Sniper Ghost Warrior 3 – Test zum Scharfschützen-Ausflug nach Georgien

Mein persönliches Highlight der Gamescom 2016 war Sniper Ghost Warrior 3. Nach etlichen Verschiebungen erschien der dritte Teil der Scharfschützenreihe endlich Ende April. Die Mischung aus Sniper, Sam Fischer und einer Prise Rambo versucht die Sniper Reihe mit einer offenen Welt positiv fortzuführen. Doch was auf der Messe im letzten Jahr noch so gut aussah, wurde leider schnell zur Enttäuschung. Wir haben uns den dritten Teil mal genauer angeschaut.

 

Trash, Trash Movie, Sniper Ghost Warrior 3

Die Überschrift lässt es verraten, auch der dritte Teil der Sniperreihe kann in Sachen Storytelling nicht überzeugen. Wir übernehmen die Rolle des Elitescharfschützen Jon North, der in Georgien abgesetzt wird, um die dort gewalttätigen Separatisten ordentlich das Handwerk zu legen. Drogenbosse, Milizen und weitere Probleme stehen im Vordergrund unserer Aufträge. Im Prolog wird zudem unser Bruder Jonathan bei einem Sabotageeinsatz entführt, weshalb wir nebenbei auf der Suche nach ihm sind. Diese beiden Storyinhalte werden in insgesamt vier Akte aufgeteilt und sollen das Gefühl von einer Geschichte vermitteln. Leider lässt sich aber bereits nach kurzer Zeit sagen, dass dies nicht der Fall ist. Stattdessen werden wir mit einer schlechten asynchronen deutschen Sprachausgabe, trashigen Sprüchen und verwirrenden Erzählungen nur so überschüttet. Vor allem Letzteres wird spätestens ab dem zweiten Akt eine Qual, wenn auf einmal mit Namen verschiedener Charaktere, Schurken und Verbündeter um sich geschmissen wird. Weibliche Personen tauchen zwischendurch auch auf, bringen neben einer netten Oberweite keine großen Revolutionen mit. Doch dies sind nicht die einzigen Probleme der Geschichte. Es werden zu keiner Zeit spannende Momente erzeugt, auch die Rückblenden zwischen den beiden Brüdern ändert nichts an der Tatsache. Immerhin ist nach etwa zwölf bis vierzehn Stunden Schluss mit dem Schauspiel, auch wenn das Ende ebenfalls nicht wirklich überzeugen konnte.

Dank unserer Drohne können wir die Gegner vorher ausspähen und markieren.

Dank unserer Drohne können wir die Gegner vorher ausspähen und markieren.

 

Fast wie das Ödland aus Fallout

Zum ersten Mal in der Reihe werden die schlauchigen Level durch eine offene Spielwelt mit drei großen Gebieten ausgewechselt. Die Gebiete werden allerdings nur während der Missionen gewechselt. Georgien ist als Schauplatz gut gewählt, da verschiedene Vegetationen dazu führen, Abwechslung zu generieren. Seien es dichte Wälder, Sumpfgebiete, Fabriken oder die Berglandschaft inklusive Schnee. Alle Areale sind zudem recht detailreich in Szene gesetzt, einzig die Lebendigkeit ist dabei leider auf der Strecke geblieben. Die Bevölkerung sucht man oftmals vergebens, stattdessen fahren die immer auf den ersten Blick gleich aussehenden Rebellen durchs Land. Tiere, außer ein paar Wölfen und Rehen, haben es ebenfalls nicht in die Welt geschafft. Auch die typischen Open-World dynamischen Interaktionen fehlen. Man wird dabei das Gefühl nicht los, dass CI Games nicht doch noch etwas mehr Zeit für die Details hätte haben müssen. Dies würde auch erklären, warum der Multiplayer erst per Update im Herbst nachgereicht wird. Ausgangspunkt für alle Missionen ist das Geheimversteck. Hier können die verschiedenen Waffen ausgewählt und modifiziert werden. Zudem müssen die Aufträge vom Laptop aus ausgewählt werden. In allen Arealen werden zudem Interessenspunkte angezeigt, an denen neue Waffen, Geld, Ressourcen oder Zivilisten auf uns warten. Letztere gilt es, aus der Gefangenschaft der Milizen zu befreien. Neben den Hauptmissionen warten noch 16 Ziele darauf, von uns ausgeschaltet zu werden. Das war´s dann aber auch mit den Nebenaufträgen. Wer noch etwas mehr Spaß mit dem Titel haben möchte, der kann sich einem höheren Schwierigkeitsgrad wagen.

Als Ghost schleichen wir uns durch den Güterbahnhof.

Als Ghost schleichen wir uns durch den Güterbahnhof.

 

Das Drei in Ein

Wir steuern John North entweder als Sniper, Ghost oder Warrior. Als Beispiel geht es darum, einen alten Güterbahnhof zu überfallen und die vielen Arbeiter zu befreien. Zum Schluss müssen noch zwei Tanks in die Luft gejagt werden. Der Sniper übernimmt dabei die Rolle des Spähers und hat die Möglichkeit von der Weite aus die Gegner zu markieren und ggf. auszuschalten. Das Snipen funktioniert in Ghost Warrior 3 auch ziemlich gut und macht eine Menge Spaß. Am sichersten ist es, wenn man sich auf eine höhere Position begibt und von dort aus in Ruhe die Gegner markiert. Mithilfe einer kleinen ferngesteuerten Drohne kann man über das gesamte Gebiet fliegen, ohne erkannt zu werden. Steuern kann man diese selbst, Feinde und besondere Gegenstände werden automatisch markiert. Ist die Drohne über einem freien Gebiet, fliegt diese automatisch zu uns zurück, befindet sie sich allerdings in einem Gebäude muss man sie auch wieder herausfliegen. Nachdem wir alle Gegner markiert haben, stellen wir unser Scharfschützengewehr perfekt und haargenau ein, achten auf den Wind und halten den Atem an… Feuer frei! Sollte die Kugel effizient genug sein, aktiviert sich die detaillierte Bullet-Cam beim Eintreffen der Kugel. Für Anfängerschützen gibt es verschiedene Zielhilfen, um sich langsam an die Optionen heranzuwagen. Insgesamt ist der Shooteraspekt wirklich sehr gut umgesetzt und vereint zudem noch einige Schleichpassagen.

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Auf der Karte sind zwar viele Symbole zu sehen, richtige Abwechslung neben den Hauptmissionen suchen wir leider vergeblich.

 

Sam Fisher im verwaschenen Georgien?!

Hat man alle gesichteten Feinde von der Ferne erledigt, gilt es als Ghost auf das Gelände zu schleichen. Dabei ist es natürlich wichtig, dass man nicht vorher schon durch Wachen erkannt wurde oder erkannt wird. So kann man Gegner leise umbringen und sich dem Missionsziel nähern. Mithilfe eines Steinwurfes können diese auch abgelenkt werden, eben genauso, wie es Sam Fisher in Splinter Cell auch macht. Wenn man allerdings durch eine Wache erkannt wurde, gilt es schnell die richtige Waffe in die Hand zu nehmen und den Warrior zu spielen. Dieser ist, wie der Name schon sagt, der Call of Duty-Charakter im Spiel. Aber auch als Warrior muss man Deckung suchen und die Gegner mit Geschick ausschalten. Am Ende jeder Mission gibt uns eine Anzeige Übersicht über unsere Mission: Wie lange, wie gut und wie genau sind wir jeweils als Sniper, Ghost oder Warrior unterwegs gewesen. Das Besondere daran, jede Vorgehensweise stellt dabei eine eigene Klasse dar, die auch unterschiedlich mit Erfahrungspunkten und Fähigkeiten belohnt wird. Ein umfangreiches Unterfangen, was aber schnell verstanden wird. Generell bleibt es uns überlassen, wie wir die Missionen angehen. Diese sind grundsätzlich aber allesamt relativ gleich aufgebaut. Hier hätte es an Abwechslung nicht geschadet, zumal mit den verschiedenen Munitionstypen man gerne auch mal ein paar Fahrzeugaufträge hätte haben können. Das mit dem Meckern hört aber auch nicht auf… Nicht nur, dass die Sprachausgabe für die Tonne ist, auch die technischen Macken, welche beim Spielen aufgefallen sind, gehören nicht in eine fertige Spielversion wie diese. So kommen immer wieder starke Pop-Up Effekte zum Vorschein und während der Ladezeiten könnte man gut den Wochenendeinkauf erledigen. Matschige Texturen, hakelige Animationen, Framerateeinbrüche und diverse Bugs gehören an die Tagesordnung. Immerhin stimmen die Licht- und Schatteneffekte, was der Cry Engine 3 zu verdanken ist.

 

Positiv:

Scharfschützen-Gameplay ist sowohl für Genrefans als auch für Anfänger sehr gut umgesetzt
Das Spiel bietet drei verschiedene Schwierigkeitsgrade, die sich unterschiedlich spielen
Verschiedene Vorgehensweisen mit unterschiedlichen Talentbäumen und Fähigkeiten
Licht- und Schatteneffekte sind ziemlich gut gelungen

Negativ:

Lächerliche Trash-Movie Geschichte mit unterirdischer deutscher Vertonung
Charaktere sind lieblos in das Spiel integriert
Wenig Abwechslung im Missionsdesign
Das Open-World-Problem: Kaum Interaktionen, keine Dynamik und kein Leben in der Welt
Geringer bis kein Wiederspielwert dank fehlender Inhalte
Technische Probleme auf der Konsole mit Bugs, Abstürzen und matschigen Texturen
Extrem lange Ladezeiten von bis zu sechs Minuten
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    “Es war mein Gamescom Highlight 2016 und heute ist es meine erste Enttäuschung des Jahres 2017. CI Games hatte Großes vor und die Jungs waren so überzeugt von ihrem Spiel, dass es eigentlich auch hätte klappen können. Aber wie sagt man so schön: “Hätte, Hätte, Fahrradkette”. Das Grundprinzip vom Snipern funktioniert noch immer ziemlich gut. Doch hätte man einfach das lineare Missionsdesign so lassen und statt der Open-World eine gute Geschichte schreiben sollen. Beides wurde ziemlich halb gar in einen Topf geworden, was am Ende eben kein gutes Futter für die Konsole gibt. Stichwort Konsole: Die technische Umsetzung ist zudem eine halbe Katastrophe und die enormen Ladezeiten bringen keine Motivation, das Spiel mehrfach zu starten. Hier hätte eine weitere Verschiebung dem Spiel nur geholfen.”
    Tobias Liesenhoff, Chefredakteur

Ab in die Sammlung?

Sniper Ghost Warrior 3 ist die (erste) Enttäuschung des Jahres. Wer einen Blick riskieren möchte, sollte auf einen Preissturz oder Updates warten.

Tobias Liesenhoff
freut sich sehnsüchtig auf das Finale in diesem Jahr.

1 Kommentar

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