Sacrifice

Kritik zum Cthulhu-Horrorstreifen

Sacrifice – Der Auserwählte ist ein Cult-Mystery-Horror-Film, der mit norwegischen Mythen und H. P. Lovecrafts Gruselmotiven spielt. Im Zentrum der Handlung steht der Amerikaner Isaac, der in seine Heimat zurückkehrt, um das Haus zu besichtigen, das ihm vererbt wurde. Was eigentlich nur als kurzer Ausflug geplant war, endet für ihn und seine schwangere Frau in einem Horrortrip. Inhaltlich lehnt sich der Film dabei an die Kurzgeschichte Men of the Cloth von Paul Kane, die selbst von Lovecrafts Cthulhu-Kult inspiriert wurde, an. Mitglied des Casts ist zudem Barbara Crampton, die für ihre Rollen in Horror-Filmen wie Re-Animator bekannt wurde.

 

Die Story von Sacrifice – Der Auserwählte

Nach dem Tod von Isaac Pickmans Mutter erfährt dieser von einem Haus, das sie ihm vererbt hat. Er reist zusammen mit seiner hochschwangeren Frau Emma auf eine norwegische Insel, die er zuletzt als Kleinkind gesehen hat. Damals war seine Mutter mit ihm plötzlich aufgebrochen und schließlich nach Amerika geflohen. Seitdem hat er seine Heimat nicht mehr wiedergesehen. Das Haus, das nun seines ist, steht bereits seit 25 Jahren leer, und fast alles sieht dort noch so aus wie an dem Tag, als er es verlassen hatte.

Emma und er stellen sich eigentlich darauf ein, nur kurz zu bleiben. Sie wollen das Haus schnellstmöglich verkaufen, da bereits in sechs Wochen ihr Kind zur Welt kommen wird. Vor Ort treffen sie jedoch auf eine fremden- und frauenfeindliche Gemeinschaft, die durch einen seltsamen Kult miteinander verbunden ist und den fremden Isaac mit offenen Armen empfängt, als sie erfährt, dass er auf ihrer Insel geboren wurde. Was zunächst auf das Ehepaar abschreckend wirkt, wird für Isaac zu einer neuen Familie. Einen Vater hatte er nie. Doch obwohl seine Mutter stets behauptet hatte, dieser hätte sie beide verlassen, erfährt er von der ortsansässigen Polizistin Renate, dass seine Mutter ihren eigenen Mann umgebracht hat. Isaac ist zwar schockiert, fühlt sich jedoch immer mehr aufgehoben in der einheimischen Kultur und bei den Menschen, die ihn plötzlich so willkommen heißen.

Emma widerstrebt es hingegen, den norwegischen Sektenkult und die unangenehmen Nachbaren zu akzeptieren und will einfach nur weg. Seltsame Visionen suchen sie heim und sie kann immer mehr nachvollziehen, warum Isaacs Mutter die Flucht ergriffen hat.

 

Unsere Kritik zu Sacrifice – Der Auserwählte

Bereits zu Beginn des Filmes wird dem Zuschauenden klar, dass die Frau, die sich recht schnell als Isaacs Mutter herausstellt, einen Mord begannen hat. Es überrascht also wenig, dass sie ihren Mann getötet hat. Viel interessanter gestaltet sich dabei das Warum. Isaac taucht immer tiefer in heidnische Praktiken ein und lässt sich auch durch die hübsche Tochter von Renate den Kopf verdrehen. Sein Verhalten wird unberechenbar und er entfernt sich von Emma, die er mehr als seine Gegenspielerin denn als seine liebende Ehefrau sieht. Die Gewalt, die sich zunächst nur in Träumen andeutet, wird letztendlich real für Emma und diese muss sich ebenso gegen Isaac wehren, wie damals seine Mutter gegen ihren Mann.

Mittels Kamerawechsel von z.B. Unterwasseraufnahmen, die einen ertrinkenden Isaac zeigen, zu einem kochenden Wasserbad für Frühstückseier kommt eine scheinbar bekannte visuelle Dynamik ins Bild, die sehr schnell ausgereizt scheint. Jedoch schafft es dieser plötzliche Wechsel von einer zur nächsten Szene immer wieder, die paranoide Stimmung zu untermalen, die es zunehmend schwieriger macht, zwischen einem Traum und der Wirklichkeit zu unterscheiden.

 

„Träum schön“

Die Traumsymbolik wird leitmotivisch für den Film. Emma wird immer wieder gesagt, sie solle schön träumen, und Isaac fragt sie öfter, wie sie geschlafen habe. Dabei werden anfängliche Albträume, die für viele allzu vertraut erscheinen, zu Horrorszenarien. Plötzlich wird ihr ihr Kind entrissen und die Nabelschnur entfernt sich meterweit von ihr, während Isaac sie wie ein Psychopath anstarrt. Dabei wird mit zunehmender Spieldauer immer unklarer, was Emma träumt und was tatsächlich passiert. Die Bewohner und die Ereignisse auf der Insel werden immer abstruser und so erscheinen Emmas Träume mehr wie Visionen, die sich bewahrheiten könnten. Isaac wird zu ihrem Vergewaltiger, der ihr die Zunge ausbeißt, und im Wasser der Badewanne lauert ein Tentakelmonster. Es sind keine großartigen Schauermomente, die wirklich Neues hervorbringen, aber für genügend Verwirrung sorgen, um den Plot Twist am Ende nicht kommen zu sehen.

 

Männer, die auf starrende Frauen starren

Besonders verwirrend aber auch gerade deswegen erheiternd wirkt der Auftritt von Astrid, der Tochter von Polizistin Renate. Auch wenn sie nur zwei Szenen im Vordergrund steht, ist das Schauspiel von Johanna Adde Dahl durchaus überzeugend. Die sprachlose Astrid, die seit dem Tod ihres Vaters angeblich kein Wort mehr spricht, ist nicht nur bildhübsch, sondern hat auch ein Talent dafür, Isaac mit ihren Augen zu begatten. Während einem Kennenlernessen für ihn und Emma unterhält sich Renate mit dem Ehepaar und erzählt ihm ein wenig von dem schlummernden Mann. Astrid hat dabei nur Augen für Isaac und ihr Blick liegt dermaßen im Fokus der Szene, dass sich das Gefühl von knisternder Erotik in der Luft mit Unwohlsein und ungewollter Komik abwechselt.

Dasselbe gilt auch für Astrids zweite Szene. Während Isaac nachts nach einem Streit mit Emma spazieren gehen will, trifft er auf die badende Astrid. Die schöne Frau steigt natürlich nackt aus dem Wasser und nähert sich Isaac verführerisch, doch während man sich auf ein obligatorisches Schäferstündchen einstellt, kann die stumme Astrid nun doch auf einmal sprechen und redet darüber, wie Polarlichter entstehen.

 

Cthulhu lässt grüßen

Gleich im Vorspann erfährt der Zuschauende, dass der Film von H. P. Lovecrafts Werken inspiriert wurde. Damit wird nicht zu viel versprochen, tauchen doch zumindest Dekofiguren auf, die an Cthulhu erinnern, und lässt sich öfter einmal ein Tentakel im Wasser erkennen. Auch die Bewohner der Insel scheinen Angst vor einem Wassermonster zu haben, wie der Fährmann Emma erzählt. Was genau es damit auf sich hat, erfährt man jedoch nicht.

In Renates Haus ist zudem ein Bild von einem krakenhaften Wesen zu sehen, dessen Maul weit geöffnet ist. Es trägt den sperrigen Titel „Der Baum des Schattens an den Ufern des Hauses der Toten“. Vermutlich soll sich hier ein Hinweis auf das Ende des Filmes erahnen lassen, klar ist zumindest, dass das Wasser und sein Monsterbewohner eine zentrale Rolle spielen. Leider bleibt unklar, woher der Krake kommt und warum er es auf die Inselbewohner abgesehen haben könnte. Wer darauf hofft, dass sogar ein ganzes Monster auftauchen könnte, wird ebenso enttäuscht. Insgesamt reichen die kleinen Andeutungen einer Cthulhu-Kreatur nicht aus, um eine schaurige Wirkung zu erzeugen, wie man sie aus anderen Medien kennt, die mit ähnlichen Motiven spielen.

 

Informationen zu Sacrifice – Der Auserwählte

  • Originaltitel: Sacrifice
  • Laufzeit: ca. 87 Minuten
  • Heimkinostart: ab 7. April 2022 digital, ab 6. Mai 2022 auf DVD und Blu-ray
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Barbara Crampton, Ludovic Hughes, Sophie Stevens, Johanna Adde Dahl

 

Trailer zu Sacrifice – Der Auserwählte

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  • Sacrifice - Der Auserwählte
    Fazit zu Sacrifice - Der Auserwählte

    Alles in allem überzeugt der Film mit seinen Schauspieler*innen und seinen wenn auch oft eingesetzten Kamerawechseln. Die Zuschauenden werden gut in die Irre geführt und zwischen Fakt und Fiktion gehalten. Der Film sorgt auch für Lacher, wirklich gruselig ist der Horrortitel allerdings nicht.

    Ann-Kathrin Günther, Trainee
Wirklich überzeugend unsympathische wie auch psychopathische Charaktere
Relativ überraschender Plot Twist
Gutes Spiel zwischen Traum und Realität

Ab in die Filmsammlung?

Wer bereits alle Horrorklassiker gesehen hat und einen eher seichteren Titel für den Filmeabend braucht, kann gerne auf Sacrifice zurückgreifen.

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Geschrieben von Ann-Kathrin Günther
braucht kein Buch, sie hat schon eins.

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