Rogue Hostage

Kritik zum trägen Action-Thriller

Wenn man Namen liest wie Tyrese Gibson und John Malkovich, dann hält man kurz inne, um zu schauen, welcher Film sich hinter “Rogue Hostage” verstecken könnte. Und wenn man zusätzlich noch sieht, dass ein Michael Jai White mitagiert, beginnen die Gedanken zu rotieren und sich einen ziemlich interessanten Action-Thriller auszumalen. Eine kleine Spoilerwarnung direkt zu Beginn. Die Vorstellungen, die ich mir vorher gemacht hatte, konnten leider nicht erfüllt werden. Und das bei dieser Top-Besetzung! Woran das lag, sollten wir uns genauer anschauen.

 

Die Story von Rogue Hostage

Fangen wir doch erst Mal am Anfang an. Wovon handelt der Film überhaupt? “Rogue Hostage” handelt von Kyle Snowden, gespielt von Tyrese Gibson. Dieser war Marine und diente für die US-amerikanische Armee. Auf einem Einsatz starb einer seiner Kameraden aufgrund von “Friendly Fire” durch Kyle, was tiefe innere Wunden hinterließ, von denen er sich noch nicht erholt hat. Jetzt arbeitet er beim Sozialdienst und kümmert sich um Kinder, welche in problematischen Situation stecken. Nebenbei hat ihn auch noch seine Frau verlassen. Warum, erfahren wir als Zuschauende nicht wirklich. Damit ist Kyle allein verantwortlich für seine kleine Tochter. Kyles Stiefvater, Sam Nelson, gespielt von John Malkovich, ist Kongressabgeordneter und besitzt ein gut angehäuftes Vermögen, welches auf seinen verschiedenen Supermärkten basiert. Auf dem Rückweg von der Arbeit, wo Kyle und einer seiner Kolleginnen einen kleinen Jungen gerettet haben, machen sie Halt bei einem der Supermärkte. Sam und Kyles Tochter sind auch an Ort und Stelle, da Sam eine Pressekonferenz abgeben wird, um die Stimmen seiner Wähler*innen zu sichern. Doch was keiner zu ahnen scheint, ist, dass eine Gruppe von Entführern den Supermarkt besetzen und sich an Sam rächen wollen. Der hat nämlich den Vater des Anführers, Eagan Raize, betrogen, der dann 18 Jahre im Gefängnis saß. Nun liegt es an Kyle, seine Familie und die Unschuldigen zu retten.

 

Unsere Kritik zu Rogue Hostage

So weit, so gut. Auf den ersten Blick klingt die Prämisse für einen Action-Thriller recht spannend. Ein traumatisierter Ex-Marine, der aufgrund seiner Erlebnisse Waffen nicht mehr benutzen kann. Viel mehr noch, er reagiert panisch bei der reinen Anwesenheit derer. Eine Gruppe fanatischer Entführer und ein Betrug, der fast zwanzig Jahre zurückliegt. Dazu noch ein paar von Hollywoods bekanntesten Gesichtern, wenn es um Action geht. Leider wird bei genauerer Betrachtung klar, dass seltsamerweise der Film nicht zu funktionieren scheint.

Puzzlestücke, die nicht zusammenpassen wollen

Wenn man wirklich böse sein möchte, könnte man behaupten, der Film wisse nicht, was er eigentlich sein möchte. Für einen Action-Film gibt es zu wenige Actionszenen und die wenigen, die dann auftauchen, sind nicht ansatzweise spannend oder gut choreografiert. Beispielsweise gibt es eine Szene, in der einer der Entführer Kyle in einem amerikanischen Einkaufswagen verfolgt, nur um am Ende keine Munition mehr zu haben und auf Kyle mit dem Einkaufswagen in Schrittgeschwindigkeit draufzustürmen. Kyle bewirft den Komplizen mit einem Molotov-Cocktail und damit war die Szene auch schon vorbei. Ob die Szene slapstickmäßig lustig sein soll, wie in vielen heutigen Filmen, wage ich zu bezweifeln. Dafür haben sich die Figuren zu ernst genommen und auch die Atmosphäre wirkte überaus dramatisch und drückend. Jedoch erschien mir das ganze nur lächerlich. Für einen Thriller fehlt über den gesamten Verlauf die Spannung. Zwar befinden sich schnell die gesamten Besucher des Supermarktes in Gefahr, aber da man sofort merkt, dass die Entführer nur Sam wollen und viele wieder freigelassen werden, geht die ganze Spannung verloren. Dass die gesamte Handlung an einem Ort stattfindet, hätte durchaus Anreize bieten können für wuchtige Actionszenen. Aber die Wahl auf einen Supermarkt ging nach hinten los. Auch wenn ein Politiker und viele Unschuldige in Gefahr sind, verliert sich die Wichtigkeit in der Gleichgültigkeit des Handlungsortes. Für Kyle, unseren Protagonisten, steht nicht einmal mehr viel auf dem Spiel. Seine Tochter wird früh freigelassen und die Kollegin und Freundin stirbt in der fast ersten Konfrontation. Nur den Jungen, den er gerade kennengelernt hat und der Stiefvater, den er nicht leiden kann, sind wirklich von ihm abhängig.

Figuren genauso verloren wie die Handlung

Wie schon erwähnt muss Kyle sein Trauma bekämpfen, damit er sich gegen die Entführer behaupten kann. Diese Idee wurde für meinen Geschmack aber zu fadenscheinig umgesetzt. Es gibt ein paar Szenen und Sequenzen, in denen man den inneren Konflikt von Kyle mitbekommt, jedoch kommen diese viel zu kurz oder sind viel zu schnell gelöst. Auf einmal kann Kyle doch kämpfen und töten, um andere zu retten und zu beschützen. Dass das viel zu kurz kommt, liegt eindeutig an den Nebenfiguren. Diese kommen viel zu dominant vor. Unzählige Dialoge, die nichts zur Handlung beitragen und Figuren, über die wir nicht viel erfahren. Es gibt auf jeden Fall eine Diskrepanz zwischen den Anteilen der Hauptfiguren und den Nebenfiguren am Film. Kyles Stiefvater, Sam, ist auch ein seltsamer Charakter. Zuerst wirkt er wie ein schleimiger Politiker, der nur seine Wiederwahl im Kopf hat. Doch macht er sich viele Gedanken um Kyle und seine Enkelin und will nur das Beste für sie. Gleichzeitig wird aber offenbart, dass er seinen ehemaligen Partner betrogen hat? Dazu sind alle seine Dialogfetzen kaum zu zuordnen. In einem Satz kommt eine sarkastische Bemerkung, doch am Ende befreit er die Gefangenen aus dem Supermarkt. Und dann auf einmal versöhnen sich Kyle und Sam ohne Grund. Wen soll John Malkovich hier porträtieren? Ähnlich geht es dem Bösewicht aus “Rogue Hostage”. Wir sehen Eagan zuerst, wie er sich auf seine Rache an Sam vorbereitet. Dann wird von einem Manifest á la Charles Manson geredet und es fallen rassistische Bemerkungen gegen die farbigen Mitarbeiterinnen des Supermarkts. Später stellt sich heraus, dass Eagan vorhatte, mit dem gesammelten Geld zu verschwinden, aber er wollte unbedingt Sunshine mit sich nehmen. Ob er in sie verliebt war oder was der Grund für diese Entscheidung sein sollte, wird einem nicht erkenntlich gemacht. Auf jeden Fall ist Eagan, was seine Motive angeht, ein Mix aus allem, was den Filmschaffenden eingefallen zu sein scheint.

Was kann man also mitnehmen?

Nicht viel, wenn man mich fragt. Das Schlimmste, was der Film eigentlich macht, ist der Figur von Michael Jai White fast keine Aufmerksamkeit zu schenken. Zwar ist er der Grund für Kyle am Ende doch die Pistole zu verwenden, Michael Jai White hätte aber durchaus behilflich sein können, um für die ein oder andere actionreiche Kampfszene zu sorgen. Wenn man sehr genau mit zugekniffenen Augen hinschaut, könnte man tatsächlich eine leichte Gesellschaftskritik erkennen. Das Motiv der verlorenen Kinder, die ohne Familie aufwachsen und vom amerikanischen Sozialsystem in Stich gelassen wurden, taucht durchaus öfter auf. Falls das gewollt war von den Machern des Films, dann kam die Message an. Es kann aber auch gut sein, dass ich in einem Film mit solcher Prominenz versuche, dass Beste rauszuholen.

 

Informationen zu Rogue Hostage

  • Originaltitel: Rogue Hostage
  • Laufzeit: ca. 93 Minuten
  • Heimkinostart: 07. Oktober 2021 digital/ 14 Oktober 2021 TVOD
  • Altersfreigabe (FSK): ab 16 Jahren freigegeben
  • Besetzung: Tyres Gibson, John Malkovich, Michael Jai White

Trailer zu Rogue Hostage

  • Rogue Hostage
    Fazit zu Rogue Hostage

    Viel Gutes kann ich leider nicht zu Rogue Hostage sagen. Die Action ist nicht actionmäßig genug und für einen Thriller gibt es kaum etwas, das man Spannung nennen könnte. Die Idee schien anfangs interessant zu sein, kommt aber nicht aus sich selbst heraus und verliert sich in der Menge von unnötigen Nebenfiguren und Hauptfiguren, die alles gleichzeitig sein wollen.

    Alexander Weinstein, Redakteur
Keine Action ohne Michael Jai White
Wieso möchte Eagan Charles Manson sein?
Die Handlung findet nur in einem Supermarkt statt, das sagt alles über die Spannung aus
Gebt Tyrese Gibson doch einfach ein schnelles Auto

Ab in die Filmsammlung?

Nee Leute, diesen Film könnt ihr auch auslassen, guckt euch lieber nochmal etwas von Michael Bay an oder so.

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Deine Meinung?
00
Geschrieben von Alexander Weinstein
Hat den Kesselflug in weniger als 10 Parsec geschafft

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