RONIN – Review zum Ninja Action-Platformer

Das Indie-Spiel des Entwicklers Tomasz Wacławek wird oft mit dem Spiel Gunpoint, aus dem Hause Suspicious Developments verglichen. Sie sehen sich zumindest sehr ähnlich. Gunpoint ist ein Stealth-Puzzle Game, Ronin ist eher ein Action-Platformer. Was in dem Spiel so abgeht und ob es etwas für euch ist, erfahrt ihr in unserer Review.

 

Ziehe los und töte!

Storytechnisch sieht es in diesem Spiel eher mau aus. Schon zu Beginn bekommt man keinerlei Informationen, was eigentlich los ist und wieso wir irgendwelche Daten hacken sollen. Das Bild, welches im Ladebildschirm eines jeden Levels gezeigt wird, macht aber deutlich, dass es wohl jeweils um die eingekreiste Person geht. Diese gilt es, zu töten. Und alles, was uns dabei in den Weg kommt, ebenso. Wir spielen eine junge Frau, die scheinbar Rache üben will und das hat es in sich. Sie kommt im Ninja-Style daher, gepaart mit einem Motorrad Helm, denn am Ende eines jeden Levels schwingen wir uns stilvoll auf unser Motorrad und sausen mit quietschenden Reifen in die Nacht davon. Dadurch, dass man rein gar nichts über die Personen erfährt, die im Laufe der „Story“ vorkommen, können wir nicht einmal ansatzweise eine Beziehung zu selbigen aufbauen. Das heißt im Klartext: mir war das Schicksal der Personen völlig egal, sie hatten keine Funktion, das Spiel wurde zu einer „Ich bringe mal eben alle in diesem Level um“ Erfahrung.

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Hier sehen wir, wen wir als nächstes töten müssen.

 

Eine Jump-Orgie durch die Gebäude

Zu Beginn geht es gleich mit einem Tutorial los, was mir persönlich nicht besonders geholfen hat, da die Hinweise kurz auf dem Monitor eingeblendet werden und dann wieder verschwinden. Wirklich informativ sind diese auch nicht. Nachdem ich „benutze, die Maus um zu springen“ angezeigt bekam, war ich erst einmal verwirrt und habe 3 Minuten gebraucht, um herauszufinden, dass ich die linke Maustaste gedrückt halten muss, um sie dann auf und ab bewegen zu können, um meine Landeposition zu wählen. Nicht besonders hilfreich also. Der Enterhaken, den man ziemlich schnell in sein Basic-Equipment hinzubekommt, hat zumindest bei mir auch nicht immer getan, was er sollte. In Ronin geht es um eine Ninja, also vermutet man hier gewisse Stealth-Techniken. Unterm Strich bleibt dies jedoch komplett aus, da man meistens in den Kampf gezwungen wird, sobald man entdeckt wurde, bzw. jemanden angegriffen hat. Dann haben einen gleich auch alle Bösewichte aus einem Raum gesehen, egal wie weit diese wegstehen. Das Springen ist nicht intuitiv und erfordert einiges an Versuchen, bis man mal jemanden getötet hat. Der Spielverlauf, bzw. der Erfolg zum Beenden eines Levels hängt nur von den Kämpfen ab. Passt man nicht auf, wird man mit einem Schuss ins Nirvana befördert und darf vom letzten Checkpoint aus starten. Das Spiel hat anfangs eine ziemliche Frustration bei mir hervorgerufen, denn wenn man zum Beispiel nicht schnell genug alle Gegner in einem Raum ausgeschaltet hat, wird ein Alarm aktiviert und das Gebäude befindet sich dann im „Lockdown“ und man hat direkt eine Aufgabe verhauen. Man muss nämlich alle Aufgaben eines Levels erledigen um einen Skillpunkt zu erhalten.

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Wenn wir nicht schnell genug alles töten, befindet sich ein Gebäude im Lockdown und eine Aufgabe wird somit nicht erfüllt.

 

Das Skillen ist des Gamers Freude

Bis jetzt habe ich noch nicht wirklich etwas Positives über das Spiel verloren, allerdings muss ich den Skills ein Lob aussprechen. Diese sind spaßig und auch im Spielverlauf sehr nützlich. Wenn man sie denn bekommt, aber hierzu gleich mehr. Es gibt viele verschiedene Fähigkeiten, die man im Laufe des Spiels erwerben kann, unter anderem einen Stealth-Kill von der Decke aus, oder einen, wo man Schwerter im Sprung auf den Gegner feuern kann, oder aber einen Fächer aus Messern. Der Haken an der Sache ist der, dass man nur einen Skillpunkt bekommt, hat man alle Aufgaben innerhalb eines Levels erledigt. Scheitert man, ist der Skillpunkt dahin und man kann von vorne anfangen, oder aber eben ohne den Skillpunkt auskommen. Das Spiel ist allerdings ungemein frustrierend hat man nur seine Basics, die das Springen und das Zuschlagen mit dem Schwert beinhalten. Es ist ein wenig irritierend, dass man in einem Spiel dafür arbeiten muss, dass es hinten heraus Spaß macht, aber dieser am Anfang komplett ausbleibt, weil es einfach nach dem Trial und Error Prinzip verläuft. Und das tut es in diesem Spiel auf jeden Fall.

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Die Übersicht aller Skills.

 

Ein Jingle für zwischendurch

Was den Stil des Spiels angeht, so ist es wirklich schön gestalten. Es ist atmosphärisch und die kleinen Animationen und Effekte sind schon ziemlich auf den Punkt getroffen. Auch wie wir uns an den Decken oder Hauswänden fortbewegen, ist sehr schön animiert und dargestellt. Das Spiel ist sehr minimalistisch und auch die leicht Techno angehauchte Hintergrundmusik gestaltet das Ganze auf jeden Fall zum Positiven mit. Was wirklich gelungen ist, sind so kleine Zwischensequenzen, wenn man sich im Fahrstuhl befindet: unten überall Leichen und Blut, im Aufzug wird ein freudiger Jingle gespielt. Perfekt! Um noch einmal auf Gunpoint zurückzukommen: wer es gespielt hat, der wird sofort sehen, dass die beiden Spiele auf den ersten Blick sehr, sehr ähnlich aussehen. Beim zweiten Hinschauen, oder spätestens beim Spielen merkt man aber, dass die Mechanik eine etwas andere ist und sie heben sich doch wieder voneinander ab.

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Das Spiel ist atmosphärisch sehr schön anzusehen.

 

Fazit:

Das Spiel ist sicherlich eine gute Unterhaltung für ein paar Stunden am Wochenende, oder einfach unter der Woche zwischendurch. Wenn man möchte, ist das Spiel innerhalb von 5 Stunden durchgespielt, da es insgesamt über 15 Level verfügt. Wenn das Spiel funktioniert, macht es immensen Spaß, aber mich hat es jetzt nicht wirklich längerfristig fesseln können. Oder ich muss es anders ausdrücken: ich hatte nicht wirklich Lust mich stundenlang mit diesem Trial und Error-Prinzip auseinanderzusetzen. Leute, die daran Spaß haben und dieses Spielprinzip als Herausforderung sehen, vielleicht noch gerne sinnlos töten, sind hier auf jeden Fall wirklich gut bedient. Wer mehr Schleich-Action haben will und gerne Levels und ihre Gegner manipuliert, der sollte vielleicht eher zu Gunpoint greifen.

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Geschrieben von Thomas Solzic
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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