Star Wars: Battlefront II – Test zum galaktischen Shooter Debakel

Der Reboot von Star Wars Battlefront war damals zwar etwas holprig, enthüllte aber Potenzial. EA betonte, dass man Fan Feedback berücksichtigen wolle, um so ein noch besseres Sequel abliefern zu können. Sogar Weltraumkämpfe und eine Story sind diesmal dabei. Doch EA wäre nicht EA, wenn man nicht gleich wieder etwas neues finden würde, um Gamer zu enttäuschen. Wir haben uns den Titel vorgenommen und herausgefunden, wie viel Pay-to-win im Gameplay steckt.

 

Warum denn immer die gleiche Story

Nachdem der erste Teil des Reboots noch ohne Story kam, gibt es diesmal eine. Wir schlüpfen dabei in die Rolle von Iden Versio (verkörpert von Janina Kavankar), die die Anführerin des imperialen Inferno Squads ist. Im Namen des Imperiums übernimmt ihre Einheit die heikelsten Aufträge. Diesmal soll sie Informationen zerstören, die in den Händen der Rebellen sind. Mit jedem weiteren Auftrag taucht man dabei weiter in Idens Verständnis der Situation ein, in dem die Rebellen die Bösen sind. Dieser Blickwinkel ist etwa bis zur fünften Mission interessant und wird dann sofort mit dem typischen Klischee ruiniert. Iden realisiert plötzlich, dass sie auf der Seite der Bösen steht und wechselt die Seiten. Von da an kämpft sie für die Rebellen mit abschließender Liebesgeschichte und liebloser Verknüpfung mit der Hauptlinie der Star Wars Story. Die nur etwa vier Stunden lange Kampagne fängt gut an und erzählt dann mehr als zwei Stunden lang eine Story, die man so gefühlt schon tausend mal in Star Wars erlebt hat. Als Fan hatte ich auf etwas deutlich Besseres gehofft.

Star Wars Battlefront II

Iden Versio ist interessant, aber ihre Story wird schnell durch Klischees ruiniert.

 

Dieses Fortschrittssystem ist auch so eine Katastrophe

Für Singleplayer bietet das Spiel neben dem Story Modus noch einen Arcade Mode, in dem ihr in verschiedenen Szenarios gegen die KI spielt. Dabei sammelt ihr Punkte für Highscores und könnt drei verschiedene Stufen pro Szenario spielen. Dabei verdient ihr Credits, die ihr entweder für Lootboxen oder zum Freischalten von Helden verwenden könnt. Da EA aber an euer Geld möchte, drosselt man diese schnelle Einnahmequelle, indem man euch ein Limit setzt und danach erst nach ganzen drei Stunden wieder spielen kann, um Credits zu erhalten. Dieses Modell ist in der Form bisher nur in Mobile Games á la Candy Crush zum Einsatz gekommen. Doch damit nicht genug. Der Multiplayer bietet euch verschiedene Modi, in denen ihr euch auf unterschiedliche Arten mit anderen Spielern messen könnt. Im galaktischen Angriff spielen zwei Teams aus je 20 Spielern sowohl am Boden als auch in der Luft gegeneinander. Wenn ihr im Weltraum Schlachten austragen möchtet, geht das mit 24 Spielern gleichzeitig. In Helden gegen Bösewichte kämpfen zwei Teams aus vier Spieler als ikonische Charaktere gegeneinander. Strike bietet euch einen Modus mit bestimmten Zielen, die ihr erledigen müsst und Blast ist der klassische Deathmatch Modus.

Star Wars Battlefront II

Die Karten und Lootboxen sind eine absolute Katastrophe für das Fortschrittssystem.

 

Die Lootbox Apokalypse

Zu dem Zeitpunkt, an dem ich den Mehrspieler Modus zuerst getestet habe, waren die Mikrotransaktionen noch aktiv. Zu dieser Zeit habe ich mich weniger mit Spielern als mit deren Geldbörse gemessen. Spieler, die mit voll aufgelevelten Karten (Star Cards) spielten, waren deutlich in der Übermacht. Wie sehr wurde deutlich, als ich ganze zwei Magazine in den Energieschild eines anderen Spielers schoss und nicht mal den Schild schwächen konnte. Danach wurde ich dann mit zwei Schüssen niedergestreckt. Der Kill Report zeigt dann, als kleine Werbung für die Lootboxen an, welche Karten der Spieler ausgerüstet hatte. In dem Fall einen Schild auf maximaler Stufe und mehr Schaden ebenfalls auf höchster Stufe. Zu dieser Zeit nicht möglich mit reinem Spielen, auch wenn epische Karten nicht mehr in den Lootboxen erhältlich waren. Das gesamte Fortschrittssystem basiert dabei auf Lootboxen, die ihr (zumindest vorerst) mit Credits kaufen könnt. Credits bekommt ihr jedoch nicht sehr viel und die Anwendungszwecke sind zahlreich. Mit Credits kauft ihr entweder besagte Lootboxen oder schaltet weitere Charaktere oder Fahrzeuge frei. Wenn ihr jedoch eine bestimmte Klasse, Charakter oder Fahrzeug aufleveln wollt, seid ihr trotz der investierten Zeit vom Zufall abhängig. Lootboxen können nämlich neben Karten für den gewünschten Charakter auch wertlose kosmetische Items, eine geringe Menge Material oder Duplikate von Karten oder Karten für andere Klassen enthalten. Duplikate werden dabei automatisch in eine geringe Menge Credits umgewandelt. Wollt ihr also zum Beispiel die Assault Klasse aufwerten, müsst ihr zuerst mal genug Karten speziell für diese Klasse erhalten und dann genügend Material ansammeln, um die Upgrades für die jeweiligen Karten zu bezahlen. Durch dieses System ist es im Grunde unmöglich, konstant lohnenswerten Fortschritt zu machen. Die meiste Zeit spult ihr ein Match nach dem anderen ab, um die Credits für die nächste Box zu sammeln, in der Hoffnung auf etwas Brauchbares. Der Umstand, dass ihr euch auch im Grunde zwischen Freischalten oder Aufleveln entscheiden müsst, verlangsamt den Prozess dann noch weiter. Das System in dieser Form erinnert direkt an Time Gating Systeme, wie sie Free-to-Play Spiele nutzen, um Spieler in Richtung von Mikrotransaktionen zu drängen. EA versuchte Pay to Win Vorwürfe mit zwei Hürden abzulenken. Hürde Nummer eins für das Aufleveln von Karten sollte der Spieler Level sein. Euer Spieler Level steigt aber so rasant, dass diese Hürde nicht sehr lange besteht. Die zweite Hürde sollte der Karten Level sein. Bedeutet, nur wer viele der Karten für eine Klasse besitzt, kann deren Karten aufwerten. Problem war hier, dass man einfach mit echtem Geld Boxen kaufen konnte, um mehr Karten zu sammeln und den Level so in die Höhe zu treiben. Auch ohne die Echtgeldoption ist der Karten Level aber keine Hürde. Wenn die Mikrotransaktionen wieder aktiviert werden, kann man also nur schwer sagen, ob es nicht ähnlich weitergeht.

Star Wars Battlefront II

Optisch und beim Sound kann der Titel überzeugen, viel mehr bleibt aber nicht.

 

Eindrucksvoll in Sound und Optik aber mit Bugs

Von der ersten Minute an kann die Optik überzeugen. Die Engine bringt eine knackige Detailtiefe und realistische Vegetation auf den Bildschirm. Ebenso überzeugt das Sounddesign auf ganzer Linie. Blasterfeuer, Tie Fighter Sounds und krachende Explosionen geben das volle Star Wars Feeling. Leider leidet die Performance teilweise stark unter einer instabilen Framerate, diversen Levelglitches und Lichtschwertschwinger haben eine fragwürdige Treffererkennung. Was im Singleplayer eher störend ist, kostet im Multiplayer immer wieder mal das Leben, wenn man plötzlich irgendwo hängen bleibt. Die technische Seite ist also durchaus durchwachsen, was bei der sehr kurzen Entwicklungszeit nicht wirklich überrascht.

 

Positiv:

Optik und Sound sind erstklassig und sorgen für das richtige Star Wars Feeling
Das eigentliche Gameplay macht wirklich Spaß

Negativ:

Die Performance leidet unter Rucklern und diversen Bugs
Lootboxen und die hohen Preise ruinieren das Levelsystem
Mikrotransaktionen werden zurückkommen
Multiplayer leidet unter extremen Balanceproblemen dank anfänglich aktiver Pay to win Mechanik
Iden Versio's Story geht schnell in Klischees unter
  • Star Wars Battlefront II Star Wars Battlefront 2
    “Star Wars Battlefront II hat das Gleichgewicht der Macht stark ins Wanken gebracht. Obwohl sowohl Optik als auch Sounddesign erstklassig sind und das eigentliche Gameplay Spaß macht, kann man dieses Spiel nicht in einem Vakuum beurteilen. Was mit aktiven Mikrotransaktionen eine Katastrophe war, ist ohne diese noch immer nur ein mittelmäßiger Shooter mit Star Wars Lizenz und sinnlosem Levelsystem. Die Tatsache, dass ich keinen gezielten Fortschritt machen kann für eine Klasse meiner Wahl, ist einfach lächerlich. Ihr investiert Stunde um Stunde für Credits nur um dann zufällige Items zu erhalten, die euch entweder gar nicht beim Leveln helfen oder für eine Klasse sind, die ihr nicht wollt oder freigeschaltet habt. Zudem kann man jetzt ohne Mikrotransaktionen deutlich die Pay-to-Win Wirkung spüren, wenn man im Multiplayer von Spielern niedergemäht wird, die vollständig mit epischen Karten bestückt sind. Abseits dieses Systems wird man dann auch noch mit einer anfangs zwar interessanten, dann aber schnell vorhersehbaren und langweiligen Story abgespeist. Um das Bild von EAs dunklen Plänen noch abzurunden, bekommt man noch Mobile Game Tricksereien im Arcade Modus. Da selbst EA sagt, dass sich das Spiel verändern wird und Mikrotransaktionen zurückkehren werden, kann ich niemandem wirklich empfehlen, hier zuzugreifen. EA hat seine Absichten deutlich gemacht und viel Vertrauen macht das nicht, dass sich hier etwas zum Positiven ändert.”
    Marco Schmandt, Redakteur

Ab in die Sammlung?

Selbst ohne die aktuell entfernten Mikrotransaktionen kann ich auch kaum zum Kauf raten. Lieber abwarten, was daraus wird und dann in einem Sale zugreifen.

Marco Schmandt
Geschrieben von
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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