Song of the Deep – Test zum Unterwasser-Metroidvania

Zwei Spiele, welche die Gamingszene dermaßen beinflusst haben, dass gleich ein ganzes Genre nach ihnen benannt wurde. Die Rede ist natürlich von Metroid und Castlevania, und seit ihrem Einfluss gibt es unzählige Metroidvania-Titel, die sich einen Platz in den Genregrößen sichern wollen. Ori and the Blind Forest ist da der letzte nennenswerte Anwärter. Nun wagt sich auch Insomniac Games in die Metroidvania-Welt und versucht mit Song of the Deep seinen eigenen Ansatz. Ob sich dieses Unterwasserabenteuer seinen Platz im Genre verdient, klären wir in diesem Test.

 

Unter dem Meer

Merryn ist ein kleines Mädchen, welches mit ihrem Vater in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Aber solange sie sich haben, sind sie glücklich. Ihr Vater ist Fischer und fährt jeden Tag zur See, und Merryn steigt jeden Abend mit einer Kerze auf eine Klippe, damit ihr Vater den Weg nach Hause findet. Als er eines Abends nicht zurückkehrt, hat Merryn einen Traum, in dem sie ihren Vater tief unten im Meer gefangen sieht. Also beschließt sie kurzerhand, aus Schrottresten ein U-Boot zu bauen und in der Tiefe des Meeres nach ihrem Vater zu suchen. Die Geschichte von Song of the Deep ist wahrscheinlich der stärkste Aspekt des Spiels. Großartige Bilderbuchsequenzen erzählen von Merryns Abenteuern, und die gleiche, beruhigende Frauenstimme, die auch in diesen Cutscenes die Story vorliest, klinkt sich auch während des Spiels immer mal wieder ein, wenn Merryn einen neuen Gegenstand oder einen neuen Gegner entdeckt. So bleibt die Erzählweise des spielbaren Märchenbuchs zu jeder Zeit präsent und vermittelt gemeinsam mit der tollen Unterwasseratmosphäre ein beruhigendes Spielerlebnis.

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Fische im Vordergrund, Quallen im Hintergrund, umringt von antiken Ruinen, einfach nur wunderschön

 

Mein selbstgebautes U-Boot

Bei einem selbst gebastelten U-Boot eines kleinen Mädchens sollte man eigentlich meinen, dass das Abenteuer nicht so lange gehen sollte, doch das kleine Gefährt ist ein durchaus respektables Vehikel. Ihr steuert das Boot, indem ihr in die Richtung schaut, in die ihr möchtet und dann den Schub der Schiffsschraube startet. Diese Art der Steuerung ist ein wenig gewöhnungsbedürftiger als die direkte Richtungseingabe, klappt aber bis auf kleinere Ausnahmen recht gut. Während ihr also die schimmernden Unterwasserwelten erkundet, könnt ihr mit diversen Accessoires so einiges anstellen. Ein kleiner Greifhaken entledigt sich fiesen Quallen und Fischen, kann aber auch Gegenstände greifen und diese transportieren und werfen. Außerdem benutzen wir damit Schalter, öffnen Truhen oder schleudern Bomben und Minen durch die Gegend. Mit Torpedos machen wir brüchigen Wänden den Garaus, sodass wir neue Orte erreichen können. Ein Schub mit der Schiffsschraube lässt das kleine Boot auch Strömungen durchqueren. All diese Fähigkeiten und Verbesserungen erhaltet ihr nach und nach, sodass ihr, ganz nach Metroidvania-Manier, bereits besuchte Orte oftmals mehrfach aufsuchen müsst. Vor allem, wenn ihr wirklich jeden noch so kleinen Schatz entdecken wollt, müsst ihr jedes Eckchen genaustens untersuchen. So findet ihr nicht nur Schätze, sondern auch Rumpfteile, die euer Schiff robuster machen, oder Batterieladungen für eure Torpedos. An manchen Stellen ist dann auch für das U-Boot Schluss, da muss Merryn dann in ihrem Taucheranzug aussteigen und die Rätsel auf eine andere Art lösen, wie etwa Spiegel ausrichten, um einen Lichtstrahl zu reflektieren. Vor allem im späteren Spielverlauf können diese Rätsel jedoch sehr frustrierend werden. Ebenfalls nicht perfekt sind die Konflikte mit den unzähligen Monstern, denen man im Ozean begegnet. Linke Maustaste für den Greifhaken, rechte Maustaste für Torpedos, das war es dann auch schon. Etwas mehr Variation in den Angriffsmöglichkeiten, und die Kämpfe mit den Unterwasserfieslingen wären spaßig gewesen, so ist es einfach nur nervig, wenn eine Qualle blitzschnell auf euch zuschwimmt und euch einen elektrischen Schock verpasst, bevor ihr reagieren könnt. Lediglich in den Bosskämpfen müsst ihr euch eine Kampfstrategie überlegen, die immer etwas anders ist. Auch das Manövrieren mit Transportgegenständen ist nicht immer einfach, da die Unterwasserphysik nicht immer so korrekt funktioniert. Dies ist aber ein minimaler Kritikpunkt, da dies nach ein wenig Übung in Fleisch und Blut übergeht. Der Rest des Spiels ist Metroidvania in feinster Form, mit Warpmöglichkeiten, damit Backtracking nicht zur Tortur wird, Händlerkrabben, bei denen ihr euer Arsenal aufstockt, und alternativ Routen und Abkürzungen, die es zu entdecken gilt.

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Richtig fiese Obermotze wie diese Spinne sind zwar selten, aber brandgefährlich

 

Das wohl schönste Spiel des Jahres

Mein Gott, ist Song of the Deep schön anzuschauen. Ganz wie auch unser echter Ozean ist im virtuellen Meer eine solche Vielfalt geboten, die man sich kaum vorstellen kann. Da schwimmen die unterschiedlichsten Tierarten im Hintergrund, Seeanemonen in allen Farben und Formen und die Pflanzenwelt wiegt sich im Wasser. Dies alles wird mit fast pastellfarbenen Hintergründen geschmückt und gibt einfach nur ein perfektes Gesamtbild ab. Dazu kommen die unterschiedlichen Gebiete, die man besucht. Es ist nicht nur einfach alles blau, denn man erkundet auch eine tiefschwarze mit Spinnennetzen verseuchte Schlucht, antike Ruinen von Meerjungfrauen oder ein altes Schiffswrack. Untermalen wird dies alles von einem Soundtrack, welcher das Ganze zu einem Genuss macht. Ruhige, sanfte Musik in manchen Abschnitten, dunkle, furchtsame Klänge in den nächsten. Der Ozean ist eben wunderschön, aber auch beängstigend.

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Dieses Rätsel ist noch recht einfach

 

Fazit:

Song of the Deep ist ein kurzes Spiel, aber auch ein günstiges und somit einfach nur ein Muss für jeden Freund von Metroidvania-Titeln. Die dargestellte Unterwasserwelt ist mit das Schönste, was wir in diesem Jahr sehen werden, und die Erzählweise mit Bilderbuchsequenzen und einer sympathischen Erzählweise macht Song of the Deep zu einem spielbaren Märchen. Trotz einiger, kleinerer Makel in der Steuerung und im Kampfsystem ist die Suche nach Merryns Vater ein Abenteuer, welches man mindestens einmal erleben sollte.

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Geschrieben von Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!

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