Sing a Bit of Harmony

Kritik zur singenden KI

Sing a Bit of Harmony ist ein Sci-Fi/Coming-of-Age-Anime von Yasuhiro Yoshiura (Patema Inverted) aus dem Jahr 2021. In dem Film gehen die sechs Freunde Shion, Satomi, Toma, Aya, Gocchan und Thunder der Frage nach: Was braucht ein Mensch, um glücklich zu sein?

Das Drehbuch entsprang der Feder von Ichiro Okouchi (Code Geass), die Animationen übernahm J.C.Staff (Food Wars). Im Rahmen der Anime Nights können Zuschauer*innen den Film ab dem 26. Juli 2022 in den deutschen Kinos genießen.

 

Die Story von Sing a Bit of Harmony

„Bist du gerade glücklich?“ Das möchte die KI Shion immer wieder von Satomi wissen. Als Teil eines geheimen Projekts von Satomis Mutter wird Shion in die Schule ihrer Tochter eingeschleust und soll dort als ganz normale Schülerin durchgehen. Nachdem ihr Geheimnis jedoch aufgrund eines unglücklichen Vorfalls der fünfköpfigen Gruppe, bestehend aus Satomi, Toma, Gocchan, Aya und Thunder offenbart wird, verbindet sie ein Geheimnis. Um die Arbeit ihrer Mutter nicht zu gefährden und somit ihre Zukunft, bittet Satomi die anderen darum, Shions Geheimnis zu wahren. So raufen sich die Schüler*innen zusammen und tun alles, um dem Projekt zum Erfolg zu verhelfen und freunden sich mit der KI an. Im Gegenzug hilft Shion den Freunden dabei, die ein oder anderen Probleme ihres Alltags zu bewältigen – indem sie immer ein passendes Lied parat hat.

Doch nachdem eine ihrer gesanglichen Darbietungen etwas zu viel Aufmerksamkeit erregt, werden Gegner von Satomis Mutter auf die KI aufmerksam. Das Projekt ist somit gescheitert und Shion soll abgeschaltet werden. Kurz darauf finden Satomi und Toma mehr über den Ursprung der KI heraus. Daher begeben sie sich zusammen mit Satomis Mutter und den anderen auf Rettungsmission, um ihre Freundin vor dem „Tod“ zu retten.

 

Unsere Kritik zu Sing a Bit of Harmony

Sing a Bit of Harmony verbindet Slice of Life-Elemente mühelos mit Science-Fiction und Action. Dabei überzeugt der Film weniger mit herausragenden Charakteren und spannender Geschichte, sondern mit wunderschönen Animationen, herzergreifender Thematik und abwechslungsreichen Gesangseinlagen. Zudem sorgt hier und da die richtige Portion Humor für Abwechslung zur sonst eher ernsten Thematik.

 

Der Name ist Programm

Der Titel ist in Sing a Bit of Harmony Programm: Die KI Shion hat zu jedem Problem ein geeignetes Lied auf Lager. Die Liedtexte berühren die Charaktere dabei so sehr, dass ihre Probleme und Auseinandersetzungen meist beigelegt werden – Sei es das kleine Liebesdrama zwischen Aya und Gocchan oder die Pechsträhne von Thunder. Die Lieder an sich passen somit textlich natürlich zum Inhalt des Films und sind wundervoll gesungen. Sogar eine kleinere Tanzeinlage ist dabei, die etwas aus der „Balladen-Schiene“ ausbricht und dem ganzen etwas mehr Pepp verleiht.
Die Lieder sind auch in der deutschen Synchro auf Japanisch, wobei die deutsche Übersetzung in den Untertiteln eingeblendet wird. Dennoch müssen an der ein oder anderen Stelle auch die deutschen Synchronsprecher*innen herhalten. Die dadurch – nett ausgedrückt – etwas danebenliegenden Töne sorgen nicht nur bei den Zuschauer*innen für kleinere Schmunzler, sondern werden auch im Film selbst mit Humor genommen.
Insgesamt sind die Lieder eher okay und heben sich nicht weiter ab oder bleiben großartig im Ohr. Dennoch sind sie wundervoll gesungen und die Texte bewegen nicht nur die Charaktere, sondern auch die Zuschauer*innen.

Wie bereits angedeutet, wurde der Anime mit einer deutschen Synchronisation versehen. Obwohl das bei Animefans immer wieder Potenzial für Diskussionen bietet, ist die deutsche Vertonung von Sing a Bit of Harmony keineswegs unangenehm. Die Synchronsprecher*innen leisten sehr gute Arbeit und bringen Emotionen, Charakterzüge und Launen der Figuren gekonnt rüber.

 

Bei den Charakteren lieber mal auf Nummer Sicher gehen

Die Charaktere des Films basieren eigentlich auf den guten alten Prototypen: Die Einzelgängerin Satomi, der technikaffine Toma, der Mädchenschwarm Gocchan, die dickköpfige Aya, der Sportler Thunder und die quirlige Shion.
Damit spielt Yoshiura natürlich auf der sicheren Seite und auch in Sing a Bit of Harmony funktioniert diese Kombination wunderbar. Etwas mehr Mut zum Herumexperimentieren hätte man sich dennoch durchaus leisten können. Aber: Warum etwas ändern, was doch funktioniert?
Mithilfe der bereits genannten „Problemchen“, werden die einzelnen Charaktere und ihre Beziehungen zueinander vorgestellt und die Zuschauer*innen bekommen einen Eindruck von der Gruppe. Tiefer geht es aber auch nicht. Nachdem alle Protagonist*innen mehr oder weniger in die Geschichte eingeleitet wurden, sind die sechs plötzlich eine eingeschworene Truppe, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Ihre KI-Freundin zu retten. Für die Charakterentwicklung wird sich also nicht allzu viel Zeit genommen. Da die Charaktere aber auch nicht wirklich etwas Besonderes sind, hat man ohnehin das Gefühl, dass man die Figuren schon lange kennt.

 

Ein bisschen von allem

Das Thema von Sing a Bit of Harmony ist relativ komplex. Das Hauptthema ist natürlich die von Shion immer wieder verbalisierte Frage: Was braucht es, um glücklich zu sein? Daneben geht es aber noch um verschiedenste Beziehungen. Dabei stehen nicht nur die Bindungen zwischen Menschen im Vordergrund, sondern auch die Beziehungen zwischen Mensch und KI und sogar zwischen den KI untereinander. Inwiefern kann eine Bindung zwischen Mensch und Roboter entstehen? Können die KI menschliche Gefühle deuten und sie nachvollziehen? Kann eine KI ein Mensch sein? Mit diesen Fragen stellt sich der Film die Fragen der Zeit und versucht eine Antwort für die Zukunft zu finden.

Neben diesen ziemlich offensichtlichen Hauptthemen greift der Film zudem ganz nebenbei ebenso wichtige Nebenthemen auf: Die Schwierigkeiten, denen sich Frauen in der beruflichen Welt stellen müssen. Die Ungerechtigkeit, mit der Frauen im Alltag ihrer beruflichen Karriere konfrontiert werden und der hohe Druck, der auf ihnen lastet, wird hier direkt aufgegriffen und als Problematik sehr deutlich dargestellt. Weniger deutlich wird da der weitverbreitete Konflikt zwischen älterer und jüngerer Generation im Berufsleben.

So tiefgründig das Thema bzw. die vielen Themen auch sind, die Geschichte und die Beziehungen zwischen den Charakteren scheinen manchmal dennoch etwas zu dünn. Dadurch entsteht auch der Eindruck, dass der Film sich hier und da etwas zieht. Es wurde versucht, zu viele Probleme in den nicht ganz zwei Stunden zu klären, wodurch die Geschichte etwas leidet. Man hätte sich auf weniger Themen konzentrieren und diesen dafür mehr Zeit zum Entwickeln geben können.

Dennoch werden in Sing a Bit of Harmony viele wichtige Themen angesprochen, über die es sich lohnt auch im wahren Leben nachzudenken. Dabei greift der Film sowohl neue Fragen, wie die zum Zusammenleben von KI und Menschen, auf als auch Fragen, die wahrscheinlich so alt sind, wie die Menschheit selbst: Was macht einen Menschen glücklich?

 

J.C.Staff überzeugt mit detailreicher Animation

Bei einem Anime muss natürlich auch die Animation stimmen. Insgesamt ist diese realitätsgetreu und sehr detailliert. Besonders die Hintergründe überzeugen und auch das Charakterdesign kann sich sehen lassen. Hierbei beweist J.C.Staff, dass sie auch gute Animation durchaus draufhaben. Manche Stellen und Bewegungen wurden mit CGI animiert. Auf der einen Seite fragt man sich da, ob die CGI-Animation wirklich notwendig war, da der Zeichenstil des Animes auch ohne wunderschön ist. Auf der anderen Seite passt CGI natürlich thematisch sehr gut zum Film und dessen Charakter. Ob es einem gefällt, ist, wie so oft, Geschmackssache. Die am Computer generierte Animation hält sich allerdings in Grenzen. Daher dürfte sie die, die diesem Animationsstil eher skeptisch gegenüberstehen, eher weniger stören.
Außerdem werden manche Szenen gelegentlich mehrfach verwendet. Das ist in Animes zwar nicht ungewöhnlich, fällt aber hier durchaus auf.

Über diese Kleinigkeiten kann man aber gut und gerne hinwegsehen und die ansonsten wunderschöne Animation von Sing a Bit of Harmony genießen.

 

Informationen zu Sing a Bit of Harmony

  • Originaltitel: Ai no Utagoe o Kikasete
  • Laufzeit: ca. 110 Minuten
  • Heimkinostart: ab 1. Dezember 2022 auf DVD und Blu-ray
  • Altersfreigabe (FSK): ab 6 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Johanna Schmoll, Lin Gothoni, Patrick Keller, Moira May, Nico Sablik, Oscar Räuker

 

Trailer zu Sing a Bit of Harmony

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  • Sing a Bit of Harmony – Kritik zur singenden KI
    Fazit zu Sing a Bit of Harmony

    Sing a Bit of Harmony wird es vermutlich nicht auf meine Favoritenliste schaffen, ist aber trotzdem ein durchaus gut gelungener Film. Er sticht zwar nicht besonders hervor, macht aber mit der guten Animation, dem ansprechenden Charakterdesign und der komplexen und herzergreifenden Thematik einiges her.

    Vanessa Jochum, Redakteurin
Wunderschöne Animation
Thematik, die zum Nachdenken anregt
Standard-Charaktere, die nicht besonders herausstechen
Viele Themen werden nur angeschnitten

Ab in die Filmsammlung?

Sing a Bit of Harmony hat ein bisschen was von allem. Obwohl der Film die ein oder andere Schwachstelle hat, macht er dennoch vieles richtig und ist Anime-Fans zu empfehlen.

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