RUNE II: Decapitation Edition – Test zum brutalen Wikingergemetzel 2.0

RUNE II im Überblick

Online Multiplayer

Couch-Koop / Splitscreen

Mikrotransaktionen

Lootboxen

Onlinezwang

Kostenpflichtiger Seasonpass für DLCs

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Releasedatum: 13. November 2020

Genre: Action, Adventure, Rollenspiel

USK: keine Freigabe

Publisher: Ragnarok Game, LLC

Plattformen: PC

Der erste Teil des Wikingerepos RUNE aus dem Hause Human Head Studios galt damals, Anno 2000, als absoluter Geheimtipp. Umso größer war die Vorfreude, als mit RUNE II der Nachfolger angekündigt wurde. Was jedoch nach dessen Veröffentlichung am 12. November 2019 folgte, war ein Shitstorm – völlig unfertig veröffentlicht, kündigte das Studio kurz nach Release des zweiten Teils seine Schließung an. Wirtschaftliche Gründe sollten damals der Auslöser dafür gewesen sein.  Nun, ein knappes Jahr später, brachten Spieleschmiede Studio 369 und Publisher Ragnarok Game LLC mit der Decapitation Edition eine generalüberholte Version heraus, um den Fans damit das Spiel liefern, was sie verdient haben. Dabei wollen sie die Story und die Erzählweise komplett erneuert und mehr als 250 Quests sowie Nebenquests hinzugefügt haben. Die Welt sollt vergrößert, neue Charakter und Dungeons sowie eine neue Synchronisation eingefügt worden sein. Ob ihnen das gelungen ist und ob sich nun doch endlich ein Blick lohnt, haben wir versucht für euch herauszufinden.

 

Ragnarök naht – man kennt’s

Wer sich etwas mit nordischer Mythologie auskennt, den wird hier keine Geschichte erwarten, die ihn aus den Latschen haut. Es gilt also Loki umzuhauen und Midgard vor dem Untergang zu retten. Kennt man so oder so ähnlich bereits als Wikingerveteran. Doch auch wenn sich das Spiel zunächst als sehr geschichtsträchtiges Geschehen präsentiert, wird nach kurzer Zeit des Spielens klar, dass das nicht der Hauptanspruch des Titels ist. Bevor Heimdall euch zur Pflicht ruft und ihr euch auf den Pfad zu Ruhm und Ehre begebt, müsst ihr eurem Wikinger natürlich erst einmal ein Äußeres verleihen.

Der Charaktereditor kommt dafür zwar mit spartanischer, aber ausreichender Ausstattung daher. Dort könnt ihr Hautfarbe, Frisur sowie Farbe von Haar und Bart und eure Tattoos auswählen und eurem Wikinger einen Namen verpassen. Im Anschluss werdet ihr fast nackend am Ufer einer Insel abgesetzt, wo eure Reise beginnt und euch ein Tutorial durch die wichtigsten Mechaniken führt. An sich ist die Geschichte gut erzählt und man fühlt sich auch durchweg narrativ gut begleitet, allerdings wird dieses Gefühl durch eine recht flache Geschichte, eine schlechte bis nicht vorhandene Übersetzung und eine eher mäßige Synchronisation mit vielen Macken gestört. So wird eine Kiste beispielsweise gern einmal als Brust betitelt oder eine Seherin schläft beim Erklären der nächsten Quest schier ein. Was an sich wirklich schön inszeniert ist, geht dadurch dann doch irgendwie etwas kaputt. Und trotzdem will man irgendwie wissen, was als nächstes auf einen wartet. Trotzdessen, dass die Geschichte keine wirklichen Überraschungen bereithält, unterhält RUNE locker 100 Spielstunden, wenn man sich darauf einlässt und sich einfach auf dem Fluss des eigenwilligen Charmes treiben lässt.

RUNE II

Seid ihr bereit für euer Wikingerabenteuer der etwas anderen Art?


 

Schnetzeln, bis es pladdert

Schnell wird man von RUNE in die Schlacht geworfen und hat innerhalb von Sekunden Blut an seiner Axt kleben – ach, wem mache ich etwas vor – ganze Blutfluten pladdern bei jedem auch noch so kleinen Hieb und Wehwehchen erst einmal in alle Himmelsrichtungen. Was in den ersten Sekunden wie ein Spiel wirken mag, das versucht ein halbwegs authentisches Wikingerspiel zu sein, entpuppt sich dadurch mit einem metaphorischen Faustschlag als brutaler Splatter-Schnetzler. Muss man mögen oder ignorieren können. Hat man sich einmal daran gewöhnt, erweist sich das Kampfsystem als fordernd und spaßig. Zumindest im Prinzip.

An sich ist das System einfach: Die linke Maustaste triggert einen leichten Angriff, während die rechte euch eingehende Angriffe blocken lässt. Die Leertaste lässt euch springen und mithilfe der typischen WASD-Tasten ausweichen. Soweit so gut. Ein Druck auf die linke Steuerungstaste in Kombination mit der linken Maustaste entfesselt einen schweren Angriff. Ein Klick aufs Mausrad öffnet unser Waffenrad. Während der Kämpfe sammelt ihr Energie, die ihr für Fähigkeiten einsetzen könnt. Was an sich sehr intuitiv und simpel ist, gestaltet sich in der Praxis jedoch recht hakelig und nun ja…schnetzelig. So ist es gerade bei legendären Gegnern beziehungsweise Bossen nicht immer leicht, den Lebensbalken oben zu halten und den des Gegenübers möglichst schnell zu leeren. Hinzu kommen einige Bugs und Glitches, die das Geschehen sehr unvorhersehbar und somit mehr als knifflig machen. Generell hangelt ihr euch beim Erkunden der Welt von Mob zu Mob bis ihr letzten Endes bei einem Boss landet, der euch wieder zu einer neuen Reihe von Quests und Mobs führt.

RUNE II

Schnell wird klar – das Spiel nimmt sich selbst nicht ganz so ernst.


 

Eine Siedlung, sie zu knechten…

…in die Welt zu treiben und ewig zu binden. Mag man vielleicht anfangs so empfinden – ganz so ist es aber nicht. Die baubaren Siedlungen stellen mit eines Herzstücke von RUNE II dar und diese müsst ihr auch mit eurem Leben verteidigen. Gegen? Richtig, Mobs. Und die kommen dann und wann in Scharen, um eure mit Blut und Schweiß erbauten Gebäude zu Kleinholz zu verarbeiten. Glücklicherweise gibt es meist einige NPCs, die euch gern dabei unter die Arme greifen, den Eindringlingen richtig auf die Mütze zu geben. Sollten sie mal sterben ist das kein Problem, nach einiger Zeit spawnen sie einfach neu. Praktisch! An die nötigen Ressourcen, um eurer Heim zu erbauen, kommt ihr indem ihr mit einer Arbeiteraxt geschmeidig ein paar Bäume, Gegner oder Steine umhaut. Gegner könnt ihr alternativ aber auch mit allem anderen plätten, was ihr so findet – ja, auch mit Gebeinen und ähnlichem. Wirklich mit allem. Ihr könnt auch so ziemlich alles werfen, wenn es euch überkommt. Aber zurück zur Siedlung. Das Dörfchen bildet euren sicheren Hafen, an den ihr jederzeit von euren Reisen zurückkehren und euch neu rüsten könnt. Naja, könnt ist gut. Ihr müsst eigentlich sogar, da ihr anfangs ziemlich darauf angewiesen seid, immer wieder neue Dinge in der Schmiede herzustellen oder eure alten am Schleifstein zu reparieren. Später könnt ihr aber auch an anderen Stellen der Welt weitere Gebäude und Konstrukte bauen, die euch das Erkunden etwas erleichtern.

Ein riesiger Pluspunkt ist die unglaublich detaillierte, wirklich riesige und vielseitige Open World, die förmlich dazu einlädt, sie stundenlang zu durchstreifen und auch noch die kleinsten Geheimnisse zu entdecken. Denn auch, wenn es zunächst nicht ganz so wirkt, merkt man gerade hier, wieviel Arbeit wirklich in diesem Projekt steckt. Es wirkt, als stecke in jedem Winkel eine kleine Geschichte und als gäbe es überall etwas zu entdecken. Und so verbringt man sehr viel Zeit damit, einfach durch die Gegend zu streifen und zu schnetzeln, weil es irgendwie auf seine eigene, eigenartige Art und Weise unterhält. Da verzeiht man auch die ganzen Gegenstände, die irgendwo in der Luft hängen oder die Gegner, die einen auch nach ihrem Tod irgendwie noch gerne umarmen und eine Weile begleiten.

RUNE II

Auch auf die Hohe See könnt ihr euch begeben.


 

RUNE II als Decapitation Edition – Aus der Asche auferstanden?

Um es kurz zu machen: Jaein. Man merkt zwar wieviel Arbeit das neue Team in das Projekt gesteckt hat und mit wieviel Mut und eisernem Willen sie besser machen wollten, was in der Vorjahresversion alles schiefgelaufen ist. Alles in allem ist ihnen das auch gelungen. RUNE II ist im neuen Gewand ein durchaus solides Spiel, das dem, dem es gefällt, viele viele Stunden Spielspaß bringen kann. Dennoch hat es nicht unwesentlich viele Macken, die man leider aufgrund der Schwere auch nicht ganz außer Acht lassen kann.

Viele Bugs und Grafikfehler machen das Ganze zwischendurch zu einer Tortur, die im schlimmsten Fall mit einem kompletten Spielcrash endet und der erspielte Charakter durch Zauberhand auf Level 1 zurückgesetzt wird. Nervig und wirklich spaßraubend. So sollte ein Spiel eigentlich nicht veröffentlicht werden. Dennoch darf man nicht vergessen, wie unglaublich riesig und vollgestopft mit Inhalten RUNE II eigentlich ist. Bei der Spieleschmiede handelt es sich auch noch um ein recht kleines Team, was man auch nicht außer Acht lassen sollte. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man die komplette Kampagne auch mit befreundeten Wikingern im Koop bestreiten kann. Hat man in seinem Freundeskreis solche Wikinger, erlebt man ein je nach Spieleranzahl skalierendes absolutes Chaos, das dem Spiel eine nochmal etwas andere Würze verleiht. Man hat zwar auch die Möglichkeit online anderen Servern beizutreten, jedoch hatte ich persönlich leider nie das Glück einen offenen zu finden. Hier sehe ich noch mehr Potenzial, dass sich charmant mit dem restlichen Bild des Spieles verbinden könnte.

*Die Amazon-Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekommt die Redaktion von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

 

Positiv:

Gut eingefangene Atmosphäre mit tollem Narrativ und typischem Wikingergefühl
Zackiges und herausforderndes Kampfsystem, das nach einer Weile gut in Fleisch und Blut übergeht
Unglaubliche Menge an Spielinhalten, sodass man bei Gefallen gut und gerne mehrere 100 Spielstunden investieren kann
Im Mehrspielermodus extrem lustig und herausfordernd, sofern man genügend Spieler findet

Negativ:

Viele Bugs, Grafikfehler und Crashes, die einem den Spielspaß mitunter versauen
Spiel, warum auch immer, nur zum Teil ins Deutsche übersetzt - der Rest verbleibt auf Englisch
Sämtliche Features wirken etwas unfertig oder nicht zuende geplant, sodass sich vieles am Gameplay etwas umständlich anfühlt
Oftmals Tonfehler und teils eine sehr holzige und seltsame Synchronisation
Im Einzelspielermodus wird es nach einer Weile schnell langweilig und trist
[testimonial_slider arrows=”false”][testimonial image_url=”123432″ image_width=”180″ image_height=”180″ name=”Alexander Schürlein, Redakteur”]
“Tja, was soll ich sagen. RUNE II hinterlässt bei mir ein Gefühl, dass ich das erste Mal hatte, als ich damals Gothic gespielt habe: In Kern baut das Ganze auf einer wirklich guten Idee mit einem tollen Konzept auf, wird jedoch in der Praxis von seinem eigenen Umfang schier besiegt. Gefühlt hat sich das Studio mit ihren Plänen etwas übernommen und das Spiel einen Ticken zu früh auf den Markt gebracht. Diese Tatsache, gepaart mit einem sehr eigenwilligen Charme, macht es schwierig das Projekt wirklich richtig objektiv zu bewerten. Es ist schlicht und ergreifend ein Stil, den man mögen muss oder eben nicht. Sollte es Studio 369 allerdings gelingen, die vielen Bugs und Fehler in Zukunft noch auszubügeln, hat RUNE II definitiv das Potenzial seine Anhänger zu finden – ähnlich wie damals Gothic seiner Zeit.
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Ab in die Sammlung?

Für rund 30 € ist das Spiel leider zu unfertig. Im Sale würde ich allen, die dem etwas extravaganten Charme des eigenwilligen Wikingersplatters etwas abgewinnen können, durchaus dazu raten zuzugreifen.

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Geschrieben von Alexander Schürlein
kämpft als Krieger des Lichts für Eorzea.

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