Spree: Alles für die Klicks

Kritik zum Morden im Stream

Spree: Alles für die Klicks ist eine Thriller-Satire, bei der Eugene Kotlyarenko Regie führte. Joe Kerry von Stranger Things spielt die Hauptrolle des Kurt Kunkle, der einen gescheiterten Social Media Kanal namens Kurtsworld96 besitzt. Um diesen weiter voranzubringen, hat sich Kurt etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Während er Personen für das soziale Mitfahrunternehmen Spree befördert, tötet er diese vor seinem Stream.

 

Die Story von Spree: Alles für die Klicks

Kurt tut somit alles, um viral zu gehen. Er vergiftet Passagiere mit vorher präparierten Wasserflaschen, überfährt andere beim Austreten und zerquetscht sensationslustige Kunden in dem Schiebedach seines Autos. Doch das alles scheint nichts zu nützen. Nur sein gemeiner Schützling Bobby, der einen weitaus erfolgreicheren Kanal hat als er, verfolgt seine Taten und macht sich online über ihn lustig. Als Kurt auch noch die bekannte Comedian Jessie Adams transportiert, die aber lieber wieder aussteigt, platzt ihm der Kragen. Jessie postet typischen Influencerkram wie kurze Videos vor dem Spiegel und macht dabei kleine Späßchen, die sie berühmt gemacht haben. Sie gilt als bekannte Komikerin, doch Kurt findet sie überhaupt nicht lustig. Und so fasst er den Plan, sich zunächst an dem fiesen Bobby und dann an Jessie zu rächen…

 

Unsere Kritik zu Spree: Alles für die Klicks

Zumindest ist das der Spannungsbogen, den ich für mich herausgearbeitet habe. Denn so wirkliche Spannung oder eine konsistente Story ergeben sich nicht aus dem Film. Kurt stellt sich am Anfang des Films durch mehrere Videos vor: Er ist ein netter, wenn auch etwas verschrobener Charakter, der eine gute Beziehung zu seinem Vater hat, obwohl dieser sich von seiner Mutter getrennt hat. Kurt zeigt seinen wenigen Followern die Welt, wie er sie sieht. Die teilweise zweigeteilte Ansicht einer Kamera und eines Streams ist dabei eine interessante Perspektive. Kurt hat auch zu Bobby ein gutes Verhältnis, wenngleich dieses sehr einseitig ist. Er war Bobbys Babysitter und obwohl Bobby Kurt an seinem Erfolg teilhaben lassen wollte, tut er dies nicht. Kurt scheint aber über all diesen Widrigkeiten des Lebens drüber zu stehen.

Eindimensionale Story, eindimensionale Charaktere…

Deswegen überrascht es auch so sehr, dass er plötzlich beginnt, gefühlskalt Menschen umzubringen, nur um mehr Klicks zu generieren. Er scheut sich keine Sekunde davor, seine Passagiere zu vergiften oder zu durchbohren. Stattdessen nimmt er alles bereitwillig für seine Zuschauer – vielmehr Bobby – auf. Es findet keine Charakterentwicklung statt, die diesen drastischen Schritt rechtfertigen würde. Aber selbst wenn man Kurts Morde als Ausgeburt einer psychopathischen Logik hinnimmt, rechtfertigt das nicht, dass die anderen Figuren ebenso eindimensional erscheinen.

Die Passagiere wundern sich zwar, dass Kurt mehrere Kameras offensichtlich an den Innenscheiben angebracht hat, nehmen seine Erklärung, dass sie für seine Sicherheit seien, aber einfach so hin. Selbst als Kurt beginnt, mit seinen Followern – also Bobby – zu reden, stört das die Mitfahrer*innen nicht. Auch wenn hier und da ein gewisses Verständnis aufkommt für die Auswahl der Opfer, wird man dennoch enttäuscht. Es gibt zwar einen offenen Rassisten, der Kurt fragt, ob er ein echter Weißer sei, denn darauf müsse man stolz sein, und einen Macho, der Jessie eine Zicke nennt, weil sie nicht für ihn lächeln will, aber der Film enttäuscht einen an dieser Stelle. Denn die Auswahl ist rein zufällig. Kurt hat keinen tieferen Plan, die schlechteren Menschen der Gesellschaft zu töten. Er tötet einfach diejenigen, die ihn als ihren Fahrer bestellt haben.

Obwohl es am Anfang so wirkt, als wäre Kurt mit seinem Vater trotz der Scheidung im Reinen, drückt er ihn immer wieder weg. Schließlich verabredet sich sein Dad dennoch mit ihm, weil er ihn zu einem bekannten DJ mitnehmen will, dessen Auftritt Kurt mehr Follower bescheren könnte. Doch plötzlich ist Kurts Vater der unangenehme Drogenjunkie, der ständig nur beleidigt und abgeblockt wird von Kurt. Am Ende taucht er in dem Haus seiner Exfrau auf, um seine Drogen zu holen. Und irgendwie auch nur, um beim finalen Morden dabei zu sein. Das wirkt alles sehr gescripted und wenig logisch.

…die alle Social Media-Stars sind

Was ebenso einer eigenen Logik folgt, ist die Tatsache, dass alle in irgendeiner Form erfolgreichere Social Media Stars zu sein scheinen als Kurt. Sein Vater Kris streamt seinen Followern, wie er mit seinem Sohn zu dem besagten DJ geht und der DJ ist eine bekannte, koreanische Streamerin. Auch der unangenehme Macho Mario erzählt seinen Zuschauer*innen von der Begegnung mit Jessie und die sensationslustigen Touristen London, Kendra und Richard sind natürlich auch Influencer*innen. Aber der für Kurt persönlich nervigste Konkurrent im Social Media-Business ist Bobby. Die beiden verbindet eine Hass-Liebe. Während Bobby jung und erfolgreich ist, hat Kurt nicht einmal zweistellig Followerzahlen und außer Bobby scheint sich auch niemand seine Streams anzusehen.

Wo steckt die Satire?

Bobby bekommt es aber auch als einziger mit seinen Videos hin, dass die selbst benannte Thrillersatire satirisch wird. Er dreht regelmäßig Videos, wie er Bettler hereinlegt und hinter Geldscheinen herjagen lässt. Weitere Aufnahmen zeigen, wie er einem Straßenbettler den Geldschein überlässt und dieser dann davon Essen und Trinken für seine armen Freunde kauft. Während sich die vier Obdachlosen gekonnt gespielt freuen, erscheint Bobby im Hintergrund, macht seine Moves und verweist darauf, dass ein Abo für ihn ebenso eine gemeinnützige Tat wäre. Seine Aufnahmen sind so offensichtlich gefälscht, dass sich hier die Satire erkennen lässt. Es ist so übertrieben und ironisch dargestellt, dass klar wird, dass sich das Social Media-Geschäft als reiner Fake entpuppt und als unmoralisch kritisiert wird. Doch dieser satirische Hauch verflüchtigt sich schnell wieder und lässt sich im restlichen Film vermissen.

Was nicht vermisst wird, ist die Heldin, die sich Kurt entgegenstellt und die für ihn zur Feindin wird. Jessie Adams ist als Komikerin viel erfolgreicher als Kurt, was dieser nicht versteht. Er findet ihre Posts nicht unterhaltsam, sondern hält Jessie für diejenige, die ihm die Follower*innen stiehlt. Somit beschließt er, der lustigen Streamerin bei ihrem Live-Auftritt aufzulauern. Was die Dramatik noch steigert: Jessie macht sich vor ihrem Publikum auch noch über ihre Begegnung mit Kurt in seinem Auto lustig. Doch bevor Kurt beschließt, sie zu erschießen, folgt Jessies Moralpredigt. Sie war so genervt von Kurt, weil sie selbst einmal so war wie er. Auch sie geierte nach Klickzahlen und Followern, doch das sei jetzt vorbei. Damit beendet sie ihre Streamerkarriere und zieht sich zurück aus dem Social Media-Geschäft. Kurt will sie nicht mehr töten, sondern entführt sie, um ein Sextape mit ihr zu drehen.

Das Ganze eskaliert und nachdem jeder, der noch eine Rolle gespielt hat in dem Film, getötet wird, geht Jessie als Überlebende hervor und redet mit Kurts Followern. Sich seine Taten anzusehen sei krank. Fünf Sekunden später postet sie auf Bitten derselben Zuschauer*innen ein Selfie mit dem toten Kurt. Auch hier soll wohl die Satire zum Tragen kommen, doch wenn selbst die Moralkeule schwingende Heldin, die dem psychopathischen Killer entronnen ist, sich charakterlos dem Druck der sozialen Medien beugt, kann man nur noch diese eindimensionalen Menschen des Films an sich kritisieren.

 

Informationen zu Spree: Alles für die Klicks

  • Originaltitel: Spree
  • Laufzeit: ca. 92 Minuten
  • Heimkinostart: 5. August 2022 auf DVD und Blu-Ray
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Joe Kerry, Joshua Ovalle, David Arquette, Sasheer Zamata

 

Trailer zu Spree: Alles für die Klicks

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  • Spree: Alles für die Klicks – Kritik zum Morden im Stream
    Fazit zu Spree: Alles für die Klicks

    Spree hatte lustige und brutale Momente, aber ich habe die Satire dabei vermisst. Es war auch nicht wirklich ein Thriller, bei denen ich sonst mitfiebere, es war eine Mischung aus viel Blut, fragwürdigen Entscheidungen und seltsamen Charakteren. Insgesamt war der Film für mich okay, aber keine nennenswerte Besonderheit.

    Ann-Kathrin Günther, Redakteurin
Thrillersatire ohne satirische Kritik
Inhaltsleere Szenen treffen auf schlecht inszenierten Spannungsbogen
Interessante Zuschauerperspektiven aus dem Blickwinkel eines Streams
Eindimensionale und teils charakterlose Figuren

Ab in die Filmsammlung?

Für alle Fans von Joe Keery ist Kurt sicherlich eine interessante Rolle, aber allzu viele Erwartungen sollte man an den Film nicht haben. Alles in allem ein durchschnittlicher Film.

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Geschrieben von Ann-Kathrin Günther
braucht kein Buch, sie hat schon eins.

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