hier ein paar interessante Auffälligkeiten. Manchmal werden zum Beispiel eher ungewöhnliche Einstellungen gewählt, besonders zu Beginn des Films. So schaut man sich einen Dialog schon mal, aus einem nicht ganz klar erkennbaren Grund, durch die obere Glasscheibe der Haustür an.

Am Anfang wird zudem an Einstellungen des Hauses nicht gespart. Vielleicht um dem Zuschauer (unnötigerweise) klarzumachen, dass mit dem Haus bzw. seinem Inhalt etwas nicht stimmt. Die viktorianische Villa ist zwar ganz hübsch anzusehen, allerdings wirken diese Szenen dann nach dem fünften Mal eher wie ein Platzhalter. Die Sekunden hätte man besser in sinnhaltige Dialoge stecken können.
Zudem wirkt der Kameraschnitt teilweise etwas hektisch, da nach nur einer Sekunde die Perspektive auch schon wieder gewechselt wird. Dadurch wirkt es teilweise so, als hätte jemand beim Schneiden nicht richtig aufgepasst. Auch dies ist zum Glück eher zu Beginn des Films der Fall. Im Großen und Ganzen ist die Kameraführung allerdings sauber und dann doch auch nachvollziehbar. Allerdings wurde die Kamera nicht benutzt, um beispielsweise den Gruselfaktor des Films zu heben.

Was bei der Kameraführung vielleicht an der ein oder anderen Stelle fehlt, machen die Maskenbildner wieder wett. Diese mussten teilweise einiges leisten um Nähte oder entstellte Gesichter und Körper überzeugend rüberzubringen. Das ist ihnen aber gut gelungen. Auch die blutigen Szenen wirken nicht billig gemacht und sind teilweise unschön und schmerzhaft mit anzusehen.

(Fehlende) Nazi-Symbolik und (fehlender) Horror im Nazi-Horror-Streifen

Dass der Hintergrund des Films auf den Nazi-Lehren beruht, wird wohl ziemlich schnell deutlich. Nach der “schockierenden” Enthüllung eines Ex-Nazis und den immer wieder fokussierten Nazi-Symbolen an Schlössern und Türen des Hauses, kommt wohl jede*r Zuschauer*in ziemlich schnell darauf, dass der Film Anspielungen auf das nationalsozialistische Regime macht. Leider bleibt es da jedoch auch überwiegend bei. Auf die genauen Bedeutungen der Symbole, die Geschichte hinter den Menschenexperimenten während des zweiten Weltkrieges oder wer genau denn nun dieser Mengele eigentlich war, wird kaum eingegangen, obwohl es in diesem Film eigentlich um eben dieses Thema gehen sollte. Antworten auf die vielen Fragen zu den geschichtlichen Hintergründen, die im Laufe des Films womöglich aufkommen können, sucht man leider meist vergebens.

Dass es sich bei dem Film um einen Horrorfilm handelt, ist schwer von der Hand zu weisen. Eine unheimliche Villa im viktorianischen Stil, ein mysteriöser alter Mann, die Warnung den Keller und den Dachboden nicht zu betreten. Die klassischen Warnzeichen sind also schon mal vorhanden. Auch werden andere Klischees bedient, wie etwa, dass sich die Gruppe, die mit der Zeit dann doch ein ungutes Gefühl bei der ganzen Sache bekommt, sich selbstverständlich und entgegen jeder Logik, aufteilt. Was wäre ein Horrorfilm aber ohne diese ganzen Klischees? Rundum schafft es der Film trotz der besten Voraussetzungen jedoch nicht wirklich, dem Genre gerecht zu werden und dem Zuschauer tatsächlich das Gruseln zu lehren. Auch, weil er einfach zu vorhersehbar ist. Es gibt keine wirklichen Überraschungen oder nicht vorhersehbaren Plot-Twists.

 

Informationen zu Stay Out

  • Originaltitel: Stay Out of the Attic
  • Laufzeit: ca. 80 Minuten
  • Heimkinostart: ab 21. April 2022 digital, ab 6. Mai 2022 auf Blu-ray und DVD
  • Altersfreigabe (FSK): ab 18 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Morgan Alexandria, Bryce Fernelius, Michael Flynn

 

Trailer zu Stay Out

  • Stay Out – Kritik zum inhaltslosen Nazi-Horror
    Fazit zu Stay Out

    Stay Out hat eigentlich sämtliche Grundlagen, um ein guter Horror-Schocker zu sein: einen wahren geschichtlichen Hintergrund, eine passende Location und nicht ganz unfähige Mitarbeiter*innen an der Kamera und in der Maske. Leider konnte die originelle Idee durch schlecht geschriebene Dialoge und Story, nicht besonders gut rübergebracht werden. Dadurch wirkt es leider manchmal so, als würde man sich als Zuschauer einen nicht ganz ausgereiften Film ansehen. Allerdings muss man auch sagen, dass der Film nun kein kompletter Weggucker ist. Wenn man also an einem Sonntagabend mal nicht weiß was man sich angucken soll, kann man sich mit dem Film die Zeit vertreiben.

    Vanessa Jochum, Redakteurin
Schlecht geschriebene und gespielte Dialoge
Keine unvorhersehbaren Wendungen
Potenzial der Idee wird nicht komplett ausgeschöpft
Ordentliche Maske und Effekte

Ab in die Filmsammlung?

Wer sich für den geschichtlichen Hintergrund interessiert und nicht allzu hohe Erwartungen hat, kann sich mit diesem Film den Sonntagabend vertreiben.

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